EINE LIEBESLISTE MIT DREHBUCHAUTORIN LUCY ASTNER


Manchmal trifft man im Internet auf Menschen, die einen irgendwie anstecken. Mit Freude, mit Ideen, mit einem Gedanken, mit ihrer Herzlichkeit. Drehbuchautorin Lucy Astner („Der Nanny”), die auf Instagram „littlemissgluecklich” heißt, ist genau so ein Mensch. Ich freu mich einfach immer, wenn ich ein neues Bild von ihr sehe. Deshalb habe ich Lucy gefragt, ob sie Lust hätte, diese Liebesliste auszufüllen. Hatte sie. Und ich freu mich schon wieder…

1) Ein Buch, das dir viel bedeutet?
„Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel García Márquez. Als ich das Buch mit 16 zum ersten Mal gelesen habe, gefiel mir nicht nur die Idee, dass Liebe Ewigkeiten überdauert, sondern auch die Erzählgewalt des Kolumbianers. In neuer deutscher Literatur vermisse ich bis heute leider sehr oft das Erzählen von Geschichten – so wie es in England, den USA oder Süd- und Lateinamerika Tradition hat.

2) Ein Film, der lange bei dir geblieben ist?
„Juno“ von Jason Reitman. Ellen Page als schwangerer Teenager auf der Suche nach Eltern für ihr ungeborenes Kind hat mich vollkommen umgehauen. Ein kleiner Mensch mit einer großen Klappe und einem noch größeren Herz: „Juno“ ist einer der Gründe, warum ich Drehbücher schreibe.

3) Ein Song, der dir unendlich gute Laune macht?
„Ich & Du“ von Philipp Poisels Album „Wo fängt dein Himmel an?“. Fühlt sich an wie Tanzen in Rapsfeldern und nachts heimlich ins Freibad einbrechen. Was ich natürlich niemals, NIEMALS (!) tun würde.

4) Was in deinem Kleiderschrank ziehst du immer wieder an?
Meine blau-weiß-gestreifte Jogginghose von Lollys Laundry. Ihr denkt jetzt wahrscheinlich: „Klar, die Dame arbeitet von zu Hause, die kann es sich leisten, den ganzen Tag im Schlabberlook vor dem RTL2-Reality-TV-Programm zu vegetieren!“ Aber weit gefehlt: In der Lollys-Laundry-Hose kann ich sogar meine Tochter zur Schule bringen, ohne befürchten zu müssen, dass sie in der Pause heimlich Essens-Rabatt-Marken zugesteckt bekommt. Und ganz nebenbei ist es die einzige Streifenhose, in der meine Oberschenkel nicht aussehen wie aufgedunsene Zebrakadaver…

5) Und was würdest du niemals wegwerfen, obwohl du es schon lange nicht mehr anziehst?
Ich bin nicht sehr zimperlich mit dem Ausmisten. Mein Brautkleid würde ich aber niemals weggeben. Ich war relativ jung, als wir geheiratet haben, und wir hatten nur sehr wenig Geld. Trotzdem habe ich mir mein Traumkleid schneidern lassen. Rückblickend war es gar nicht besonders teuer – und gerade deshalb erinnert es mich immer wieder daran, dass der emotionale Wert einer Sache nicht mit ihrem materiellen Wert zusammenhängt. Für mich ist und bleibt es das wertvollste Kleid der Welt!

6) Wonach duftest du gerne?
Coco Mademoiselle. My one and only.

7) Ein Lippenstift?
Die Marke ist mir (fast) egal, Hauptsache er trifft die natürliche Farbe meiner Lippen. Ich habe eine Narbe an der Unterlippe, die ich oft abdecke. Manchmal gönne ich es mir mittlerweile aber auch ganz bewusst, nicht „vollkommen“ zu sein. Jeder von uns hat irgendwo seine Unterlippe.



8) Ein Ort, der zu Hause ist?
Hamburg und Österreich. In Hamburg wurde ich geboren, hier bin ich aufgewachsen, habe geheiratet und meine Kinder bekommen. Hier habe ich mir ein Leben aufgebaut, das ich sehr mag. In Österreich lebt die Familie meines Vaters, hier haben wir damals all unsere Ferien verbracht. Sobald ich die Berge sehe, schalten mein Körper und Geist automatisch in einen Tiefenentspannungs-Modus – noch bevor ich OMM denken kann.

9) Und an welchen willst du unbedingt noch reisen?
Island. Auf meiner Bucket-List steht: „Eine Elfe fangen und in einem Marmeladenglas nach Hause schmuggeln“. Das dürft ihr jetzt aber natürlich nicht weitersagen, sonst krieg ich noch Stress mit der Zollbehörde...

10) Was gehört zu einem guten Abend?
Auf jeden Fall gutes Essen! Wenn es kein gutes Essen gibt, esse ich lieber gar nicht. Dann vielleicht noch eine abgearbeitete To-Do-Liste, die sagt, dass alles erledigt ist, ein laues Sommerlüftchen und ein paar liebe Menschen – solche mit denen man gut reden kann, aber auch ganz hervorragend schweigen.

11) Und zu einem guten Morgen?
Die ersten Sonnenstrahlen, die vorsichtig durch unser Schlafzimmerfenster brechen, das Rascheln der Bäume vor der offenen Balkontür und meine Tochter, die sich im Schlaf umdreht und ihren kleinen Kopf an meine Schulter legt. Und dann natürlich: gutes Essen!

12) Ein Gefühl, das du magst?
Nach Hause kommen – und zwar nicht nur logistisch, sondern auch geistig. Ich mag diesen Moment, wenn ich zur Ruhe komme und ganz überrascht feststelle: Ach schau, die Lucy ist ja auch noch da! Wie geht es mir eigentlich? Ist alles gut, so wie es ist? Und wenn nicht: Woran liegt das und wie kann ich es ändern? Diese Dates mit mir mag ich sehr.

13) Welcher Gegenstand war dir mit sechs wichtig? Mit 16? Und heute?
Sicherlich hatte ich als Kind ein Lieblingskuscheltier, ein Tagebuch, eine Musikkassette von einem Schwarm etc. Aber ich glaube, keiner dieser Gegenstände war und ist mir so wichtig, dass ich nicht auf sie hätte verzichten können. Was ich aber immer hatte, waren Träume – und die waren mir sehr, sehr wichtig. Teilweise hatte ich sogar kleine „Schreine“ für meine Träume. Heute bin ich davon überzeugt: Ein reicher Mensch ist der, der immer einen Traum hat.

14) Welchen Wunsch wirst du dir nie abgewöhnen?
Ich möchte unheimlich gerne mal zwei, drei Jahre mit meinen Kindern in Kalifornien leben – und zwar nicht wegen des Wetters, sondern wegen einer Einstellung, die in den USA weit verbreitet ist. Sie lautet: „Du schaffst das!“ Wenn ich sehe, wie die High School Kids in den USA ihre Teams anfeuern und mit welcher Leidenschaft und Begeisterung sie ihren Hobbys nachgehen – ob Frisbee, Cheerleading oder Schachclub, bin ich immer ganz fasziniert. In Deutschland wurden mir meine Wünsche, Wege und Ziele so oft schlechtgeredet, ich musste erst ganz viel Mut entwickeln, um mich gegen das „Das-kannst-du-nicht“ durchzusetzen. Für meine Kinder wünsche ich mir, dass sie schon viel früher lernen, an ihre Sache zu glauben und dafür zu kämpfen – egal, was die anderen Leute davon halten. Na gut, eine kleine Rolle spielt das gute Wetter in Kalifornien auch... Und für alle, die sich jetzt Sorgen machen: Mein Mann dürfte natürlich auch mit!


15) Worauf fühlt sich deine Haut am wohlsten?
Die Haut meiner Kinder beim Einschlafen. Wenn ich meine Mädchen abends noch ein bisschen kraule und merke, wie sie unter meinen Fingerspitzen in den Schlaf gleiten.

16) Schönste Sünde?
Drei Dinge kaufe ich ausnahmslos immer, wenn sich die Gelegenheit bietet: Nagellack, Schokokekse und Bücher. Nagellack: ziemlich lächerlich, weil ich doch immer nur den gleichen trage – und zwar ausschließlich auf den Zehennägeln! Schokokekse: leider alles andere als lächerlich, weil ich tatsächlich jeden einzelnen aufesse! Und Bücher: Kann man jemals genug Bücher haben?

17) Eine gute Entdeckung der letzten Zeit?
Dass mein Mann DOCH kochen kann!

18) Beste Lehre, die dir zuteil wurde?
Eindeutig: Dass es sich lohnt, sich selbst zu lieben. Ich war schon immer sehr kritisch mit mir, wollte immer alles noch besser machen – und war mir dennoch nie gut genug. Ganz oft haben die Leute die Augen verdreht, gesagt, ich solle mal ein Auge zudrücken, es locker sehen – oder schlimmer noch: Sie dachten, ich sei nur auf Komplimente aus. In Wahrheit wusste ich einfach nicht, wie ich mich selbst mehr mögen könnte. Vor einem Jahr dann sagte eine sehr kluge Frau zu mir: „Lieb dich so, wie du deine Kinder liebst!“ Und in diesem Moment hat es bei mir KLICK gemacht. Ich musste erstmal heulen, weil es so einfach war, aber ja: Seitdem schenke ich mir die Liebe, das Vertrauen und die Nachsicht, die ich auch meinen Töchtern entgegenbringe. Und das fühlt sich sehr, sehr warm an.

19) Ein schöner Mensch, den du nicht persönlich kennst?
In dieser Hinsicht bin ich leider sehr desillusioniert. Ich dachte schon so oft: Ach, das ist aber ein schöner Mensch! Und dann hab ich die meisten dieser Menschen tatsächlich persönlich kennengelernt und dachte: Ach, ist das aber eine riesengroße Illusion. (In einigen Fällen dachte ich sogar: Ach, ist das aber ein Vollarsch...)

Ich glaube tatsächlich, dass es „den schönen Menschen“ nicht gibt – aber es gibt Schönes in uns Menschen! Wenn ich, zum Beispiel, von einem Kind höre, das sein Taschengeld ausgibt, um einem Obdachlosen vor einem Restaurant eine Mahlzeit zu kaufen, dann rührt mich das so sehr, dass ich in Tränen ausbreche. Ich denke, Schönes entsteht, wann immer Menschen die Augen nicht verschließen und ein bisschen Mut aufbringen.

20) Große Liebe? Klitzekleine, aber unverzichtbare Liebe?
Die ganz, ganz große Liebe: meine Kinder und mein Mann! Ich denke immer, jetzt ist das Fass aber voll, jetzt passt da nicht noch mehr Liebe rein – und doch wird diese Liebe jeden Tag noch größer! Die klitzekleine Liebe: Nutella-Marmeladen-Crêpe. Für immer.

Vielen herzlichen Dank, liebe Lucy. (Hier ist übrigens ihre Website.)
Ich mache jetzt Urlaub. Vielleicht schreibe ich zwischendurch etwas, vielleicht auch nicht.
Bis dahin: Habt es schön!

KNICKBÜCHER UND DAS AUERHAUS


Das Beste an einer kranken Woche im Bett: Ich habe endlich wieder gelesen. Und was für ein Buch. Meine Schwester wird den Kopf schütteln, wenn sie sieht, was ich mit „Auerhaus” gemacht habe, sie liebt Bücher und würde eine Seite niemals knicken. Bei mir ist das anders, wenn ich Bücher mag, sieht man ihnen das an, und Bov Bjergs Buch ist ein Knickbuch. Voller Momente, Gedanken und Sätze, die ich mir aufheben möchte.

Frieder sagte: „Du hast die Augen zu und treibst auf deiner Luftmatratze, ein sanfter Wind weht, und du denkst, geil, jetzt lebe ich für den Rest meines Lebens hier in dieser Lagune, in der Südsee. Und dann machst du die Augen auf und merkst, es ist bloß ein Nachmittag am Baggersee, und zack ist der auch schon vorbei.”

Erzählt wird die Geschichte von sechs Freunden, die gemeinsam ins Auerhaus ziehen, das Auerhaus heißt, weil sie beim Auspacken ein Mixtape finden und „Our House” von Madness hören, der Bauer von gegenüber aber kein Englisch kann und Auerhaus versteht. Danach hat das Haus, das früher mal Frieders Großvater gehörte, einen Namen. Im Jahr vorm Abi zieht Höppner dort zusammen mit Frieder ein, weil Frieder sich umbringen wollte. Und mit Vera, weil Höppner mit Frieder und der Verantwortung nicht alleine sein will. Und mit Cäcilia, weil Vera nicht das einzige Mädchen sein will. Und mit Elektrikerlehrling Harry, den niemand eingeladen hat, dem sein Vater aber ein blaues Auge geschlagen hat, nachdem er ihm gesagt hat, dass er schwul ist. Und mit Pauline, einer Brandstifterin, die Frieder aus der Psychiatrie kennt. Sie feiern eine Silvesterparty. Sie reden. Sie klauen Cremetrüffel aus dem Kaufhof. Sie trinken viel Wein. Sie reden noch mehr.

Seltsam waren die anderen in der Klasse. Die, für die alles weiterging wie immer. Hätte man sie vor einer Klausur gefragt: „Wozu lebst du eigentlich?”, hätten sie geantwortet: „Das kommt nicht dran, das müssen wir nicht wissen.”

Höppners Jahr vorm Abi hat nicht furchtbar viel mit meinem gemein und doch so vieles. Dieses unfassbare Gefühl der Freiheit, wenn noch alles vor einem liegt und man sich ausdenken kann, was für ein Leben man führen will. Bis einem auffällt, dass man eigentlich bloß weiß, was für ein Leben man nicht führen will. Die Bockigkeit nichts Bestimmtem und allem Möglichen gegenüber, den Plänen der Eltern zum Beispiel. Die Traurigkeit, die über so vielem liegt. Und innerhalb von zwei Wimpernschlägen in Übermut umschlagen kann, in eine Freude, die nicht nachdenkt. Die Intensität, die alles hat, krass lieben, krass liebeskummern, krass feiern, krass wütend sein, krass mutig, krass einsam, krass durcheinander. Und das allerkrasseste von allen krassen Gefühlen: endlich Menschen zu finden, die einen wirklich verstehen.

„Frieder sagte: Meine Eltern sind stolz darauf, dass ich aufs Gymnasium gehe. Und wenn ich mal zum Mond fliege, sind sie auch darauf stolz. Aber sie werden es nicht verstehen.”
„Was?”
„Wie sich die Schwerelosigkeit anfühlt. Wie die Welt von oben aussieht.”

Noch so eine Stelle.

Bov Bjerg: „Auerhaus”, 240 Seiten, Blumenbar, 18 Euro. Es gibt übrigens auch eine „Our House (The Auerhaus Version)” von Robert Stadlober und Andreas Spechtl, hier anzuhören. Habt einen schönen Abend!

EINFACH NUR SO. WEIL MONTAG IST


DANCE MOVIE MEDLEY
Never miss a chance to Dance. How many movies can you name?
Posted by DJ Mosaken on Samstag, 18. Juli 2015

UND WIE MACHST DU DAS, TANJA? EIN MUTTERFRAGEBOGEN


Name: Tanja
Alter: 45
Mutter von: Luca (12), Finn (9) und Lina (4)
Stadt: Eine größere Kreisstadt in der Nähe von Stuttgart

Wie ist bei dir die Kinderbetreuung organisiert?
Das hat sich im Laufe der Jahre sehr verbessert. Wir leben jetzt in einer größeren Stadt, die sehr viel an Kinderbetreuung anbietet. Vor unserem Umzug war es viel schwieriger. In dem Dorf, in dem wir gelebt haben, gab es keine verlängerten Öffnungszeiten, keine Kleinkindbetreuung, und meine Eltern haben noch gearbeitet. Jetzt ist die Kinderbetreuung bei uns viel über die Schule und den Kindergarten organisiert. Meine Kinder sind an zwei bis drei Tagen bis 16 oder 17 Uhr in der Schule und im Kindergarten betreut. Ein Tag übernimmt meine Mutter nach der Schule die Kinder, was sehr gut klappt, da meine Eltern oft auch spontan einspringen können, wenn sich zu viele Termine überschneiden – seit anderthalb Jahren wohnen sie in derselben Stadt. Dann gibt es noch ein Netzwerk aus drei tollen Babysitterinnen und lieben Freundinnen, die mich unterstützen.

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?
Auch das hat sich sehr verändert, seit ich mit den Kindern alleine lebe und seit meiner Erkrankung – ich hatte 2007 einen Schlaganfall. Und das ohne Vorwarnung, einfach so, von jetzt auf sofort. Ich war immer gesund, fröhlich und ein Sonnenschein, hatte mich vor meinem Schlaganfall aber einfach sehr verausgabt. Job, zwei kleine wilde Jungs (Lina war damals noch nicht auf der Welt), ein Mann im Studium, dann lange ohne Job, eine Hausrenovierung. Über lange Zeit fühlte sich das Leben einfach nicht mehr leicht an. Ich dachte, irgendwann wird es besser, wird es besser, wird es besser. Aber nichts wurde besser. Ich wurde sehr krank und bekam einen Schlaganfall mit Hirnblutung. Verlor meine Sprache, konnte nicht mehr schreiben und hatte nur noch Angst.
 Solch eine Angst, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Fürchterliche Angst zu sterben oder für immer behindert zu sein. Und das Gefühl, sich nicht mehr artikulieren zu können, werde ich nie vergessen.
 Das Allerschlimmste war diese unbändige Sorge um meine beiden Jungs. Dieses Gefühl, wie sehr man an seinem Leben hängt, ist unbeschreiblich. Ich bin dem lieben Gott jeden Tag sehr, sehr dankbar, wie gut es mir wieder geht. In der Klinik sagte ein Arzt Worte zu mir, die ich nie vergessen werde: „ Sie haben eine gelbe Karte bekommen. Ändern sie ihr Leben.“
 Er hatte Recht. Ich versuchte, mein Leben zu ändern – nicht sofort, aber nach und nach. Das war nicht immer einfach, rückblickend aber sicherlich das Beste. Ich bin auch überzeugt, dass alles im Leben seinen Sinn hat. Und sich immer eine neue Chance bietet.


Natürlich musste ich aufgrund meiner Erkrankung meine feste Anstellung als Leiterin eines Kindergartens aufgeben und alles neu organisieren. Heute arbeite ich freiberuflich als Dekorateurin und Stylistin, biete Kinderkurse an und bin Bloggerin. Das hat den Vorteil, dass ich relativ flexibel bin und etwas mehr Zeit für die Kinder und meine Gesundheit habe. Wobei ich, wenn ich ehrlich bin, natürlich meine Kollegen vermisse, den Austausch und die Anerkennung durch den Job. Daher habe ich ab Juli eine neue Herausforderung: Ich beginne in einer tollen Mode-Boutique, darauf freue ich mich sehr.

Wie viel Zeit hast du für dich – jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?
Das wechselt sehr. Es gibt Momente, in denen alles auf mich einstürzt und alle gleichzeitig etwas von mir wollen und an mir zerren. Da steht mir mein Perfektionismus auch oft im Weg. Aber auch daraus habe ich etwas gelernt und verschaffe mir bewusst Ruhepunkte und Glücksmomente.


Wie sieht ein ganz normaler Wochentag bei dir aus?
Die Jungs und ich stehen so um 6 Uhr auf. Wenn wir Glück haben und leise genug sind, schläft Lina weiter. Dann Frühstück und Vesper machen. Wenn die Großen um 6:45 Uhr Richtung Schule gehen, hüpfe ich in die Dusche und mache mich fertig. Dann bringe ich die Kleine zum Kindergarten und arbeite je nach Kinderbetreuung bis 13/14 beziehungsweise 16/17 Uhr. Bereite das Mittagessen vor, mache was im Haushalt oder Garten, beaufsichtige Hausaufgaben oder unterstütze das Lernen der Kinder. Fahrdienste zu den Freizeitaktivitäten der Kinder. Wenn es irgendwie geht, gemeinsames Abendessen. Dann gehen die Kleinen ins Bett. Der Große darf noch etwas aufbleiben. Und wenn im Haus dann so langsam eine himmlische Ruhe einkehrt, entspanne ich oft mit einem guten Glas Rotwein, oder der Babysitter kommt und ich genieße einen freien Abend.

Was empfindest du als besonders anstrengend?
Diese Frage hat mich sehr lange beschäftigt. Und sie ist auch nicht so ganz einfach zu beantworten. Ich bin – oder sagen wir: war schon immer – ein sehr fröhlicher und positiver Mensch. Und im Großen und Ganzen bin ich das auch heute noch. Aber ab und zu und oft auch mit großer Wucht überfällt mich eine riesengroße Angst. 
Angst davor, dass ich das alles nicht schaffe.
 Angst davor, die Dinge, welche die Kinder oder mich betreffen, oft fast alleine zu bewältigen oder noch schlimmer: Entscheidungen zu treffen, so ganz allein. 
Und ein wenig, wenn ich ganz ehrlich bin, auch die Angst, wieder zu erkranken. Aber es gibt viele Menschen, die uns zur Seite stehen und auch jederzeit ein offenes Ohr für uns haben, die bei Entscheidungen für uns da sind und uns unterstützen. Das erleichtert alles und macht sehr, sehr glücklich.

Was macht dich besonders glücklich?
Harmonische und entspannte Momente mit den liebsten Menschen an meiner Seite. Wenn ich ihre Liebe, Freundschaft und eine tiefe Verbundenheit spüre. Morgens der erste Cappuccino, Tage am Meer, Kinderlachen, Sonne, Wärme, schöne Dinge, tanzen, feiern, viel lachen, Freundschaften, roter Lippenstift, Musik, die mein Herz hüpfen lässt...


Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft, die Politik, Menschen mit Kindern ausreichend unterstützt? Was müsste deiner Meinung nach besser oder anders werden?
Oh je, sehr schwierig. Ich bin sehr froh, in dieser Gesellschaft zu leben. Aber da gibt es natürlich schon einige Dinge, die mir nicht gefallen: Die schlechte Lobby und Bezahlung von Erzieherinnen. Wenn sich da etwas ändern würde, würde es den Kindern auf jeden Fall zugutekommen. Und die oftmals recht schlechte Unterstützung von Alleinerziehenden.

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, das du vorher nicht wusstest?
In dem Moment, als ich mein erstes Kind in den Armen hielt, fühlte ich mich sehr stark und stolz und dachte ganz spontan: „Jetzt kenne ich den Sinn des Lebens”. Hört sich vielleicht pathetisch an, aber ich empfand genau so. Man stellt sich selbst hinten an und liebt bedingungslos. Aber auch ich kenne die unbändige Hilflosigkeit, Wut und Ohnmacht, die Kinder so mit sich bringen. Wenn es mal wieder so weit ist, finde ich es ganz wichtig, sich als Frau und Mensch Auszeiten zu nehmen. Kraft zu schöpfen, indem man sich etwas Gutes gönnt. Viele schöne Ding für sich selbst zu tun, um wieder mit viel Kraft, Liebe und Ausgeglichenheit für die Kinder da sein zu können.

Du hast 48 Stunden kinderfrei. Was tust du?
Oh, wie herrlich. Ich schnappe mir einen lieben Menschen, fahre in eine schöne Stadt, am liebsten ans Meer (wobei: das ist in 48 Stunden wahrscheinlich zu kurz ). Schlafe aus, setze mich ins Café, gehe shoppen, mache Wellness, lass mich treiben. Ohne Termindruck und Stress. Gehe schön Essen und lass es mir einfach gut gehen.

Drei Lieblinge: Ein Buch, ein Film, ein Blog?
„Weit weg und ganz nah” von Jojo Moyes. Ist vielleicht nicht ihr bestes Buch, aber ich war beim Lesen sehr bewegt, da es meine eigene Lebenssituation sehr treffend beschrieb. Oh Happy Day, einer meiner absoluten Lieblingsblogs. Wahnsinn, mit wie viel Stilbewusstsein und Kreativität Jordan ihren Blog betreibt. Und: „Boyhood”, ein wunderschöner, berührender Film, den man mit seiner besten Freundin anschauen sollte.

Vielen herzlichen Dank, liebe Tanja. Alle anderen Mütterfragebögen sind hier nachzulesen.

DER JUNI 2015 (UND WAS IHN SCHÖN GEMACHT HAT)

* Die Rückkehr des Sommers.
* Selbstgemachtes Erdbeer-Semifreddo (viel leichter zu machen als gedacht). 
* Endlich das Schlafzimmer umzustellen. 
* Und einen Mini-Garten auf den Balkon zu stellen: Lavendel, Thymian, Minze, Basilikum und eine Tomate.
* Die starken Nerven meiner Nichte. Jetzt hat sie Abitur. Ich bin so unglaublich stolz.
* Post aus Wien. Post zu bekommen ist so schön. (Danke nochmal.)
* Die Limonade im Spreegold.
* Und die Salate im Till The Cows Come Home.
* Mit Fanny auszugehen, auf einen Knödel, Rhabarberlimonade und eine Runde Spielplatz.
* Melonen-Feta-Basilikum-Salat.
* Das Studio von Christoph Niemann.
* Des Fräuleins Blätter für die Küche.
* Die Pyjamaparty, die wir gefeiert haben.
* Die beiden Brüder, die sich seit 40 Jahren dieselbe Geburtstagskarte schicken.
* Mein neues Backgammon-Spiel. Ewig nicht mehr gespielt. Dabei macht es soviel Spaß.
* Dieser Konjac Sponge. Macht die Haut sehr weich.
* Diese Bürste fand ich am Anfang gewöhnungsbedürftig, jetzt mag ich gar nicht mehr ohne.
* Die Urlaubsvorfreude. Noch diesen Monat geht es zum Haustausch nach Amsterdam (falls jemand noch Tipps für Dinge hat, die man mit Kind machen kann...).
* Der Trailer von „Advanced Style”.
* Pläne für den Herbst zu machen und darüber nachzudenken, was meinem Leben noch gut tun könnte und wie ich es ein bisschen besser hinkriege, mich nicht so einzustressen.
* Martin Wehmer.
* Diese Kanne. Das mach ich nach.
* Und dieser Trailer.

Kommt gut in die Woche.

EIN NEUES SCHLAFZIMMER




Wie lange schon wollte ich unser Schlafzimmer umstellen – das eine Zimmer, das ich immer ungemütlich fand. Letztes Wochenende habe ich endlich losgelegt. Erstaunlich, wie neu und anders sich ein Zimmer anfühlt, wenn man einfach nur alles umstellt. Vielleicht mache ich irgendwann mal ein paar Bilder. Bis dahin sind hier ein paar Fotos, die ich zur Inspiration gesammelt habe, ein paar Dinge, die ich gemacht habe und ein Wunschzettel:

Eins: Ich habe das Bett von der Mitte des Zimmers direkt vors Fenster gestellt (wie auf dem ersten Bild).

Zwei: Rechts neben dem Bett hängen jetzt gesammelte Lieblingsbilder: dieser und dieser Print von Petersen, unsere Passfoto-Sammlung und ein paar Zeichnungen von Fanny. Bei einer Freundin habe ich neulich diesen „Rapper´s Delight”-Print von Juniqe gesehen – der würde noch gut in die Sammlung passen.

Drei: Die uralten Malm-Kommoden stehen jetzt direkt an der Wand statt vorm Fenster. Da gefallen sie mir deutlich besser – ich bin allerdings nicht der weltgrößte Fan ihres Dunkelbrauns. Das Bett hat die gleiche Farbe. Jetzt denke ich darüber nach, einfach alles weiß anzustreichen. Hat jemand von euch das mal versucht und kann mir sagen, ob das funktioniert?

Vier: Auf der Kommode steht jetzt mein Lieblingsbild von Fanny: Wir drei und ihre beiden großen Lieben: Lulu, die Gastkatze aus New York und Franjo, der Hund meiner Schwester. Jetzt fehlt noch ein großes Bild. Vielleicht spare ich auf einen Print von Lola Donoghue.

Fünf: Was auch noch fehlt ist ein schlichter Teppich, den ich vors Bett legen möchte. Vielleicht der hier? Oder ich mach mich auf dem Flohmarkt mal auf die Suche.

Sechs: Diese zwei Kissen liegen momentan noch auf dem Sofa. Ins Schlafzimmer würden sie aber auch sehr gut passen.

Sieben: Und am Ende ist auch noch der ganze Kram rausgeflogen, der sich in den letzten Monaten (naja, eher Jahren) unter dem Bett, neben dem Schrank und in allen anderen Ecken angesammelt hatte. Wie viel schöner das Schlafzimmer ohne dieses ganze Zeug ist.

Noch mehr Bilder und ein paar schöne Tipps gibt´s bei Chapter Friday. Und hier sind noch ein paar Dinge, die gerne einziehen dürften:






Eins: Print „Rapper´s Delight” von Juniqe. Zwei: Kerzenständer „Circle” von Minimarkt. Drei: „Juno Blanket Grey” von The District Six Store. Vier: „Out of Her Loop” Abstract Giclée Print of Painting von Lola Donoghue (via). Fünf: Korb (Größe L) von Schöne Beute – Ghanin. Sechs: Baumwollteppich von H&M. Sieben: Kissen „Nice Shapes and Dots #2” von selekkt.com. Acht: „Marble Square” von Bolia.

Fotos: Alvhem Mäkleri & Interiör (1-3), Ollie & Seb´s House (4), Emma hos / Bild: Jonas Berg (5), Emma hos / Bild: Jonas Berg (6).

ZWEI FÜR DIESES WOCHENENDE: DIE BEEINDRUCKENDEN DOKUMENTATIONEN „DIOR UND ICH” UND „CHEF´S TABLE”




Und dann sitzt er auf dem Balkon des Hauses, in dem gleich seine erste Show für Dior stattfinden wird, und sein Kinn beginnt zu zittern, „now it´s coming”. Unten fahren die Stars in großen Autos vor, oben sitzt Raf Simons und weint. Vor Anspannung, vor Nervosität, vor Angst, vor Freude, es ist schwer zu sagen, aber gut zu verstehen, wenn man weiß, dass er in den letzten zwei Monaten seine erste Haute-Couture-Kollektion für Dior entworfen hat. Hinter ihm und seinem Team liegen acht Wochen harter Arbeit, Schlaflosigkeit, Aufregung, Ernüchterung, Freude. „Dior und ich” von Regisseur Frédéric Tcheng erzählt von diesen Wochen. Erzählt davon, wie Raf Simons sich in ein Gemälde von Sterling Ruby verliebt und es zu Stoff machen will, obwohl die Stoffhersteller das schlicht für unmöglich halten. Erzählt davon, wie Simons einen weißen Blazer nun doch lieber in Schwarz sehen möchte (und was sein hinreißender Studio-Leiter Pieter Mulier tut, um ihm diesen Wunsch zu erfüllen). Erzählt, wie Raf Simons versucht, seiner Vorstellung von Modernität zu folgen, ohne die Tradition dieses großen Modehauses zu verraten. Der Film zeigt aber nicht nur Raf Simons, sondern auch sein Team: Seine rechte Hand Pieter Mulier, die Leiterinnen des Ateliers und die Schneiderinnen, die dort teilweise schon seit mehr als 40 Jahren arbeiten. „Dior und ich” zeigt, wie viel Liebe und Arbeit, Nerven und Handwerk, Wissen und Präzision in einem einzigen Haute-Couture-Kleid stecken (und wie schwer es den Schneiderinnen am Ende fällt, die Kleider, an denen sie Wochen gearbeitet haben, dann – über den Runway – gehen zu lassen). Vor allem aber zeigt er, was möglich werden kann, wenn man seinen eigenen Ideen und Instinkten vertraut und folgt. „I have an idea, but it´s very extreme”, sagt Raf Simons nachdem er sich das Haus in Paris angesehen hat, in dem seine erste Show stattfinden soll. Er möchte die Räume mit Blumen dekorieren, von oben bis unten, die ganzen Wände, alle Räume, und jeden mit einer anderen Blume. Am Ende verwandelt sich dieses Pariser Haus tatsächlich in ein einziges Blütenmeer. Und ich hab mir eine Träne weggewischt. Vielleicht waren es auch zwei.

„Dior und ich” von Frédéric Tcheng, mit Raf Simons, Pieter Mulier, Anna Wintour, Marion Cotillard und Jennifer Lawrence, ab heute im Kino. Hier ist die Website zum Film, hier ein Interview mit dem Regisseur und hier eine Geschichte über Pieter Mulier.



Und dann diese Food-Doku-Serie auf Netflix: „Chef´s Table”. Ich weiß nicht, wann mich eine Fernsehserie zuletzt so umgehauen hat. Mich so hat staunen lassen. Das Prinzip dieser Serie ist einfach: In jeder Folge wird ein berühmter Koch vorgestellt. Der italienische Koch Massimo Bottura etwa, der 1995 ein Restaurant in Modena eröffnete und beschloss, sich eine moderne italienische Küche auszudenken, die zwar auf der klassischen Kochkunst Modenas basiert, sie aber radikal modernisiert – eine Idee, die seine Gäste zunächst empörte. „Können sie sich vorstellen, was die Einheimischen über uns dachten?” fragt Bottura und erzählt, wie er ihnen Tortellini nicht in großen Schüsseln servierte, sondern auf einem Teller, nur sechs Stück, in einer Linie, die in die Brühe hineinwandert. „Sie wünschten uns die Pest an den Hals. Du darfst Großmutters Rezept nicht beschmutzen”. Heute gehört die Osteria Francescana zu den besten Restaurants der Welt und hat drei Michelin-Sterne, aber „Chef´s Table” erzählt gar nicht so sehr von diesem Erfolg, sondern von Botturas Weg dorthin, von seinem Nicht-Aufgeben gegen alle Widerstände, seinem Trotz, auch seiner Wut und Enttäuschung. Oder Magnus Nilsson, der im schwedischen Järpen weit entfernt von jeder Großstadt ein Restaurant führt, in dem er mit regionalen Produkten eine moderne, nordische Küche kocht – was schon deshalb eine riesige Herausforderung ist, weil es von Oktober bis April gar keine frischen Produkte in der Region gibt und Nilsson die Jahreszeiten überlisten muss, indem er die regionalen Zutaten konserviert. Auch diese Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte – die Menschen reisen von überall her an, um einen der zwölf Plätze im Fäviken zu ergattern – erzählt wird aber der Weg dorthin. Wie Nilsson das Kochen aus Frustration schon ganz aufgegeben hatte. Wie er durch den Norden reiste, um alte Gerichte und ihre Zubereitungsweisen zu lernen. Und wie er nun endlich das Gefühl hat, irgendwo angekommen zu sein, in seiner Heimat, der er früher so unbedingt entfliehen wollte.

Habt ihr in letzter Zeit auch Entdeckungen gemacht? Oder schon „Chef´s Table” gesehen?

Chef´s Table von Clay Jeter, Brian McGinn, Andrew Fried und David Gelb mit Dan Barber, Massimo Bottura, Francis Mallmann, Niki Nakayama, Magnus Nilsson und Ben Shewry, auf Netflix anzusehen.
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