NEUIGKEITEN: MEIN ERSTES BUCH


Himmel, wie schreibe ich das jetzt? Vielleicht einfach so: Ich habe ein Buch geschrieben. Über meine ersten Monate und Jahre als Mama. Es erscheint im Oktober bei Rowohlt. Je nach Tagesform bin ich irre glücklich, magenumdrehend aufgeregt, fix und alle, stolz und durcheinander, meistens alles zugleich. Ich habe ein paar Monate daran gearbeitet, viel verworfen und wieder neu geschrieben, kiloweise Lakritz gefuttert, herumgezweifelt und dämliche Handyspiele gespielt, aber jetzt ist es fertig. Ich kann es noch nicht wirklich glauben. Aber ich freue mich sehr.

Hier gibt es mehr Details über "Völlig fertig und irre glücklich".

KOSMETIK-SOMMERLIEBLINGE



Manchmal gibt es Momente, in denen einfach alles stimmt, alles leicht ist, alles jetzt. Montagnacht hatte ich so einen Moment, als ich von Marlene nach Hause fuhr, glücklich über einen schönen Abend mit Arlo, Alexa und Melanie. Die Straßen waren schon leer, nur in den Cafés und Restaurants saßen noch ein paar Gäste. Weil ich mir nicht ganz sicher war, ob es doch wieder anfängt zu regnen, hatte ich meine Jeansjacke übergezogen, aber es war so warm, dass ich schon nach ein paar Metern wieder die Jacke auszog. Ich fuhr mit dem Rad durch die Straßen, kein Auto weit und breit, und grinste vor mich hin. Sommerglück ist einfaches Glück, oder? Eine Wassermelone. Ein Erdbeereis mit Marshmellows. Mit dem kleinen Mädchen durch den herrlich kalten Bachlauf im Friedrichshain gehen. Platzregen vorm Fenster und ich stöhne, nicht schon wieder, bis ich lautes Lachen höre und rausgucke und die Kinder aus dem Haus im Innenhof regentanzen. Reisevorbereitungskribbeln. Nackte, schwarz gespielte Kinderfüße. Eine Tüte Steine, die mein Papa am dänischen Strand für mich gesammelt hat. Knalliger Sommernagellack. Das wollte ich ja eigentlich auch aufschreiben. Meine Kosmetik-Sommerlieblinge, hier sind sie:

1
Ich brauche morgens ewig, um wach zu werden. Damit man mir das nicht ganz so ansieht, mag ich Farbe auf den Lippen. Der "Joli Rouge Brillant-Lippenstift" von Clarins in der Farbe "Coral Tulip" ist ein koralliges, aber eher transparentes Rot, mit dem man sofort viel frischer aussieht, als man sich fühlt.

2
Noch ein Lippenstift, den ich gerade sehr mag: den "Colour-Crush-Shine-Lippenstift" in "Sunset Romance" vom Body Shop. Ein leichter, glossiger Pinkton (und überhaupt der erste Pinkton, der mir steht). Schön unkompliziert, schön feuchtigkeitsspendend.

3
"Deodorant Cream" von Soapwalla. Ich bin schon länger auf der Suche nach einem aluminiumfreien Deo, überzeugen konnte mich bislang aber keines. Mit dieser Deo-Creme bin ich jetzt endlich fündig geworden. Sie wirkt auch bei 30 Grad zuverlässlich mit Tonerde, Lavendel, Pfefferminze und Teebaum.

4
Der "Scandalous Lives of N.Y."-Lack von Anny. Ist das Pink? Oder Koralle? Mein erster Lack von Anny gefällt mir wirklich gut. Die Farbe ist schön deckend, hält lange und sagt Sommer.

5
Der Reinigungsschaum von Caudalie war eine Empfehlung meiner Mama, und was soll ich sagen: Mama weiß eben, was gut ist. Dieser Schaum mit Traube und Salbei ist herrlich erfrischend, aber auch sehr gründlich. Und beeindruckend ergiebig. Wird auf jeden Fall nachgekauft.

6
Weil mir der Schaum so gefallen hat, habe ich auch das "Moisturizing Sorbet" von Caudalie ausprobiert. Das erinnert in der Konsistenz ein bisschen an Mousse au Chocolat, versorgt die Haut bei aller Leichtigkeit aber mit viel Feuchtigkeit, ohne dabei zu glänzen. Auch das wird auf jeden Fall wieder gekauft.

7
Mein Sommerparfüm: "Vetiver & Black Tea" von Kiehl´s. Schwer, diesen Duft aus Süßgras und schwarzem Tee zu beschreiben, er ist holzig, aber auch sehr frisch – er erinnert mich ein bisschen an diesen starken, schwarzen Tee mit Minze, den ich in den Ferien mal in Paris getrunken habe... wahrscheinlich mag ich ihn deshalb so.

Was sind eure Sommerlieblinge? Und haut das hin mit dem Weltmeistertitel?
Schönes Wochenende und schönes Spiel!

WAS GIBT`S ZUM ABENDBROT?
SPAGHETTI MIT OLIVEN, GETROCKNETEN TOMATEN UND FETA
(UND EIN TIPP FÜR ALLE BERLINER)



Am Wochenende koche ich gerne langsam und ausführlich. Unter der Woche mag ich es schnell und praktisch. Dieses Rezept passt genau in diese Kategorie. Man braucht keine komplizierten Zutaten und nicht viel Zeit, aber der Geschmack von getrockneten Tomaten mit schwarzen Oliven, cremigem Feta und frischem Basilikum, der ist schon sehr gut. Die Art Essen, die einen mit einem holprigen Tag versöhnt. Wir essen diese Nudeln aber auch gerne, weil sie ein super Kinderessen sind, wenn man einfach ein bisschen pure Tomatensoße aufhebt und hinterher Feta drüber streut (falls das Kind denn Feta mag). Das Rezept ist das erste, das ich aus dem neuen Mutti-Magazin probiert habe. Das gefällt auf den ersten Blick, ein zweiter folgt noch.

ZUTATEN FÜR SPAGHETTI MIT OLIVEN, GETROCKNETEN TOMATEN UND FETA
(für vier Portionen)

* 400g Spaghetti
* 75g Oliven (ich mag die schwarzen, aber man kann auch grüne nehmen – ohne Stein)
* 100g getrocknete Tomaten (ich nehme die schon in Streifen geschnittenen aus dem Glas)
* 2 Knoblauchzehen
* 1 Zwiebel
* Schuss Olivenöl
* 2 Gläser Tomatensoße
* Prise Salz, Pfeffer, Zucker
* 100g Feta
* frischer Basilikum

Die Spaghetti in kochendem Salzwasser nach Packungsanweisung zubereiten.
Die Oliven abtropfen lassen und halbieren.
Die Tomaten in feine Streifen schneiden.
Den Knoblauch und die Zwiebel fein hacken.
Olivenöl in einem Topf erhitzen.
Den Knoblauch, die Zwiebeln und die getrockneten Tomaten darin andünsten.
Die Oliven und die Tomatensoße dazu geben.
Die Gläser mit etwas Wasser ausspülen und den Inhalt zugießen.
Die Soße 2-3 Minuten köcheln lassen.
Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken.
Den Feta zerbröckeln.
Die Spaghetti abtropfen lassen, mit der Soße vermischen und mit Feta bestreuen.
Dazu ein paar Blätter Basilikum.



***
Und ein Tipp für alle Berliner: Am Mittwoch (9. Juli) eröffnet passend zur Fashion Week um 16 Uhr der "Wild Heart Free Soul Bazaar". Präsentiert werden farbenprächtige Nomaden-Kilims, Kilim-Kissen, Hamam-Handtücher, ausgewählte Vintage-Designer-Mode, Accessoires und Halstücher. Zu den Unikaten aus Anatolien gibt es eisgekühltes Bier und Gebäck. Ich bin auf jeden Fall dabei.
Wo? WHFS-Atölye in der Elisabethkirchstraße 13 in Berlin-Mitte
Wann? Mittwoch (9. Juli) von 16-22 h und Donnerstag bis Samstag (10. – 12. Juli) von 12-18 h.
Wer macht das? Beyza, Lena und Jana.
Wo kann ich mehr erfahren? http://wildheartfreesoul.com

Kommt gut in die Woche!

JUNI 2014



Wäre der Juni eine Farbe, wäre er hellblau gewesen, sommernachmittagshellblau. Endlich mal keine Wolke am Himmel in diesem Jahr, das sich bislang so gar nicht entscheiden kann, was es denn sein will: ziemlich super oder ziemlich daneben. Der Juni war federleicht. Sommerschuhe im Spielplatzsand. Und hinterher Marshmellows mit Erdbeereis. Ein Besuch meiner Schwester und ihrer hinreißenden Tochter, die Fanny Gänseblümchen ins Haar geflochten hat. Eine Make-up-Lesson bei Mac, die ich schon ewig machen wollte und die ich toll und lehrreich fand. Ein Pusteblumentuch von &Other Stories. Der Schweinsbär auf Reisen, was mit muss, muss mit. Und jede Menge Kuchen. Ihrer. Und meiner.

Noch ein paar Dinge, die mir gute Laune machen:
* Erdbeeren, Erdbeeren, Erdbeeren.
* Kirschen, Kirschen, Kirschen.
* Um zehn rauszugucken, und es ist noch hell.
* Die Vorfreude auf unseren New York-Urlaub. Rumzulesen und kleine Punkte in meinen Stadtplan zu malen.
* Der Hinterhof im Sommer. Ich mag das so. Das Kinderkichern und das Himmel-und-Hölle-Hüpfen, das Geschirrklappern, der Typ aus dem Haus nebenan, der immer Reggae hört, die leisen Gespräche der grillenden Nachbarn und zwischendurch ihr lautes Lachen, der Regen, manchmal.
* Und um fünf Uhr morgens aufzuwachen, weil die Vögel vorm Fenster so laut tschilpen, und auf die Uhr zu gucken und zu wissen: Ich kann noch weiterschlafen.
* Sommerfaulheit. Diese Faulheit, die sich einstellt, wenn es so heiß ist, dass man sich sowieso nicht mehr bewegen kann, und einfach so daliegt, auf dem Bauch einen Becher Eis, und im Fernsehen läuft irgendein furchtbar schlechter Film, den man aber doch zu Ende guckt.
* Die Quesadillas von Maria Bonita. Sowas von gut. Und mein Glücksbringer für die Deutschland-Spiele. Gegen Frankreich muss es dann wohl eine doppelte Portion sein.
* Die Kinderessen von mikodesign auf Instagram. Wie hinreißend.
* "Baked Sweet Potato Tater Tots"? Muss ich probieren. Und die Pizza mit gegrillter Feige und Ziegenkäse. Ach, und die "Spinach + Feta Pasties".

Hoffe, der Juni war auch nett zu euch.

EIN SPAZIERGANG DURCH BERLIN-MITTE (UND EINE LISTE
VON LIEBLINGSADRESSEN)



Manchmal braucht es nur eine kleine Pause. Einmal kurz durchatmen, rausgehen, spazieren, rumgucken. Der letzte Mittwoch war so ein Tag, ein geschenkter Tag. Verbracht habe ich ihn mit einem Spaziergang durch Mitte, einem Mittagessen mit Marlene (und Arlo!) und einem Bummel durch ein paar Lieblingsshops und solche, die ich mir schon länger mal ansehen wollte. Schön war das, ein Ferientag in der eigenen Stadt. Hier sind ein paar Lieblingsadressen:

* Vom Einfachen das Gute
Der Name beschreibt es sehr gut: Vom Einfachen das Gute. Die Auswahl in diesem schönen Lebensmittelgeschäft ist nicht riesig, aber toll: Wein, Brot, Wurst, Schinken, Käse, Senf, verschiedene Soßen und die "Moroccan Spiced Almonds", die ich dem Mann als Überraschung mitgebracht habe.
Invalidenstr. 155, 10115 Berlin, Mo-Sa 10-20 Uhr.

* Parkhaus
Wie kann man diesen Concept-Store am besten beschreiben? Vielleicht wie eine Wohnung, in die man sofort einziehen möchte. Überall gibt es Schätze zu entdecken – Papiergirlanden fürs Kinderzimmer, gute Bücher, Eiffelturm-Flaschenöffner, duftende Radiergummis, aber auch Lampen, Tische oder Stühle für größere Verschönerungsmaßnahmen. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen, wenn ich auf der Suche nach einem besonderen Geschenk bin (oder endlich mal unser Schlafzimmer renoviere).
Schröderstr. 13, 10115 Berlin, Di-Fr 12-19h, Sa: 12-18h.

* Tiny
Dieser Kinderladen ist einfach zu schön. Passiert mir selten, dass ich wirklich alles toll finde, was im Angebot ist, aber "Tiny" hat mich wirklich zum Rumstammeln gebracht. "Ist das süß!". "Oh Gott, und DAS hier." "Ohhhhh." Mitgenommen habe ich am Ende ein gepunktetes Portemonnaie für Fanny, eine Packung Wachsmalstifte und Dinosaurier-Tattoos. Wenn das nicht der Anfang einer großen Liebe ist, dann weiß ich auch nicht.
Schröderstr. 14, 10115 Berlin, Mo-Fr 11-19h, Sa: 11-18h.

* Alpenstück Manufaktur
"Süddeutsche Heimatküche – mit Liebe gemacht" steht in dem kleinen Prospekt, den der nette Mann hinter der Theke mir mitgegeben hat. Und diese Liebe merkt man der feinen Auswahl von Lebensmitteln aus eigener Herstellung auch an: Tomatenmarmelade, Orangen-Chili-Marmelade, Kekse, Maultaschen – ich freu mich schon darauf, hier mal für ein ganz besonderes Abendbrot einzukaufen, vielleicht, wenn meine Mama zu Besuch kommt. Direkt gegenüber ist übrigens das Alpenstück-Café (mit Bäckerei), dem ich nur widerstanden habe, weil es zum Mittagessen zu Mogg & Melzer ging.
Alpenstück Manufaktur, Schröderstr. 15, 10115 Berlin, Mo-Sa 10-18h, 
Alpenstück Café und Bäckerei, Schröderstr. 1, 10115 Berlin, Mo-Fr 7-19h, Sa-So 8-18h.

* Mogg & Melzer
Zwei Worte, für die ich mich jederzeit aufs Fahrrad setze: Reuben-Sandwich. Hier gibt es ein sensationell gutes. Mein Mann isst lieber das Pastrami-Sandwich (und meckert netterweise nicht, wenn ich ihm den Krautsalat klaue, den ich so mag). Marlenes Bagel sah auch sehr gut aus.
Auguststr. 11-13, 10117 Berlin, Mo-Fr ab 8h, Sa & So ab 10h.

* Princess Cheesecake
Falls danach noch etwas zum Glück fehlt oder man einfach Lust auf richtig guten Käsekuchen hat. Hier ausführlicher beschwärmt.
Tucholskystr. 37, 10117 Berlin, Mo-So 10-19h.

* Konk
Einer dieser Läden, in denen man findet, wonach man nie gesucht hat. Das ist vor allem Mode von Berliner Designern, aber auch wirklich schöner Schmuck und Accessoires. Außerdem wird man hier ganz außergewöhnlich nett und aufmerksam behandelt, das mag ich sehr.
Kleine Hamburger Str. 15, 10117 Berlin, Mo-Fr 12-19h, Sa 12-18h.

* Do you read me?!
Eine richtig gute Auswahl an internationalen Magazinen – hier gibt´s meine Lieblingsmagazine, aber immer wieder auch tolle Neuentdeckungen. Und ich mag die Notizbücher ("who is afraid of 95 sheets of white paper?!").
Auguststr. 28, 10117 Berlin, Mo-Sa 10-19.30h.

* R.S.V.P.
Ich habe eindeutig einen Papierknall. Auf (und unter) meinem Schreibtisch stapeln sich die Notizbücher, was mich allerdings nicht davon abhält, nach neuen zu schauen. Am liebsten in diesem feinen Laden für Schreibwaren aus der ganzen Welt.
Mulackstr. 14, 10119 Berlin, Mo-Do 11-19h, Fr-Sa 11-20h.

* Aesop
Selten einen so schön designten Laden gesehen wie den Aesop-Store in der Alten Schönhauser Straße. Außerdem ist die Beratung wirklich beeindruckend – bei einem frischgebrühten Tee (hatte ich auch noch nie), werden einem in aller Ruhe die Produkte gezeigt, man darf alles probieren und bekommt großzügig Proben, bevor man etwas kauft. Entdeckt habe ich dabei die "Parsley Seed Cleansing Masque" – die leider kein Schnäppchen ist, aber richtig gut – und das vegane Foodblog der supernetten Verkäuferin: Wholy Goodness.
Alte Schönhauser Str. 48, 10119 Berlin, Mo-Sa 11-19h. 

* Zeit für Brot
Diese Zimtschnecken. Diese Zimtschnecken. Diese Zimtschnecken. Womit auch schon alles gesagt wäre, außer: das Brot in dieser Bäckerei ist auch hervorragend.
Alte Schönhauser Str. 4, 10119 Berlin, Mo-Fr 7:30-20h, Sa: 8-20h, So 8-18h. 

Für demnächst vorgemerkt:

* Wolfen
Im Herbst werde ich auf eine Strickjacke von Wolfen sparen.
Auguststr. 41, 10119 Berlin, Mo-Fr 12-19h, Sa 12-18h.

* Ocelot
Ein toller Buchladen, in dem man einen Nachmittag mühelos vertrödeln kann.
Brunnenstr. 181, 10119 Berlin, Mo-Sa 10-20h. 

* Joris
Ich muss wirklich mal wieder zu Joris. Hier gibt es leckere Salate und Suppen und vor allem: Backkartoffeln – genau das richtige Mittagessen, um danach loszuziehen.
Brunnenstr. 158, 10115 Berlin, Mo-Fr 9-17h.

* Du Bonheur
Und zum Nachtisch bitte ein Karamell- oder Kaffee-Macaron von Du Bonheur. Oder ein Canelé. Oder diese Blätterteig-Ungeheuerlichkeit mit Creme. Oder. Oder.
Brunnenstr. 39, 10115 Berlin, Mi-Fr 8-19h, Sa-So 9-19h. 

* Café Oliv
Ich mag das Café Oliv. Die Einrichtung ist schön, die Stimmung entspannt, der Kuchen und die Salate richtig gut. Ein schöner Ort für eine Pause oder eine Verabredung mit einer Freundin.
Münzstr. 8, 10178 Berlin, Mo-Fr 8.30-19h, Sa 9.30-19h, So 10-18h.

Eine schöne Woche!

BOYHOOD




Zehn Tage ist es jetzt her, dass ich Boyhood gesehen habe. Und immer noch schieben sich Bilder aus dem Film in meinen Nichtfilmalltag, muss ich lächeln, weil wieder eine Erinnerung hochkommt, rumort ein gar nicht so böse gemeinter Satz in mir, als wäre er meinem Leben passiert. Ich bin im Kino nie ein wahnsinnig analytischer Mensch gewesen, aber so nahe wie Boyhood ist mir selten ein Film gegangen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er ein großartiger, warmherziger, virtuos geschriebener und gespielter Film ist – aber dass er sich so verhakt, liegt wahrscheinlich eher daran, dass er auch ein Nicht-Film ist, dass man, während man im Kinosessel sitzt und der Freundin ins Ohr flüstert, dass dieser Film bitte nie zu Ende gehen darf, auch dem Leben selbst zusieht.

Dem Älterwerden, Größerwerden, Erwachsenwerden, Anderswerden, noch Älterwerden, dem Wachsen an der Zeit, dem Verletztwerden durch die Zeit. Die Schauspieler, die das so toll spielen, werden im Verlauf der gut zweieinhalb Stunden, die Boyhood dauert, ja tatsächlich zwölf Jahre älter. Aus einem sechsjährigen Jungen wird ein 18-Jähriger, der von zu Hause auszieht. Aus seiner achtjährigen Schwester eine junge Frau. Aus einer jungen Mutter eine geschiedene Frau, der die Liebe zwar weh getan hat, die aber trotzdem entschieden weiterliebt. Aus einem jungen, sich gegen das Solidesein wehrenden Vater einer, der doch noch die Kurve kriegt. Dieses Älter- und Anderswerden ist es, was an Richard Linklaters Film nicht nur Film, sondern Leben ist. Was einem sofort alle möglichen Fragen in den Kopf und ins Herz treibt: Wie wird mein Kind sein, in zwölf Jahren? Wie werde ich sein, in zwölf Jahren? Wie kann die Zeit bloß so schnell vergehen? Wo ist die Pausetaste, wenn man sie braucht? Wie kriegt man es hin, sich nicht kleinkriegen zu lassen? Und wie schafft man es, den Moment öfter mal im Moment zu sehen, statt später, hinterher, beim Zurückschauen?

Was ich auch mochte: Wie ernst Linklater die Kindheit und Zeit als Teenager nimmt. Mit welcher Wärme und Genauigkeit er sie betrachtet. Die Verzweiflung darüber, dass die eigenen Eltern einen so wenig verstehen. Das Erstaunen, wenn die eigenen Eltern einen wirklich verstehen. Die Verbundenheit zu Geschwistern, die man manchmal zum Mond schießen könnte. Die Frustration darüber, jemand zu sein, für den Entscheidungen getroffen werden (selten die, die man selbst getroffen hätte). Die Grausamkeit, dem Leben der Eltern hinterher ziehen zu müssen, in eine neue Stadt, eine neue Schule, eine neue Nachbarschaft. Der Augenblick, in dem man weiß: Jetzt hat man sich verknallt, zum ersten Mal, so richtig. Der Augenblick, in dem man weiß: Das war es jetzt mit der ersten Liebe, für immer war nicht für ewig. Die Wut auf sich selbst und das verdammte Unvermögen, die Dinge so auszusprechen, wie man sie fühlt und denkt. Die Aufregung, wenn man etwas gefunden hat, das man wirklich gerne tut, wirklich liebt.

Am Ende dann dieser Moment, in dem man diesem Jungen und seiner Mutter zusieht und beiden so gut nachfühlen kann. Da ist der Junge, der erwachsen geworden ist und von zu Hause auszieht (ich erinnere mich noch so gut an den Tag, als ich mit meinem Bruder in eine WG zog, die Tür zur neuen Wohnung öffnete, unserer eigenen Wohnung, Tag eins einer neuen Zeitrechnung). Und die Mutter, die am Küchentisch sitzt und nicht weinen will, aber auch nicht nicht weinen kann, während sie ihrem Kind, das ein Erwachsener geworden ist, beim Packen zusieht, bis es sich umdreht und geht (ich möchte mir diesen Tag lieber nicht vorstellen).

Es ist vielleicht das Einzige, das ich an Boyhood schrecklich fand. Dass er dann doch zu Ende ging.

UND WIE MACHST DU DAS, HELENE?



Hier ist mal wieder eine neue Folge meines Mutter-Fragebogens. Ausgefüllt hat ihn Helene, Mutter von Åsa, Beraterin für strategische Kommunikation und Inhaberin des Online-Shops "Nordliebe".

Name: Helene
Alter: 35
Mutter von: Åsa, 4 Jahre
Stadt: Berlin

Wie ist bei dir die Kinderbetreuung organisiert? Bist du zufrieden damit?
Meine Tochter geht in die Kita und wird nachmittags von mir und manchmal von unserer Kinderfrau abgeholt. An diesen Tagen kann ich länger arbeiten, das entlastet mich und ermöglicht mir eine gewisse Flexibilität.

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?
Bei mir sieht eigentlich kein Tag gleich aus. Ich bringe meine Tochter morgens in die Kita. Danach bin ich beim Kunden, im Büro, im Lager, habe Termine, arbeite zwischendrin mal vom Café aus, wenn es eine Stunde zwischen Terminen gibt. Alle diese Tage müssen sehr gut organisiert sein, damit alles klappt. Sonntagabend plane ich meistens die neue Woche durch. Dabei versuche ich, die Wege kurz zu halten, unnötige Fahrstrecken zu vermeiden, Telefonkonferenzen so zu legen, dass ich sie unterwegs erledigen kann. Die größte Herausforderung ist es, immer alles Notwendige dabei zu haben: den richtigen Rechner, die richtigen Unterlagen und so was wie den Spielzeugtag in der Kita und die diversen Geburtstage nicht zu vergessen. Auf Reisen kann ich auch gut arbeiten, da ich eigentlich nur Laptop, Handy und Kamera brauche. Ich mag die Abwechslung. Als Mama lernt man eh, viele Dinge gleichzeitig zu tun. Davon profitiert man auch im Job. Konzepte und Texte schreibe ich aber am liebsten in Ruhe zu Hause. Dafür eignet sich der Freitag, wenn das Telefon meistens etwas ruhiger ist. Wenn viel zu tun ist, gibt es abends noch mal eine Schicht. Es erfordert manchmal viel Selbstdisziplin, die Existenz des Sofas zu ignorieren.

Wieviel Zeit hast du für dich – jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?
Das ist wohl auch die größte Umstellung, wenn man Kinder bekommt, dass man einfach sehr wenig Zeit für sich hat. Wenn man alleinerziehend ist, ist das natürlich noch heftiger. Man kann nicht einfach mal abends weg oder schnell zum Supermarkt flitzen. Da nimmt man das Kind dann eben mit und alles dauert doppelt so lange, weil unterwegs jede Schnecke begrüßt und jeder Kronkorken umgedreht werden muss. Aber so ist das eben. Man muss einfach einen Weg finden, wie man sich Freiräume schafft und trotzdem eine gute Mama ist. Ich finde es sehr wichtig, dass man etwas für seine Balance tut, denn nur eine glückliche Mutter ist eine gute Mutter. Ich brauche eigentlich sehr viel Zeit für mich. Ich sehe zu, dass ich mir an meinen kinderfreien Wochenenden Raum für mich nehme, zum Yoga und regelmäßig zum Laufen gehe. Das Schönste ist definitiv das Ausschlafen, eine Wohnung, die aufgeräumt bleibt (die Sicherheit zu wissen, in welchem Zustand sich ein Zimmer befindet, bevor man die Tür öffnet, ohne Überraschungsmomente wie "aha, die Heizung kann man also auch mit Edding – ist das eigentlich der permanente? – bemalen, ach, schön!") und das Ausgehen. Essen zu gehen (ohne einkaufen, kochen und aufräumen zu müssen) oder ins Kino ist einfach herrlich. Freunde zu treffen ist auch sehr wichtig, über Themen reden zu können, die sich nicht nur um Kinder drehen. Ich merke, dass ich eigentlich mehr Zeit für mich brauche, aber dann denke ich wieder: Ach, langweilen kann ich mich ja noch im Altersheim.

Hast du dir das Muttersein so vorgestellt, wie es ist? Was hast du dir anders vorgestellt?
Ich bin wahnsinnig gerne Mutter. Ich kann mir mich selbst gar nicht anders vorstellen, das ist ein wichtiger Teil von mir. Und auch, wenn es manchmal stressig ist, ist es noch viel schöner, als ich es mir vorgestellt habe.

Was empfindest du als besonders anstrengend?
Tausend Dinge gleichzeitig zu machen und viele Bälle in der Luft zu halten. Und zu arbeiten, auch wenn man eigentlich hundemüde ist.

Was macht dich besonders glücklich?
Eigentlich nichts Besonderes. Ich finde den Alltag sehr schön. Die Vorfreude im Bauch, wenn ich um die Ecke zur Kita biege. Ihr Gesicht, wenn sie mich entdeckt, auf mich zugeflitzt kommt und ihre sandig-klebrigen Ärmchen um mich schlingt, in der Abendsonne auf dem Spielplatz zusammen ein Eis zu essen, noch mal ins Kinderzimmer zu schauen, bevor man selbst ins Bett fällt.

Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft, die Politik, Menschen mit Kindern ausreichend unterstützt? Was müsste deiner Meinung nach besser werden?
Ich bin sehr froh, dass wir in Berlin so eine gute Betreuungssituation haben. Es ist mir ein Rätsel, wie das alleinerziehende Mütter an anderen Orten machen, wo die Kitas früh schließen, und sie trotzdem alleine die Familie ernähren müssen.

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, das du vorher nicht wusstest?
Ich finde, das Elternsein verändert noch mal die Sicht auf die eigenen Eltern und die eigene Kindheit. Das ist schon sehr interessant, wie sich da die Perspektive verändern kann. Und man wird viel härter im Nehmen und gleichzeitig so viel weicher.

Du hast 48 Stunden kinderfrei: was tust du?
Einfach raus. Ans Meer oder in eine schöne Stadt.

Was würdest du einer Frau sagen, die sich fragt, ob sie Mutter werden soll?
Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Es ist ein krasser Job, aber es ist der schönste Job der Welt.

Hier sind noch ein paar Bilder vom Nordliebe-Onlineshop mit skandinavischem Design für Kinder. Vielleicht gefällt er euch ja so gut wie mir...

Fotos: Copyright Lina Grün für Little Years. Danke, liebe Helene.


»

Slomo All rights reserved © Blog Milk Powered by Blogger