„POLLY SCHLOTTERMOTZ” – EINE KINDERBUCH-EMPFEHLUNG




Worum geht´s? 
Und plötzlich ist da dieser Zahn. Er ist riesig, größer als der Eisberg, der die Titanic versenkt hat, aber das ist nicht mal das Schlimmste an ihm. Seit Polly Schlottermotz diesen verrückten Eckzahn hat, weiß sie auch von einem Familiengeheimnis: Sie ist, doch wirklich, ein Vampir. Und ein ziemlich starker noch dazu. Es ist zwar super, dass sie Marvin, den allergemeinsten Mistkerl ihrer Klasse, nun in die Luft werfen kann, als wäre er eine Feder. Bedeutet aber leider auch, dass sie eine Prüfung vorm Siebenschläferrat bestehen muss, bevor sie wieder zu Hause leben darf. Also muss Polly ihren geliebten Bauernhof, ihre Familie, ihre Freundin Leni und die beiden Ponys Gulasch und Suppe verlassen, um bei der verrückten Tante Winnie zu leben – dem einzig anderen Vampir in der Familie. Und das ist erst der Anfang eines großen Abenteuers.

Warum Fanny das mag: 
Weil das Buch so schön glitzert. Weil Polly ein Pferd hochheben kann. Weil das Buch sehr lustig ist. Vor allem die Stelle, wo sie so lustig redet. Und weil Polly ein sehr netter Vampir ist. 

Warum ich das mag: 
Weil es zwar von Vampiren handelt, aber kein bisschen gruselig ist. Weil es wirklich sehr, sehr lustig ist (ziemlich am Anfang des Buches gibt es ein Kapitel, in dem Polly eine schwindelige Zunge hat, weil sie keinen Blutorangensaft getrunken hat und sich die ganze Zeit verspricht – bevor wir hinten im Buch weiterlesen, muss ich immer erst dieses Kapitel vorlesen, weil Fanny sich über die Knotenzunge gar nicht einkriegen kann). Und weil es ganz beiläufig von Themen handelt, die Fanny gerade beschäftigen: von Freundschaft und Vertrauen zum Beispiel oder davon, eigene Schritte in die Welt hinaus zu machen – ohne Mama und Papa. „Polly Schlottermotz” erzählt aber auch vom Anderssein, noch so ein großes Thema. 

Wer ist die Autorin?
Lucy Astner lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in Hamburg-Eimsbüttel. Eigentlich schreibt sie Drehbücher für Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer, aber weil ihre beiden Töchter so gerne ein Kinderbuch von ihr haben wollten, hat sie einfach eines geschrieben und das Manuskript an die Lieblingsverlage ihrer Töchter geschickt. Wie man sieht: mit Erfolg. Auch die Filmrechte sind schon verkauft.

Ab wann kann man das lesen? 
Offiziell ab acht Jahren, mit fast sechs ist es aber auch schon ein gutes Vorlesebuch. 

„Polly Schlottermotz” von Lucy Astner mit schwarz-weiß Illustrationen von Lisa Hänsch, 224 Seiten, 9,99 Euro. Hier kann man sich den Buchtrailer ansehen. Und hier gibt es eine Hörprobe.

DER JUNI 2016 (UND WAS IHN GUT GEMACHT HAT)


Die letzten Wochen waren ungefähr so spektakulär wie eine Leitplanke. Viel erledigt, viel geschafft, dafür nicht sonderlich viel erlebt. Merkwürdigerweise mag ich solche Monate. Ich mag das Gefühl, ordentlich etwas weggerockt zu haben, obwohl mir tausend Dinge einfallen, die ich lieber gemacht hätte als die Steuer. Aber gar nichts ist diesen Monat natürlich auch nicht passiert, denn wir haben...

* ... einen Schulranzen gekauft. Ich wusste ja schon vorher, dass Fanny dieses Jahr in die Schule kommt, aber richtig begriffen habe ich es erst, als sie den roten Ranzen zum ersten Mal aufgesetzt hat. Und er plötzlich gar nicht mehr so riesig aussah, sondern ganz genau richtig. Ein aufregender Tag, für uns alle. Und nur der erste von so vielen, die dieses Jahr noch kommen werden. 
* Überhaupt gibt es gerade so viele Enden und Anfänge. Das letzte Sommerfest in der Kita, der erste Elternabend in der Schule, die Vorbereitungen auf den letzten Urlaub zu dritt und den ersten zu dreieinhalbt. Dieses Jahr verbringen wir die Sommerferien in Stockholm. Und da ich diese Stadt noch so gar nicht kenne: Habt ihr vielleicht Tipps?
* Die ersten Besorgungen fürs Baby. Auf Ebay ein Babykörbchen gefunden, das ich sehr mag. Und einen gebrauchten Kinderwagen.
* Ein schöner Ausflug ins Hallesche Haus.
* Schwarz gespielte Sommerfüße.
* Gestickte Broschen. Ich mag sie so.
* Und sonst? Die Wiederentdeckung von Spaghetti Carbonara. Keine Ahnung, wie ich über Monate vergessen konnte, wie gut Spaghetti Carbonara sind, jetzt kann ich plötzlich gar nicht mehr genug davon bekommen. Immer nach diesem Rezept.
* Pfingstrosen. Das schreibe ich hier jedes Jahr. Aber das verdienen sie auch.
* „Chef´s Table” – die zweite Staffel. So gut. Sogar noch besser als die ersten sechs Folgen, und die fand ich schon sensationell. 
* Das Ausmachen eines Friseurtermins, der für länger der letzte sein könnte, weil ich überlege, mir die Haare wieder wachsen zu lassen. Oder nicht? Ach, ich weiß es doch auch nicht.
* Eine hübsche Kinderapp: „Die Brille”.
* Eine neue Serie mit Sarah Jessica Parker. Ich bin sowas von gespannt auf „Divorce”. 
* Auf den neuen Bridget-Jones-Film freue ich mich auch. Schon für den Satz „Ich kann nicht immer wieder dieselben Fehler machen, wenn ich stattdessen neue machen kann.”
* Hübsches aus Papier zum Ausdrucken. Vielleicht mache ich aus diesem Vogel ein Mobile fürs Baby?
* Und diese Geschenkanhänger – auch zum Ausdrucken.
* Eine Frau lernt ihre Mutter noch einmal ganz neu kennen, als sie nach deren Tod ihren Computer erbt: „Her secret history: I discovered my mother´s digital life after her death.”

Wie war denn euer Juni? Seid ihr schon in Sommer- und Ferienstimmung?

EINE LIEBESLISTE MIT SARAH NEUENDORF
VON GRETAS SCHWESTER





Heute gibt es eine neue Liebesliste. Ausgefüllt hat sie die Illustratorin Sarah Neuendorf, deren Label Gretas Schwester ich hier ja schon einmal kurz vorgestellt habe. Beschwärmt werden sollte aber auch ihr Instagram-Account, den ich ganz besonders schön finde. Hier kommen ein paar Dinge, die der Berlinerin wichtig sind – und ein paar tolle Entdeckungen...

1) Ein Buch, das dir viel bedeutet?
„Der Schwarm” von Frank Schätzing. Dieses Buch habe ich schon achtmal gelesen und für meine Abschlussarbeit illustriert. Bevor ich mich dazu entschied, Illustratorin zu werden, wollte ich Meeresbiologie studieren, und da ist dieses Buch sozusagen die Bibel.

2) Ein Film, der lange bei dir geblieben ist?
„500 Days of Summer” kann ich mir immer wieder anschauen.

3) Ein Song, der dir unendlich gute Laune macht?
„Ophelia” von den Lumineers oder „Miracle Mile” von den Cold War Kids. Bei beiden Liedern muss ich einfach mitsingen und zwar ganz laut!

4) Was in deinem Kleiderschrank ziehst du immer wieder an?
Meinen dunkelgrünen Wollpullover.

5) Und was würdest du niemals wegwerfen, obwohl du es schon lange nicht mehr anziehst?
Eine orangene Kapuzenjacke, die mir meine Oma geschenkt hat.

6) Wonach duftest du gerne?
Nach „Vetiver & Black Tea” von Kiehl’s.

7) Ein Lippenstift?
Manchmal und wenn, dann knallrot!

8) Ein Ort, der Zuhause ist?
Da, wo meine Liebe und meine Platten- und Büchersammlung sich gerade aufhalten.

9) Und an welchen willst du unbedingt noch reisen?
Nach Kalifornien. Da war ich zwar schon einmal, könnte allerdings immer wieder hinfahren. Dort möchte ich in einem hellblauen Haus am Strand leben, das Treiben auf dem Wasser bewundern und Kokoswasser schlürfen.

10) Was gehört zu einem guten Abend?
Ein Konzertbesuch, ein Essen in einem spannenden Restaurant, ein Kinoabend oder einfach mal auf dem Sofa liegen und eine neue Serie bei Netflix schauen. Hauptsache, jemand den ich gerne habe, ist dabei.



11) Und zu einem guten Morgen?
So lange im Bett bleiben, wie man möchte, eine Tasse Tee ins selbige gebracht bekommen und anschließend einen riesigen Berg Pancakes zu frühstücken!

12) Ein Gefühl, das du magst?
Der Moment, wenn das Flugzeug aufsetzt und man weiß, man hat es wieder einmal überlebt ;)

13) Welcher Gegenstand war dir mit sechs wichtig? Mit 16? Und heute?
Mein Teddybär. Mein Handy. Mein Aquarellkasten.

14) Welchen Wunsch wirst du dir nie abgewöhnen?
Die Welt der Meere zu erforschen und mit Walen zu schwimmen.

15) Worauf fühlt sich deine Haut am wohlsten?
Auf frisch gewaschener Baumwoll- oder Leinenbettwäsche.

16) Schönste Sünde?
Schokoladenmeeresfrüchte-Pralinen, die billigen!

17) Eine gute Entdeckung der letzten Zeit?
Mit einer Freundin bin ich neulich im Bistro „Holy Flat” gelandet. Dort gab es unfassbar gute vegetarische Bowls, von denen wir beide heute noch träumen.

18) Beste Lehre, die dir zuteil wurde?
Wenn du etwas möchtest, musst du hart dafür arbeiten, und dann bekommst du es auch!

19) Ein schöner Mensch, den du nicht persönlich kennst?
Zooey Deschanel! Egal, was sie trägt, wie ihre Frisur ist, sie ist immer wunderhübsch.

20) Große Liebe? Klitzekleine, aber unverzichtbare Liebe?
Mein Freund, meine Freunde, meine Familie, mein Label, meine Kakteensammlung.



Fotos 1: Instagram @gretasschwester, (1) @ria.e.val, (3) @stewe4. Fotos 2 + 3: Instagram @gretasschwester.

DILLE & KAMILLE (UND EINE VERLOSUNG)




Wenn ich an unsere Ferien in Amsterdam denke, fällt mir so viel Schönes ein, dass ich am liebsten gleich wieder losfahren würde. Das diesige Morgenlicht über den Grachten, die verbummelten Nachmittage in den Parks, die Tour mit dem Käsefahrrad (das in Wahrheit wohl eher ein Holzschuh war, allerdings in der Farbe eines Käses, Fanny und ich liebten es, damit durch die Stadt zu fahren). Und die vielen hinreißenden Läden. Der kleine Shop, in dem es nur Quietscheentchen gab. Das Pralinenparadies. Dieser Kinderladen, in dem wir die Armbänder gekauft haben, die wir heute noch tragen. Und natürlich: Dille & Kamille. Der erste Laden, den ich meiner Schwester zeigte, als sie uns besuchen kam, der Beginn meiner „Wie toll ist bitte diese Stadt?”-Führung. Und auch das Ende unserer Tour. Denn am Nachmittag gingen wir noch ein zweites Mal in den Laden, um das Emaille-Geschirr zu kaufen, das wir nicht den ganzen Tag durch die Stadt tragen wollten (und das wir seither jeden Tag benutzen). Bei Dille & Kamille findet man nützliche Dinge, die das Leben schöner machen: Geschirrtücher und Einmachgläser, Seifen und Kerzen, Notizbücher und Puppenwägen. Alle Waren sind unverpackt in den Läden und aus natürlichen Materialien wie Holz, Porzellan, Baumwolle oder Leinen gemacht. Ein Konzept, das bei der Gründung des Familienunternehmens Anfang der 70er-Jahre in Utrecht zunächst als ziemlich wunderlich galt, aber schnell aufging: Heute gibt es 26 Läden in den Niederlanden und in Belgien. 

Ich schreibe das alles, weil ich mich so gefreut habe, dass es nun auch einen deutschen Onlineshop gibt (und ich noch mehr Emaille-Geschirr nachkaufen kann). Ende 2017 oder Anfang 2018 sollen auch in Deutschland Läden eröffnet werden, aber das ist noch in der Planungsphase. Vielleicht ist im Angebot des Onlineshops ja auch etwas dabei, das euch gefällt. Unter allen Kommentaren, die bis zum 7. Juli um 20 Uhr geschrieben werden, verlose ich nämlich zwei Einkaufsgutscheine im Wert von je 25 Euro. Die beiden Gewinner werden unter diesem Post benachrichtigt (ihr müsst also keine Emailadresse hinterlassen, einfach wieder reinschauen). Viel Glück! Und kommt gut ins Wochenende!





Alle Fotos: PR, Dille & Kamille.

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Danke für all eure Kommentare. Gewonnen haben: Haus Nummer Dreizehn (Tini, Kommentar am 1. Juli um 7:39) und Julia (Mammilade, Kommentar am 1. Juli und 12:28). Herzlichen Glückwunsch!

SÜCHTIG NACH: AVOCADO-TOMATEN-SALAT







Das Klavierspielen meiner Mutter, wenn ihre vier Kinder endlich im Bett waren, wochenlang das gleiche Stück, dann kam ein neues, das sie für die nächsten Wochen spielte. Die Süßigkeitenteller, die wir jeden Samstagabend bekamen, immer auf den kleinen, weißen Tellerchen und immer exakt das Gleiche für jeden. Der Dänemark-Urlaub, der nicht beim Losfahren begann, sondern wenn pünktlich zu den ersten Dünen bei Nymindegab Beethovens Chorfantasie im Kassettendeck lief. Manchmal habe ich über diese Rituale mit den Augen gerollt. Wie sehr ich sie mochte, merke ich erst, wenn ich sehe, was für ein Ritualmensch ich heute bin. Das Radiohören am Sonntagnachmittag. Die immergleichen Weihnachtsfilme. Unsere Sonntags-Schnitzel. Und das gemeinsame Schlickertütenholen, wenn Fanny und ich angeschlagen sind. Dieser Avocado-Tomaten-Salat ist auch so ein Ritual. Ich habe ihn vor Ewigkeiten mal so ähnlich in einem Kochbuch von Gwyneth Paltrow gefunden (und hier auch schon einmal kurz aufgeschrieben, keine Ahnung, warum dieses Rezept verloren gegangen ist, ich muss es versehentlich gelöscht haben). Wir machen ihn immer, wenn uns der Sinn nach Sommer steht. Er macht so glücklich wie eine große Schale Guacamole (es sind ja auch fast die gleichen Zutaten). Und ist fix gemacht, wenn man morgens daran denkt, ein Blech halbierte Cherrytomaten in den Ofen zu schieben, um einen schönen Vorrat an getrockneten Tomaten zu haben (oder sich schon einen angelegt hat). Wenn ich den Koriander weglasse, liebt Fanny ihn auch. Wir essen ihn gerne mit Chicken Milanese (noch ein Gwyneth-Paltrow-Rezept). Mit einer dicken Scheibe Sauerteigbrot schmeckt er aber auch sehr gut.

TOMATEN-AVOCADO-SALAT 
(nach einem abgewandelten Rezept von Gwyneth Paltrow, 
für vier Personen als Beilage)

2 Packungen Cherrytomaten (für die getrockneten Tomaten auf Vorrat)
10 Cherrytomaten (man kann auch mehr nehmen)
3 Avocados
1 kleine rote Zwiebel
1 Limette
Olivenöl
etwas Salz
ein halber Bund Koriander

1) Die getrockneten Tomaten bereite ich immer schon morgens und dann auf Vorrat vor: Den Ofen auf 150°C Ober/ Unterhitze vorheizen. Die Tomaten quer halbieren, auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen, mit etwas Olivenöl beträufeln und salzen und für ungefähr 60-90 Minuten (eventuell auch länger) trocknen lassen, bis sie weich und süß sind. Für den Salat braucht man nur etwa die Hälfte der getrockneten Tomaten. Die restlichen Tomaten in einen luftdichten Behälter geben, mit Olivenöl bedecken und im Kühlschrank aufbewahren – für den nächsten Salat oder zwischendurch. 

2) Die Avocados in kleine Stücke schneiden, die frischen Cherrytomaten halbieren, die rote Zwiebel in ganz dünne Ringe schneiden und zusammen mit den abgekühlten, getrockneten Tomaten in einer Schüssel vermischen.

3) Den Koriander kleinschneiden und unterheben.

4) Mit dem Limettensaft (je nach Geschmack eine halbe bis eine Limette nehmen), Olivenöl (ich nehme 2-3 EL) und Salz abschmecken.

Rezept-Idee aus: Gwyneth Paltrow: Meine Rezepte für Familie und Freunde, Edel, 272 Seiten, 14,95 Euro.


FÜNF, DIE MICH DURCHS LEBEN TRUGEN




Die blauen Docs
Ich kann mich an vieles aus meiner Kindheit erinnern, noch an die kleinsten Anekdoten und viele Gegenstände, aber merkwürdigerweise nicht an einziges Paar Schuhe. Wahrscheinlich, weil die blauen Docs das erste Paar waren, das ich mir ganz alleine kaufte, ohne dabei irgendwelche Konzessionen zu machen. Es war wichtig, dass sie blau waren, nicht schwarz. Es war wichtig, dass meine Eltern sie grauenvoll fanden. Und wichtig, dass mein Freund sie in Dunkelrot trug. Wichtiger als alles andere war allerdings, dass sie ausdrückten, wie ich mich fühlte: anders, sehnsüchtig, oft verloren. Mit diesen Stiefeln konnte ich mir Mut anziehen. Auch wenn außer mir niemand all das in ihnen sehen konnte. 

Die cremeweißen Chucks
Ich habe mich so danach gesehnt, das Abi hinter mir zu haben, und als ich es dann endlich hatte, wusste ich plötzlich nicht mehr, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Ich hatte beschlossen, doch keine Geigerin zu werden, aber keine Ahnung, was ich stattdessen machen sollte. Also zog ich mit meinem kleinen Bruder in eine WG und arbeitete für ein Jahr in einem Klamottenladen. So viele Möglichkeiten, so viele Vielleichts. Erstmal Praktikum machen? Oder gleich studieren? Aber was? Hier bleiben? Ganz weit weg gehen? Abstand suchen? Nähe finden? Immerhin wusste ich: Musik hilft. Sehr viel Jamiroquai. Und Tagebuchschreiben. Und cremeweiße Chucks. 

Die schwarzen Ballerinas
Ich hatte schon einen Volontariatsvertrag und meine vierte eigene Wohnung, dieses Mal in Hamburg, ich hatte sogar einen Bausparvertrag. So richtig erwachsen fühlte ich mich aber erst in diesen Schuhen. Ballerinas waren für mich der Inbegriff französischer Eleganz und Lässigkeit, und ich wollte unbedingt lässiger, eleganter und französischer sein – weniger sportlich, weniger Kumpel, mehr Frau. So recht zu mir passen wollten sie allerdings noch nicht zu mir. Ich ging komisch in ihnen, als hätten sie riesige Absätze. Aber glücklicherweise erlaubt Mode es einem ja, sich auch all die Frauen anzuziehen, die man (noch) nicht ist. Die Frau zu mögen, die ich bin, gelang mir erst viele Jahre später, aber die schwarzen Ballerinas halfen dabei, es mir bequem zu machen in mir.

Die roten Peeptoes
Bis heute machen mich Schuhe nur selten hysterisch, aber dieses eine Paar musste ich haben. In ihnen fühlte ich mich sexy und unangreifbar. Sie gaben mir das Gefühl, über den Dingen zu schweben (auch wenn ihre Absätze nicht sonderlich hoch waren). Außerdem fand ich sie rasend schön. Das blaustichige Dunkelrot und die Sohle mit den Blüten, die man beim Tragen zwar nicht sah, aber spürte. Ich trug sie nicht oft, immer nur zu besonderen Anlässen. Ich behandelte sie wie ein teures Schmuckstück, sie sollten nicht abnutzen, aber an diesem einen Abend zog ich sie an – dem Abend, als ich mit ihm verabredet war. Es gab gar keinen Anlass, sich aufzubrezeln. Wir waren in einer Kneipe verabredet, eine ganz normale Verabredung unter Freunden, aber irgendetwas flirrte, ich war schon Stunden vorher nervös. Wie nervös ich wohl erst gewesen wäre, hätte ich gewusst, dass wir uns in dieser Nacht zum ersten Mal küssten. 

Die weißen Turnschuhe
Heute habe ich zwei Arten von Schuhen in meinem Schrank: Laute und leise. Die lauten sind jetzt auch keine Schreihälse, aber kleine Ausrufezeichen; Schuhe, mit denen ich mich bereit mache, für den Sommer, für einen aufregenden Abend, für ein Fest, für einen schwierigen Tag. Meine goldenen Boots sind solche Schuhe. Oder meine schwarzen Sandalen aus Paris. Schickmacher, Ausgeher, Draufgänger. Mit den leisen laufe ich durch die anderen Tage, am liebsten in meinen weißen Turnschuhen. Sie sind weich, aber man hat einen festen Gang in ihnen und kann weit rennen, wenn es nötig ist. Sie sind schlicht, aber nicht langweilig. Und extrem tolerant, denn zu Jeans passen sie genauso wie zu dem einen Kleid, das ich gerade gerne trage. 

ZEHN KINDERLÄDEN IN BERLIN, DIE ICH SEHR MAG


In diesem hinreißenden, neuen Laden am Helmholtzplatz findet man eine feine Auswahl an Kindersachen für ganz Kleine und schon Größere: Kuscheltiere und Schnullerketten, Aufbewahrungskörbe und Kissen, Zelte und Wandsticker (die im Dunkeln leuchten), Moccassins und Pullover, aber auch Kinderbücher (das nächste Mal muss ich „Der Popo von Hippopo” mitnehmen oder „Niemals wilde Katzen kitzeln”, was für schöne Bücher!). Gerade auf meinem Wunschzettel: Die Story-Box, mit der man sich immer wieder neue Geschichten ausdenken kann. Und diese Kuschelkissen.
Raumerstr. 11, 10437 Berlin, Mo-Sa 11-19h, www.val-store.com/kinder

Bei Onkel Philipp geht es entschieden maximalistisch zu. Und am Geschmack von Kindern orientiert. Es glitzert. Es macht Spaß. Und man findet herrliches Quatschzeug. In diesem Spielzeugladen haben wir schon Glibbergruselmonsterkopfkugeln, eine Seifenblasenpistole und ein Blechpferdekarussell gekauft. Und jedes Mal bereut, dass wir uns nicht den ganzen Laden einpacken lassen konnten. Hier kann man nämlich auf jedem Quadratzentimeter Spielzeug entdecken, manches verrückt, manches ganz klassisch und alles sehr glückselig machend.
Choriner Str. 35, 10435 Berlin, Di, Mi, Fr 9.30-18.30h, Do 11-20h, Sa 11-16h, www.onkel-philipp.de

Genau genommen ist das natürlich kein Kinderladen, aber einer, in den wir immer wieder gerne gehen, weil man sich in diesem riesigen Materialgeschäft (nennt man das so?) am Moritzplatz so richtig schön mit Bastelsachen eindecken kann. Eigentlich komme ich immer nur her, um Klebeband oder Papier nachzukaufen. Oder weil ich ein neues Notizbuch suche. Dann kommt Fanny mit und wir stöbern herum und am Ende ist der Wagen immer zu voll, aber bereut habe ich unsere Modulor-Tüten noch nie.
Prinzenstr. 85, 10969 Berlin, Mo-Fr 9-20h, Sa 10-18h, www.modulor.de

4) Monkind x Gretas Schwester Studio Store
In die Sachen von Gretas Schwester habe ich mich schon lange verguckt (in die Tagebücher zum Beispiel oder die Rasseln). Also habe ich mich neulich mal auf den Weg nach Schöneberg gemacht, um mir diesen Laden anzusehen und ich bin immer noch ganz hin und weg. Postkarten, Prints, hübsche Magazine und Bücher, Tassen und Kuscheltiere, dazu die tolle Kinderkleidung von Monkind aus Berlin. 
Crellestr. 3-4, 10827 Berlin, Mo-Fr 10-18h, Sa 11-16h, www.gretasschwester.de, www.monkind.com

Dieser Laden war ein Tipp von der Puppenmacherin Maria Ribbeck – und was für einer. Im gar nicht so kleinen Zirkusladen gibt es Clownsnasen und Jonglierbälle, winzige Zauberdosen, die Münzen verschwinden lassen, und Knete, die ihre Farbe wechselt. Wirklich zauberhaft.
Schillerstr. 70, 10627 Berlin, Mo-sa 11-19h, www.zirkusladen.de

Eigentlich wollte ich gerade schreiben, dass diese Kinderbuchhandlung der perfekte Ort für Regentage ist, aber das stimmt gar nicht – auch an strahlenden Sommertagen kann man sich hier herrlich festschmökern und tolle Entdeckungen machen. Englische, spanische, französische, italienische, polnische, russische und portugiesische Kinderbücher findet man hier übrigens auch.
Choriner Str. 49, 10435 Berlin, Mo-Fr 10-18h, Di-Fr 10-19h, Sa 10-16h, www.mundoazul.de

Hier gibt es Sahne-Stückchen für den Kleiderschrank, aber auch hübsche Deko, Spielzeug, Kuscheltiere und andere Schöndinge (wie zum Beispiel dieses Poster). Der richtige Ort, wenn man nach etwas ganz Besonderem oder einem Geschenk für schwangere Freundinnen sucht.
Schröderstr. 14, 10115 Berlin, Mo-Fr 11-19h, Sa 11-18h, www.tinystore.de

8) Dnik
Was habe ich für Fanny hier schon alles gefunden. Das Kletterkrokodil von BObles zum Beispiel, ich glaube, es war ein Geschenk zum zweiten Geburtstag, aber es ist immer noch in Dauerbenutzung. Oder dieses wunderschöne Vogelbuch zum Ausmalen. Und hübsche Postkarten für kleine Geburtstagskinder. Außergewöhnlich toll ist in diesem Kinder-Conceptstore übrigens auch die Beratung. 
Wörther Str. 14, 10405 Berlin, Mo-Fr 10-19h, Sa 10-18h, www.dnik-berlin.de

Wenn man Ratzekatz betritt, wäre man gerne wieder fünf. Denn in diesem Wunderladen stapelt sich das Spielzeug auf 150 Quadratmetern bis an die Decke. Keine Ahnung, wie die das machen, aber was auch immer man gerade sucht: Hier findet man es bestimmt. Dazu viele kleine Dinge, nach denen man überhaupt nicht gesucht hat.
Raumerstr. 7, 10437 Berlin, Mo-Sa 10-19h, www.ratzekatz.de

Dieser Laden ist sozusagen ein Bonus-Track, weil ich im „Berlin mit Kind”-Guide bloß davon gelesen habe und seitdem unbedingt mal vorbeischauen möchte. „Der Konzeptladen bietet selbstgemachte Stücke für Frauen, Männer und Kinder von über 30 internationalen Designern, die in Berlin leben und arbeiten”, steht da. Ich finde, das klingt ziemlich gut. 
Tellstr. 7, 12045 Berlin, www.unautrevoodoo.com

Falls ihr noch andere Empfehlungen habt – ich freue mich über Tipps (vor allem für gute Second Hand-Läden). Kommt gut ins Wochenende!
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