Posts mit dem Label Design werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Design werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

NEU IM NETZ: WUNDERSCHÖNE KERAMIK VON MOTEL A MIO

Irgendwann war da diese Email in meinem Postfach. Eine Einladung zum Pop-up-Sale von Motel a Mio. Schöne Keramik, dachte ich, und ging hin – eigentlich nur, um einmal kurz zu gucken. Woraus ein sehr langer Nachmittag wurde. Gefolgt von einem zweiten und schließlich dritten Besuch im temporären Laden der beiden Münchnerinnen Anna von Hellberg und Laura Castien. Seit diesem Wochenende wohnen roséfarbene Schüsselchen, schwarze Teller und zwei große hellgraue Obst-Schüsseln in unserer Küche. Und so kopflos die Motel a Mio-Liebe auch gewesen sein mag: Bereut habe ich meinen Rieseneinkauf nie. Ich freue mich einfach so über Dinge, die den Alltag ein bisschen schöner, besonderer, feierlicher machen. Wie meine beiden Lieblingskaffeebecher, die ich damals auch gekauft habe. Sie sind groß und schwer und haben besonders breite Griffe. Der eine hat oben rechts eine kleine Delle, der andere nicht. Morgens im Sonnenlicht sehen sie Knallorangerot aus, abends eher Rostrot. Bloß zwei Kaffeebecher und doch freue ich mich jeden Tag über sie. Und weil es seit heute endlich einen Onlineshop gibt, Motel a Mio diese Woche auch wieder zu Besuch in Berlin ist und ich gerne wissen wollte, wer die Frauen hinter dieser so wunderschönen Keramik sind, habe ich den beiden 35-jährigen Macherinnen Anna und Laura ein paar Fragen gestellt. Vielleicht geht es euch ja wie mir und es ist Liebe auf den ersten Blick. 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Motel a Mio zu gründen? 

Anna von Hellberg und Laura Castien: Tatsächlich war es entweder Zufall oder Schicksal. Wir waren mit unseren Familien in Portugal im Urlaub. Da uns nicht nur unsere Freundschaft, sondern auch die Liebe zu gutem Essen verbindet, sind wir immer auf der Suche nach tollen Restaurants. So saßen wir dann in dieser coolen kleinen Strandbar vor köstlichem Essen, das auf wunderschönen Tellern serviert wurde. Und da war es um uns geschehen. Wir haben uns gleich am nächsten Tag auf die Suche nach dem Hersteller gemacht und ganz spontan ein bisschen was eingepackt. Dann ging es zurück nach München. Dort haben wir unseren ersten Pop-up-Sale im Glockenbachviertel veranstaltet – gleich nach dem ersten Tag war alles ausverkauft! Das war wirklich unglaublich. Wir waren so begeistert, dass wir wieder nach Portugal geflogen sind und mehr Teile gekauft haben. So kam das eine zum anderen.

Betreibt ihr Motel a Mio jetzt hauptberuflich?
Im Moment arbeiten wir beide noch nebenher. Anna arbeitet als Art-Direktorin bei Triumph und ist Mutter von einer Tochter, Laura arbeitet als freie Grafik-Designerin und Illustratorin und ist Mutter von zwei Töchtern. Unser Plan ist es aber, uns bis Ende des Jahres voll auf Motel a Mio zu konzentrieren. Wir sind jetzt langsam an einem Punkt, an dem man sich entscheiden muss – entweder ganz oder gar nicht.

Habt ihr am Anfang lange überlegt oder war das eher eine Bauchentscheidung? Und musstet ihr etwas aufgeben dafür?
Es war eine absolute Bauchentscheidung! Viel mussten wir nicht aufgeben – irgendwie ist man in unserem Alter doch oft an einem Punkt, an dem man sich denkt „What’s next“? Wir können diese Frage jetzt für uns mit „Motel a Mio“ beantworten, das ist ein echtes Geschenk!

Hattet ihr vorher schon Erfahrungen mit Geschirr oder im Unternehmerinnensein? 
Wir lieben gutes Essen, und da isst das Auge ja bekanntlich mit, insofern haben wir uns schon immer für all die schönen Dinge rund um den Esstisch interessiert. Beruflich haben wir uns vorher allerdings nicht mit Keramik befasst. Der Einstieg ins Unternehmersein wurde uns auf dem Keramik- statt Silberteller serviert, als wir uns beim Mittagessen am Strand in die portugiesischen Tellerchen und Schälchen verliebt haben. Das war unser Aha-Moment.

Was für Geschirr verkauft ihr genau? 
Wir verkaufen Steinware, die in Portugal gefertigt und handbemalt wird. Dadurch entstehen echte Einzelstücke und kein Teil gleicht dem anderen. Auch die Möglichkeiten, was Farben und Formen betrifft, sind so quasi unbegrenzt. Unser Angebot reicht von Mini-Schälchen über Teller, Tassen und Bowls bis hin zu großen Servierschalen, Karaffen und Kännchen. Unsere erste eigene Linie „Areia“ ist in vier verschiedenen Farben erhältlich. Zur Auswahl stehen ein pastelliges Mint, lebhaftes Azur-Blau, ein volles Dunkelgrün namens Teal und unser hübsches Pink. Ganz eigene Designs in völlig neuen Formen kommen im November und Dezember dazu – darunter auch Home-Accessoires wie Vasen und Lampen.


Wer sind eure Produzenten? 
Unsere Produzenten sind kleine, teils familiengeführte Unternehmen in der Nähe von Lissabon. Portugal hat eine sehr starke Keramik-Tradition – man denke alleine an all die wunderschönen Kacheln und Fliesen, die sich an so vielen portugiesischen Gebäuden wiederfinden. Es gibt sogar eine eigene Keramik-Route, die besonders schöne Arbeiten in verschiedenen Städten aufzeigt. Unser Eindruck ist, dass das Keramikgewerbe dort auch heute noch (oder: wieder) floriert, das Interesse an individuellem Geschirr und Home-Accessoires steigt ja immer mehr.



Sind eure Entwürfe dann auch traditionell?
Unsere Entwürfe sind eher modern, aber wir lassen uns immer gerne von unseren Produzenten und den Designern vor Ort beraten. Eines haben wir dabei auf jeden Fall schon gelernt: Zwischen dem, was man sich auf dem Papier vorstellt und der tatsächlichen Herstellung von Keramik liegen oft Welten, vor allem was Farben und Farbmischungen betrifft. Der Brennprozess und die Reaktion von Rohmaterial und Glasur sind nicht immer berechenbar. Daher dauert es auch seine Zeit, bis wir uns für eine perfekte Farbe oder ein perfektes Design entschieden haben… 

Bislang habt ihr Pop-up-Stores in verschiedenen deutschen Großstädten gemacht. Wieso habt ihr euch für dieses Konzept entschieden? 
Das Konzept der Pop-up-Sales ist aus unserer Anfangs-Historie entstanden. Wir haben uns einfach herangetastet und für uns entschieden, dass es momentan das Richtige ist. So haben wir die Möglichkeit, in verschiedenen Städten zu sein, coole Locations auszuprobieren und müssen uns nicht auf einen Ort festlegen. Für uns sind diese Sales fast eine Art Roadshow: Wir zeigen den Leuten wer wir sind, wie wir ticken und was wir im Angebot haben. Im Gegenzug haben wir so auch die Möglichkeit, die Leute kennenzulernen, die wir mit unserer Begeisterung für schöne Keramik aus Portugal anstecken konnten. Und viele glückliche Gesichter zu sehen – das lieben wir besonders. 

Bleibt es künftig dabei oder habt ihr noch andere Pläne? 
Zusätzlich zu den Pop-up-Sales gibt es einen Onlineshop – darauf freuen wir uns schon riesig! Ab heute gibt es dort unsere eigenen Kreationen zu erstehen, bequem von zu Hause aus. Und vom 22. – 24. September machen wir wieder einen Sale in Berlin. Köln soll übrigens unser nächster Stopp werden – falls jemand einen Location-Tipp hat: immer her damit!

Wie kommt ihr auf die Formen und vor allem Farben eurer Keramik? Ich habe solche Farben vorher noch nie gesehen…
Da spielt das besondere portugiesische Keramikhandwerk eine große Rolle – wir waren auch von Anfang an von den wunderschönen Farbverläufen fasziniert. Die handwerklichen Techniken unserer Produzenten machen so schöne Glasuren möglich und geben uns natürlich perfekte Voraussetzungen, unsere Ideen umzusetzen. 

Welche Stücke stehen gerade auf eurem Küchentisch?

Unser derzeitiger Liebling ist unsere „Areia“ Kollektion – wir kombinieren wahnsinnig gerne die verschiedenen Farbtöne miteinander. So entstehen tolle, individuelle Tischsets, auf die wir wirklich stolz sind. Aber es ist schwierig, sich da dauerhaft festzulegen. Gerade wenn wir wieder neue Kreationen geliefert bekommen, tauschen wir gerne auch mal aus. Will ja alles getestet und für gut befunden sein.

Den Onlineshop von Motel a Mio findet ihr hier. Der nächste Pop-up-Store eröffnet von Freitag bis Sonntag (täglich von 11-19 Uhr, sonntag von 11-16 Uhr) in Berlin, Kastanienallee 19.

NEUES (UND ALTES) FÜR DIE WÄNDE: NEUN LIEBLINGSPRINTS


Das Schöne an einem Umzug: Man mistet endlich mal richtig aus. Und hat einen Vorwand, die Wände neu zu behängen. Hier sind ein paar Prints, die mir gut gefallen – vielleicht seid ihr ja gerade auch auf der Suche.

1) „Green Leaves” von Desenio. Seit unserem Umzug bin ich total pflanzenverknallt. Ich habe mir ein paar Töpfe zugelegt und dann noch ein paar mehr. Und freue mich jeden Tag über sie. Über meinem kleinen Garten hängen diese grünen Blätter.
2)  „Leaf lines (blue)” von Silke Bonde. So schön zart.
3) „Black &” von Desenio. Ich mag Unds, deswegen hängt dieses über meinem Schreibtisch.
4) „Tiger” von Fine Little Day. Diesen Tiger habe ich beim Rumstöbern auf Ink + Olive entdeckt. Jetzt bewacht er unser Schlafzimmer.
5) „Monstera Three” von Desenio. Ich sag ja: pflanzenverknallt.
6) „Above the Clouds” von Christoph Abatzis über Junique, weil Wolkengucken immer eine gute Idee ist.
7) „Finds” von Fine Little Day. Diese Fundstücke erinnern mich an die Dänemark-Urlaube meiner Kindheit, die wir hauptsächlich damit verbrachten, Schätze zu sammeln. Vom Wasser abgeschliffene Scherben, besonders runde oder pechschwarze Steine, manchmal auch einen klitzekleinen Bernstein. Meine Sammlung sah allerdings nie so hübsch aus.
8) Das „Enjoy it” von Petersen hängt schon lange an meinen Wänden und findet immer wieder einen neuen Platz.
9) „In voller Blüte” von Lumelena. Für immer blühende Rosen, weil ich die leise Melancholie dieses Bildes sehr mag.

Was hängt denn an euren Wänden? 
Kommt gut in die Woche!
MerkenMerken
MerkenMerken

MACHERINNEN: FARROW & BALL-KREATIVDIREKTORIN CHARLOTTE COSBY IM GESPRÄCH ÜBER QUEREINSTIEGE, DEN CHARAKTER VON FARBEN UND DIE NEUESTEN TRENDS





Die Wände in allen meinen Wohnungen waren immer weiß. Bis auf das Kinderzimmer in der letzten Wohnung, das in einem so hellblauen Hellblau gestrichen war, dass es eher die Ahnung einer Farbe war als wirklich eine. Vielleicht liegt es am Umzug oder mir ist ein Mut gewachsen, den ich bisher nicht hatte. Vielleicht habe ich auch einfach nur zu lange auf die Farrow & Ball-Farbkarte gestarrt. Auf der stehen 132 Farben, die Elephant´s Breath oder Yellowcake heißen und die so aussehen, dass man unbedingt wissen will, wie es sich in Räumen leben würde, die mit ihnen gestrichen sind. Von Wänden umgeben, auf die ein Elefant geatmet hat. Jedenfalls beschloss ich, dass die Wände in der neuen Wohnung nicht überall weiß bleiben sollen. Dass aus den Rechtecken auf der Farbkarte Räume werden. Bist du dir sicher, fragte er. Ich mich auch, wenn ich den Kopf wieder eingeschaltet habe. An Farben kann man sich übersehen. Und was, wenn sie dann doch nicht gut aussehen. Weiß sieht ja auch schön aus. Außerdem sind die Preise für Farrow & Ball-Farben ganz schön Prada. Aber der Wunsch blieb. Und am Ende siegte die Verknalltheit. Es musste einfach sein. Ich habe uns ein paar Musterdosen gekauft, geschaut, welche Farbe funktioniert und welche nicht, und wie das Licht auf ihnen spazierengeht. Und dann haben wir das Wohnzimmer doch nicht wie geplant Stiffkey Blue, sondern Hague Blue gestrichen (das Dunkelblau war seine Idee und jetzt mag ich es so sehr). Und die Kinderzimmer in Dimpse – einer Farbe, die aussieht wie frische Luft, ganz klar, aber nicht kalt. Und das Bad in Peignoir, einem sehr grauen Rosa oder doch eher rosafarbenen Grau? Jedenfalls: meiner Lieblingsfarbe. Zu meiner großen Freude hat mir Farrow & Ball einen Teil der Farben, die ich dafür brauchte, zur Verfügung gestellt. Und jetzt? Weiß ich, wie wirksam Farbtherapie ist. Als nächstes werde ich unseren Küchentisch streichen. Die Farbe dafür habe ich schon gekauft. Sie ist ein bisschen irre für einen Küchentisch, aber wir können es kaum erwarten. Irgendwann, sobald die Umzugskistenberge abgearbeitet sind, werde ich hier Fotos zeigen. Vorab gibt es jetzt ein Interview mit Charlotte Cosby. Sie ist Kreativ-Direktorin der britischen Firma, die 1946 in Dorset gegründet wurde. Ich habe ihr ein paar Fragen über ihren Job und all die Dinge gestellt, die mir beim Farben-Herumüberlegen in den Kopf kamen. Vielleicht interessiert euch das ja auch...

Sie sind Creative Director bei Farrow & Ball. Wie kommt man an so einen Job? 
Charlotte Cosby: Ich habe an der Uni Management studiert und gleich danach in einer Bank zu arbeiten begonnen – um herauszufinden, dass mich Analysen des Schweizer Marktes nicht wirklich interessieren. Also habe ich meine Sachen wieder gepackt und bei einer Londoner Werbeagentur als Planerin angeheuert – um herauszufinden, dass mich das Kreative viel mehr interessierte. Also habe ich für eine Innenarchitektin und für eine Galerie gearbeitet, bis ich, im zarten Alter von 23, meinen Hafen bei Farrow & Ball fand. Ich fühlte mich wie ein Kind in einem Süßigkeitenladen voller Farben und Muster und beobachte jetzt schon zehn Jahre lang, wie die Marke sich entwickelt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus? 
Ich habe einen dieser Jobs, in dem kein Tag dem anderen gleicht – was einer der Gründe dafür ist, dass ich ihn so mag. Es kann alles mögliche passieren: das Ausprobieren neuer Designs und Farbkombinationen in unserer Tapetenfabrik, die Suche nach neuen Ideen mit meinem Team, das Beaufsichtigen von Photoshootings für unsere Werbekampagnen oder der Besuch von Designmessen, um neue Trends zu recherchieren. 

Jede Farbe von Farrow & Ball hat ihre eigene Geschichte. Wie beginnt die Entwicklung einer neuen Farbe und wovon lässt man sich dabei inspirieren?
Das Tolle an unseren Farben ist, dass jede von ihnen sich aus einer ganz besonderen Geschichte oder Bedeutung herleitet, die in ihrem Namen angedeutet wird. Wir lassen uns von der Schönheit der Natur inspirieren, von unserem Firmensitz in Dorset, von alten Häusern, beeindruckenden Menschen, sogar vom Hautton von jemandes Backen! Ich bin auch schon mal mit einem Fossiliensammler an der Jurassic Coast unterwegs gewesen, um nach einem Ammoniten-Fossil zu suchen, weil wir überprüfen wollten, ob wir die Farbe richtig getroffen hatten.

Was muss eine Farbe eigentlich haben, damit sie in den Laden kommen darf? Wir sprechen dabei ja über winzige Grade und Nuancen...
Wir führen nur alle zwei oder drei Jahre neue Farben ein, und weil die Entwicklung so lange dauert, ist es jedes Mal richtig aufregend. Wir haben auf unserer Farbpalette immer nur 132 Farben, und das bedeutet, dass sich jede einzelne Farbe ihren Platz wirklich verdienen muss. Wenn eine Farbe bereit ist, auf den Markt zu kommen, hat sie, was alle unsere Farben zu bieten haben – eine unvergleichliche Tiefe und Lebendigkeit.

Als ich das richtige Blau für mein Wohnzimmer suchte, habe ich schnell festgestellt, dass die unterschiedlichen Blaus einen sehr eigenen Charakter haben. Drawing Room Blue ist sehr aufgeräumt, Hague Blue irgendwie erdig und Stiffkey Blue sehr natürlich und sauber. Beim Betrachten der Farbpalette reagierte ich auf jede Farbe sehr spezifisch, und ich habe mich gefragt, wie diese Reaktionen zustandekommen. Können Sie mir beschreiben, wie eine Farbe zu ihrem Charakter kommt? 
Ich glaube, dass Farben ihren entscheidenden Charakter durch die zugrundeliegenden Töne erhalten. Hague Blue hat zum Beispiel Anklänge von Grün und erhält dadurch einen vielseitigeren Reiz und zusätzliche Dramatik, während Stiffkey Blue sich eher wie ein wirkliches Blau anfühlt, in dem keine anderen Farbtöne dominieren. Wir alle sehen Farben unterschiedlich, und Entscheidungen werden oft emotional getroffen, etwa, wenn wir zu bestimmten Farbgruppen oder Tonlagen hingezogen werden. Diese emotionalen Entscheidungen können von den verschiedensten Elementen ausgelöst werden – von Fotostrecken in Magazinen oder von Freunden, die Designtrends folgen. Oft werden sie aber von Unbewusstem ausgelöst, von Erinnerungen an Glücksmomente oder Orten, die wir bereist haben.

Ich mag Farben, hatte aber nie den Mut, meine Wände zu bemalen. Ich möchte beispielsweise unbedingt mein Wohnzimmer in Stiffkey Blue streichen, gleichzeitig habe ich einen Riesenrespekt davor...
Stiffkey Blue hat einen wunderbaren dunkelblauen Ton, der von der Farbe des Schlammes am Strand von Stiffkey inspiriert ist. Es würde jedem Raum mehr Dramatik geben. Es ist eine sehr zeitgemäße Farbe, die eine stylische und doch gemütliche Atmosphäre erzeugt, sei es in einem modernen oder in einem Landhaus. Wenn dich die Vorstellung nervös macht, deine Wände damit zu streichen, würde ich es in einem kleinen Raum ausprobieren, im Badezimmer oder in der Garderobe zum Beispiel, wo Stiffkey Blue aufgrund seiner Blautöne eine intime, stimmungsvolle Atmosphäre erzeugen würde. Für eine fröhlichere Anmutung würde ich die Farbe in Kombination mit Light Blue oder Setting Plaster für eine hervorgehobene Wand verwenden. 

Welche drei Dinge sollte man beherzigen, wenn man die richtige Farbe für seine Wände sucht?
Erstens: Über die Architektur, den Zweck, den Schnitt, die Ausrichtung und vor allem das Licht eines Raumes nachdenken. All das trägt zur Anmutung einer Farbe bei. Zweitens: Die Farben am gewünschten Ort mit einer Musterdose testen, um herauszufinden, wie sie auf die Lichtverhältnisse reagieren. Es gibt kein richtig oder falsch, aber ein Test am Einsatzort sagt einem, ob eine Farbe wirklich zum Raum passt oder nicht. Es ist auch eine gute Idee, mit dem Raum zu beginnen, in dem man am wenigsten Zeit verbringt. Ein seltener benutztes Esszimmer oder ein Badezimmer sind toll, um eine Farbpalette auszuprobieren, weil man dort nicht gleich überwältigt wird und Zeit hat, sich allmählich an sie zu gewöhnen. Und ein kleines Badezimmer in mutigen Farben wie Brinjal, Pelt oder Rectory Red wird schnell zum Gesprächsthema werden.

Apropos Gesprächsthema: Gibt es gerade bestimmte Farbtrends? Und was sind zeitlose Klassiker?
Unsere Farben für das Frühjahr 2017 sind Studio Green, Hay, Radicchio und All White. Diese Farben verbinden dramatische, lebhafte Akzente mit zurückgenommenen und subtilen Tönen und funktionieren sowohl in modernen als auch traditionellen Umgebungen. Neutrale Farben sind immer zeitlose Klassiker. Viele Leute fühlen sich in sorgfältig ausbalancierten Farbumgebungen wohl, aber wir bemerken auch, dass die Menschen bei ihrer Farbwahl immer kühner werden und die Klassiker als Akzent zusammen mit stärkeren Farben verwenden – eine großartige Methode, um Klassisches mit einem Trend zu verknüpfen.



Vermutlich eine schwierige Frage, aber: Welche Farbe spricht Sie gerade am meisten an?
Meine Lieblingsfarbe ändert sich ständig. Im Augenblick liebe ich Hay, diese Farbe hat mich in eine kleine Obsession gestürzt. Sie ist warm und unglaublich zart. Ich glaube, ich muss meine Küche schon wieder neu streichen!

Vielen Dank.

Eine kostenlose Farbkarte gibt es hier. Mehr über die wasserbasierten Farben und ihre Herstellung hier. Habt ein schönes Wochenende!

Dieser Beitrag ist in freundlicher Kooperation mit Farrow & Ball entstanden. Die Meinung über diese Farben ist ganz meine.
MerkenMerken
MerkenMerken

MACHERINNEN: LAURA HUPPERT ÜBER DIE GRÜNDUNG IHRES SCHMUCKLABELS TING GOODS (UND EINE VERLOSUNG!)



Wenn ich etwas Schönes für meine Wohnung oder ein Geschenk für eine Freundin suche, dann gehe ich zuerst zu ting. In ihrem Laden im Berliner Prenzlauer Berg verkauft Inhaberin Laura Huppert ihre Lieblingsfundstücke aus dem nahen Norden und fernen Osten, und ich weiß nicht, wie sie das anstellt, aber sie trifft dabei immer meinen Geschmack. Neu in ihrem Sortiment ist ihre Schmucklinie ting goods. Weil die mir ganz genauso gut gefällt, habe ich Laura gefragt, wie sie es geschafft hat, nun auch noch ein Schmucklabel zu gründen. Und wie ihre Stücke entstehen.

Laura, du betreibst einen meiner absoluten Lieblingsläden: ting. Neuerdings gibt es auch ting goods, deine Schmucklinie. Wie kam es dazu?
Die Idee zu ting goods entstand auf einer der vielen Asien-Reisen, die wir unternehmen, um neue tolle Dinge für ting zu entdecken. Wir waren in Indien unterwegs, in Jaipur, und haben dort zum Glück unsere jetzigen Partner Vipin und Parimal kennengelernt und im ersten Schritt ein paar Schmuckstücke für den Laden gemacht. Wir waren dann so begeistert davon, wie die beiden unsere Ideen in Handarbeiten umsetzen, dass wir einfach Lust hatten, mehr mit ihnen zu arbeiten und zusammen tollen Schmuck zu fairen Bedingungen zu produzieren.

Entwirfst du die Stücke selbst? 
Ja, zumindest im Anfangsstadium sind alle Stücke meine Idee. Da ich selber nicht viel Erfahrungen beim Silberschmieden habe, gibt es aber meistens noch einige Änderungen, wenn wir zusammen in Indien die Musterstücke machen.

Wie beginnst du also?
Ich gehe immer davon aus, was für Schmuck ich selbst mag, und das sind eher schlichte, aber nicht langweilige Sachen, für jeden Tag. Nichts, bei dem man denken muss „Oh, das ist nur etwas für ganz besondere Anlässe”. Im Endeffekt möchte ich unkomplizierten Schmuck für unkomplizierte Frauen machen. 

Wie würdest du den Stil dieses Schmuckes beschreiben?
Unser Schmuck verbindet skandinavischen Minimalismus mit indischem Handwerk. Das bedeutet für mich, dass unsere Formensprache eher schlicht und zurückhaltend ist, dabei aber der handwerkliche Aspekt zu sehen bleibt – kleine Unterschiede und Imperfektionen gehören da dazu. Ich finde es schön, wenn man den Stücken ansieht, dass sie handgemacht sind.

Haben bestimmte Stücke eine besondere Bedeutung für dich?
Letztes Jahr haben wir in Jaipur auf dem Basar wunderbare Glasperlen gefunden, mit denen ich unbedingt etwas machen wollte. Wir haben dann noch ein paar andere Zutaten besorgt und lange Ketten daraus gemacht, die etwas bunter und weniger schlicht sind, als unsere anderen Sachen. Da geht manchmal so ein kleiner Hippie mit mir durch... Dann haben wir gemerkt, dass wir mit unseren ungeübten Händen ewig brauchen zum Auffädeln. Am Ende haben das dann Parimals Frau Kalpana und ihre Freundinnen übernommen, und wir freuen uns, dass so ein kleiner Nebenverdienst für diese Frauen entstanden ist.



Wieso lässt du deinen Schmuck in Indien fertigen?
Wir sind schon immer viel durch Asien gereist und verdanken den Menschen und Orten dort sehr viel. Für uns ist es ein persönliches Bedürfnis, diesem Teil der Welt etwas zurückzugeben, unter anderem in Form von Arbeitsplätzen und fairer Bezahlung. Indien ist ein sehr armes Land und wir finden, dass ein guter Arbeitsplatz dort mindestens so wichtig ist, wenn nicht noch viel existentieller, als hier. Und natürlich spielt es eine Rolle, dass Jaipur eine lange Tradition in der Schmuckherstellung hat und es toll und aufregend ist, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ihr Handwerk verstehen.

Wie läuft die Herstellung ab?
Meist läuft das so ab, dass ich mir hier in Berlin neue Sachen überlege und Vipin dann die ersten Zeichnungen und Maße schicke. Daraufhin schauen sich Vipin und Parimal das an, machen mich auf mögliche Probleme aufmerksam und bereiten erste Muster vor. Dann sind wir einmal im Jahr für ein paar Wochen in Jaipur und arbeiten zusammen weiter an den Mustern, bis die nächste Kollektion steht. Wir arbeiten dort direkt in der Werkstatt, man kann jede Änderung und Idee also sofort ausprobieren, und auf einem Riesenteppich nebendran lassen sich prima unendliche Mengen an Mustern, Steinproben und Zeichnungen ausbreiten. Dabei gibt es Unmengen von Chai und es geht sehr gemütlich zu. Schnelligkeit und Effektivität haben definitiv einen anderen Stellenwert und es tut gut, die Sachen mal recht langsam anzugehen. Wenn dieser Prozess dann beendet ist, übernehmen Vipin und Parimal die Produktion. 

Magst du ein bisschen von den beiden erzählen?
Vipin ist Ende 20 und hat dieses Jahr seine große Liebe aus Schulzeiten geheiratet. Das hat uns riesig gefreut, da es zwischendurch so aussah, als ob es vielleicht kein Happy End geben würde. Die beiden sind aus verschiedenen Kasten und eine Liebesheirat ist immer noch nicht Standard.

Parimal kommt, wie viele Silber- und Goldschmiede in Jaipur, eigentlich aus Kalkutta und lebt zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn in einer Straße in der Altstadt, in der viele Bengalen wohnen. Eine richtige kleine Community mit eigenem Tempel und starkem Zusammenhalt. Einmal im Jahr fahren sie mit dem Zug nach Kalkutta und besuchen ihre Familien dort für einen Monat. Bei der Arbeit schaut er gerne Cricket auf seinem total zerkratztem Handy. Und ohne Nickerchen geht nach dem Mittagessen gar nichts.

Beide finden eigentlich traditionellen indischen Schmuck mit ordentlich viel Schnörkeln und Ornamenten besser und lachen immer ein bisschen, wenn wir da sitzen und etwas gerne noch schlichter hätten oder als fertig deklarieren, ohne dass es irgendeine Art der Verzierung hat. Aber mittlerweile kennen wir gegenseitig unsere Geschmäcker und das macht die Arbeit einfacher und auch noch lustiger.



Was hast du von deinen Reisen nach Indien wieder mit nach Hause gebracht – an Eindrücken, Erfahrungen, Fundstücken?
Ich glaube, das Wichtigste, das ich jedes Mal mitnehme, ist eine große Portion Dankbarkeit dafür, wie gut es mir geht. Dazu kommt das Gefühl der eigenen Lächerlichkeit, wenn ich mich über Kleinigkeiten im Alltag aufrege. Indien rückt alles in Perspektive. Und dann sind da natürlich noch all die bunten, verrückten, lauten, intensiven Momente und Bilder, die einen fast umhauen. Ganz konkret bringe ich auch immer einen Haufen schöner Schals, Kissenhüllen oder Decken für den Laden mit, denn das Bedrucken von Baumwollstoffen ist eine der anderen Handwerkstraditionen aus der Gegend und viele der Stoffe sind unglaublich schön.

Wie ist deine Liebe zu Asien und Skandinavien eigentlich entstanden? In deinem Laden zeigst du ja deine Lieblingsstücke aus beiden Regionen?
Bei beiden Gegenden gab es immer schon eine gewisse Neugier und Faszination meinerseits, die sich dann auf meinen ersten Reisen ohne Eltern (Interrail in Skandinavien mit 16 – oh, klingt das altmodisch – und eine Reise quer durch Südostasien nach dem Abi) in eine große Liebe zu den Regionen verwandelt haben. Zu den Menschen, dem Essen, dem Alltag, den Gegenständen. Für mich haben beide Gegenden sowohl im Bereich Design, als auch bei den Alltagsobjekten so viel Tolles zu bieten, dass ich noch viele Jahre auf Entdeckungstour gehen möchte. Und in Vietnam habe ich auch meinen Freund Chris getroffen, einen Dänen, der zum Glück sowohl meine Reiseleidenschaft als auch die regionalen Vorlieben teilt.



Wieviele Sprachen sprichst du eigentlich?
Leider nicht so viele, wie ich es schön fände. Dänisch und Englisch so im normalen Leben und dann Radebrechen bei Französisch und Mandarin. Da reicht es immer nur für das Nötigste. Leider gar kein Hindi, was aber insofern unproblematisch ist, dass viele Inder ja gut Englisch sprechen und bis jetzt jedes Mal eine gute Seele geholfen hat, wenn dem nicht so war.

Unser erstes Interview haben wir 2011 gemacht – kurz nach der Eröffnung deines Ladens. Wie ist es dir seither mit deinem Laden ergangen? 
Gut, anders kann man das nicht sagen. Ich freue mich eigentlich jeden Tag auf meine Arbeit, über die Jahre hat ting so viele nette, tolle Kunden angezogen, bei denen ich mich freue, wenn sie in den Laden kommen, dafür bin ich sehr dankbar.

Du hast den Schritt der Ladengründung also nie bereut?
Bereut habe ich es nie. Manchmal gibt es in meinem Freiheitsdrang allerdings Momente, in denen es schwierig ist, einen Laden mit festen Öffnungszeiten zu haben. Das ist auch eine Verpflichtung – aber dafür habe und hatte ich immer tolle Mitarbeiterinnen, die den Laden auch schmeißen können, wenn ich nicht da bin. Ich kann also immer noch in der Welt herumreisen.

Falls ihr jetzt auch gerne ein Stück aus dieser Kollektion hättet: Unter allen Kommentaren verlose ich eine Circle Dot-Kette in Silber, wenn ihr mir bis zum 2. April um 20 Uhr schreibt, was euer Leben gerade ein bisschen schöner macht. Bitte keine Email-Adresse hinterlassen, sondern einfach gucken, wer gewonnen hat. Viel Glück!

ting, Rykestraße 41, 10405 Berlin, Email: hello@ting-shop.com. Und die ting goods sind hier zu finden.

Alle Fotos: ting.

***

Danke für all eure schönen Kommentare, ich habe sie so gerne gelesen! Gewonnen hat Katja mit ihrem Kommentar vom 29. März (11:03 Uhr). Liebe Katja, herzlichen Glückwunsch! Schreibst du mir eine Email an postanslomo(at)gmail(dot)com mit deiner Adresse? Vielen Dank.
MerkenMerken

EIN PAAR GESCHENKE FÜR NICHT-MEHR-GANZ-SO-KLEINE


Nächste Woche wird Fanny fünf. Deshalb habe ich in den letzten Wochen ein paar Geschenkideen gesammelt (auch schon für Weihnachten)...

1) Wie stolz ich war, als ich mein erstes Spieleset bekommen habe. Verlieren konnte ich damit allerdings auch nicht besser (bis heute nicht). Mit diesem Spieleset von Smallable geht das Mensch-ärgere-Dich-nicht vielleicht ein bisschen besser.

2) Wenn ich auf der Suche nach Kindergeschenken bin, dann gehe ich zuerst zu d.nik, den Spielzeugladen am Kollwitzplatz, denn dort kann man immer die schönsten Entdeckungen machen. Wie dieses hinreißende Backbuch, in dem Schritt für Schritt erklärt wird, wie man Blaubeermuffins macht. Oder Himbeerschaum. „Lass uns was backen” von Clara Lidström und Annakarin Nyberg, Kleine Gestalten.

3) Entdeckt habe ich dort auch Stocs. Das sind Seile, die einen festen Teil und ein flexibles Ende haben, die zusammengeknotet werden können, um damit eine Höhle zu bauen. Oder ein Schiff. Oder was auch immer einem Kind gerade einfällt.

4) Plitsch ist eigentlich ein ganz normaler Mensch. Aber immer, wenn es regnet, wird er ganz unglücklich. Deshalb beschließt er, fortan als Regenschirm-Mann zu leben. „Plitsch, der Regenschirm-Mann” von David Sire und Thomas Baas, Kleine Gestalten.

5) Ein kleines, kuscheliges Schaf zum Kleben und geklebt wird hier gerade richtig gerne. „Little Lamb Creative Kit Bun” von Oh C´est beau! über Smallable.

6) Seit ich eine Blumenpresse an ein Geburtstagskind verschenkt habe, wünscht sich Fanny auch eine. Diese hier ist von 4M über Smallable.

7) Ein kleiner roter Vogel fliegt zum allerersten Mal in den Süden. Unterwegs macht er die erstaunlichsten Entdeckungen. Ist das da im Baumwipfel tatsächlich ein Riesenrad? Und werden in dieser wundersamen Fabrik wirklich Wolken hergestellt? Sehen kann man all das erst mit der magischen Lupe. Wie toll ist das denn? „Das magische Zauberlupenbuch" von Agathe Demois und Vincent Godeau, Fischer / Sauerländer.

8) Fannys größter Schatz ist gerade ihre Edelsteinsammlung, die jeden Tag bestaunt, gewaschen, poliert, geordnet, neu geordnet und wieder eingeräumt wird. Dieses Schatzsäckchen mit Edelsteinen von Echtkind finde ich auch sehr schön.

9) Noch so ein d.nik-Fundstück: die magnetischen Bauklötze von Tegu. Dadurch, dass die Bausteine aneinander haften, kann man die unglaublichsten Formen und Figuren bauen (ich wollte selbst gar nicht damit aufhören). Im großen Kasten sind auch Räder dabei. Magnetbausteine von Tegu über d.nik. Hier bekommt man sie auch.

10) Die ganze Welt zum Ausmalen. Perfekt für lange Winternachmittage. Von Omy über Val.

11) „Komische Vögel” ist das poetischste Malbuch, das mir je untergekommen ist. Zu den Vorlagen von Carll Cneut können die Kinder ihre eigenen Vögel malen. „Komische Vögel” von Carll Cneut, Bohem Press.

Fotos: 1, 5 und 6 Smallable, 2 und 3 Kleine Gestalten, 4 Stocs, 7 S. Fischer Verlage, 8 Echtkind, 9 tegu über d.nik, 10 Omy über Val, 11 Bohem Press.

MITTWOCHSKUCHEN, ZWEI BAISERS UND EIN GUTES BUCH


Als wir im Frühjahr in Paris waren, habe ich für Fanny ein Kinderkochbuch gekauft, das den schönen Titel „Meine Mittwochskuchen” trägt und hinreißend ist. Weil es fast nur mit Illustrationen auskommt. Und weil man darin Rezepte findet, die gegen Fernweh helfen, für Madeleines zum Beispiel oder für Chouquettes, diese kleinen, mit Hagelzucker bestreuten Windbeutel, die wir immer in der Bäckerei gegenüber unserer Wohnung gekauft haben). Ich mag dieses Buch aber auch für die Idee, den Mittwoch zu feiern. (In Frankreich hat das Mittwochskuchenbacken wohl Tradition, wie eine Freundin mir erzählte und hier jemand kommentierte, weil die Kinder am Nachmittag schulfrei haben). Gerade wenn viel los ist und bei uns ist gerade irgendwie immer viel los. Mal einen Nachmittag in der Küche zu verbringen, mit etwas Süßem, einem Kaffee oder Kakao und einem guten Buch. 

Mit Baisers zum Beispiel und Steffis neuem Buch. Nachdem mein Vorrat an Schokoladenbaisers genau für einen Tag gereicht hat, habe ich letzten Mittwoch die Variante aus „Herzlich Willkommen” ausprobiert: mit Vanillesahne, Schokoladensoße und Physalis (mein Ersatz für die im Rezept verlangten Kirschen). Himmel, sind die gut. Wie sagte Nelja neulich so schön auf Instagram? „Gut gegen und für alles”. Hier sind beide Rezepte: für die einfachen Schokoladenbaisers der BBC und für die luxuriösen Pavlovas von Steffi. Dazu ein Blick in „Herzlich Willkommen” – ein Buch, das mir Lust gemacht hat, mal wieder ein großes Essen für Freunde zu kochen. Oder in Ruhe mit einer Freundin zu kaffeesieren (wie meine Mama es immer nennt). Vielleicht nächsten Mittwoch? 


SCHOKOLADENBAISERS 

Zutaten
3 Eiweiß
150g Zucker
50g gute, dunkle Schokolade, fein gehackt
2 TL Kakao

* Den Ofen auf 140°C vorheizen.
* Ein Backblech mit Backpapier auslegen.
* Das Eiweiß in einer fettfreien, trockenen Schüssel mit einem Handmixer aufschlagen bis es allmählich schaumig wird.
* Nach und nach den Zucker dazu geben bis der Eischnee so fest wird, dass man die Schüssel umdrehen kann.
* Vorsichtig die Schokolade und den Kakao unterheben.
* Mit einem Esslöffel größere runde Portionen auf dem vorbereiteten Blech formen und für ca. 40 Minuten bei 140°C im Ofen trocknen lassen.


MINI-PAVLOVAS MIT VANILLESAHNE, PHYSALIS UND SCHOKOLADENSOSSE 
(nach einem Rezept aus „Herzlich Willkommen” von Stefanie Luxat)

Zutaten
Für die Baisers:
3 Eiweiß
150g Puderzucker

Für die Schokoladensoße:
100g Edelbitterschokolade
200g Sahne
20g Butter

Für die Vanillesahne:
1 Vanilleschote
200g Sahne
1 EL Zucker

400g Physalis (oder im Sommer: frische Kirschen – wie im Originalrezept)

* Den Ofen auf 110°C vorheizen.
* Die Eiweiße mit dem Puderzucker langsam im Standmixer verrühren, bis es keine Klümpchen mehr gibt. Dann auf höchster Stufe so lange schlagen, bis die Masse steif ist und schön glänzt.
* Auf einem Backblech mit Backpapier kleine runde Portionen verteilen und bei 110 Grad 1 Stunde lang trocknen lassen, dabei einen Löffel in die Backofentür stecken, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.
* Für die Schokoladensoße die Schokolade in grobe Stücke brechen und zusammen mit der Sahne im Wasserbad schmelzen. Immer schön mit dem Schneebesen rühren, bis die Masse homogen ist. Dann die Butter schnell unterrühren. Die Schokoladensoße beiseite stellen.
* Für die Vanillesahne das Mark der Vanilleschote auskratzen. 
* Sahne mit Zucker und Vanillemark steif schlagen. Auf den abgekühlten Baiserschalen verteilen.
* Die Physalis auf den Pavlovas mit der Sahne anrichten und die Schokoladensoße darüber träufeln (in meinem Fall eher: gießen).

Die Baisers lassen sich übrigens gut vorbereiten – trocken verpackt halten sie einige Tage. Und mit dem übrig bleibenden Eigelb könnte man Mayonnaise, Nudelsalat oder Spaghetti Carbonara machen.

Jetzt noch ein Blick in Steffis Wohnbuch „Herzlich Willkommen”, das vom Gastgeben handelt, von Tischdekorationen für die verschiedensten Anlässe (ob es nun ein Essen zu zweit, eine Hochzeit, ein Kindergeburtstag oder Weihnachten ist), aber auch erfahrene Gastgeber nach ihren Tipps und Rezepten fragt oder danach, mit welchem Drink man seine Gäste zum Tanzen bringt. So viele Ideen, so viele Anregungen, so sensationell schöne Bilder. Aber schaut doch selbst:




















Fotos: 1-3: Slomo, 4: Callwey Verlag, 5+6+7: Bernd Ebsen, 8: Brita Sönnichsen, 9: Our Food Stories. Video: Einblick in mein neues Buch „Herzlich Willkommen – mit Gästen Zuhause, Tischdekoration & kreative Ideen” from Stefanie Luxat.

„Herzlich Willkommen” von Stefanie Luxat, Callwey Verlag, 192 Seiten, 29,95 Euro.
Herzlichen Glückwunsch zum vierten (!) Buch, liebe Steffi!

EIN NEUES SCHLAFZIMMER




Wie lange schon wollte ich unser Schlafzimmer umstellen – das eine Zimmer, das ich immer ungemütlich fand. Letztes Wochenende habe ich endlich losgelegt. Erstaunlich, wie neu und anders sich ein Zimmer anfühlt, wenn man einfach nur alles umstellt. Vielleicht mache ich irgendwann mal ein paar Bilder. Bis dahin sind hier ein paar Fotos, die ich zur Inspiration gesammelt habe, ein paar Dinge, die ich gemacht habe und ein Wunschzettel:

Eins: Ich habe das Bett von der Mitte des Zimmers direkt vors Fenster gestellt (wie auf dem ersten Bild).

Zwei: Rechts neben dem Bett hängen jetzt gesammelte Lieblingsbilder: dieser und dieser Print von Petersen, unsere Passfoto-Sammlung und ein paar Zeichnungen von Fanny. Bei einer Freundin habe ich neulich diesen „Rapper´s Delight”-Print von Juniqe gesehen – der würde noch gut in die Sammlung passen.

Drei: Die uralten Malm-Kommoden stehen jetzt direkt an der Wand statt vorm Fenster. Da gefallen sie mir deutlich besser – ich bin allerdings nicht der weltgrößte Fan ihres Dunkelbrauns. Das Bett hat die gleiche Farbe. Jetzt denke ich darüber nach, einfach alles weiß anzustreichen. Hat jemand von euch das mal versucht und kann mir sagen, ob das funktioniert?

Vier: Auf der Kommode steht jetzt mein Lieblingsbild von Fanny: Wir drei und ihre beiden großen Lieben: Lulu, die Gastkatze aus New York und Franjo, der Hund meiner Schwester. Jetzt fehlt noch ein großes Bild. Vielleicht spare ich auf einen Print von Lola Donoghue.

Fünf: Was auch noch fehlt ist ein schlichter Teppich, den ich vors Bett legen möchte. Vielleicht der hier? Oder ich mach mich auf dem Flohmarkt mal auf die Suche.

Sechs: Diese zwei Kissen liegen momentan noch auf dem Sofa. Ins Schlafzimmer würden sie aber auch sehr gut passen.

Sieben: Und am Ende ist auch noch der ganze Kram rausgeflogen, der sich in den letzten Monaten (naja, eher Jahren) unter dem Bett, neben dem Schrank und in allen anderen Ecken angesammelt hatte. Wie viel schöner das Schlafzimmer ohne dieses ganze Zeug ist.

Noch mehr Bilder und ein paar schöne Tipps gibt´s bei Chapter Friday. Und hier sind noch ein paar Dinge, die gerne einziehen dürften:






Eins: Print „Rapper´s Delight” von Juniqe. Zwei: Kerzenständer „Circle” von Minimarkt. Drei: „Juno Blanket Grey” von The District Six Store. Vier: „Out of Her Loop” Abstract Giclée Print of Painting von Lola Donoghue (via). Fünf: Korb (Größe L) von Schöne Beute – Ghanin. Sechs: Baumwollteppich von H&M. Sieben: Kissen „Nice Shapes and Dots #2” von selekkt.com. Acht: „Marble Square” von Bolia.

Fotos: Alvhem Mäkleri & Interiör (1-3), Ollie & Seb´s House (4), Emma hos / Bild: Jonas Berg (5), Emma hos / Bild: Jonas Berg (6).

UND WIE MACHST DU DAS, HELENE?



Hier ist mal wieder eine neue Folge meines Mutter-Fragebogens. Ausgefüllt hat ihn Helene, Mutter von Åsa, Beraterin für strategische Kommunikation und Inhaberin des Online-Shops "Nordliebe".

Name: Helene
Alter: 35
Mutter von: Åsa, 4 Jahre
Stadt: Berlin

Wie ist bei dir die Kinderbetreuung organisiert? Bist du zufrieden damit?
Meine Tochter geht in die Kita und wird nachmittags von mir und manchmal von unserer Kinderfrau abgeholt. An diesen Tagen kann ich länger arbeiten, das entlastet mich und ermöglicht mir eine gewisse Flexibilität.

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?
Bei mir sieht eigentlich kein Tag gleich aus. Ich bringe meine Tochter morgens in die Kita. Danach bin ich beim Kunden, im Büro, im Lager, habe Termine, arbeite zwischendrin mal vom Café aus, wenn es eine Stunde zwischen Terminen gibt. Alle diese Tage müssen sehr gut organisiert sein, damit alles klappt. Sonntagabend plane ich meistens die neue Woche durch. Dabei versuche ich, die Wege kurz zu halten, unnötige Fahrstrecken zu vermeiden, Telefonkonferenzen so zu legen, dass ich sie unterwegs erledigen kann. Die größte Herausforderung ist es, immer alles Notwendige dabei zu haben: den richtigen Rechner, die richtigen Unterlagen und so was wie den Spielzeugtag in der Kita und die diversen Geburtstage nicht zu vergessen. Auf Reisen kann ich auch gut arbeiten, da ich eigentlich nur Laptop, Handy und Kamera brauche. Ich mag die Abwechslung. Als Mama lernt man eh, viele Dinge gleichzeitig zu tun. Davon profitiert man auch im Job. Konzepte und Texte schreibe ich aber am liebsten in Ruhe zu Hause. Dafür eignet sich der Freitag, wenn das Telefon meistens etwas ruhiger ist. Wenn viel zu tun ist, gibt es abends noch mal eine Schicht. Es erfordert manchmal viel Selbstdisziplin, die Existenz des Sofas zu ignorieren.

Wieviel Zeit hast du für dich – jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?
Das ist wohl auch die größte Umstellung, wenn man Kinder bekommt, dass man einfach sehr wenig Zeit für sich hat. Wenn man alleinerziehend ist, ist das natürlich noch heftiger. Man kann nicht einfach mal abends weg oder schnell zum Supermarkt flitzen. Da nimmt man das Kind dann eben mit und alles dauert doppelt so lange, weil unterwegs jede Schnecke begrüßt und jeder Kronkorken umgedreht werden muss. Aber so ist das eben. Man muss einfach einen Weg finden, wie man sich Freiräume schafft und trotzdem eine gute Mama ist. Ich finde es sehr wichtig, dass man etwas für seine Balance tut, denn nur eine glückliche Mutter ist eine gute Mutter. Ich brauche eigentlich sehr viel Zeit für mich. Ich sehe zu, dass ich mir an meinen kinderfreien Wochenenden Raum für mich nehme, zum Yoga und regelmäßig zum Laufen gehe. Das Schönste ist definitiv das Ausschlafen, eine Wohnung, die aufgeräumt bleibt (die Sicherheit zu wissen, in welchem Zustand sich ein Zimmer befindet, bevor man die Tür öffnet, ohne Überraschungsmomente wie "aha, die Heizung kann man also auch mit Edding – ist das eigentlich der permanente? – bemalen, ach, schön!") und das Ausgehen. Essen zu gehen (ohne einkaufen, kochen und aufräumen zu müssen) oder ins Kino ist einfach herrlich. Freunde zu treffen ist auch sehr wichtig, über Themen reden zu können, die sich nicht nur um Kinder drehen. Ich merke, dass ich eigentlich mehr Zeit für mich brauche, aber dann denke ich wieder: Ach, langweilen kann ich mich ja noch im Altersheim.

Hast du dir das Muttersein so vorgestellt, wie es ist? Was hast du dir anders vorgestellt?
Ich bin wahnsinnig gerne Mutter. Ich kann mir mich selbst gar nicht anders vorstellen, das ist ein wichtiger Teil von mir. Und auch, wenn es manchmal stressig ist, ist es noch viel schöner, als ich es mir vorgestellt habe.

Was empfindest du als besonders anstrengend?
Tausend Dinge gleichzeitig zu machen und viele Bälle in der Luft zu halten. Und zu arbeiten, auch wenn man eigentlich hundemüde ist.

Was macht dich besonders glücklich?
Eigentlich nichts Besonderes. Ich finde den Alltag sehr schön. Die Vorfreude im Bauch, wenn ich um die Ecke zur Kita biege. Ihr Gesicht, wenn sie mich entdeckt, auf mich zugeflitzt kommt und ihre sandig-klebrigen Ärmchen um mich schlingt, in der Abendsonne auf dem Spielplatz zusammen ein Eis zu essen, noch mal ins Kinderzimmer zu schauen, bevor man selbst ins Bett fällt.

Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft, die Politik, Menschen mit Kindern ausreichend unterstützt? Was müsste deiner Meinung nach besser werden?
Ich bin sehr froh, dass wir in Berlin so eine gute Betreuungssituation haben. Es ist mir ein Rätsel, wie das alleinerziehende Mütter an anderen Orten machen, wo die Kitas früh schließen, und sie trotzdem alleine die Familie ernähren müssen.

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, das du vorher nicht wusstest?
Ich finde, das Elternsein verändert noch mal die Sicht auf die eigenen Eltern und die eigene Kindheit. Das ist schon sehr interessant, wie sich da die Perspektive verändern kann. Und man wird viel härter im Nehmen und gleichzeitig so viel weicher.

Du hast 48 Stunden kinderfrei: was tust du?
Einfach raus. Ans Meer oder in eine schöne Stadt.

Was würdest du einer Frau sagen, die sich fragt, ob sie Mutter werden soll?
Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Es ist ein krasser Job, aber es ist der schönste Job der Welt.

Hier sind noch ein paar Bilder vom Nordliebe-Onlineshop mit skandinavischem Design für Kinder. Vielleicht gefällt er euch ja so gut wie mir...

Fotos: Copyright Lina Grün für Little Years. Danke, liebe Helene.


»

Slomo All rights reserved © Blog Milk Powered by Blogger