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EINE FRAGE, EINE ANTWORT: DIE PERFEKTE JEANS?
Liebe Marlene,
wieso ist es bloß so kompliziert, eine richtig gute Jeans zu finden? Kann doch eigentlich nicht so schwer sein. Aber mir passt bisher nur ein einziges Paar ziemlich gut: die Curve ID von Levi´s. Hast Du vielleicht noch andere Tipps für mich?
Liebe Okka,
die Frage nach der perfekten Jeans. Oje. Es gibt Tage, an denen ich antworten müsste: Es gibt sie nicht! Weil ich gerade neun verschiedene Modelle in drei Läden anprobiert habe und keine davon so an mir aussieht wie ich mir meine Beine vorstelle. Es gibt aber auch Tage, an denen ich in der Umkleide einen Luftsprung mache, weil es sie doch gibt: die perfekte Jeans. Ist es nicht bescheuert, sich so über ein Stück Stoff zu freuen, dass man die Verkäuferin küssen könnte? Andererseits: Jeans sind meine Uniform, eine verlässliche Konstante und im Zweifel immer die Antwort auf die Frage: Was ziehe ich heute an? Ich behaupte mal kühn, dass man mehr Zeit nur mit seinem Partner verbringt. Warum sollte man also nicht die Straße runter tanzen, wenn man die Richtige gefunden hat? Oder sogar mehrere Richtige. Das sind meine fünf Lieblinge.
1. Skinny von Cos in Dunkelgrau. Was ich an den Röhrenjeans von Cos mag: Sie werden um den Knöchel weiter, legen sich also nicht wie eine Manschette um die Waden. Nach einem Fehlkauf weiß ich über die Jeans von Cos inzwischen aber auch, dass ich sie so eng kaufen muss, dass ich in der Umkleide fast in Ohnmacht falle. Dann sitzen sie nach einer Stunde perfekt.
2. Relaxed Fit von Cos in mittelblauer Waschung. Ich liebe diese Jeans. Sieht aus wie vom Mann geklaut, eine Rumhänger-Jeans und mit hohen Schuhen und T-Shirt unschlagbar zum entspannten Ausgehen im Sommer. Ich warte jede Saison darauf, dass Cos sie in dieser Waschung noch mal macht. Bislang vergebens. Warum nur kommen Marken bloß immer auf die Idee, ihre besten Stücke aus dem Programm zu nehmen? Grrr. Gerade gibt es diese Jeans stattdessen aber wenigstens in einem schönen Hellblau. Jeans in einer dunkleren Waschung, die sensationell sitzen: die Sexy Boyfriend von Gap.
3. Boyfriend von Current/Elliott in Weiß. Ich konnte mich lange nicht mit weißen Jeans anfreunden (weiße Jeans = Liz Hurley, dachte ich), aber in dieser lässigen Form ist sie zu einem ständigen Begleiter im Sommer geworden. Beim Blick auf den Preis weiß ich auch wieder, warum ich sie reduziert bei The Outnet gekauft habe. The Outnet ist eh ziemlich großartig, um Jeans zu finden, für die man regulär ein Vermögen hinblättern muss, zum Beispiel von Mother, der Lieblingsmarke meiner Freundin Sandra. Ich habe ihre einmal anprobiert und musste gezwungen werden, sie wieder herzugeben.
4. Casey von All Saints in blauer Waschung. Ähnlich wie die Jeans von Cos, ist die Casey schmal, aber nicht hauteng geschnitten, anders als bei Cos sitzt diese tief auf der Hüfte. Gekauft, weil ich eine Jeans für jeden Tag wollte, in einer klassischen Waschung, die wie eingetragen wirkt. Und genau das ist sie.
5. Skinny von Rag & Bone in "Coal". Diese Jeans ist der Sechser im Lotto. Perfekte Länge. Perfekter Sitz. Der Stoff so weich wie bei einem Pyjama, dabei trotzdem eng anliegend. Und nebenbei der schnellste Jeanskauf meines Lebens: Rein in den Rag & Bone-Laden in New York, sofort von Patrick abgefangen, der mir auf die Frage nach einer schwarzen Jeans zwei zur Auswahl in die Kabine brachte, beide zwei Nummern zu klein. Ich: Patrick, das ist ja sehr schmeichelhaft, aber wenn sie wollen, dass ich die Jeans kaufe, brauche ich eine andere Größe. Patrick: Abwarten. Zehn Minuten später stand ich an der Kasse und habe eine Jeans gekauft, die zwei Nummern kleiner ist als ich sie normal trage und genau richtig sitzt. Vielleicht haben Rag & Bone einfach nur durchschaut, wie Frauen ticken und ihren Jeans kleinere Größen gegeben. Wurscht. Ich bin vor Glück die Straße runter getanzt. Rag & Bone verschicken nach Deutschland und da Jeans in Amerika um einiges günstiger sind als hier, lohnt sich die Frachtgebühr.
Was sind eure Lieblingsjeans? Oder seid ihr auch noch auf der Suche?
Kommt jedenfalls gut in die Woche!
Foto: Marlene Sörensen. Danke!
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Kommentare
Labels: Eine Frage eine Antwort, Marlene, Mode, Onlineshop, Shopping, Stilkolumne, Style
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EINE FRAGE, EINE ANTWORT: EIN PARKA?
Ich habe es dir nie erzählt, aber seit ich dich zum allerersten Mal gesehen habe, bin ich scharf auf deinen Parka. Du kamst in unser Büro, du sagtest "Hi, ich bin Marlene" und zogst dir diesen unfassbar lässigen Parka aus. Allererster Gedanke: "Wow, ist die toll, lass uns bitte Freundinnen werden." Zweiter Gedanke: "Ich muss so einen Parka haben". Gefunden habe ich ihn nie. Irgendwie gehört er auch zu dir, ich muss nur an diesen Parka denken und ich sehe uns vor zehn Jahren (ZEHN Jahre? Ist es wirklich schon so lange her?). Wie wir in deiner Küche sitzen, Bier trinken und meinen Liebeskummer wegtrinken. Wie wir gemeinsam ins Stadion gehen. Wie wir rauchend auf dem Balkon stehen und über unseren Chef fluchen. Als ich vor ein paar Tagen an der Supermarktkasse stand, wartete vor mir ein Mann in einem ganz ähnlichen Parka und der Wunsch war wieder da: ein Parka, möglichst schlicht, ungefähr so wie auf diesen Bildern. Die von J.Crew und von Barbour sind perfekt, aber nicht ganz meine Preisklasse. Hast du vielleicht einen Tipp für mich?
Marlene: Du weißt schon, dass ich diesen Parka (Foto oben) nur noch dank dir habe, oder? Kurz bevor wir beide nach Berlin gezogen sind, habe ich einen Sack Klamotten zum Flohmarkt gebracht und die Jacke war mit dabei. Ich hatte sie einfach so lange nicht mehr getragen. Du kamst vorbei und hast mir so gut wie verboten, sie zu verkaufen. Ein Glück! Vor ein paar Monaten habe ich sie mal wieder aus dem Schrank gezogen und jetzt trage ich sie ständig, wie damals. Ich weiß nicht mehr, wo ich sie damals gekauft habe. Und ohne meine Freundin Lexi wüsste ich auch nicht, um welches Tarnmuster es sich handelt. Es ist: Woodland. Lexi, leidenschaftliche Mode-Expertin, wünscht sich übrigens ein Modell in Flecktarn von der Bundeswehr. Gefällt mir auch gut. So einen findet man wahrscheinlich am ehesten und günstigsten in einem Armee-Shop. Ich mag allerdings auch diese Jacke von Urban Outfitters oder, alternativ, diese von Asos - wobei ich mich schon frage, was ein Pelzkragen an einer Armeejacke soll. Aber er ist ja abnehmbar. Ganz ohne Tarnmuster, aber diese Jacken würden trotzdem direkt in meiner Einkaufstüte landen: wieder eine von Urban Outfitters und, schon für den lässigen Schnitt, diese von Topshop. Mein Lieblingsteil ist aber vielleicht dieser Parka von The Kooples. Das Beste daran: Er ist im Sale! Darauf sollten wir dringend ein Bier trinken.
Fotos: Marlene Sörensen (1), J.Crew (2), Shini Park/ Park & Cube (3).
MARLENES STILKOLUMNE: FREUNDSCHAFTSARMBÄNDER
Ein Freundschaftsarmband habe ich zuletzt im Sommer 1994 getragen. Er hieß Rasmus, war cooler Surfer, aber vor allem war er ein Schuft. Als er mir das Herz brach - sagen wir so: ich war nicht die Einzige, die ein Freundschaftsarmband von ihm bekommen hatte - schnitt ich das Band ab und legte es zusammen mit seinen Briefen in einen Karton, der wahrscheinlich immer noch bei meinen Eltern auf dem Dachboden steht.
Es hat nicht 16 Jahre gedauert, um über Rasmus hinweg zu kommen. Das hat nur so lange gedauert, bis ich mich im neuen Schuljahr in einen coolen Skater verknallte (coole Surfer, coole Skater - und ich wundere mich, warum ich ständig unglücklich verliebt war). Aber in die Armbänder habe ich mich jetzt wieder verschossen. Genauer: in die ausgesprochen hübschen Armbänder von meiner Freundin Alexa. Eben auch, weil sie mich an die langen Sommerferien in Dänemark erinnern. Sechs Wochen keine Schule, Nächte am Strand, verbrannte Fußsohlen vom Barfußlaufen und Softeisflecken auf allen Klamotten - solche Sommer waren das. Dieses Jahr fahre ich zum ersten Mal seit damals wieder nach Dänemark in den Sommerurlaub. Und die Armbänder werden mich begleiten.
Bei welchem Teil aus eurem Kleiderschrank denkt ihr sofort an den Sommer?
WUNSCHZETTEL
Was ist das nur mit dem Frühling? Sobald es warm wird, hab ich plötzlich das dringende Bedürfnis anders auszusehen. Allererster Gedanke: Ich muss zum Friseur. Ich mag die Länge von Emily Weiss und den Schnitt von Shini Park. Ich bin mir bloß nicht sicher, ob ich meine Haare wirklich abschneiden soll, von streichholzkurz bis richtig lang hat es immerhin ein paar Jahre gedauert. Andererseits binde ich sie jetzt meistens sowieso zusammen. Machen? Lassen? Ein bisschen unkomplizierter: der pinke Lippenstift, den Taza von den Rockstar Diaries trägt: Schiap von Nars. Knallerfarbe. Und dieses Kleid ihrer Freundin. Das stammt offenbar aus einer Londoner Boutique namens Appletree. Online ist es allerdings nicht zu finden. (Falls irgendwer einen Tipp hat?). Eben bestellt: diese beiden Ringe von Elephantine. Das erste Mal, dass mir Gold und Silber zusammen gefallen. Sehr sogar. Was steht gerade auf eurem Wunschzettel?
Fotos: Emily Weiss/ Into the Gloss (1), Shini Park/ Park & Cube (1), Rockstar Diaries (2), Etsy-Shop von Elephantine (3).
MARLENES STILKOLUMNE: RUCKSÄCKE
Letzte Woche, Einkaufsbummel durch Mitte, Unterhaltung mit mir selbst.
Schon bemerkt? Lauter Leute mit Rucksäcken unterwegs.
Du meinst die Touristen?
Nee, die hippen Mädchen.
Ach die. Am besten ignorieren.
Warum? Sieht doch gar nicht so schlecht aus. Guck mal, die da vorne zum Beispiel. Boots, langer Rock, Lederrucksack lässig über die Schulter geschwungen.
Wenn sie in dem Rucksack mehr trägt als eine Schachtel Öko-Zigaretten und ne Flasche Club Mate, hat sie heute Abend einen steifen Nacken.
Mann, bist du manchmal alt.
Ich bin sogar so alt, dass ich mich noch erinnern kann, wann ich das letzte Mal einen Rucksack hatte. Mit 15. Er war von Fjällräven und ich hatte ein Anarchie-A mit Kulli draufgemalt. Ich bin noch nicht bereit, ein Revival meiner Klamotten aus den 90er Jahren mitzumachen.
Interessant. Dann erklär mir mal bitte, warum du dir gerade eine gebatikte Jeans gekauft hast.
Das ist was völlig anderes!
Ach ja?
Ja. Außerdem lenkst du vom Thema ab. Gegen den Rucksack spricht auch, dass es zu viele entsetzliche Modelle gibt, die von der Suche abschrecken. Viel leichter und befriedigender, andere schöne Taschen zu finden.
Erinnerst du dich noch an dieses Mädchen in Paris? Die mit dem Beutel aus Bast und Leder?
Mhm, der war wirklich hübsch. Aber erstens hat sie ihn vermutlich in einem Vintage-Laden für nen Fünfer gekauft und für Vintage fehlt mir das Talent. Zweitens war sie sicher Französin und die können unerklärlicherweise alles tragen und sehen darin gut aus. Und drittens war sie knapp 20.
Und?
Und was ich dir eigentlich schon die ganze Zeit sagen will ist, dass ich für den Rucksack nicht nur zu alt, sondern auch ganz einfach zu uncool bin.
Vielleicht hast du Recht.
Moment! Wenn ich so drüber nachdenke...
Da ich mir in dieser Diskussion auch weiterhin selbst widerspreche, die Frage an euch: Rucksack - ja oder nein?
Marlene
MARLENES STILKOLUMNE: KOFFER PACKEN
Habt ihr Okka auch so sehr vermisst wie ich? Deshalb erstmal: Schön, dass du wieder da bist!
Ich war auch gerade eine Weile verschwunden, allerdings nicht ins Krankenbett sondern nur nach Hamburg. Morgen komm ich wieder zurück nach Berlin und da ich es hasse, zu packen, zeige ich euch lieber, was ich gerade packen sollte. Sieht das bei mir immer so ordentlich aus? Äh, nein. Ist das wirklich alles, was ich mitgenommen habe? Ähähähähä! Ein Grund, warum ich es hasse zu packen (vor einer Reise. Am Ende einer Reise habe ich keine Lust darauf, weil es das Ende der Reise bedeutet): Ich nehme immer zu viel mit und trotzdem fehlt mir immer etwas. Irgendwann habe ich dann haargenau auf das Lust, was daheim liegt. Meistens ein Teil, das ich sonst selten oder gar nicht trage. Das Schöne an einem vollständigen Kleiderschrank ist ja die Illusion der Auswahl.
Das Schöne an einer Reisegarderobe ist allerdings, dass man sich vor allem auf die Teile beschränkt, die man sowieso ständig trägt. Und in denen man sich auch in der Ferne zu Hause fühlt. Das sind meine:
1. Weißes Seidenhemd von Topshop. Geht unter und mit allem.
2. Doppelreiher von James Castle. Geht über und mit allem.
3. Weiße Jeans von Current/Elliott. Geht zu... okay, geht nicht zu allem. Aber fast. Im Sommer trage ich sie ständig. Im Winter beinahe noch lieber, weil sie gegen das Grau wirken.
4. Schwarze Stiefel von COS. Ein Paar Lieblingsschuhe müssen dabei sein und das sind gerade meine.
5. Blaue Jeans von COS. Ein Teil ist immer dabei, das man dann doch nicht trägt, obwohl man es liebt. Diesmal war es diese Jeans. Weil sie überm Knöchel endet und 15 Grad dann doch nicht warm genug sind, knöchelfrei zu gehen.
6. Sonnenbrille von Céline. Perfekt. Mehr nicht.
7. Graues T-Shirt von A.O.cms. Gute Farbe, guter Schnitt, gute Größe. In diesem T-Shirt wohne ich.
8. Tanktop von COS. Brauch ich. Immer.
9. Schwarzer Gürtel von Zara. Brauche ich nicht oft, aber manchmal ist so ein Gürtel ja doch nützlich.
10. Dunkelblauer Pulli mit V-Ausschnitt von Uniqlo. Geht unter, über und zu allem.
Und was darf bei euch auf keiner Reise fehlen?
Marlene
MARLENES STILKOLUMNE: TURNSCHUHE
Wenn ich Schuhe kaufe, kommt es ungefähr nie vor, dass ich denke: Ich MUSS neue Turnschuhe haben und zwar sofort. Seitdem ich 16 bin, tausche ich alle paar Jahre die alten Chucks gegen neue aus, ungefähr dann, wenn die Löcher in den alten so groß werden, dass es reinregnet. Zuerst waren sie immer schwarz, zuletzt immer weiß (die Frage "Hi-Tops oder Lo-Tops?" ist so überflüssig wie die Frage "St. Pauli oder HSV?" - wer Geschmack hat, muss sie nicht stellen). Jetzt wäre es mal wieder Zeit für ein neues Paar und plötzlich denke ich, dass ich Chucks inzwischen entwachsen sein könnte. Ich gebe meiner Freundin Lexi und ihren Isabel Marant-Sneakers die Schuld. Da die hoffnungslos ausverkauft sind, vielleicht stattdessen welche von New Balance in grau? Doch lieber die Nike AirMax? Oder weiße von Superga? Welche Turnschuhe würdet ihr gerade kaufen?
Marlene
Bild: Marlene Sörensen.
MARLENES STILKOLUMNE: GREATEST HITS
Ich war letzte Woche bei Cos. Eigentlich wollte ich nicht zu Cos. Ich wollte eigentlich überhaupt nicht einkaufen, so die nächsten paar Monate. Zwei Gründe, nein, drei:
1. Ich hab in Australien so viel eingekauft, dass der Staatshaushalt des Landes bis auf Weiteres ausgeglichen ist.
2. Wer will bei dem Wetter schon raus?
3. Ich hab in Australien so viel eingekauft, dass der Staatshaushalt des Landes bis auf Weiteres ausgeglichen ist.
Aber dann hatte ich auf der Friedrichstraße eine fatale halbe Stunde Zeit, stand plötzlich im Laden und hatte, ohne wirklich darüber nachzudenken, eine Tüte voll gepackt. Erst als ich zu Hause auspackte, fiel mir auf: alles dunkelblau da drin. Ein dunkelblaues Hemd. Eine dunkelblaue Kaschmirhose. Eine dunkelblaue Jeans. Zwei Mal dunkelblaue Wäsche. Ich kann das nicht mal auf vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit schieben - seit acht Wochen zum ersten Mal wieder bei Cos! Mwahahahaha! - mein Kleiderschrank ist auch schon so zur Hälfte blau.
Manchmal finde ich das langweilig. Dann wäre ich gerne eine Frau, die Muster trägt. Die in einem Laden als Erstes auf eine gelbe Bluse zusteuert - nicht als Letztes. Die Strümpfe mit Leopardenmuster zu Pumps mit Leopardenmuster trägt und es hinbekommt, dass das sensationell aussieht. Mutiger eben. Gewagter vielleicht. Ich bin diese Frau nicht. Werde ich auch nie sein. Und die meiste Zeit bin ich damit ganz zufrieden. Denn ich hatte irgendwann Lust, mich zu entscheiden. Nein, anders: Ich hatte irgendwann keine Lust mehr zu zweifeln. Ob ich richtig aussehe. Ob ich mich richtig anziehe. Ob das alles nicht noch richtiger sein könnte. Ich frage mich das immer noch, mitunter. Wenn die 23-Jährige in mir sagt: Weißt du noch, als wir uns die Haare streichholzkurz abgeschnitten und dunkelbraun gefärbt haben? War das lustig! Als wir Fellwesten getragen haben und bauchfreie Tops? Als wir unbedingt Bauernblusen haben mussten? Dann antworte ich: Weiß ich alles. Ich weiß auch noch, dass ich mir oft verkleidet vorkam. Wie eine andere aussehen wollte, nicht wie ich. Als Okka mich fragte, welche Teile ich in meinem Schrank am meisten liebe, wusste ich: es sind nicht die aufregendsten oder die teuersten oder die einzigartigsten. Es sind die, die ich immer wieder kaufen könnte. Die, in denen ich am meisten aussehe wie ich:
Ein weißes Hemd aus der Stella McCartney für H&M-Kollektion und damit circa 100 Jahre alt. Ich trau mich nur noch, es per Hand zu waschen, obwohl es immer noch verdammt gut aussieht. Ich könnt´s nur nicht ertragen, wenn es irgendwann mal kaputt ginge oder verfärbt würde. Das perfekte Hemd.
Eine schwarze Wollhose von James Castle. Ist nicht das einzige Stück, das mein Mann je für mich entworfen hat. Aber das, was ich jeden Tag anziehen könnte und es meistens auch tue. Passt zu allem.
Ein dunkelblauer Männer-Pulli mit V-Ausschnitt. Ich habe die Theorie, dass Männer-Pullover an Frauen meistens besser aussehen als die meisten Frauen-Pullover. Weil es eine bessere Theorie ist als die, dass der Pullover einfach sehr gemütlich ist.
Ein schwarzer Wollmantel von Zara. Geschnitten wie ein Trenchcoat, was ich sehr mag. Hält dabei warm, das mag ich auch. Und: Ich kann den Kragen hochschlagen und aussehen wie ein Privatdetektiv, was ich besonders mag.
Pumps mit Leopardenmuster. Die trage ich vielleicht nicht zu gemusterten Socken. Aber wenn eine wie ich vor allem Jeans und schlichte Hemden trägt, braucht´s an der Sohle ein bisschen Show. Ich habe einen ganzen Schrank voller Schuhe, die eigentlich auf den roten Teppich gehören. Und diese von Rupert Sanderson sind Oscar-verdächtig.
Das Seidenkleid, das ich im Foto oben trage. Eigentlich ist es noch zu neu, um schon einen Platz in den Greatest Hits in meinem Kleiderschrank zu verdienen. Aber es ist das Kleid, das ich schon immer finden wollte. Vermutlich, weil es aussieht wie ein langes weißes Hemd. Ich weiß jetzt schon, dass ich es die nächsten zehn Jahre tragen werde.
Und was sind eure Lieblingsteile im Schrank?
Marlene
STILKOLUMNE
Früher, als Okka und ich ein Büro teilten, gab es die Schreibmützentage. Eine Idee von Okka und eine großartige dazu. Sobald eine von uns eine Wollmütze aufhatte, wusste die andere: Sie muss sich aufs Schreiben konzentrieren und damit sie keinen Nervenzusammenbruch kriegt, bevor der verdammte Text fertig ist, spricht man sie besser nicht an. Ausnahme: zur Absprache der Schokoladenzufuhr. Tage, an denen wir beide eine Mütze trugen, müssen für unsere Kollegen die Hölle gewesen sein.
Obwohl Okka und ich - leider! - schon lange nicht mehr in einem Büro sitzen: Das Ritual, eine Mütze aufzusetzen, sobald es mit einem Text kompliziert wird, ist geblieben. Es hilft.
Und genau wie die Mütze, hilft dieser Hut. Nicht beim Schreiben, dafür gehen nur bestimmte Mützen (klingt wahnsinnig, ist es auch. Wenn man manchmal um drei Uhr morgens über einem Text sitzt und keine Worte findet, ist man dem Wahnsinn halt sehr nah). Nein, der Hut hilft gegen Novembertage. Gegen Tage, an denen ich morgens am liebsten im Bett liegen würde, weil so viel zu tun ist, dass ich denke: schaff ich eh nicht, lass mich in Ruh. Gegen Ich-bin-heute-ganz-klein-ohne-Hut-Tage. Denn dieser Hut, er macht größer. Aufrechter. Gewappneter. Selbst wenn ich nur das Altglas wegbringe oder bei meiner Krankenkasse anrufen muss (trage ich den Hut drinnen? Manchmal - wenn ich bei meiner Krankenkasse anrufen muss). Er ist der Trick, den ich anwende, wenn ich vom Erwachsensein mal kurz entzaubert bin. Ein Paar spitze schwarze Stilettos haben die gleichen magischen Kräfte. Und ein knatschroter Lippenstift.
Und weil heute einer dieser Tage ist, will ich wissen: Was sind eure Schreibmützen?
Marlene
STILKOLUMNE
Gewisse Sachen in meinem Kleiderschrank kann ich mir ehrlich nicht erklären (drei wahllose Beispiele: ein geblümtes Kleid mit Ballonrock, eine fast durchsichtige weiße Stoffhose, eine Baseballjacke aus Ballonseide). Aber warum ich jetzt eine weinrote Cordschlaghose besitze, weiß ich genau: meine Freundin Sandra ist Schuld. Genau diese Hose hatte sie an, als sie mich letzte Woche besuchte, und sah so lässig darin aus, dass ich noch im Flur anfing, sie auszufragen: Woher hast du die? Gibt´s die noch in anderen Farben? Darf ich sie bitte auf der Stelle anprobieren?
Später am Abend erklärte ich dem Mann, dass ich am nächsten Tag zu Stefanel gehen würde, um mir eine Cordhose zu kaufen. Der Mann, der sich nie etwas kauft, ohne darüber nachzudenken und deshalb irritierenderweise eine Garderobe besitzt, in der alles zusammen passt, sagte "Ok."
"Aber?"
"Aber: Ich hab neulich selbst welche anprobiert."
"Ach."
"Und Cordhosen erinnern mich irgendwie an die Jungs auf meinem Art College, die mit den Fusselhaaren und gebatikten T-Shirts."
Ich überlegte kurz und sagte: "Ich halte Ali McGraw, circa zur Zeit von "Love Story" dagegen. Der Mann, der kein Kenner von "Love Story" ist, guckte mich fragend an, ich erklärte es ihm: "Die Hose darf nicht aus breitem Cord sein, sondern muss aus Samtcord sein. Dazu keine Turnschuhe, sondern Absätze. Ein Peacoat. Und vielleicht eine Bluse in zartrosa oder ein Jeanshemd. Ich besitze nämlich nicht mal ein gebatiktes T-Shirt! Glaube ich zumindest."
Ali MacGraw in den 70ern hat mich dann plötzlich auch noch auf eine ganz andere Einkaufsidee gebracht: den Rollkragenpullover. Aber das könnte ich nun wirklich keinem erklären.
PS: Sandra hat nicht nur einen fabelhaften Hosengeschmack, sie ist auch eine wundervolle Fotografin, wie man hier sehen kann.
Cordhosen findet man außer bei Stefanel auch noch bei: Gap, Mother (über Net-a-porter), Closed oder Seven for all mankind (über Stylebop).
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