Lieblingsläden in Berlin: Ting







Auf dem Heimweg diesen neuen Laden gesehen, gleich bei mir um die Ecke. Leider keine Zeit gehabt. Am nächsten Tag sofort hingegangen, um zu gucken, ob der Laden wirklich so gut ist, wie er beim Vorbeigehen aussah. Reingegangen. Sofort hysterisch geworden. Ahhh, diese Metallhocker. Die Taschen. Die Kissen. Die Vasen, sind die japanisch? Was ist das hier überhaupt, irgendwie sieht das so skandinavisch aus und dann wieder so asiatisch? Ob ich einen Kaffee will? Gerne, danke. Und zwei von diesen Schokofröschen mit Cremefüllung, bitte. Und eins von diesen karierten Tabletts. Und so einen Stofffisch, den nehm ich für Fanny mit. Und drei Rollen buntes Klebeband. Und diese Geschenkanhänger für meine Schwester. 

Ist das schön hier. Seit wann gibt es Ting?
Laura Huppert: Seit zwei Monaten, eröffnet haben wir am 19. März.

Betreibst du den Laden alleine?
Mh, ja, ich bin einziger Inhaber und das Tagtägliche mache ich allein - aber mein Freund Chriz hat mir so viel bei den Vorbereitungen geholfen, beim Einkauf, Renovieren, und überhaupt mit dem Denken, dass es irgendwie auch unser gemeinsames Herzensprojekt ist. Samstags ist er auch als Unterstützung im Laden. Deshalb sage ich meistens "unser Laden".

Wann hattest du die Idee für diesen Laden?
Einen Laden wollte ich schon immer. Als Kind habe ich vor dem Spielplatz Gänseblümchen an Passanten verkauft, ein kleiner Kaufmann steckt da also schon lange drin. Auch in anderen Jobs habe ich oft von so einem Laden geträumt. Den Ausschlag hat dann eine Reise nach Tokyo vor einem guten Jahr gegeben. Dort gab es einfach die unglaublichsten kleinen Geschäfte, von denen ganz viele skandinavische und asiatische Einflüsse gemischt haben. Da war mir klar, dass ich das auch mal versuchen will. 

Was bedeutet der Name Ting?
Auf Dänisch bedeutet es ganz einfach Dinge, was super ist, weil ich ein richtiger Ding-Mensch bin. Und auf chinesisch hat Ting je nach Aussprache und Zeichen ganz verschiedene Bedeutungen, wovon eine kurz anhalten ist und daraus dann ting y ting: eine kleine Pause machen.

Wie kommst du ausgerechnet auf Asien und Skandinavien?
Das sind einfach zwei Gegenden, an die ich mein Reiseherz verloren haben. Nach Asien zieht es mich seit einer langen Reise nach dem Abi immer wieder. Vor der Gründung von Ting habe ich auch einen meiner Träume verwirklicht und zusammen mit Chriz für anderthalb Jahre in Peking gewohnt und von dort aus die Gegend erkundet. Und Chriz kommt aus Dänemark, so dass ich einen wirklich tiefen Einblick in das dänische Design bekommen habe, was dort einen ganz anderen, auch gesellschaftlichen Stellenwert hat als hier. Ich finde auch, dass viele Produkte in ihrer Schlichtheit und Ästhetik richtig gut zusammen passen. 

Gehst du bei schönen Produkten auch mal fremd?
Ein Fremdgehprodukt muss ich gestehen, und zwar den leckeren Løv Organic Tee. Der kommt eigentlich von den Kusmi-Tee-Machern aus Frankreich, behauptet aber skandinavisch inspiriert zu sein. Dann ist die Verpackung auch wirklich hübsch!

Bunte Papierboxen, Stempelsets, Hocker aus Metall, Kuscheltiere, aber auch ein anständiger Kaffee - was genau verkaufst du hier alles?
Das Konzept ist eigentlich: schöne Dinge aus dem nahen Norden und fernen Osten. Ich gehe danach, was mir gefällt. Zur Zeit sind es hauptsächlich Sachen für zu Hause wie handgewebte Baumwolldecken, dänische 60er Jahre Vintage-Möbel, neue Lampen und Tische, Papierkram wie zum Beispiel Hefte aus China, koreanische Stifte und Anhänger aus Dänemark. Und dann ganz viele Taschen, unter anderem von der großartigen Yumiko Sekine und ihrem Label foglinen work aus Japan. Und ein bisschen schöner Schmuck und Kleider, hauptsächlich von jungen Designer aus Bangkok.

Woher beziehst du die Sachen?
Das meiste haben Chriz und ich selbst in Asien oder Dänemark zusammengesucht und mitgeschleppt oder geschickt. Die Sachen von foglinen work habe ich zum ersten Mal in Tokyo gesehen und mich total gefreut, dass ich sie auch hierher bestellen konnte. Die Vintage-Möbel und Kleinigkeiten suchen wir auf dem Land in Dänemark zusammen. Ich liebe diese Suche nach Schätzen und es ist großartig, nicht mehr dauernd denken zu müssen "Oh, aber die Wohnung ist doch schon so voll", sondern es einfach für den Laden kaufen zu können. Bei den Süßigkeiten zum Kaffee (oh, noch eine Ausnahme: eine Berliner Röstung) und den Getränken halten wir uns an bewährte dänische Klassiker, die wir auch noch im Auto mitgenommen haben. Und ein paar Sachen bestelle ich natürlich auch einfach bei skandinavischen Herstellern, die mir gefallen.

Gibt es für alle Nicht-Berliner auch einen Online-Shop?
Daran arbeite ich gerade. Leider geht es parallel zum Laden nicht ganz so schnell vorwärts, aber ein paar Produkte sind schon online und ich versuche, laufend mehr reinzustellen.

Was ist für die Zukunft geplant?
In näherer Zukunft sind Einkaufsreisen nach Dänemark und Asien geplant, damit ich meine Kunden weiter mit schönen neuen Sachen überraschen kann. Der ganz große Zukunftstraum wäre ein kleiner Ting-Laden irgendwo am Meer, wo ich die Hälfte des Jahres verbringe, und die andere Hälfte reise ich durch die Welt und kaufe schöne Sachen. Aber erstmal ist alles prima, so wie es ist.

Fotos: Benedict Sicheneder für Ting (1 & 2), alle anderen Fotos sind von mir.

Ting, Rykestraße 41, 10405 Berlin, Telefon: 030 - 53 79 65 06, Di - Fr 11-19 Uhr, Sa 11-17:30 Uhr.

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