EIN KOCHBUCH, EIN INTERVIEW, EIN REZEPT:
"YEMEK – REZEPTE AUS ISTANBUL"





Letzten Freitag lag Post in meinem Briefkasten. Post ist immer schön – der Inhalt dieses Umschlages hat mir aber schlagartig so gute Laune (und Hunger!) gemacht, dass ich ihn gerne teilen möchte: Isabel Lezmi, die ihr vielleicht durch ihr Food-Blog "lecker lezmi" kennt, hat zusammen mit der Illustratorin, Fotografin, Art-Direktorin und Autorin Lisa Rienermann und Make-up-Artist, Teppichdesignerin und Pop-up-Bakery-Betreiberin Veronika Helvacıoğlu das Kochbuch "Yemek – Rezepte aus Istanbul" geschrieben. Ein Kochbuch mit Rezepten aus dem Istanbuler Alltag, aber auch ein Buch, das ganz wunderbar von den Bewohnern dieser Stadt erzählt und von all den Köstlichkeiten, die man in ihr finden kann. Auf meiner Ausprobierliste: die Feta-Dillbrötchen, die süßen yufka-Apfelröllchen, der Ofenmilchreis, die Zimtaprikosen mit Rahm, der Karottenjoghurt, der Tomatenkräutersalat, die Auberginencreme, die türkische Nusspizza, das Grießdessert mit Zimt und Pinienkernen – und an der Länge dieser Liste merkt man auch schon, wie sehr mir dieses Buch gefällt. Deshalb gibt es heute ein paar Bilder, ein Interview mit den Autorinnen – und ein Rezept für gözleme (gefüllte Teigfladen). Vielleicht gefällt euch das alles ja so gut wie mir...

Wie habt ihr euer Herz an Istanbul verloren?
Isabel: Ich kann mich an gar keinen genauen Moment erinnern, ich weiß nur, dass ich mich schon bei meinem ersten Besuch Hals über Kopf in Istanbul verliebt habe. Ursprünglich wollte ich mit meinem Mann (Frederic ist Halb-Libanese) nach Beirut ziehen, aber mir war die Lage dort zu instabil und Istanbul war dann unser Plan B, den wir nie bereut haben. Ganz im Gegenteil!

Lisa: Als ich die Lezmis vor drei Jahren das erste Mal besucht habe, sind wir unglaublich viel durch die Gegend gelaufen und haben an jeder Ecke çay getrunken und was Leckeres gegessen. Nach dem hundertsten çay dachte ich dann: "Hier will ich leben!". Für länger hat es dann leider nicht geklappt, aber "Yemek" war ein toller Ausflug. Und immerhin lebe ich in Berlin-Kreuzberg in "little Istanbul".

Wie ist die Idee zu diesem Kochbuch entstanden – und wie würdet ihr das Ergebnis beschreiben?
Lisa: Die Initialzündung kam von Isa. Ich hatte vorher schon ein Kinderbuch über Essen gemacht  ("Entdecke, was dir schmeckt"), spiele und bastle generell sehr gerne mit Essen (z.B. Wahlwaffeln/-burger), da rannte sie mit ihrer Idee bei mir offene Türen ein.

Isabel: Meine Ursprungsidee war, einen kulinarischen Reiseführer für Istanbul zu machen. Weil es einfach so viele leckere Orte in der Stadt zu entdecken gibt, die kaum ein üblicher Reiseführer aufgreift und die schwer zu finden sind. Doch schnell war klar, dass Istanbul einfach viel zu schnelllebig für solch einen Guide ist. Wenn ich mal drei Wochen nicht in Karaköy war, hatten schon wieder fünf neue Cafés aufgemacht und mein Lieblingsrestaurant war umgezogen. Das Buch wäre bei Erscheinen also schon veraltet gewesen.

Lisa: Es war aber auch schnell klar, dass wir kein reines Kochbuch machen wollen, sondern auch Geschichten und Menschen und so mehr von der Stadt zeigen wollen. Als wir anfingen an der Struktur zu arbeiten, kamen wir auf die Gliederung nach Tageszeiten, so dass wir den Leser einen Tag lang an die Hand nehmen und durch Istanbul begleiten (so wie Frederic und Isa es mit mir bei meinem ersten Besuch gemacht haben).

Isabel: Die Idee dahinter war ein Buch wie ein Ferientag zu gestalten und dem Ganzen so einen schönen Reise-Charakter zu geben, als würde man die Zunge spazieren führen.

Wie muss man sich die Arbeit an einem Kochbuch vorstellen?
Lisa: Oh je, da fragst du was! Erst kam die Idee, dann der grobe Entwurf und damit haben wir uns dann auf die Suche nach einem Verlag gemacht. Und sind bei Edel Books und unserer wunderbaren Lektorin Nina gelandet.

Isabel: Wir haben alles in allem über ein Jahr an "Yemek" gearbeitet. Mir hat die Arbeit großen Spaß gemacht. Für mich war es ja das erste Buch, das ist natürlich etwas sehr Besonderes und beflügelt ungemein. Dass da noch parallel das erste Kind dazu kam, war so nicht geplant und hat es dann und wann doch etwas anstrengend gemacht. Aber Zoe hatte nichts dagegen in der Trage zu schlummern, während ich ein Gericht nach dem anderen gekocht habe. Und wenn wir gemeinsam mit Veronika heiß diskutiert haben, welches Rezept denn nun unbedingt ins Buch soll und welches auf keinen Fall, hat sie (meist) unbeeindruckt gedöst. Ich habe mich zum Beispiel geweigert, gefüllte Weinblätter mit aufzunehmen. Zwar mag ich die sehr gerne, aber das ist mir einfach zu aufwendig. Die schmecken auch gekauft einfach super. Beim Pudding-Rezept hat sich Lisa dann durchgesetzt, denn ich hasse Pudding wirklich inbrünstig und konnte mich auch kaum überwinden ihn zu probieren, als Lisa ihn gemacht hat.

Lisa: Wir haben aus zwei Städten zusammen gearbeitet, was dank Skype mittlerweile ja meist echt gut geht. Zur Hauptfotoproduktion bin ich dann nach Istanbul gefahren und Isa für den zweiten Block dann zu mir nach Berlin. Dass wir beide während der Arbeit an dem Buch Babys bekommen haben, war vorher nicht abzusehen und stellenweise auch anstrengend, hat uns aber zusätzlich zum gemeinsamen Baby "Yemek" doch sehr zusammen geschweißt.

Habt ihr unter all den schönen Rezepten ein Lieblingsgericht, das für euch besonders nach Istanbul schmeckt?
Isabel: Jede von uns trägt im Buch ja ihr Lieblingsgericht auf Händen. Ich habe mich für irmik helvası entschieden (ein klassisches Grießdessert mit Zimt und Pinienkernen, das es sehr oft zum Abschluss eines meze-Abends gibt), mag aber auch sehr gerne die mit Hackfleisch gefüllte Honigmelone. Die erinnert mich an einen tollen Besuch im Asitane, einem Restaurant, das sich auf historische osmanische Rezepte spezialisiert hat. Die Vorstellung, dass schon die Sultane ihre Honigmelone so gegessen haben und ihre europäischen Gäste damit beeindruckt haben, gefällt mir.

Lisa: Meze, die vielen kleinen (Vor-)Speisen, liebe ich sehr. In patıcan ezmesi (Auberginencreme) könnte ich baden!



Wie würdet ihr die Küche dieser Stadt jemandem beschreiben, der sie noch nie probiert hat?
Isabel: Istanbul ist unglaublich reich an Geschmack. Und extrem. Es gibt dort einfach immer alles und meist gleichzeitig. Starker schwarzer Tee, deftiges Lammfleisch, zuckersüße Baklava und kräftiger Schafskäse. Das kann einem schnell zu viel werden. Deswegen sollte man dann aber nicht zu McDonalds flüchten, sondern sich auf die Suche nach den feinen Zwischentönen machen, denn die gibt es in den Seitenstraßen. Dort locken kleine Mittagslokale mit duftenden Eintöpfen und einfache Restaurants mit exzellenten meze. Wäre die Stadt ein Geschmack, würde ich sagen, es ist Joghurt mit tahin (Sesammus).

Lisa: Ich esse fast kein Fleisch. Von daher bin ich von den vielseitigen fleischlosen Gerichten und Snacks wie etwa gözleme begeistert.

Wenn man – wie ich – noch nie in dieser Stadt war, aber dringend einmal hin möchte: Was sollte man in Istanbul tun, sehen und natürlich essen?
Isabel: Hach, Okka, das ist schwierig! Die Stadt ist so, so groß und es gibt unendlich viel zu entdecken. Ich habe ja selbst nach über drei Jahren das Gefühl, noch immer nicht alles mitgenommen zu haben. Jemandem, der nur kurz zu Besuch ist, rate ich, sich treiben zu lassen. Wenn man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzt, das im worst case auch noch im viel zu dichten Berufsverkehr, verliert man kostbare Zeit und bekommt irgendwie nichts von dem tollen Flair Istanbuls mit. Lieber einfach loslaufen und gucken. Meine Lieblingsviertel zum Flanieren sind: Moda, Kuzguncuk, Cihangir, Arnavutköy, Cukucurma und Balat. Oder sich ins Schiff setzen und den Bosporus lang schippern bis hoch ans Schwarze Meer, dort lecker Fisch essen und wieder zurück cruisen – definitiv eine der entspanntesten Arten, viel von der Stadt abseits der Touristenviertel zu sehen. Beim Essen würde ich dir raten, immer der Nase nach. Schau, wo die Türken essen und probier alles mal aus (auch das Streetfood). Und wenn du bereit bist, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, geh ins neolokal. Ich hatte dort das beste Dinner meiner gesamten Istanbul-Zeit!

Lisa: Und natürlich çay trinken. Überall, an jeder Ecke und am allerschönsten auf der Fähre.








GÖZLEME 
Gefüllte Teigfladen 
(für vier Personen, vegetarisch)
Dauer: 1 Stunde

ZUTATEN

Für den Teig:
300g Weizenmehl
1 TL Salz
70ml Olivenöl

Für die Füllung:
1 mittelgroße Kartoffel (ca. 170g)
100g frischer Spinat
2 Frühlingszwiebeln
150g Feta, zerbröckelt
Salz
1 TL pul biber (Paprikaflocken – falls man die nicht bekommt, eignet sich edelsüßes Paprikapulver als Ersatz)
Sonnenblumenöl zum Anbraten

Für den Teig das Mehl mit dem Olivenöl, dem Salz und 250 ml Wasser in einer großen Schüssel mischen. 10 Minuten kneten, bis es ein klebriger Teig wird. Ist er zu nass, noch etwas mehr Mehl dazugeben. Die Schüssel mit einem Küchentuch bedecken, zur Seite stellen und 20 Minuten ruhen lassen.

Für die Füllung die Kartoffel schälen und in einem Topf mit heißem Wasser weich kochen. Abgießen und die Kartoffel mit einer Gabel in einem tiefen Teller zerdrücken. Den Spinat waschen und klein schneiden. Die Frühlingszwiebeln putzen und in feine Ringe schneiden. Alle Zutaten in Schälchen beiseitestellen.

Jeweils eine Golfball große Menge vom Teig nehmen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche mit einem Nudelholz (auch das unbedingt mit etwas Mehl einreiben) zu einem kleinen Fladen (ca. 15 cm Durchmesser) ausrollen. Der Teig soll ca. 2 mm dünn sein. 

Jetzt geht es ans Füllen. Am besten verschiedene Kombinationen ausprobieren: etwas Feta mit Spinat oder Kartoffel pur mit pul biber oder auch alles zusammenmixen. Wichtig ist nur, nicht zu viel Füllung zu nehmen, denn sonst reißt der dünne Teig. Die Füllung auf die obere Hälfte des Fladens geben und dabei einen Rand von ca. 1 cm lassen. Salzen, zusammenklappen und den Rand zusammendrücken. 

Etwas Sonnenblumenöl in einer großen Pfanne erhitzen und die gözleme darin bei mittlerer Hitze je ca. 2 Minuten pro Seite anbraten, bis sie goldbraun sind. Schnell aufessen, frisch aus der Pfanne schmecken sie am allerbesten!

Danke, liebe Isabel und liebe Lisa!


Alle Fotos aus: "Yemek – Rezepte aus Istanbul" von Isabel Lezmi, Lisa Rienermann und Veronika Helvacıoğlu, Edel Books, 160 Seiten, 17,95 Euro.

PS: Und noch ein Ausstellungshinweis für alle Berliner: In der Marokkanischen Botschaft kann man ab dem 28. März die Portraits von Fotograf Thomas Rusch sehen, die an Grauem Star erkrankte Menschen zeigen. Er fotografierte 82 marokkanische Handwerker, die von der Erblindung bedroht sind. Mit dem Erwerb einer Fotografie finanzieren die Käufer die Operation der auf dem Foto abgebildeten Person. Mehr Informationen unter: www.portraid.org

ZEHN FILME, AUF DIE ICH MICH FREUE


Dieses Jahr will ich mir wieder mehr Filme ansehen. Zum Beispiel diese.

1) "Rico, Oskar und das Herzgebreche" von Wolfgang Groos mit Anton Petzold, Juri Winkler, Karoline Herfurth, Ronald Zehrfeld, Milan Peschel, Moritz Bleibtreu und Katharina Thalbach.
Zwei hinreißende Jungs und eine hinreißende Freundschaft. "Rico, Oskar und die Tieferschatten" ist einer meiner Lieblingskinderfilme. Jetzt startet der zweite Teil. (Hier ist ein Trailer vom ersten Teil, zum zweiten habe ich noch keinen gefunden). Start: 11. Juni



2) "Victoria" von Sebastian Schipper mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit und Max Mauff.
Ein Mädchen, vier Jungs, eine Nacht, eine einzige Einstellung. Und er ist von Sebastian Schipper ("Absolute Giganten"). Start: 11. Juni



3) "Gefühlt Mitte Zwanzig" von Noah Baumbach mit Ben Stiller, Naomi Watts, Amanda Seyfried und Adam Driver.
Noah Baumbach hat einen neuen Film gedreht. Nachdem mich "Frances Ha" so umgehauen hat, werde ich mir diesen Film auf jeden Fall ansehen. Start: 16. Juli.



4) "Taxi" von Jafar Panahi mit Jafar Panahi.
Ein Taxi in Teheran. Und darin eine ganze Welt. Start: 23. Juli



5) "Ricki and the Flash" von Jonathan Demme mit Meryl Streep, Lisa Joyce, Kevin Kline und Mamie Gummer.
Jonathan Demme mag ich meistens sehr. Und Meryl Streep als Rocksängerin klingt auch sehr gut. Start: 27. August

6) "Trainwreck" von Judd Apatow mit Amy Schumer, Bill Hader und Brie Larson.
Brachialer Humor, der gleichzeitig sehr abgründig und melancholisch ist. Bei Judd-Apatow-Filmen weiß ich hinterher selten, ob ich ihn wahnsinnig mag oder ob er mich total erschreckt. Meistens beides. Start: 27. August.



7) "The Joan Didion Documentary" von Griffin Dunne und Susanne Rostock.
Eine Dokumentation über die Schriftstellerin Joan Didion. Für 15 Dollar kann man sich den Film (voraussichtlich) im September herunterladen.



8) "Alles steht Kopf" von Pete Docter mit Amy Poehler, Bill Hader und Mindy Kaling.
Ein Pixar-Animationsfilm über die Gefühle eines kleines Mädchens. Start: 1. Oktober.



9) "James Bond 007 – Spectre" von Sam Mendes mit Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux, Monica Bellucci und Ralph Fiennes.
Christoph Waltz als Bond-Bösewicht. Start: 5. November.

10) "Iris" von Albert Maysles mit Iris Apfel.
Vor ein paar Tagen hier gelesen, dass es eine Dokumentation über Iris Apfel gibt. Wie toll.



Kommt gut ins Wochenende.

FRAGEN # 27 – # 34


Ein paar Fragen. Von ihm dieses Mal. Und meine Antworten.

# 27. Würdest du dich lieber finden oder verlieren?
Da ich das Gefühl habe, dass in meinem Leben gerade alles in Ordnung und da ist, wo es hingehört, und ich mich manchmal schwer damit tue, locker- und loszulassen: verlieren.

# 28. Wovon solltest du Ahnung haben, was hindert dich daran?
Ich würde gerne die eine Sprache heben, die irgendwo in meinem Gehirn versunken ist: Französisch. Konnte ich mal ganz gut. Daran hindert mich vor allem die ewig mangelnde Zeit. Und meine Faulheit. Ich würde auch gerne mein Geschichtswissen erweitern. Gleicher Grund. Worüber ich gerade nachdenke: Ballett. Das ist nichts, von dem ich eine Ahnung haben sollte, es fasziniert mich nur einfach. Und ich würde es gerne mal probieren. Mich hindert eigentlich nur, dass ich mir mich nicht unbedingt dabei vorstellen kann. Ich bin ungelenkig und untrainiert, aber vielleicht sind das gute Gründe, es doch mal zu probieren... (Hat jemand hier zufällig Erfahrung mit einem Spät-Ballett-Start?)

# 29. Was macht dich müde?
Zu viel Arbeit. Sorgen. Unsinnige Diskussionen über Blödsinn aller Art. Die Rückkehr zu Gedanken, die schon mal gedacht und geklärt wurden. Straßenbahnfahrten. So richtig viel rumrennen, das mag ich sehr. Und: Das warme, schlafende Kind im Arm, da könnte ich sofort auch einschlafen, die schönste Müdigkeit überhaupt.

# 30. Welcher Feiertag müsste dringend erfunden werden?
Der Feiertag des warmen Bettes. Man verbringt ihn natürlich im warmen Bett.

# 31. Kannst du deine Nase mit deiner Zunge erreichen?
Nee.

# 32. Hast du es gerade versucht oder wusstest du es auch so?
Natürlich hab ich´s versucht.

# 33. Schläfst du lieber ein oder wachst du lieber auf?
Ich schlafe viel lieber ein. Ich mag die Nacht und ihre Ruhe, noch zu lesen oder einen Film zu gucken, bis ich fast einschlafe, die Decke bis zur Nase gezogen. Das Aufwachen ist meistens ziemlich ruppig, weil der Wecker klingelt oder Fanny auf mich springt und sofort und superjetzt Hund spielen will.

# 34. Liebst du jemanden?
Sehr.

Eine gute Woche euch.
PS: Was für ein schönes Lied.

FEBRUAR 2015


Puzzles gelegt, Pfannkuchen gemacht, mit dem Laufrad um den Pudding geflitzt bis uns zu kalt war, essen gegangen und ein tolles Restaurant entdeckt, Fasching mit der Tanzkatze gefeiert, von der ich gar nicht wusste, dass es sie gibt, aber natürlich gibt es Tanzkatzen, wie es Einhörner gibt, Grapefruits im Ofen mit braunem Zucker gebacken, es schmeckte nicht ganz so wie in New York, aber sehr gut, nach Ferien, mir die Haare wieder kurz geschnitten, Pläne für das Jahr geschmiedet, im Sommer geht es nach Amsterdam, und ich freue mich so darauf, aus einem ersten einen zweiten Eindruck zu machen, das Riesenchaos in der Wohnung zu einem bewohnbaren aufgeräumt, und das Rumoren in mir mal so weit entknäuelt, dass ich jetzt weiß, was da eigentlich rumort. Ziemlich gut für einen Februar, finde ich.

Gegessen
Einen gigantisch guten Burger mit Süßkartoffelfritten im Muse – ein sehr schöner Laden mit tollem Service. Und immer wieder Pancakes (dieses Jamie-Oliver-Rezept ist so einfach und so gut).

Gehört
"Black Messiah" von D’Angelo. Adele (diesen Song und diesen). Und "One With the Freaks" von The Notwist.



Geschrieben
Einen Geburtstagswunschzettel. Diese Ausstellung würde ich mir so gerne ansehen. Diese Kette würde ich gerne tragen. Und dieses Kochbuch gerne lesen.

Geguckt
Den Trailer von "Verstehen Sie die Béliers?" – vorgemerkt fürs Kino. Den Trailer von "Into the Sea" (hier kann man ihn sich ganz ansehen, werde ich sicher noch machen). Und endlich "Im Angesicht des Verbrechens".

Gelesen und geklickt
* Ein paar Blogs, die ich mag: Design for Mankind, Julia Sang Nguyen und Hey Natalie Jean.
* 21 Surprising Parenting Tips.
* Die Drehtiere von Claus Ast. Oh, das Schweinhorn.
* The Rescued Film Project. Unglaubliche Geschichte.
* "How to Make the Best Pizza at Home" und "How to Make a Better Homemade Pizza".
* Being happy alone.
* What It´s Like to See 100 Million Colors.
* Marlenes Lieblingsorte in Berlin.
* 20 Small Things to Appreciate.
* Caramel Pecan Banana Puffed Pancake. Boa.
* Den Saisonkalender von Greenpeace, gestaltet von Kathrin Koschitzki.
* The mysterious (and cool) science of icicles.
* The Himalayas from 20.000 ft. Wie beeindruckend.
* Für alle Wiener: am 13. und 14. März gibt´s den ersten Pop-up-Markt rund ums Thema Kind. Hier gibt´s Informationen zum "Mini Markt Vienna".
* Und zum Schluss noch der Hinweis auf den Myself Supper Club. Gute Sache.

Hoffe, euer Februar war auch eher heiter als wolkig.

EIN PAAR DINGE, DIE WIR GERADE MÖGEN




Hier sind ein paar Dinge, die uns gerade Spaß, Freude, gute Laune machen. Für Kleine und Große. Ihre und meine.

EIN KOCHBUCH
// SIE
„Entdecke, was dir schmeckt” von Anke M. Leitzgen & Lisa Rienermann 
Ein Buch, das Kindern Lust aufs Essen und Kochen, Probieren und Experimentieren macht. Wir sind ein bisschen früh dran – das Buch ist eigentlich erst für Kinder ab 6, aber Fanny hat es sich bei Goldhahn & Sampson sehr stolz selbst ausgesucht und als Vorlese-Rumblätter-Guck-Rezepte-Aussuch-Buch funktioniert es auch ganz toll. Weil es Fragen stellt, die (auch mich) neugierig machen: Warum ist Riechen für das Schmecken so wichtig und wie funktioniert das überhaupt mit dem Schmecken? Welches Obst und Gemüse gibt es in welchem Monat und jetzt gerade? Und was kann man alles mit einem Ei oder einer Kartoffel kochen? Spannend, informativ und sehr schön gestaltet.

// ICH
„My Darling Clementine – Recipes from my real food kitchen” von Emma Galloway
Ein Geschenk, über das ich mich irre gefreut habe, denn die Rezepte von Foodbloggerin Emma Galloway sind nicht nur wunderschön fotografiert, sondern größtenteils auch angenehm alltagstauglich und immer sehr gesund. Als Erstes auf meiner Liste: die Blaubeer-Bananen-Frühstücksmuffins, die Avocado-Frühlingsrollen, der Auberginen-Tomaten-Feta-Salat, die Linsen-Spaghetti, das Bananen-Dattel-Olivenöl-Brot und die Mango-Limetten-Slushies. Und wenn es dann mal Pfirsiche gibt: der Pfirsich-Rosmarin-Joghurt-Kuchen. Hier ist ihr Weblog. Und hier ein paar Worte darüber, warum sie gluten- und laktosefrei kocht.

EINE APP
// SIE 
„Fiete”
Mit Seemann "Fiete" kann man 18 kleine Abenteuer erleben: Man kann ihm helfen, seinen Kutter zu beladen, ein Papierschiffchen fahren zu lassen oder eine Schatzkiste zu öffnen. Das Fiete-Memory „Match” mögen wir auch sehr gerne (auch wenn Fiete uns beim Orte-Memory immer den Eiffelturm klaut). Erwähnen möchte ich an dieser Stelle aber auch die App „Knard”, die uns ihr Erfinder Christoph Minnameier zum Ausprobieren gegeben hat. In dem interaktiven Bilderbuch werden die Abenteuer von Waldgnom Knard erzählt, die Geschichte seiner abenteuerlichen Reise durch eine magische Welt voller Trolle, Rittermädchen und Zauberer. In dieser Geschichte steckt viel Liebe und Sinn fürs Detail, auch die Gestaltung ist wirklich gelungen  – für Fanny ist „Knard” gerade noch ein bisschen zu gruselig, aber eigentlich ist diese App auch erst ab 5.

// ICH 
„Oblique Strategies”
1975 haben sich der Musiker Brian Eno und der Künstler Peter Schmidt einen Stapel Karten ausgedacht. Auf den Karten stehen Sätze, die Künstlern dabei helfen sollen, Blockaden zu überwinden, indem sie den Gedanken eine neue Perspektive oder andere Herangehensweise bieten. In der App gibt es alle vier Editionen der Karten von 1975, 1978, 1979 und 1996. Wenn ich hier sitze und beim Schreiben nicht weiterkomme, drücke ich öfter mal auf die App. "Emphasize differences" steht dann da zum Beispiel. Oder: "What is the simplest solution?" "Work in a different speed." "Do the last thing first." Auf Wikipedia kann man mehr über „Oblique Strategies” nachlesen.

EINE CD
// SIE 
„Herzlichen Glückwunsch, kleines Huhn” von Susanne Koppe, Franziska Biermann und Nils Kacirek
24 Kinderlieder („Alle Vögel sind schon da”, „Backe, backe Kuchen” oder „Der Mond ist aufgegangen”) wild interpretiert. Beim ersten Hören ist man überrascht, dass „Wide-wide-wenne” wie ein Countrysong klingt oder „Heut ist ein Fest bei den Fröschen am See” nach Latin, beim zweiten Hören will man sofort mitsingen und tanzen (und ganz ehrlich: so geht´s mir nicht mit jeder Kinder-CD). Man hört den Machern an, was für einen Spaß sie hatten – und genau diesen Spaß hat man beim Hören auch. Passend zur CD gibt es ein illustriertes Buch mit Noten, den Texten und einer Zeichnung pro Lied – alle Zeichnungen zusammen erzählen dann die Geschichte vom Geburtstag des Huhnes. Hier ein bisschen mehr.

// ICH 
”Ibeyi” von Ibeyi
Als ich neulich nicht einschlafen konnte, hab ich noch „TTT” geguckt und so Ibeyi entdeckt, das Debüt der kubanischen Zwillingsschwestern Naomi und Lisa-Kaindé Díaz. Ich habe dieses Album in den letzten Tagen viel gehört und weiß doch nicht, wie ich diese Musik beschreiben soll – aber vielleicht ist irgendeine Genrezuteilung auch gar nicht so wichtig, entscheidend ist ja, was die Musik mit einem macht – und dieses Album verhakt sich, es trifft und rührt mich. (Hier ein bisschen mehr über sie).

EIN HEFT
// SIE 
„Olli und Molli Kindergarten”
Fanny blättert genauso gerne Hefte wie ihre Mama und das „Olli und Molli”-Heft, das wir einmal im Monat mit der Post bekommen, ganz besonders gerne. Wahrscheinlich, weil es wirklich für Kinder von 3-6 Jahren gemacht ist. Im ersten Teil des Heftes kann man die Welt entdecken (da wird zum Beispiel eine Bücherei erklärt oder warum man nachts eigentlich schlafen muss). Im zweiten Teil gibt es Bastelanleitungen und Mandalas zum Ausmalen, im dritten Teil Vorlese-Geschichten, zum Abschluss einen Bastelbogen. Im letzten Heft gab´s zum Beispiel ein Wimmelbild von Paris im Schnee, eine Bastelanleitung für Korken-Figuren, eine Vorlesegeschichte von „Familie Blümchen im Schnee” und einen Bastelbogen für ein Schlittenrennen mit Erdnuss-Männchen. Wirklich schön. Hier zu bestellen.

// ICH 
„Bon Appetit”
Jeden Monat warte ich auf die Email, die mir sagt, dass ich mir die neueste Ausgabe von „Bon Appetit” herunterladen kann, einem amerikanischen Magazin, das mit heiligem Ernst, großem Spaß, fundiertem Wissen und manchmal auch herrlicher Durchgeknalltheit übers Essen, Kochen und Trinken schreibt. Dazu kommen Fotos, die einen immer bloß laut aufstöhnen lassen. Was für ein tolles, leidenschaftliches Food-Magazin. Zwei Hefte, die noch darauf warten, gelesen zu werden: „The Heritage Post – Magazin für die Frau” und das neue „Eltern”-Magazin.

EIN BUCH
// SIE 
„Die große Zooparade” von Judith Drews 
Wenn ich mich richtig erinnere, dann hat ein Slomo-Leser "Die große Zooparade" empfohlen. Und ich bin wirklich dankbar für diesen Tipp, denn dieses Buch ist lustig, hübsch illustriert und sehr schön, wenn das Kind langsam Lust auf Buchstaben und Zahlen bekommt. In diesem Buch wird nämlich ein neuer Zoo eröffnet. Zu Beginn des Buches ist er noch leer – die Tiere sind aber schon auf dem Weg und kommen nach und nach beim Zoodirektor an, von der Anakonda bis zum Zebra. Und am Ende, nein, das verrate ich nicht.

// ICH 
fange jetzt mal mit „Telegraph Avenue” von Michael Chabon an. Die erste Seite, die er mir immer von jedem neuen Buch vorliest, ist schon so gut. Ich wünschte, mir fielen Sätze wie dieser ein, aber Sätze wie dieser fallen nur Michael Chabon ein: „Mondgesichtig, massig und mild bekifft stand Archy Stallings, ein Baby auf dem Arm, in einem rehbraunen Kordanzug und einem kürbisfarbenen Rollkragenpullover, der seine berüchtigte, aber nicht unvorteilhafte Ähnlichkeit mit Gamera betonte, der riesigen, fliegenden Mutantenschildkröte aus dem japanischen Kino, hinter dem Verkaufstresen von Brokeland Records."

Was mögt ihr denn gerade gerne? Ich freu mich in dieser Grippewoche über Tipps. Kommt gut ins Wochenende!


UND WIE MACHST DU DAS, TINA?


Ein neuer Mutterfragebogen: Vor knapp vier Jahren ist Tina mit ihrer Familie von München nach Chattanooga in Tennessee gezogen, weil ihr Mann von seiner Firma für ein paar Jahre in die USA geschickt wurde. Ihre Tochter wurde in München geboren, ihr Sohn in den USA. Auf ihrem Blog schreibt Tina über ihr Leben in den USA.

Name: Tina Busch
Alter: 37 Jahre
Mutter von: einer 5-jährigen Tochter und einem 2-jährigen Sohn
Stadt: Chattanooga, Tennessee, USA

Wie ist bei dir die Kinderbetreuung organisiert?
Beide Kinder sind von Montag bis Freitag in der Day Care, bis circa 15 Uhr. Die Zeiten sind zum Glück ganz flexibel: Ich kann sie abholen, wann ich möchte, spätestens aber um 18 Uhr, sonst müsste ich Strafe zahlen. Geöffnet ist der Kindergarten täglich von 6 bis 18 Uhr. Meine Kinder sind meistens die letzten, die gebracht und die ersten, die abgeholt werden. Zusammen mit den anderen deutschen Kindern.

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?

Spontan wollte ich schreiben, dass diese Frage nicht auf mich zutrifft. Ich arbeite ja – eigentlich – gar nicht. Zumindest wenn es darum geht, (regelmäßig) Geld zu verdienen. Da ich den Hauptteil meiner kinderfreien Zeit aber mit Bloggen verbringe, ist mein Blog irgendwie schon so etwas wie meine Arbeit (und mein Hobby!) – auch wenn ich damit kein Geld verdiene. Eine Finanzspritze geben mir Übersetzerjobs, die sich immer mal wieder ergeben. Ich arbeite, wenn meine Kinder im Kindergarten sind. Sechs Stunden pro Tag hört sich auf den ersten Blick viel an, ist es aber nicht. Die Wege hier sind weit und ich verbringe viel Zeit im Auto, um von A nach B zu kommen. Und damit ich ab 15 Uhr und am Wochenende wirklich voll und ganz für meine Kids da sein kann, mache ich in der kinderfreien Zeit auch den Haushalt, erledige Einkäufe, koche das Abendessen, halte mit Deutschland über Skype Kontakt und gehe zum Sport. Ist mal ein Kind krank oder hat der Kindergarten zu – so wie letzte Woche –, bleibt alles liegen. Eine Oma, die spontan einspringen kann, haben wir leider nicht vor Ort.

Wieviel Zeit hast du für dich – jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?
Ich kann mich nicht über zu wenig Zeit für mich beklagen. Wenn ich an meinem Blog bastele, ist das Zeit für mich, weil mir das richtig viel Spaß macht. Klar hätte ich gerne mehr Zeit für Sport, um zu Lesen oder etwas mit Freundinnen zu unternehmen, aber dann würde das Familienleben oder mein Blog darunter leiden und das will ich gerade nicht.

Wie sieht ein ganz normaler Wochentag bei dir aus?

Mein Mann weckt mich um kurz vor 7 mit einer Tasse Tee. Die trinke ich meistens noch im Bett, dann mache ich mich fertig und bereite das Frühstück vor. Sobald die Milch warm ist, wecke ich die Kids und wir frühstücken zusammen. Dann beginnt der tägliche „Zieh-dich-an-putz-dir-die-Zähne-aber-Mama-wir-wollen-noch-spielen“-Kampf. Kurz vor 9 fahren wir zum Kindergarten. Ab dann läuft die Zeit. Wenn möglich fahre ich direkt wieder nach Hause, verschließe die Augen vor dem Chaos in der Küche und setze mich an den Schreibtisch. Ich habe nämlich gelernt, dass ich vormittags am produktivsten und kreativsten bin. Zur Mittagszeit habe ich dann die Wahl: Aufräumen, Kochen, Einkaufen, Sport, Skypen. Dabei stehen Aufräumen und Kochen täglich auf dem Programm. Manchmal gehe ich danach nochmal zurück an den Schreibtisch, meistens lohnt sich das aber nicht mehr. Um 15 Uhr hole ich die Kids ab und wir fahren zu einem Playdate, oft mit deutschen Freunden. Dafür nehmen wir gerne 30 Minuten und mehr Fahrtzeit auf uns. Bei Kaffee und Cookies bequatschen wir Mütter unsere Zukunft, während unser Nachwuchs Prinzessin oder Pferd spielt. Um spätestens 18:30 Uhr sind wir zum Abendessen (das ich im Idealfall nur noch warm machen muss) wieder zu Hause. Dann kommt auch mein Mann nach Hause. Nach dem Essen ist noch Zeit zum Spielen, bevor wir um 20 Uhr die Kids ins Bett bringen. Es wird noch was vorgelesen, ein bisschen erzählt und dann machen wir das Licht aus. Ab 21 Uhr ist meistens Ruhe, ich kuschele mich in meine Sofaecke und lese noch Blogs, Zeitschriften oder ein Buch. Kurz nach 23 Uhr mache ich dann auch das Licht aus.

Was empfindest du als besonders anstrengend?
Über diese Frage habe ich lange nachgedacht. Es gibt bestimmte Tage, die kein Ende nehmen wollen, an denen alle schlecht gelaunt sind, Geduld ein Fremdwort ist und mein Mann spät von der Arbeit nach Hause kommt. Das finde ich immer wieder anstrengend, weil diese Tage so unvorhersehbar, die Probleme nicht greifbar sind und ich da einfach durch muss. Irgendwie.


Was macht dich besonders glücklich?

Das glucksende Lachen meiner Kinder, das ich letzte Woche nicht gehört habe, weil beide krank waren. Ihre feuchten Küsse und spontanen big hugs. Und natürlich ein unvorhergesehener früher Feierabend meines Mannes.

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, das du vorher nicht wusstest?
Jedes Projekt, an dem ich vor der Geburt meiner Kinder gearbeitet habe, war peanuts im Vergleich zum Muttersein. Mutter bin ich immer. 24/7. Mittagspause, Feierabend, Wochenende, krank sein, Nachtruhe, in Ruhe nachdenken, Verantwortung abgeben, Fragen erst später beantworten, aufs Klo gehen, ohne dass jemand an die Tür hämmert – geht nicht. Trotzdem bin ich total gerne Mama! Und weiß, dass ich für jeden zukünftigen Job, jedes zukünftige Projekt gewappnet bin. Egal, was auch kommt, mich haut so schnell nichts mehr um.

Du hast 48 Stunden kinderfrei. Was tust du? 
Ich mache mit meinem Mann eine Städtereise und lebe einfach in den Tag hinein. Ohne regelmäßige Blicke auf die Uhr, Wickeltasche, Mittagsschlaf. Wir spazieren vom Coffee Shop zum Buchladen, vom Restaurant zur Boutique und wieder zurück und philosophieren über unsere Zukunft.

Wie sieht die Unterstützung von Familien in den USA im Vergleich zu Deutschland aus? 
Bildung kostet hier Geld. Und gute Betreuung bzw. Bildung kostet viel Geld. Dafür gibt es aber auch unzählige Betreuungsangebote, für alle Altersklassen, für jeden Geldbeutel, stunden- oder tageweise, Voll- oder Teilzeit. Einen Platz bekommt man eigentlich immer. Berufstätige Mütter können ihr Baby in vielen Einrichtungen bereits ab einem Alter von sechs Wochen abgeben. Und das müssen sie auch, denn sonst ist ihr Job weg. Elterngeld? Noch nie davon gehört. Elternzeit? Gibt es nur selten und wenn, dann ist sie auf wenige Wochen nach der Geburt begrenzt. Unbezahlt natürlich.


Wie haben sich die Kinder, wie habt ihr euch als Familie eingelebt? 
Wir leben jetzt seit fast vier Jahren in den USA. Mein Sohn ist hier geboren und kennt kein anderes Zuhause. Meine Tochter war bei unserem Umzug 1,5 Jahre alt und kennt Deutschland eigentlich nur noch aus kurzen Heimaturlauben. Hier ist unser Zuhause, hier fühlen wir uns wohl. Deutschland ist aber unsere Heimat, und das vermitteln wir den Kindern auch. Das Einleben an sich war für uns kein Problem. Mein Mann und ich wussten durch zahlreiche USA-Aufenthalte, was auf uns zukommt, und wir haben uns sehr auf die Chance gefreut, als Familie im Ausland zu leben. Bislang haben wir es keinen Tag bereut – außer als Deutschland Weltmeister geworden ist! Da wäre ich gerne in der Heimat gewesen.

Würdest du wieder ins Ausland gehen?
Ja, aber nicht in jedes x-beliebige Land und nur für mehrere Jahre, damit man auch wirklich eine Chance hat, sich richtig einzuleben.

Aus der Ferne wirkt die Heimat oft ganz anders. Was vermisst du, was nicht?
Diese Frage stelle ich meinen Interviewpartnern auch und ich finde es immer wieder interessant, wie sich die Antworten ähneln. Persönlich vermisse ich die abendlichen Telefonate mit meinen Freundinnen, die Möglichkeit, die Großeltern kurzfristig um Hilfe bitten zu können, und Feiern, zu denen die ganze Familie zusammen kommt. Kulinarisch gesehen würde ich gerne mal wieder einen Dickmann essen und beim Bäcker ein dickes Stück Sahnetorte verdrücken. Was ich nicht vermisse: unfreundliche Kassierer an der Supermarktkasse, den typisch deutschen Pessimismus, das Wetter und Familienfeiern. Und zwar die, auf die man gehen muss, aber nicht will.

Woran musstet ihr euch erst gewöhnen?
An manche Dinge habe ich mich immer noch nicht gewöhnt: Zum Beispiel daran, dass hier jeder eine Waffe hat. Vielleicht nicht unbedingt gerade bei sich, aber auf jeden Fall zu Hause. Das macht mir immer noch Angst. Und wenn im Frühling wieder die Tornado-Saison beginnt, wird’s mir Jahr für Jahr mulmig. Ich kann die Situation jetzt zwar besser einschätzen, kenne zum Beispiel den Unterschied zwischen Watch (die Entstehung eines Tornados ist möglich) und Warning (ein Tornado wurde gesichtet), hoffe aber natürlich, dass wir unser Gäste-Bad – der einzige innenliegende Raum ohne Fenster – nicht zum Schutzraum umfunktionieren müssen.

Gehen Amerikaner anders mit Kindern um als Deutsche – oder kann man das überhaupt nicht verallgemeinern?
Ich glaube schon, obwohl mir der Vergleich fehlt, da ich nur 1,5 Jahre mit Kind in Deutschland gelebt habe. Hier sind Kinder auf jeden Fall immer und überall willkommen. In Restaurants gibt es zum Beispiel immer ein Kinder-Menü, Stifte oder anderes Spielzeug zum Zeitvertreib und ausreichend Hochstühle und booster seats.

Was sind die größten Kindervergnügen in Chattanooga?
Das Wetter! Von April bis Oktober findet das Leben draußen statt, im Planschbecken, im Garten, am Pool oder See. Und der Grill läuft auf Hochtouren. Darüber hinaus hat Chattanooga für Kinder eine Menge zu bieten: das Creative Discovery Museum, das Tennessee Aquarium, den Chattanooga Zoo und viele Seen, Wanderwege und Wasserfälle in nächster Nähe.

Plant ihr eine Rückkehr?
Unsere Rückkehr nach Deutschland ist für Sommer 2016 geplant, pünktlich zur Einschulung unserer Tochter. Ob’s wirklich so kommt, kann aber keiner sagen.

Herzlichen Dank für Deine Antworten, liebe Tina. Mehr Mütterfragebögen sind hier nachzulesen.

Fotos: Tina & Jack Fussell at www.flyinghousestudio.com or www.travelingmama.net

FANNYS KOCHBUCH


Vor drei Wochen wollte ich mit Fanny ein Fotobuch mit unseren Reisebildern machen, aber Fanny hatte keine Lust, ein Reisebuch zu machen. Fotos rauszusuchen fand sie langweilig, sie wollte lieber etwas malen. Essen. Ein Kochbuch, ihr eigenes. Ich durfte nicht gucken, wirklich nicht, und auch nicht schummeln. Nach einer Weile zeigte sie mir ihre Bilder, lauter Bilder von ihrem Lieblingsessen: Pizza, Zimtschnecken, Blaubeerpfannkuchen. Ich gab ihr einen Kuss und lachte und schluckte (ich weiß, es sind nur Kringel, aber eben ihre Kringel, und ich mag so sehr, wie sie Essen mag, wie sie sich freut, wenn ich sie frage, ob wir Zimtschnecken machen wollen, mit welchem Schwung sie sich den Hocker an den Küchentresen schiebt, den braunen Zucker auf den Blätterteig streut und dann festklopft, bis der Teig Löcher bekommt, und wie sie die Zimtschneckenstückchen dann ganz vorsichtig in die Auflaufform legt, als wären sie echt und könnten sich erschrecken, ich hoffe, sie hat noch lange Lust dazu). Abends habe ich ihre Bilder eingescannt und in nicht einmal einer halben Stunde ein Buch daraus gemacht – das geht nämlich wirklich einfach auf einer Seite namens "Kleine Prints".

"Kleine Prints" hat sich Grafikerin Eva Malawska ausgedacht, als sie ein Fotobuch für ihre Tochter Lotta machen wollte und nichts fand, was ihr gefiel (und recht hat sie – es gibt Fotobücher für die Großen, aber keine für die Kleinen – zumindest keine, die ich kenne – obwohl die Fotos ja ganz genauso lieben). Netterweise hat sich die Hamburgerin dann einfach eines ausgedacht: speziell für Kinder, aus dickem Papier, das etwas aushält, 14 mal 14 Zentimeter groß, mit abgerundeten Kanten. Der Prototyp zeigte auf 26 Seiten Lottas Welt: die Familie, Freunde, Lottas Puppe. Ein Fotobuch mit den liebsten Menschen und Dingen, eine schöne Idee. Und eine, die man problemlos abwandeln kann: in ein Kochbuch. Oder in ein Buch mit Kinderkunst – wie Julia es hier zeigt. Und weil wir so mögen, was zehn Tage später bei uns ankam, verlose ich heute einen Gutschein für ein "Meine Welt"-Buch von "Kleine Prints". Einfach bis zum 1. März um 20 Uhr einen Kommentar hinterlassen (bitte ohne Emailadresse, der Gewinner wird dann am 1. März genau unter diesem Post bekanntgegeben, bei Interesse also einfach nachschauen). Mitmachen kann, wer volljährig ist, versendet wird allerdings nur nach Deutschland. Der Gutschein ist bis zum 15. März gültig und nur persönlich einlösbar, also nicht als Geschenkgutschein verwendbar. Viel Glück und eine gute Woche

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Herzlichen Dank für all eure Kommentare. Random.org hat gezogen und gewonnen hat Stephie mit ihrem Kommentar vom 28. Februar um 19:50. Liebe Stephie, meinen Glückwunsch! Schickst Du mir eine Email an postanslomo(at)googlemail(dot)com, damit ich Dir den Gutscheincode schicken kann? Danke!

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