IHR STAPEL (EIN PAAR LIEBLINGSKINDERBÜCHER)




In den letzten Monaten ist der Stapel neben Fannys Bett wieder genauso gewachsen wie der neben meinem. Deshalb hier ein paar Lieblingsbücher und -spiele (mein Stapel dann nächste Woche):

* Mo Willems: Noch ein Knuffelhase (Gerstenberg).
Eines Morgens kommt Trixie in den Kindergarten und sieht, dass Sonja HAARGENAU den gleichen Knuffelhasen hat wie sie. Erst streiten die beiden Mädchen, dann werden die beiden Hasen auch noch vertauscht, was Trixie allerdings erst mitten in der Nacht auffällt. Fanny mag das Buch, weil aus Trixie und Sonja am Ende (doch noch) Freundinnen werden und weil es in Brooklyn spielt. Ich mag die ungewöhnliche Verbindung von Schwarzweiß-Fotografie mit Tuschezeichnungen.

* Jakob Martin Strid: Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne (Boje)
Es gibt Bücher, von denen kann Fanny nicht genug bekommen (und ich seufze innerlich beim Vorlesen). Und Bücher, die ich hinreißend finde, Fanny aber kaum eines Blickes würdigt. Dieses Buch lieben wir beide. Weil es tolle Zeichnungen hat, in denen man sich fast wie in einem Wimmelbuch verlieren kann, weil es mit extradickem Papier auch wirklich toll aufgemacht ist. Und weil die Geschichte so aufregend ist, dass man immer weiterlesen will: Mika und Sebastian finden beim Angeln eine Flaschenpost mit einem Brief. Merkwürdigerweise ist der Brief genau an sie adressiert. Und merkwürdigerweise findet sich in der Flasche noch ein zweite Flasche mit einem klitzekleinen Samen. Als Mika und Sebastian den Samen einpflanzen, wächst über Nacht eine Riesenbirne in ihrem Garten. Und das ist erst der Anfang dieser unglaublichen Geschichte.

* Katharina Grossmann-Hensel: Warum Erwachsene nachts so lange aufbleiben müssen (Annette Betz)
Was machen die Erwachsenen eigentlich, wenn die Kinder im Bett liegen? Sie spielen mit dem Spielzeug der Kinder. Und verkleiden sich heimlich. Sie tanzen und trinken wie ein Haufen Seeräuber. Sie waschen die Wolken weiß und stopfen danach die Regentropfen wieder hinein. Sie sind in der Elternschule und lernen Schlechteträumeverjagen und Monsterbekämpfung. Oder? Wahrscheinlich ist dies kein Buch, das jedem gefällt – Idee und Umsetzung sind speziell, manchmal ein bisschen gruselig und ziemlich wild. Uns gefällt gerade das sehr gut. Hineinlesen kann man hier.

* Thé Tjong-Khing: Die Torte ist weg! Eine spannende Verfolgungsjagd (Moritz)
Ein Bilderbuch, das ganz ohne Worte eine spannende Geschichte erzählt: Gerade haben Frau und Herr Hund im Garten den Tisch gedeckt, da klauen zwei Ratten einfach die Torte. Erzählt wird aber nicht nur die Geschichte der verschwundenen Torte, sondern auch die Geschichte vom Schwan und seinen Jungen, von drei frechen Affen, von Familie Schwein oder von zwei fußballspielenden Fröschen. Selbst wenn man dieses Buch oft liest, entdeckt man immer noch eine neue Geschichte oder einen neuen Witz. Toll. (Hier kann man reinschauen).

* Barney Saltzberg: Arlo braucht eine Brille (Boje)
Hund Arlo spielt gerne „Fang den Ball”. In letzter Zeit schnappt er allerdings immer wieder daneben. Deshalb geht er mit seinem Freund zum Augenarzt. Nachdem er die Buchstaben auf der Buchstabentafel nur ganz verschwommen sehen kann, steht fest: Arlo braucht eine Brille. Die Geschichte von Arlo ist eine von Fannys Lieblingsgeschichten (nicht nur, weil wir jetzt ja auch einen kleinen Freund namens Arlo haben) – beim Augenarzt darf man nämlich tolle Pappbrillen aufprobieren: die Film-Star-Brille, die Superhelden-Brille oder die Brille des verrückten Professors. Schließlich findet Arlo die perfekte Brille, kann endlich wieder den Ball fangen und noch etwas anderes, sehr, sehr Aufregendes, aber das wird hier noch nicht verraten.

* 6 Gummitwist-Spiele (Die Spiegelburg)
Als Kind habe ich Gummitwist geliebt. Deswegen habe ich Fanny die kleine Schachtel mit dem Gummiband und den fünf Anleitungskarten auch mitgebracht, als ich sie im Spielzeugladen um die Ecke gesehen habe. Wir spielen es (noch) ohne Anleitung und hüpfen einfach hin und her und drüber. Und es macht immer noch genauso viel Spaß wie früher.

* Puppentheater
Schon länger haben wir über ein Puppentheater nachgedacht. Am Ende haben wir einfach ein Loch in eine alte Kiste geschnitten, zwei Taschentücher als Vorhänge genommen und Papierfiguren auf Strohhalme geklebt. Funktioniert super.

Was sind denn gerade eure Lieblingsbücher oder -spiele?
Ich freu mich über Tipps und wünsch euch ein schönes Wochenende!

PS Irgendwie gibt es hier gerade Probleme mit dem Kommentieren, ich weiß leider noch nicht, woran das liegt, versuche aber, eine Lösung zu finden!

LIEBLINGSLÄDEN IN BERLIN: GRAND REVIVAL

Es gibt Läden, die einfach schön sind, nützlich, ein gut durchdachtes Sortiment haben – Läden, in denen man findet, wonach man sucht. Und dann gibt es diese anderen Läden. In die man nicht geht, um sich einen Wunsch zu erfüllen. Weil in ihnen nur selten Dinge verkauft werden, die man sich wünschen kann, schon weil sie einem gar nicht einfallen. Dinge, die einen grinsen lassen. Dinge, von denen man weiß, dass sie das Leben ein bisschen schöner machen. Dinge, die einen staunen lassen, schlechte Tage und Launen vertreiben. 
Von dieser Art Läden gibt es nicht so viele. Aber jetzt gibt es einen mehr. Grand Revival ist ein Laden für Inneneinrichtung und Kindersachen in der Lychener Straße in Berlin-Prenzlauer Berg. Aber das ist natürlich nur eine sehr nüchterne Angabe dessen, was man dort finden und entdecken kann. Da sind zum Beispiel die riesigen New York-Plakate zum Ausmalen, mit denen Fanny und ich uns unsere Vorfreude noch ein bisschen größer gemalt haben. Oder die Eselspuschen. Oder dieses altrosafarbene Tablett, das ich mir vor einer Weile gekauft habe, und über das ich mich nun jeden Tag freue. Oder diese wahnsinnigen Vasen der holländischen Firma Wonderable, die kitschige Tiere auf Porzellanvasen klebt, so herrlich manisch, dass daraus etwas total Wildes und Erstaunliches wird. Jedes Zimmer in diesem Laden ist so gestaltet, dass man sich die Produkte gut zu Hause vorstellen kann – das Zimmer vorne wie ein Wohnzimmer, im Bad stehen Seifen, Shampoos und Wäschekörbe, die Küche ist wie eine echte Küche eingerichtet und im Zimmer hinten findet man alles für Kinder. Noch ein Grund, warum ich diesen Laden so mag: die Besitzerin Victoria Haubold. Herzlich, irre hilfsbereit, super informiert, immer zu einem Schnack aufgelegt. Schön ist das. 

Grand Revival, Lychener Str. 47, 10437 Berlin, Mo-Sa 12-19.30 Uhr, www.grandrevival.de

SEPTEMBER 2014


Der Sommer geht langsam dieses Jahr, wie schön das ist. Ich mag die letzten Flutschfinger-Tage so. Und überhaupt den ganzen September: Die wilden Blumensträuße, die es bei Blumenbett in der Rykestraße gibt, so gut nach (zu) langen Tagen. Eis- und Burger-Tattoos auf dem Arm. Die ersten gesammelten Kastanien, Hosentaschen voll. Meinen Schreibtisch ein wenig umzuräumen, damit das Wiederarbeiten nach dem Urlaub ein bisschen leichter fällt (und fällt mit Streifen nicht alles leichter, oder bin das nur ich?). Der Oui-Sweater von Petersen (das ist einer, in dem man wohnen kann – es gibt ja so Stücke, die man immer und immer wieder anzieht, dieser Sweater ist genau so ein Stück, große Liebe). Der Ottolenghi-Salat mit frischen Feigen, Süßkartoffeln und Ziegenfrischkäse, jeden Samstagabend (bis es keine frischen Feigen mehr gibt oder der Mann streikt – wobei sein heiliger Schnitzelsonntag ein ziemlich gutes Gegenargument ist). Der Herzring, den ich mir aus New York mitgebracht habe (ich hoffe, ich finde ihn wieder, nachdem Fanny ihn anprobiert und leider vergessen hat, wohin sie ihn danach gelegt hat, wahrscheinlich finde ich ihn in einem Jahr an einem Ort wieder, an dem ich niemals suchen würde, ich hoffe es jedenfalls). Die Passionsfruchttarte von Jubel Berlin, einer tollen neuen Pâtisserie (bald mal mehr darüber). Fahrradfahrenüben. Fünf Minuten auf dem Balkon zu sitzen in diesem Herbstlicht, auf keine Zigarette. "Die Brücke" zu gucken. Gleich nach dem Aufwachen von ihren Träumen erzählt zu bekommen, von einem Regenbogen im Fahrradkorb. Ich mochte auch, wie wach einen das Wieder-nach-Hause-Kommen für die eigene Stadt und das eigene Leben macht, wie so ein bisschen Abstand dabei hilft, Klarheit darüber zu kriegen, was man will (und nicht mehr will). Jetzt freue ich mich auf den Herbst und auf all das, was kommt. Ein Wochenende alleine in Amsterdam, zum Beispiel. Habt ihr vielleicht Tipps für eine bezahlbare Unterkunft oder überhaupt? Danke und eine schöne Woche!

JETZT IST ES DA: MEIN ERSTES BUCH



Liebe ihr alle da draußen,

morgen erscheint das Buch, das ich geschrieben habe, das erste Buch, das ich geschrieben habe. Ein erstes Mal. Und wie bei jedem ersten Mal in meinem Leben stolpern gerade Gefühle durch mich, die sich nicht mehr auseinander sortieren lassen.
Erleichterung, es geschafft zu haben.
Euphorie.
Aufregungaufregungaufregung.
Müdigkeit.
Erstaunen.
Alberne Kicherhaftigkeit.
Stolz.
Unsicherheit.
Aufgeputschtheit.
Alles ineinander verknotet, aneinander gelehnt, übereinander stolpernd.
Und weil das mit dem ersten Buch viel länger gedauert hat als mit dem ersten Kuss, dem ersten Mal New York und dem ersten Kind, bin ich gerade ein wenig durch den Wind. Zurückhaltend ausgedrückt. Aber es fühlt sich auch gut an, durch den Wind zu sein (das passiert einem ja gar nicht so oft).

Das Buch heißt aber nicht deswegen "Völlig fertig und irre glücklich". Der Name des Buches hat etwas mit meinem Leben in den letzten vier Jahren zu tun. Dem Mamasein, dem Ichsein, dem Wirsein, wie es sich durch das Mamasein verändert hat, ich hab hier ja schon manches darüber geschrieben. Im Buch schreibe ich noch mehr darüber, ausführlicher, in mehr Farben und Formen, vom Glücklichsein im Normalchaos. Das hoffe ich jedenfalls. Für ein Buch lässt man sich mehr Zeit. Und man schreibt jeden Satz so oft hin, bis man sich mit ihm versöhnt hat und das Gefühl hat, ihn in die Welt rauslassen zu können. (Bis man, ungefähr drei Minuten später, das Gefühl hat, nie etwas Blöderes geschrieben zu haben, neulich habe ich dieses Gefühl auf Instagram sehr passend beschrieben gefunden: Creative Process: 1. This is awesome 2. This is tricky. 3. This is shit. 4. I am shit. 5. This might be ok. 6. This is awesome). Immerhin weiß ich jetzt eines: Ich habe versucht, mein Bestes zu geben. Und das ist ein gutes Gefühl.

Auch wenn ich jetzt völlig fertig und irre glücklich bin, bin ich doch nicht so fertig, dass ich vergesse, was mir so am Herzen liegt: Euch. Ich würde mich gerne bedanken. Ihr seid es nämlich gewesen, die ihr mir Mut gemacht habt. Ihr habt mir das Gefühl gegeben, dass es eine gute Idee sein könnte, ein Buch zu schreiben. Ich bin nämlich, obwohl ich ein Weblog schreibe und eine Journalistin bin, nicht gerade eine Rampensau. Aus allen möglichen Gründen. Ich habe krasses Lampenfieber, ich bin eine Rumgrüblerin, ich habe dort, wo andere ein dickes Fell haben, eine ziemlich dünne Haut. In den letzten Jahren sind diese Gefühle nicht verschwunden (das werden sie auch nie, und das macht auch nichts, sie gehören ja zu mir), aber ich habe sie ein wenig zu zähmen gelernt. Das liegt auch an euch. Daran, wie sehr ihr mir gezeigt habt, dass ich nicht ins Leere schreibe. An den Dingen, die ihr gesagt oder geschrieben habt und die mich so oft so rühren, das wisst ihr gar nicht, und das würdet ihr auch nicht glauben, wenn ich es euch erzählen würde. Aber es ist so.

Also danke. Fürs Rückenwind-Sein. Und alles andere.
Sehr und von Herzen:
Okka

AUGUST 2014: NEW YORK, NEW YORK (PART 1)



1) Zimt-Challah zum Frühstück.
2) Die Frau beim Karussell, die Fanny ihre Tickets entwertete, indem sie auf die Rückseite einen Stern zeichnete, ein Herz und einmal sogar eine Katze.
3) Die Braut auf dem Holzpferd neben uns, die nicht aufhörte zu lächeln. Als sie abstieg, konnte man ihren pinken Hochzeitsschuhe sehen.
4) Und die beiden aufgeregten jungen Frauen, die neben der Karussell einen Tisch aufbauten, darauf ein riesiger Strauß Rosen, davor jede Menge Konfetti und ein Schild: "Will you marry me?".
5) Die Verkäuferin bei Madewell, die mir nicht nur die beste Jeans herausgesucht hat, sondern auch vom Metropolitan Museum erzählte, wo sie ebenfalls arbeitet, ich solle mir doch bitte die Garry Winogrand-Ausstellung ansehen, unbedingt, wirklich – und wie recht sie hatte mit ihrer Empfehlung und ihrer Aufgeregtheit.
6) Lulu, die Katze, mit der wir uns die Wohnung teilten, wenn wir nach Hause kamen, wartete sie schon an der Tür auf uns, obwohl sie sich nie streicheln ließ.
7) Der Zoo im Prospect Park, der für Kinder gemacht ist. Das riesige Spinnennetz, in dem sie eine halbe Stunde Spinne spielte, das Riesenei, aus dem sie schlüpfte, die Weitsprung-Bahn, die neben den eigenen Fußabdrücken zeigte, welches Tier genauso weit springen kann, die Maltische mit den Buntstiftdosen, Robben und Erdmännchen gab es auch.
8) Der Tanz-Fitnesskurs neben dem Kinderspielplatz am Pier 2, bei dem jeder mitmachen konnte, der Lust darauf hatte oder gerade vorbei kam, eine energische Frau tanzte zu irrsinnig lauter Musik ein paar Schritte vor, und hundert New Yorker tanzten es ihr nach – Salsa, glaube ich, ich kenne mich da nicht gut aus, hätte Fanny nicht auf die Schaukel gewollt, ich hätte mitgetanzt, weil man gar nicht nicht mittanzen konnte, wenn man ihnen zusah.
9) Die abendlichen Spaziergänge zu Whole Foods.
10) Ihr Entzücken beim Anblick der Muscheln auf Coney Island. Und wie sie sich dann doch traute, so nahe ans Wasser zu gehen, dass die Wellen ihre Füße umschwappten, und dann gar nicht mehr genug davon bekommen konnte, die Wellen zu jagen.
11) Der Buchladen mit dem riesigen Ledersofa.
12) Die ältere Dame, die so unglaublich schick aussah, dass ich sie anhielt und fragte, woher sie ihre Bluse hatte, die wirklich schönste Streifenbluse, die ich je gesehen habe, aber vielleicht war sie auch nur deshalb so schön, weil diese Frau so schön war, sie ging wie eine Tänzerin. Wir sprachen ein paar Minuten, sie malte mir die Straße und den Laden auf, wo sie die Bluse gefunden hatte, ein paar Tage später kaufte ich sie mir tatsächlich.
13) Dulce de Leche-Donuts.
14) Wie man nach ein paar Tagen die fremde Stadt zur eigenen Stadt macht, unser F-Train, unser Supermarkt, unser Deli, unser Burgerladen.
15) Wie unglaublich freundlich die Menschen waren, wie in jeder U-Bahn sofort jemand aufstand, sobald er mich mit dem Kind sah, wie viele Menschen auf der Straße mit Fanny sprachen, in der Nachbarschaft grüßten, fragten, woher man denn komme, wenn sie merkten, dass man kein Englisch sprach, und die Frauen und Männer in den U-Bahn-Häuschen, denen Fanny immer zuwinken wollte und die jedes Mal zurückwinkten.
16) Das Nebeneinander verschlafener Ruhe, einer Ruhe, die so leise war, dass einem schon das Zischen eines Rasensprenklers im Nachbargarten laut vorkam und hupender, dröhnender, in allen möglichen Sprachen sprechender Lautstärke, nur eine U-Bahnfahrt entfernt.
17) Immer wieder diese Skyline. Man geht die Straße entlang und plötzlich ist da das Empire State Building. Oder das Flatiron Building. Oder das Rockefeller Center.
18) M&Ms mit Erdnussbutter.
19) Die Nettigkeiten, mit denen diese Riesenstadt einen immer wieder überrascht, die Picknickplätze am Pier mit Blick auf die Skyline von Manhattan, die Handy-Ladestationen, der Pop-up-Pool, in dem man im Sommer kostenlos baden kann, die Spielplätze mit den Wassersprinkler-Anlagen – Angebote, die zugleich auch eine Ermutigung sind: Hier kannst du schwimmen lernen, hier kannst picknicken, hier kannst du rumtoben, wenn du möchtest.
20) Im Garten Crocket zu spielen.
21) Und im Baumhaus zu frühstücken.
22) Der Demeter-Parfümstand bei Duane Reade, was für irre Düfte: Dirt, Snow, Sunshine, Baby Powder, Thunderstorm, einige kann man tatsächlich erriechen, wenn man vorher nicht auf das Label schaut, Snow riecht wie Schnee, Gin Tonic macht Durst. Ich entscheide mich für Salt Air und Clean Skin.
23) Der Central Park, der nie weniger faszinierend wird, wir picknicken an der gleichen Stelle wie vor einem Jahr, und vorm Spielplatz sitzt tatsächlich noch die gleiche Frau wie vor einem Jahr, und malt Kindern die Gesichter bunt, Fanny will ein roter Hund sein, sie findet diesen Wunsch kein bisschen seltsam und malt ihr einen roten Hund aufs Gesicht.
24) Die Schönheit der High Lane, selbst wenn es richtig voll und richtig heiß ist.
25) Ziellos zu sein.
26) Die Menschen, die abends auf den Stufen vor ihren Brownstones sitzen, die Zeitung lesen, ein Eis essen, miteinander reden, oder schweigen, grüßen, weiterreden, weiterschweigen.
27) Sich morgens für die Stadt schön zu machen.
28) Die Entdeckung des Bonbonladens.
29) Eis mit kandierten Kürbiskernen.
30) Die allernetteste Nachbarin kennenzulernen.
31) Vor Monets Seerosen zu stehen.
32) Gleich am ersten Abend alle Lieblingsmagazine zu kaufen.
33) Zum ersten Mal über den Smorgasburg-Flea-Food-Market zu gehen.
34) Und dann in diese riesige, dampfende Pizza zu beißen, die Fanny sich mit mir geteilt hat.
35) Das Twister-Spiel der Haustausch-Kinder, wie lange habe ich kein Twister gespielt.
36) Der Spaziergang über die Brooklyn Bridge am letzten Tag.
37) Die Unmöglichkeit, sich von dieser Stadt zu verabschieden.

WIEDER-DA-TAGE UND EIN RICHTIG SCHÖNES BUCH


Himmel, die letzten Tage hatten es in sich. Viel auf dem Zettel und schon wieder mehr im Kopf, als ich erwartet hatte. Mir in New York vorgenommen, die Gelassenheit und Klarheit dieser gedankenleichten Tage mit nach Hause zu nehmen, gar nicht so leicht. Umso schöner, wenn mitten in einer Endloswoche plötzlich der Paketmann klingelt und ein Buch überreicht, auf das ich mich schon lange gefreut habe: "Wie eine Wohnung ein Zuhause wird" von Stefanie Luxat. Reingeguckt und gleich darin versunken, wie noch oft in den Tagen danach.

Mich irgendwann gefragt, warum ich dieses Wohnbuch eigentlich so mag. Erste Antwort: Weil es wirklich schön und mit Detailliebe gemacht ist, weil es außer Wohnungen Tipps und Tricks zeigt, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Zweite Antwort: Weil einem darin viel Alltagsschönheit begegnet. Weil man sieht, dass sich da Menschen auf eine Weise eingerichtet haben, ein Zuhause, eine Höhle zusammengetragen und erschaffen haben, die exakt richtig für sie ist: IHR Zuhause, IHR Leben, IHRE Schönheit, IHRE Erinnerungen, IHRE Altare, IHRE Inseln, IHRE Spuren. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. Ein Eis aus Holz an der Küchenwand, Sommer für immer. Ein Stapel Polaroidfotos auf der Kommode. Ein handgeschriebenes Lieblingsgedicht, das an einem Bilderrahmen klebt. Eine wilde Kinderzeichnung im Flur. Eine Badezimmer voll mit Vogelbildern aus dem Lieblingsbuch der Tochter. Ein paar schmutzig gekämpfte Boxhandschuhe. Nicht alles, was gezeigt wird, ist ganz genau meins – aber genau das mag ich an Steffis Buch: Es sind Wohnungen mit Charakter. Verdammt gut aufgeräumte Wohnungen, aber Wohnungen, denen man ansieht, dass Menschen in ihnen leben – sehr gerne in ihnen leben. Dritte Antwort: Weil dieses Buch mich daran erinnert, es mir so schön wie möglich zu machen. Toll, wenn ein Buch so etwas schafft. Toll, wenn es einen dazu bringt, die strunzhässlichen Nachttische rauszuwerfen, die beharrlich von einer Wohnung in die nächste mitgezogen sind, obwohl ich sie schon in meiner allerersten Wohnung nicht mochte. Jetzt stehen da zwei richtig schöne Hocker. Und neben den Hockern klemmen zwei neue Leselampen. Und über dem Bett hängen die Passfotos aus dem Passfotoautomaten, in dem wir uns immer wieder fotografieren, seit wir zu dritt sind (auf dem ersten bin ich gerade schwanger).

So ein Buch ist das. Eines, das ansteckt. Danke dafür, liebe Steffi. Und herzlichen Glückwunsch!

Hier sind zum Reingucken ein paar Lieblingsbilder:

Bild 1 & 2: Das Kinderzimmer und die Galerie im Flur von Anica-Skyren Villwock.
Bild 3 & 4: Der blau gestrichene Flur und der Bibliothekstisch in der Wohnung von Lilly und Tom.
Bild 5 & 6: Die Küche und das Arbeitszimmer von Karina und Thorsten Kaliwada.
Aus: "Wie ein Wohnung ein Zuhause wird" von Stefanie Luxat mit Fotos von Brita Sönnichsen im Callwey-Verlag (192 Seiten, 29,95 Euro).

Und wenn wir schon dabei sind: Diese Woche ist auch Steffis Buch "Wie sag ich´s meinem Mann? Über das Zusammenleben mit einer anderen Spezies" bei Eden Books erschienen. Mehr dazu und ein Video gibt es hier. Schönes Wochenende!

BOOK OF FRIENDS – EIN FREUNDEBUCH FÜR KINDER




Ich habe es immer noch, nach all den Jahren, die jetzt schon Jahrzehnte sind. Mein Poesiealbum hat einen hellblauen Einband mit dunkelblauen Blüten. Ziemlich weit vorne der Eintrag meines Vaters, den ich damals noch nicht so recht verstanden hatte, aber mochte, weil er von einem kleinen Prinzen stammte: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Und der Eintrag von einer Mitschülerin mit einer umgeknickten Geheimecke, die man auf gar keinen Fall öffnen soll. Und dann der Eintrag der Klassenlehrerin, die ich in der dritten und vierten Klasse hatte, eine Kunstlehrerin, eine Künstlerin und eine so beeindruckende Frau, dass ich sehr viel Mut zusammennehmen musste, um sie zu fragen, ob sie auch etwas in mein Buch schreibt. Ich weiß noch, dass es lange dauerte, bis sie mir mein Album endlich zurückgab, ich dachte schon, sie hätte es vergessen, aber das hatte sie natürlich nicht. Sie hatte sich nur unglaublich viel Mühe gegeben und mir über zwei Seiten ein Gedicht geschrieben und gezeichnet: von einer Okka, die hinter einem Zaun aus Ks verstecken spielt.

Ich hätte gar nicht mehr daran gedacht, wäre Fanny vor der Ferien nicht auch mit einem Freundebuch und dem Wunsch aus der Kita gekommen, bitte auch so eines zu bekommen. Und hätte mir, mitten hinein in die Suche, Chrish – Mitbetreiberin der Papiermanufaktur Wednesday Paper Works – nicht eine Email geschrieben, dass sie gerade ein Crowdfunding-Projekt gestartet hat, um Freundebücher für Kinder zu produzieren. Unglaublich schöne, angenehm unkitschige Freundebücher, von denen ich Fanny gerne eines schenken würde. Deshalb hier ein paar Bilder und das Video, das Chrish und Jenny gedreht haben. Vielleicht seid ihr ja auch gerade auf der Suche nach einem Freundebuch. Oder haltet dieses Projekt für so unterstützenswert wie ich.

Das geht – noch bis zum 5. Oktober – hier.
Und die Website von Wednesday Paper Works ist hier zu finden.

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