Fanny
Sieben Monate.
Sie erkennt sich im Spiegel und freut sich darüber. Sie nuckelt am Daumen, wenn sie glücklich ist. Wenn sie sehr glücklich ist, steckt sie sich beide Daumen gleichzeitig in den Mund. Sie isst für ihr Leben gern Pfirsich und Banane und kann Birne überhaupt nicht leiden. (Ah, ihr Gesicht, wenn sie zum ersten Mal etwas probiert, Neugier, Überraschung, Freude, Abneigung, könnte man als Erwachsener doch auch noch so über Essen staunen). Sie versucht, sich hoch zu ziehen. Sie packt den Koffer, den sie von ihrer kleinen Freundin Karla geschenkt bekommen hat, ein und wieder aus und wieder ein und wieder aus. Sie trinkt allein aus ihrer Flasche. Sie mag extraviel kuscheln. Sie ist ganz außerordentlich verknallt in ihren Vater. Kann ich verstehen. Lieblingsbeschäftigung der Woche: Mit Papas Hilfe gehen üben. Ah, Liebe.
So ungefähr
Und aus dem Nichts heute morgen geheult wie ein Schlosshund, so müdemüdemüde von den letzten Wochen, so weich in der Birne, ich komme echt zu gar nichts mehr, nicht zum Schlafen oder zum Lesen oder auch nur dazu, mal in Ruhe über etwas nachzudenken. Nichts wirklich Dramatisches, nur so ein Morgen, an dem man in Tränen ausbricht, weil man es nicht einmal schafft, eine halbe Stunde am Stück Sport zu machen und alles ganz einfach zu viel ist, viel zu viel und überhaupt und man jetzt gern eine rauchen würde oder fünf, auf dem Balkon, geht ja nicht. Und dann. Einen richtig guten Tag gehabt. Besuch von einer Freundin, die ich schrecklich gerne mag. Kuchen gegessen. Übers Leben geredet, kurz und toll. Nebenbei gekocht für den Abend. Und das Kind saß im Hochstuhl und lutschte ganz aufgeregt seine allererste Banane. Eine Email von einer Leserin bekommen, über die ich mich ganz irre gefreut habe. Und dann der Abend. Drei Frauen, die das mal wieder gebraucht haben. Ein Tisch voller Essen, mexikanisches Fressfest, aber richtig, und allen ist ganz unendlich heiß, weil draußen schon seit Stunden in fünf Minuten ein Riesengewitter losbrechen wird, aber das macht nichts, das Bier ist kalt und der Tequila auch, und das Kind liegt auf seinem Papa und schläft, und man muss nicht fünf Minuten darüber nachdenken, worüber man redet, weil sich das ganz automatisch findet, und man erzählt, von den letzten Wochen, die anstrengend waren, ihre und ihre auch und meine, alles viel weniger schlimm, wenn man hört, dass es anderen ganz genauso ergeht und zwischendurch wacht das Kind auf und sitzt eine Weile auf dem Schoss und blinzelt ins Licht und nebenbei läuft ein bisschen Fußball, drei Tore in zwei Minuten, ah, nicht schlecht, und Wassermelonen-Salat und Mango-Salsa und scharfes Hühnchen, so ungefähr.
Die zehn besten Gerüche
1. Babyhaare
2. Frisch gerösteter Kaffee
3. Basilikum
4. Ein neues Buch
5. Ein altes Buch
6. Ein reifer Pfirsich
7.
8. Sex
9. Maiglöckchen
10. Sein Nacken
Die ich war schon wieder beim Zahnarzt-Bluse
(Und wieso braucht man eigentlich immer irgendwelche Ausreden, um sich etwas Schönes zu kaufen? Ich jedenfalls. Ich war beim Zahnarzt. Ich war schon so lange nicht mehr shoppen. Ich brauch was Schickes für diesen Termin. Ich fühl mich fett. Die war doch im Sale. So eine hab ich schon immer gesucht. Ich hab das gerade wirklich gebraucht. Da steht doch mein Name drauf. Dafür kaufe ich die nächsten drei Monate gar nichts. Lieber ein wirklich gutes, teures Stück als zwei Tüten H&M. Die passt perfekt zu meiner schwarzen Hose. Ich hab überhaupt nichts Hellblaues, jedenfalls nichts in genau diesem Hellblau. Die macht mich drei Kilo dünner. Wenn ich sie jetzt nicht kaufe, dann ist sie morgen garantiert weg.)
Eine Winzigkeit Schokolade
Auf der Suche nach einem Dessert für mein mexikanisches Essen am Donnerstag, hab ich diesen Schokoladenkuchen von der Barefoot Contessa Ina Garten ausprobiert. Nicht gerade Diätkost, aber soso gut.
Schokoladen-Kuchen
1 3/4 Becher Mehl
2 Becher Zucker
3/4 Becher Kakao
3 TL Backpulver
1 TL Salz
1 Becher Buttermilch
1/2 Becher Öl (ich habe Sonnenblumenöl genommen)
2 große Eier
1 TL Vanilleextrakt
1 Becher frisch gebrühter Kaffee
Frosting
170g Zartbitterschokolade
250g weiche Butter
1 Eigelb
1 TL Vanilleextrakt
1 1/4 Becher Puderzucker (gesiebt)
1 TL Instantkaffee
Den Ofen auf 180°C vorheizen.
Den Boden einer Springform mit Backpapier auslegen und den Rand gut einbuttern. (Frau Sand benutzt in ihrem Rezept ZWEI gleich große Springformen, weil der Kuchen aus zwei Etagen samt Cremefüllung besteht - ich besitze nur eine Form und habe deshalb in zwei Etappen gebacken).
Das Mehl, den Zucker, den Kakao, das Backpulver und das Salz in eine Schüssel sieben und gut vermischen.
In einer zweiten Schüssel die Buttermilch, das Öl, die Eier und die Vanille vermischen. Alles langsam und unter ständigem Rühren zu den trockenen Zutaten geben. Mit dem Mixer auf niedriger Stufe gut verrühren. Dann den Kaffee hinzugeben und weiter rühren bis alles vermischt ist.
Die Hälfte des Teiges für 35-40 Minuten backen.
Den Kuchen 30 Minuten ruhen lassen.
Dann den Rest des Teiges für 35-40 Minuten backen und ruhen lassen.
In der Zwischenzeit das Frosting machen:
Die Schokolade zerbröckeln und in einer Schüssel über einem Wasserbad erhitzen bis sie geschmolzen ist. Die flüssige Schokolade auf Raumtemperatur abkühlen lassen.
In einer Schüssel die Butter für etwa 3 Minuten mixen bis sie hellgelb und schön fluffig ist. Das Eigelb und die Vanille hinzugeben und noch einmal für etwa 3 Minuten alles vermischen. Den Mixer auf niedrige Stufe stellen und langsam den Puderzucker hinein sieben. Auf hoher Stufe alles glatt mischen. Das Kaffeepulver in 2 TL heißem Wasser auflösen und hinzugeben. Dann die abgekühlte Schokolade dazu geben und vermischen.
Den ersten Kuchen mit der Unterseite nach oben auf einen Teller legen und großzügig mit Frosting bestreichen. Jetzt den zweiten Kuchen mit der runden Seite nach oben darauf setzen. Alles über und über mit Frosting bestreichen. Sofort essen (und nicht drüber nachdenken).
Er und ich (und das beste Essen meines Lebens)
Ich weiß nicht, ob er mir angemerkt hat, wie sehr die letzte Woche mich geschafft hat, die Windpocken, der Fünfstunden-Marathon beim Zahnarzt, die Zahnschmerzen danach, die schlaflosen Nächte, meine Gereiztheit ihm gegenüber, was ist eigentlich so verdammt schwer daran, einen Teller zu benutzen, wenn du dir ein Brot schmierst, musst du wirklich die ganze Wohnung vollkrümeln, benutzte Kaffeebecher kann man übrigens auch in die Spülmaschine stellen und dein Kind braucht eine frische Windel oder bin dafür nur ich zuständig? Ach Liebling, sagte er nur, in diesem Tonfall, bei dem ich immer ganz wehrlos werde, weil er so weich und warm und immun ist gegen meine Rumätzereien, nächsten Donnerstag führ ich dich aus.
Heute dann so aufgeregt gewesen, als wäre es unser erstes Date, stundenlang vorm Spiegel gestanden und überlegt, was ich anziehe, Parfüm aufgetragen und Lippenstift, und dann noch einmal umgezogen und Kolibriherzflattern gehabt, nach all den Jahren, doch wirklich. Direkt vorm Losgehen dann noch die Hose mit Süßkartoffel-Brei überzogen, mich aber so gefreut, dass ich sie einfach angelassen habe. So aufgeregt. Und schrecklich traurig, als wir dann wirklich zur Tür rausgingen, ohne das Kind, ich bin keine Scheißmutter, wenn ich einen Abend ausgehe, neinneinnein. Dochdochdoch. Und was, wenn sie jetzt den ganzen Abend weint. Oder nicht schlafen kann. Oder sich ganz schrecklich allein fühlt ohne ihre Herde. Und er. Nimmt meine Hand und sagt, wie sehr er sich auf den Abend freut. Sagt, wie sehr ich sein Überraschungs-Restaurant lieben werde. Sagt, es ist okay, wenn du gehst, es ist okay, wenn wir gehen, bei mir ziept es gerade übrigens auch ganz furchtbar. Und die Ergriffenheit, die mich in solchen Momenten packt, wenn ich weiß: Der ist es wirklich. So sehr, so richtig, so alles. (So kitschig, muss auch manchmal sein).
Und jetzt liege ich im Bett, um zwei Uhr morgens und kann nicht schlafen, weil ich so glücksgeflutet und überwältigt bin, von diesem Abend, von ihm, von diesem Restaurant. Das "Reinstoff" in Berlin-Mitte, das Restaurant von Daniel Achilles. Ein schicker, moderner, gemütlicher Laden. Ein herzlicher, flexibler (bitte nichts, was aus dem Meer kommt), perfekter Service. Was nicht die geringste Rolle spielt, sobald man hier zu essen beginnt, denn ab diesem Moment wird alles unwichtig, der Raum, der Tag, die Woche, die Müdigkeit, die Zahnschmerzen. Jetzt weiß ich auch, warum dieser Laden "Reinstoff" heißt. Alles verschwindet und ist nur noch Geschmack. Das streitende Paar am Nebentisch, eben noch laut, jetzt plötzlich ganz leise. Geschmack, Geschmack. Weißer Spargel mit Kräutermilch und Wurzeln vom Weinberglauch. Gänseleber mit Holznoten der Eiche und Akazie. Rehrücken mit Rapsknospen und Ritterlingen. Als hätte jemand meine Geschmacksknospen aufgedreht. Eine Saubohne, die im Mund explodiert wie eine Silvesterrakete. Die köstliche Bitternis der Petersilienblüten. Bei der Basilikumcreme bilde ich mir plötzlich ein, Farben schmecken zu können, grün, dunkel, nein, lindgrün. Er gibt mir eine Gabel von seinem Heilbutt, und ich esse widerstandslos, ich, der allergrößte Fisch-Phobiker dieses Planeten, und erwische mich dabei, wie ich noch mehr will, so saftig und elegant, fast schon süß neben den erdigen Morcheln. Was ich an all dem vielleicht am unglaublichsten finde: kein Geschmack steht dem anderen im Weg, keiner drängelt sich vor, jeder hebt den anderen auf die Bühne. Und die Desserts. Der Minztee. Creme mit Karamellkruste. Ein winziger Kuchen aus Zuckererbsen. Hier und heute: das beste Essen meines Lebens. Ein Essen, das mir Gänsehaut macht, vier Stunden lang. Und er und ich und am Ende dieses unglaublichen Abends dann auch noch sie, ganz warm gekuschelt vom Babysitter. Einer dieser Abende, an die man bloß denken muss, auch noch in zehn Jahren, und einem wird warm.
Restaurant Reinstoff Berlin, Edison Höfe Berlin Mitte, Schlegelstr. 26c, 10115 Berlin, Reservierung: 030 - 30 88 12 14, reservation@reinstoff.eu.
Und jetzt liege ich im Bett, um zwei Uhr morgens und kann nicht schlafen, weil ich so glücksgeflutet und überwältigt bin, von diesem Abend, von ihm, von diesem Restaurant. Das "Reinstoff" in Berlin-Mitte, das Restaurant von Daniel Achilles. Ein schicker, moderner, gemütlicher Laden. Ein herzlicher, flexibler (bitte nichts, was aus dem Meer kommt), perfekter Service. Was nicht die geringste Rolle spielt, sobald man hier zu essen beginnt, denn ab diesem Moment wird alles unwichtig, der Raum, der Tag, die Woche, die Müdigkeit, die Zahnschmerzen. Jetzt weiß ich auch, warum dieser Laden "Reinstoff" heißt. Alles verschwindet und ist nur noch Geschmack. Das streitende Paar am Nebentisch, eben noch laut, jetzt plötzlich ganz leise. Geschmack, Geschmack. Weißer Spargel mit Kräutermilch und Wurzeln vom Weinberglauch. Gänseleber mit Holznoten der Eiche und Akazie. Rehrücken mit Rapsknospen und Ritterlingen. Als hätte jemand meine Geschmacksknospen aufgedreht. Eine Saubohne, die im Mund explodiert wie eine Silvesterrakete. Die köstliche Bitternis der Petersilienblüten. Bei der Basilikumcreme bilde ich mir plötzlich ein, Farben schmecken zu können, grün, dunkel, nein, lindgrün. Er gibt mir eine Gabel von seinem Heilbutt, und ich esse widerstandslos, ich, der allergrößte Fisch-Phobiker dieses Planeten, und erwische mich dabei, wie ich noch mehr will, so saftig und elegant, fast schon süß neben den erdigen Morcheln. Was ich an all dem vielleicht am unglaublichsten finde: kein Geschmack steht dem anderen im Weg, keiner drängelt sich vor, jeder hebt den anderen auf die Bühne. Und die Desserts. Der Minztee. Creme mit Karamellkruste. Ein winziger Kuchen aus Zuckererbsen. Hier und heute: das beste Essen meines Lebens. Ein Essen, das mir Gänsehaut macht, vier Stunden lang. Und er und ich und am Ende dieses unglaublichen Abends dann auch noch sie, ganz warm gekuschelt vom Babysitter. Einer dieser Abende, an die man bloß denken muss, auch noch in zehn Jahren, und einem wird warm.
Restaurant Reinstoff Berlin, Edison Höfe Berlin Mitte, Schlegelstr. 26c, 10115 Berlin, Reservierung: 030 - 30 88 12 14, reservation@reinstoff.eu.
Online-Magazine: Meine Lieblinge
Lonny Magazine (Interior)
Das Heft, das meinem geliebten Domino noch am nächsten kommt. Was kein Zufall ist: Chef-Redakteurin Michelle Adams war vor Einstellung des Magazins dort Assistentin. Ein edles, unglaublich aufwändig produziertes Heft mit schlauen Online-Features und einer sehr guten Homepage.
Rue (Interior, Lifestyle, Food)
Rue wird in San Francisco gemacht und sieht auch genauso aus, ein bisschen entspannter und bunter als die Konkurrenz aus New York. Wenn ich groß bin, möchte ich auch mal solche Gartenparties schmeißen.
Adore Home (Interior, Lifestyle)
Ganz viel Interior, ein bisschen Food und Reise. Die aktuelle Ausgabe des australischen Magazins kann man sich kostenlos ansehen, ältere Ausgaben kosten 4,95 Dollar. In der neuen Juni/Juli- Ausgabe zeigt u.a. Jen Ramos von "Made By Girl" ihre unglaubliche Wohnung.
Sweet Paul (Food)
128 Seiten Liebe: Die schönsten Kinderzimmer, Familienessen für jeden Tag, Kinder-Lieblingsessen, Eis-Rezepte und Baby-Food. Keine Ahnung, wie Sweet Paul sich all diese Sachen ausdenkt und dann auch noch so umsetzt. Einfach nur beeindruckend. Morgen kommt die neue Ausgabe (yay!).
Collected (Lifestyle)
Zwei Interior-Designerinnen aus Los Angeles haben sich ein Heft ausgedacht, das von den Dingen handelt, die sie selbst lieben: Design, Reise, Mode und Food - in einem außergewöhnlich schönen (und schlichten) Layout.
Covet Garden (Interior)
Eine einzige Wohnung, keine Stylisten, ein tolles Heft aus Toronto: "Covent Garden is for folks who are curious about real spaces. We take a peek into homes and lives of some of the city´s most interesting people - spaces that have not been styled by interior decorators." (Oh, diese Wohnung).
Slomo All rights reserved © Blog Milk Powered by Blogger












