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GLOTZEN UND FUTTERN:
EIN SERIEN-GUIDE FÜR DUNKLE TAGE



Ich weiß nicht, wie es euch gerade geht, ich könnte nur im Bett liegen, Serien glotzen und essen. Deshalb kommen hier ein paar meiner Lieblingsserien der letzten Monate und Rezepte, die zu ihnen passen. Vielleicht ist ja auch etwas für euch dabei…



„Call the Midwife – Der Ruf des Lebens” (Netflix)

Worum geht´s? Um eine Gruppe von Hebammen, die Ende der 50er-Jahre zusammen mit einer Gruppe von Nonnen im Nonnatus-Kloster lebt. Sie versorgen die schwangeren Frauen im Londoner East End und helfen ihnen bei ihren Geburten. Gut zu tun haben sie aber auch mit sich selbst.

Warum ich diese Serie so mag: Weil „Call the Midwife” die Wärmflasche unter den Serien ist. Die Geschichten sind mal brüllkomisch und mal todtraurig, machen einen aber immer weltversöhnter. Und weil man die Hebammen mit jeder Folge noch ein bisschen lieber mag. Chummy mit ihrem Riesenherz zum Beispiel. Und Schwester Evangelina mit ihrer Riesenklappe.

Dazu gibt´s: Etwas Wärmendes. Linsensuppe mit Zitrone.




„Happy Valley” (Netflix)

Worum geht´s? Um eine Kleinstadt-Polizistin aus West Yorkshire, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, den Mann wieder hinter Gitter zu bringen, den sie für den Selbstmord ihrer Tochter verantwortlich macht.

Warum ich diese Serie so mag: Weil sie den Menschen dieser Kleinstadt unter die Haut kriecht. Man beginnt, ihre Ängste zu verstehen, ihre Wut, ihre Hoffnungslosigkeit, ihre Sehnsüchte. Und man kann nicht abschalten, obwohl „Happy Valley” düster und schonungslos ist. Und trotzdem berührt. Sehr sogar.

Dazu gibt´s: Nervennahrung. Nachos mit Hühnchen.



„Good Girls Revolt” (Amazon Prime)

Worum geht´s? Die Redaktion eines Nachrichtenmagazins Ende der 60er-Jahre. Die Frauen recherchieren, führen Interviews, schreiben Texte, die Männer veröffentlichen sie unter ihrem Namen. Arbeit gibt´s viel, Respekt gibt es keinen. Bis sich die Reporterinnen verbünden, um gegen das Magazin zu klagen.

Warum ich diese Serie so mag: Weil es toll ist, diesen Frauen beim Wachsen und Mutigwerden zuzusehen und dabei, wie sie für ihre Rechte kämpfen. Und weil die Geschichte auf den Memoiren von Lynn Povich basiert, die 1970 zusammen mit 45 anderen Journalistinnen das Magazin Newsweek verklagte, um für die Gleichstellung von Frauen in der Redaktion zu kämpfen. Mit Erfolg.

Dazu gibt´s: Powerfood: Spaghetti mit Avocado-Pesto. 



„The Affair” (Amazon Prime)

Worum geht´s? Um die Affäre von Alison, einer Kellnerin in Montauk, und Noah, einem Lehrer und Schriftsteller aus Brooklyn.

Warum ich diese Serie so mag: Weil sie so außergewöhnlich und gut gemacht ist, denn die Geschichte der beiden wird doppelt erzählt. Einmal aus der Perspektive von Noah, dann aus der von Alison. Manchmal stimmen beide Versionen überein, manchmal unterscheiden sie sich ein wenig oder sehr. Und erzählen so auch immer davon, wie unterschiedlich wir Beziehungen, Situationen und Menschen wahrnehmen und wie Erinnerungen von dem eingefärbt sind, was wir glauben (wollen).

Dazu gibt´s: Schokoladenkuchen.



„The Crown” (Netflix)

Worum geht´s? Um Elisabeth II. und wie es dazu kam, dass sie 1952 mit 26 Jahren den Thron bestieg. Von diesem Tag an zählt nur noch die Pflicht. Und die Krone.

Warum ich diese Serie so mag: Ehrlich gesagt war das hier eher Liebe auf den zweiten Blick. Die ersten drei Folgen haben mich überhaupt nicht gekriegt. Was ich gar nicht mehr verstehen kann, denn als ich letzte Woche noch einmal von vorne angefangen habe, fand ich „The Crown” sehr fesselnd und lehrreich (komisches Wort, trifft hier aber wirklich zu). Tolle Schauspieler, tolle Dialoge, tolle Ausstattung. Perfekt für einen regnerischen Sonntagnachmittag.

Dazu gibt´s: Tee, Scones und Gurkensandwiches.



„The Returned” (Netflix)

Worum geht´s? In eine französische Kleinstadt in den Bergen kehren Menschen zurück, die schon tot sind: ein Mädchen, das bei einem Busunfall ums Leben gekommen ist, ein junger Mann, der am Tag vor seiner Hochzeit überfahren worden ist, ein Junge, der 35 Jahre zuvor erschossen worden ist. Plötzlich sind sie wieder da. Versuchen, wieder in ihr altes Leben hineinzufinden, aber das Leben der Lebenden ist weitergegangen.  

Warum ich diese Serie so mag: Weil sie Fragen stellt, die sonst nie gestellt werden. Wie geht Weiterleben? Wie geht Überleben? Was sind die Lebenden den Toten schuldig? Und was die Toten den Lebenden?

Dazu gibt´s: Trostessen. Das Süßkartoffel-Curry von Yotam Ottolenghi.

Wovon kriegt ihr denn gerade nicht genug? Freu mich über eure Tipps.

Fotos: The Crown/Netflix, The Affair/Amazon Prime Video, Good Girls Revolt/Amazon Prime Video, Happy Valley/Ben Blackall, Netflix.

DER PLAN FÜRS WOCHENENDE


Letzte Woche habe ich sehr über den Satz von Elisabeth Raether auf Instagram gegrinst: „Ein gelungenes Wochenende: Man wirft Freitagabend die Schuhe in die Ecke, und erst am Montagmorgen zieht man wieder eine richtige Hose an.” Ungefähr so sieht auch mein Plan fürs Wochenende aus. Möglichst viel rumliegen. Und lecker kochen, zum Beispiel die Veggie Flautas von Designlovefest: Tortillas mit Süßkartoffeln, Bohnen, Mais und jeder Menge Guacamole. Danach das Salzkaramellpopcorn von Fräulein Text, weil ich die Vorstellung schön finde, gemütlich vor mich hin zu knuspern, während ich mir die dritte Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod” ansehe, einer melancholischen Krimiserie, die es gerade in der ZDF-Mediathek gibt. Oder die Food-Dokumentation „Cooked” (ab heute auf Netflix) in der Michael Pollan in vier Episoden den Grundelementen hinterherkocht: Feuer, Wasser, Luft und Erde. „We all have powerful memories of being cooked for”, sagt der berühmte Food-Schreiber. „Their act of generosity and love I think is still in there for most of us and it´s very powerful. When we learn to cook is when we became truly human, but we´ve lost touch I think with how that food got to our plates.” Ich glaube, das wird schön.





Fotos: Foto aus „Die Brücke III – Transit in den Tod” vom ZDF/Carolina Romare, alle Fotos zu „Cooked” von Netflix, Veggie Flautas von Designlovefest / Ivan Solis, Popcorn von Frl. Text.

DIE BESTE FERNSEHSERIE, DIE ICH DIESES JAHR GESEHEN HABE: „RIVER” MIT STELLAN SKARSGÅRD UND NICOLA WALKER



Da ist dieser Mann. Er sitzt mit einer Frau im Auto. Sie fahren zu einem Drive-In, er bestellt sich einen Cheeseburger mit Extrakäse und vergisst, den Bananen-Milchshake zu bestellen, den sie so gerne trinken möchte. Im Radio spielen sie einen Song von Tina Charles. „Jetzt sing, du Irrer”, sagt die Frau und fängt selbst an, laut zu singen: „I Love To Love”. Aber der Mann singt nicht mit. Er lächelt. Es ist ein trauriges Lächeln, das nicht mehr die Kraft hat, die Mundwinkel nach oben zu ziehen.

Ein paar Minuten später weiß man: der Mann ist DI John River vom Metropolitan Police Service, ein schwedischer Kommissar in London. Und die Frau, die in seinem Auto sitzt, ist tot. Sie war seine Kollegin, bis jemand sie erschossen hat. Jetzt existiert Jackie Stevenson, die alle nur Stevie genannt haben, nur noch in seinem Kopf. Oder in seinem Herzen oder wo immer seine Trauer festklemmt. Sechs Folgen lang versucht River herauszufinden, wer Stevie vor seinen Augen erschossen hat, aber am Ende ist eine andere Frage viel wichtiger: Wie findet er wieder heraus aus seiner Dunkelheit?

Ich habe dieses Jahr viele Fernsehserien geschaut, und es waren einige gute dabei. „The Fall – Tod in Belfast” zum Beispiel, eine irrsinnig spannende und beklemmende BBC-Krimiserie, die man sich gerade in der ZDF-Mediathek ansehen kann. Oder „The Honourable Women” (auf iTunes). „Suits” und „Master of None” (auf Netflix) haben mir auch sehr gefallen. Aber keine Fernsehserie hat mich so berührt und beeindruckt wie die BBC-Serie „River” von Abi Morgan (die auch schon „Shame” und „Die eiserne Lady” geschrieben hat) – eine Krimiserie, deren kompliziertester Fall der Kommissar selbst ist.

Welche Serien haben euch denn dieses Jahr richtig gut gefallen? Ich freu mich über ein paar Tipps für die Weihnachtstage...

Die erste Staffel von „River” mit Stellan Skarsgård und Nicola Walker ist auf Netflix zu sehen.

ZWEI FÜR DIESES WOCHENENDE: DIE BEEINDRUCKENDEN DOKUMENTATIONEN „DIOR UND ICH” UND „CHEF´S TABLE”




Und dann sitzt er auf dem Balkon des Hauses, in dem gleich seine erste Show für Dior stattfinden wird, und sein Kinn beginnt zu zittern, „now it´s coming”. Unten fahren die Stars in großen Autos vor, oben sitzt Raf Simons und weint. Vor Anspannung, vor Nervosität, vor Angst, vor Freude, es ist schwer zu sagen, aber gut zu verstehen, wenn man weiß, dass er in den letzten zwei Monaten seine erste Haute-Couture-Kollektion für Dior entworfen hat. Hinter ihm und seinem Team liegen acht Wochen harter Arbeit, Schlaflosigkeit, Aufregung, Ernüchterung, Freude. „Dior und ich” von Regisseur Frédéric Tcheng erzählt von diesen Wochen. Erzählt davon, wie Raf Simons sich in ein Gemälde von Sterling Ruby verliebt und es zu Stoff machen will, obwohl die Stoffhersteller das schlicht für unmöglich halten. Erzählt davon, wie Simons einen weißen Blazer nun doch lieber in Schwarz sehen möchte (und was sein hinreißender Studio-Leiter Pieter Mulier tut, um ihm diesen Wunsch zu erfüllen). Erzählt, wie Raf Simons versucht, seiner Vorstellung von Modernität zu folgen, ohne die Tradition dieses großen Modehauses zu verraten. Der Film zeigt aber nicht nur Raf Simons, sondern auch sein Team: Seine rechte Hand Pieter Mulier, die Leiterinnen des Ateliers und die Schneiderinnen, die dort teilweise schon seit mehr als 40 Jahren arbeiten. „Dior und ich” zeigt, wie viel Liebe und Arbeit, Nerven und Handwerk, Wissen und Präzision in einem einzigen Haute-Couture-Kleid stecken (und wie schwer es den Schneiderinnen am Ende fällt, die Kleider, an denen sie Wochen gearbeitet haben, dann – über den Runway – gehen zu lassen). Vor allem aber zeigt er, was möglich werden kann, wenn man seinen eigenen Ideen und Instinkten vertraut und folgt. „I have an idea, but it´s very extreme”, sagt Raf Simons nachdem er sich das Haus in Paris angesehen hat, in dem seine erste Show stattfinden soll. Er möchte die Räume mit Blumen dekorieren, von oben bis unten, die ganzen Wände, alle Räume, und jeden mit einer anderen Blume. Am Ende verwandelt sich dieses Pariser Haus tatsächlich in ein einziges Blütenmeer. Und ich hab mir eine Träne weggewischt. Vielleicht waren es auch zwei.

„Dior und ich” von Frédéric Tcheng, mit Raf Simons, Pieter Mulier, Anna Wintour, Marion Cotillard und Jennifer Lawrence, ab heute im Kino. Hier ist die Website zum Film, hier ein Interview mit dem Regisseur und hier eine Geschichte über Pieter Mulier.



Und dann diese Food-Doku-Serie auf Netflix: „Chef´s Table”. Ich weiß nicht, wann mich eine Fernsehserie zuletzt so umgehauen hat. Mich so hat staunen lassen. Das Prinzip dieser Serie ist einfach: In jeder Folge wird ein berühmter Koch vorgestellt. Der italienische Koch Massimo Bottura etwa, der 1995 ein Restaurant in Modena eröffnete und beschloss, sich eine moderne italienische Küche auszudenken, die zwar auf der klassischen Kochkunst Modenas basiert, sie aber radikal modernisiert – eine Idee, die seine Gäste zunächst empörte. „Können sie sich vorstellen, was die Einheimischen über uns dachten?” fragt Bottura und erzählt, wie er ihnen Tortellini nicht in großen Schüsseln servierte, sondern auf einem Teller, nur sechs Stück, in einer Linie, die in die Brühe hineinwandert. „Sie wünschten uns die Pest an den Hals. Du darfst Großmutters Rezept nicht beschmutzen”. Heute gehört die Osteria Francescana zu den besten Restaurants der Welt und hat drei Michelin-Sterne, aber „Chef´s Table” erzählt gar nicht so sehr von diesem Erfolg, sondern von Botturas Weg dorthin, von seinem Nicht-Aufgeben gegen alle Widerstände, seinem Trotz, auch seiner Wut und Enttäuschung. Oder Magnus Nilsson, der im schwedischen Järpen weit entfernt von jeder Großstadt ein Restaurant führt, in dem er mit regionalen Produkten eine moderne, nordische Küche kocht – was schon deshalb eine riesige Herausforderung ist, weil es von Oktober bis April gar keine frischen Produkte in der Region gibt und Nilsson die Jahreszeiten überlisten muss, indem er die regionalen Zutaten konserviert. Auch diese Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte – die Menschen reisen von überall her an, um einen der zwölf Plätze im Fäviken zu ergattern – erzählt wird aber der Weg dorthin. Wie Nilsson das Kochen aus Frustration schon ganz aufgegeben hatte. Wie er durch den Norden reiste, um alte Gerichte und ihre Zubereitungsweisen zu lernen. Und wie er nun endlich das Gefühl hat, irgendwo angekommen zu sein, in seiner Heimat, der er früher so unbedingt entfliehen wollte.

Habt ihr in letzter Zeit auch Entdeckungen gemacht? Oder schon „Chef´s Table” gesehen?

Chef´s Table von Clay Jeter, Brian McGinn, Andrew Fried und David Gelb mit Dan Barber, Massimo Bottura, Francis Mallmann, Niki Nakayama, Magnus Nilsson und Ben Shewry, auf Netflix anzusehen.

MEIN BÜCHERSTAPEL
(UND EIN NAGELLACK, EINE MASKE UND EINE FERNSEHSERIE)



Ein paar Bücher, die ich gerade lese (und lesen werde):

"Not That Kind of Girl – Was ich im Leben so gelernt habe" von Lena Dunham (S. Fischer)
Ich wünschte, ich würde dieses Buch so großartig finden, wie ich Lena Dunham, ihre Fernsehserie "Girls" und Texte, die ich von ihr gelesen habe (wie diesen wunderbaren Text über Nora Ephron) großartig finde, aber bislang komme ich einfach nicht in dieses Buch hinein. Es berührt mich nicht, und ich weiß nicht, warum das so ist. Sind meine Erwartungen einfach zu hoch? Wie kann einem ein Buch gleichzeitig zu viel und zu wenig sein? Vielleicht finde ich es heraus, wenn ich es zu Ende lese. Und vielleicht ist es ja auch einfach Liebe auf den zweiten Blick.

"Elsa ungeheuer" von Astrid Rosenfeld (Diogenes)
habe ich von Silke geschenkt bekommen, und da ich ihrem Geschmack sehr vertraue, freue ich mich unheimlich auf dieses Buch. Hier mehr zum Inhalt.

"Bilder deiner großen Liebe" von Wolfgang Herrndorf (Rowohlt)
Ich kann es nicht besser beschreiben, als Stepanini (die so oft so haargenau beschreibt was ich fühle oder denke) das bereits getan hat: "Natürlich schwingt das Wissen mit, um die Umstände unter denen es geschrieben wurde. Aber nach ein paar Seiten passiert das, was schon in Tschick passierte. Wenn ich das Buch beiseite lege und raus muss in die Welt, dann scheint sie mir ein irgendwie freundlicherer Ort zu sein. (...). Und dann ist wieder das passiert, was manchmal passiert beim Lesen, dass ein Buch einen anders zurücklässt."

"Women in Clothes" von Sheila Heti, Heidi Julavits und Leanne Shapton (Blue Rider Press)
Ein Buch, in dem die drei Autorinnen 639 Frauen gefragt haben, was sie tragen und wie diese Mode sie prägt. Wie schön, dass dieses Buch anders über Mode nachdenkt als in Trends und Must-Haves – nicht, dass ich etwas gegen Trends oder Must-Haves hätte, aber ich finde es spannend, auch anders über Mode nachzudenken. Mit einer wilden Mischung aus Interviews, Gesprächen, Gedichten, Essays und Fotografien. Mit Geschichten wie "Send a photograph of your mother from the time before she had children and tell us what you see". Oder: "Fifteen Women in a newspaper office photocopy their hands and talk about their rings." Oder: "Six strangers wear one another´s favorite outfits". Ich bin gespannt, ob die über 500 Seiten am Ende halten, was sie beim wilden Querlesen versprechen.

"Plenty more" von Yotam Ottolenghi (Ebury Press) (die deutsche Ausgabe ist hier zu finden)
Wie alle Kochbücher von Yotam Ottolenghi macht auch dieses mich schrecklich hungrig und glücklich. Vor allem, weil es mir Kombinationen und Geschmäcker beibringt, auf die ich selbst niemals kommen würde. Die mir aber, sobald ich sie einmal probiert habe, so vollkommen richtig vorkommen, dass ich gar nicht verstehe, wie ich je nicht auf sie kommen konnte. Der Salat mit Tomate und Granatapfel zum Beispiel. Oder der Salat mit karamellisierten Feigen, Orange und Feta. (Man merkt, ich habe mit dem Salat-Kapitel begonnen, mit dem "Tossed"-Kapitel – eine schöne Idee, die Kapitel nach Methoden zu unterteilen: "Tossed", "Steamed", "Blanched", "Simmered", "Grilled", "Roasted", "Fried", "Mashed", "Cracked", "Baked" und "Sweetened". Schon vorgemerkt: Die Suppe mit roten Linsen. Die Aubergine mit Kartoffeln und Tomaten. Und das gesamte Dessert-Kapitel, angefangen mit dem "Super French Toast" mit Orange, Zimt, Vanille und Sauerrahm).

Nicht auf dem Foto, aber nicht zu vergessen:

"Meine Sonne. Mein Mond. Meine Sterne. Das Leben nach der großen Liebe" von Alexa von Heyden (Eden Books)
Das habe ich bislang nur als E-Book, deshalb ist es nicht mit auf dem Foto, aber lesen sollte man es bitte trotzdem. Ich weiß nicht, wie Alexa es schafft, mit so großer Leichtigkeit und so großem Mut zur Ehrlichkeit davon zu erzählen, wie eine große Liebe zu Ende geht, aber sie schafft es. Zwischendrin musste ich mal aufhören zu lesen, weil es mir so das Herz umgedreht hat, und weil beim Lesen einige Momente wieder hochkamen, in denen die Liebe sehr weh getan hat. Aber so ist das wohl, wenn ein Buch einen kriegt. Und dieses Buch hat mich sehr gekriegt.

"Wochenmarkt" von Elisabeth Raether (Bloomsbury Berlin)
Große, große Vorfreude: Am 30. Oktober erscheinen die gesammelten Wochenmarkt-Rezeptkolumnen von Elisabeth Raether aus dem Zeit-Magazin. Es ist einfach so gut, wie Elisabeth Raether übers Kochen schreibt – und wie sie kocht: saisonal, vollkommen unaufgeregt (das ist ja nicht immer selbstverständlich), und wenn ich mal etwas nachgekocht habe vor allem: saulecker. (Ich sage nur: Chicorée aus dem Ofen). Und ich mag schon das Vorwort, weil es so treffend beschreibt, wie es mir mit dem Kochen geht: "Meine Messer kommen von der Treuepunktaktion des Supermarkts. Allerdings gibt es nicht viele Dinge des Alltags, die ich lieber tue als Kochen. Ich koche beinahe jeden Tag. Kühlschrank und Vorratsschrank sind immer voll. Ich besitze sechzig verschiedene Gewürze und unzählige Kochbücher. Ich gebe zu, dass ich selbst einen Einkauf im Supermarkt interessant finde, ich verbringe sinnlos viel Zeit bei den türkischen, asiatischen und russischen Lebensmittelhändlern, die es hier in Berlin gibt. Ich koche, wenn ich nach einem langen Tag nach Hause komme und keine Buchstaben mehr sehen kann. Ich gieße mir ein Glas Wein ein und hacke mit einer Hingabe, die mich selbst verwundert, Zwiebeln und Knoblauch für eine Pastasauce oder für ein Curry." Schön, oder? Hier gibt´s eine Leseprobe.

Die "So Much to Dew Midnight Mask" hat nichts mit Büchern zu tun, aber mit Rumlümmel-Abenden. Schon lange wollte ich mal die Kosmetik von Sampar ausprobieren, nachdem meine alte Übernacht-Maske nun aufgebraucht war, habe ich mich für diese feuchtigkeitsspendende Maske entschieden und bin bisher wirklich zufrieden: Wirkt die Maske über Nacht ein, ist die Haut am morgen prall und weich – und ich sehe deutlich ausgeschlafener aus als ich gerade bin. Einziges Minus: Der Preis ist für meinen Geschmack ein bisschen sehr stolz, auch wenn die Maske sehr ergiebig ist. Der dunkelpinke Nagellack fällt in die gleiche Kategorie: "Red Affairs" von Anny, gute Farbe für den Herbst.

Und: Die Fernsehserie "Orange Is the New Black". Der erste Probemonat bei Netflix ist kostenlos, und weil ich das mal ausprobieren wollte, habe ich mich angemeldet. Am ersten Abend die Fernsehserie "Orange Is the New Black" entdeckt, die ich schon ewig gucken wollte. Was soll ich sagen: Ich bin jetzt bei Staffel 2. Diese Serie ist mutig, lustig, krass, anders, berührend, spannend und ich liebe sie.

Was lest oder guckt ihr denn gerade gerne?
Schönes Wochenende!

EIN HERBST-WUNSCHZETTEL


Wieder hier, aber noch nicht ganz da. Die Gedanken noch in Brooklyn, bei diesen Tagen, die so richtig und räkelig waren. Im Kopf aber auch schon ein wenig Herbstvorfreude, ich mag ihn ja, den Herbst. Die ersten Pullovertage, Lesen, Pfifferlinge, Kürbissuppe, Kakao. Vor dem Urlaub noch viel sortiert und aufgeräumt, die Wohnung, den Kleiderschrank, den Kopf aber auch. Jetzt ist wieder Platz für Neues. Freuen würde ich mich über...

... "Women in Clothes", das neue Buch von Leanne Shapton, Sheila Heti, Heidi Julavits und 639 anderen Frauen, die in Interviews und mit Illustrationen und Fotografien beantwortet haben, was sie tragen und wie diese Mode sie prägt. Den Fragebogen, den sich die Autoren ausgedacht haben, finde ich spannend ("What are some things you admire about how other women present themselves?" "Are there any clothing items that you have in multiple? Why do you think you keep buying this thing?" "Can you say a bit about how your mother´s body and style has been passed down to you, or not?" "Was there a point in your life when your style changed dramatically? What happened?" "Please describe your body". "Please describe your mind".) Die Frauen, die dabei sind, auch: Lena Dunham, Miranda July, Kim Gordon oder Cindy Sherman. (Hier ist die Website zum Buch).
... das neue Kochbuch von Yotam Ottolenghi: "Vegetarische Köstlichkeiten". 
... das "Glow Face Serum" von Karmameju, dass ich vor ein paar Tagen in Jacks Beauty Department entdeckt habe. Weil der Preis schon ordentlich ist, hat mir die nette Verkäuferin eine Probe abgefüllt. Eindruck bisher: top – die Haut wird weich und richtig schön prall und der Duft ist herrlich.
... die zweite und dritte Staffel von "Veronica Mars". Mit der ersten Staffel bin ich in den Ferien versackt. Der Inhalt klingt erstmal merkwürdig (Highschool-Schülerin arbeitet nebenbei als Privatdetektivin und versucht, den Mord an ihrer besten Freundin aufzuklären), zieht einen aber schon nach zwei, drei Folgen völlig in den Bann.

Und drei erfüllte Wünsche:
"Die Interessanten" von Meg Wolitzer. Ich bin noch nicht sonderlich weit mit diesen Buch, aber was für ein Anfang! (Hier mehr und auch eine Leseprobe).
…dunkelroter Herbstnagellack: "A-List" von Essie.
…und ein wunderschönes Rouge, in New York gekauft, seither fast jeden Tag getragen: das "Coconut Watercolor Cheek Gelée" in "Poppy Paradise" von Josie Maran – von Ari hier viel kenntnisreicher beschrieben und beschwärmt, als ich das je könnte.

Bald mehr, auch über New York.
Worauf freut ihr euch diesen Herbst?
Eine schöne Woche!

FILMCLUB: LIEBLINGS-FERNSEHSERIEN


Wenn ich mir jetzt etwas wünschen dürfte, dann wären es: eine Woche frei, mein Bett, Berge von Essen und eine Fernsehserie. Nein, nichts Dramatisches, ich bin bloß ein bisschen müde von der Woche, ein bisschen neben der Spur auch, die Art Danebensein, gegen die bei mir eigentlich bloß Rumsumpfen hilft, Zeit zum Verplempern, damit der Kopf all den Dingen, die so passiert sind, hinterher kommen kann. Deswegen gibt es heute im Filmclub drei Fernsehserien, mit denen mir das Abtauchen leicht gefallen ist:

DOWNTON ABBEY Große britische Adelsfamilie, großes Schloss, große Gefühle -  ich liebe es. Robert Crawley, der Earl von Grantham, und seine Frau Cora haben drei Töchter, aber keinen Erben für Downton Abbey. Nun droht der Besitz an einen Verwandten dritten Grades zu fallen, was die Familie um jeden Preis und mit allen Mitteln zu verhindern versucht. Die Bediensteten sind nicht minder intrigant (und gewitzt). Meine Lieblingsserie der letzten Monate, rührend, spannend, tragisch, mitunter brüllkomisch (allen voran die großartig biestige Maggie Smith als Mutter des Lords). DOWNTON ABBEY mit Hugh Bonneville, Michelle Dockery, Dan Stevens, Brendan Coyle und Jim Carter. Hier gibt es jede Menge Informationen und die Sendetermine (die Serie läuft ab 30. Mai auf ZDF neo). Und hier gibt es ein paar Trailer.

HOMELAND Sergeant Brody war acht Jahre lang Gefangener der Al Qaida. Nach seiner Befreiung sind sich alle sicher: Der Mann ist ein Held. Nur CIA-Agentin Carrie Mathison ist überzeugt, dass Brody in seiner Gefangenschaft umgedreht wurde und nun ein Terrorist ist. Als selbst ihr Mentor Saul ihr nicht glaubt, ermittelt Carrie Mathison auf eigene Faust (und gegen jede Regel). Das klingt nach Action, aber in Wahrheit entwickelt sich die Spannung von HOMELAND (und ich habe selten eine so spannende Serie gesehen) vor allem aus dem Zweikampf zwischen Sergeant Brody und Agentin Mathison. Er: ein gebrochener, zu allem bereiter Kriegsheimkehrer, sie: eine bipolare, zu allem bereite Agentin. HOMELAND mit Claire Danes und Damian Lewis. Hier gibt es Ausschnitte, Videos und Informationen.

GIRLS Vier Freundinnen suchen in New York nach dem richtigen Leben und dem richtigen Mann. Das könnte einem ziemlich bekannt vorkommen, aber mit Sex and the City hat Girls (erfunden, geschrieben und teilweise auch gedreht von der großartigen Lena Dunham) herzlich wenig gemein: Statt Manolos und Mr. Big gibt es unterbezahlte Praktika und Liebeskummer. Hannah, Marnie, Jessa und Shoshanna zuzusehen ist zum Lachen und zum Heulen. Es ist das Großartige an dieser Serie: Sie kriegt einen, sie rumort in einem, man lacht und heult mit ihnen (und manchmal tut das Lachen weh), wie das eben ist mit guten Freundinnen. Hier ist die HBO-Seite zur Serie. Und Lena Dunham auf Instagram.

Auch auf dieser Liste könnte "Borgen" stehen. Und "West Wing". Ich liebe "Emergency Room". "In Treatment". Und "Being Erica". Jetzt hätte ich sehr gerne Nachschub, eine neue Fernsehserie (oder natürlich auch eine alte). Habt ihr Tipps, eine Lieblingsserie oder auch zwei? Tausend Dank! Und ein richtig schönes Wochenende!

PS: Vielleicht habt ihr ja auch Lust auf Schokoladenkuchen - ich probiere mal den von Alma...

DREI ENTDECKUNGEN


Heute beginnt auf Slomo eine neue Serie, auf die ich mich sehr freue: Drei Entdeckungen. Wann immer ich etwas entdecke, das mir Spaß und gute Laune macht, das ich schön, rührend, aufregend, spannend oder sonstwie interessant finde, werde ich es hier vorstellen.

Den Anfang macht ein Magazin, das ich zu Weihnachten geschenkt bekommen habe und hinreißend finde: Cereal ist ein neues Magazin aus England, das vom Essen und Reisen handelt. Die erste Ausgabe erzählt von Kopenhagen und Karotten, von Matcha und Müsli. Klingt erstmal nach einer wilden Mischung, ergibt aber absolut Sinn, wenn man es sieht und liest. Die Bilder sind übrigens so schön, dass man sie sich direkt an die Wand hängen könnte. Hier ist die Website. Hier ist das Cereal-Blog. Und hier gibt´s das Heft zu bestellen.


Vor ein paar Tagen habe ich einen Weihnachtsbaum-Rappel gekriegt, lustig irgendwie. Wochenlang kann ich von Weihnachten gar nicht genug bekommen und dann wache ich morgens auf und weiß: der Tannenbaum muss raus. Jetzt sofort. Ich brauch was Frisches, Unweihnachtliches, ich brauche etwas, das nach Frühling aussieht: Hyazinthen. Beim Blumenhändler um die Ecke entdeckt und mit nach Hause genommen. Eine ganze Schüssel voll.


Being Erica - noch ein Weihnachtsgeschenk und eines, mit dem ich erst gar nicht so viel zu beginnen wusste. Irgendwann im Dezember hatte ich mal erwähnt, wie sehr ich mich nach durchsumpften Wochenenden sehne, nach Fernsehserien-Tagen auf dem Sofa, an denen man eigentlich nur aufsteht, um sich noch mehr Essen zu holen. Der Mann hat sich das tollerweise gemerkt und mir zu Weihnachten Being Erica geschenkt. Seltsames DVD-Cover, dachte ich, und eine noch seltsamere Serien-Ideen: Erica Strange bekommt von Therapeut Dr. Tom die Chance, vergangene Fehler wieder gut zu machen, indem sie in die Vergangenheit reist. Erster Gedanke: Ich hasse Zeitreisen-Geschichten. Zweiter Gedanke: Aber die Idee ist super. (Wie lang wäre bitte die Liste der Momente, zu denen ich gerne nochmal reisen würde? Wie schön wäre es, dieser gemeinen Schnepfe aus der Siebten mal ordentlich und total schlagfertig die Meinung zu sagen, statt auf dem Schulklo in Tränen auszubrechen? Und wie schön wäre es, den richtigen Jungen zum ersten Mal zu küssen statt den völlig falschen - aber gut, anderes Thema). Die erste Folge mochte ich. Die zweite Folge fand ich gut. Ab der dritten Folge war ich komplett süchtig. Being Erica ist die merkwürdigste, warmherzigste Fernseh-Serie, die ich je gesehen habe. Nicht so kunstvoll wie Homeland, oder so opulent wie Downton Abbey, rein optisch ist die Serie nicht gerade umwerfend. Aber sie bringt einen zum Nachdenken, noch während man vor Lachen heult. Oder vor Rührung. Sie bringt einen dazu, darüber nachzudenken, was Fehler für das eigene Leben bedeuten. Und welche man lieber nicht gemacht hätte. Und welche am Ende gut für einen waren. Ach, ich schweife aus. Was ich eigentlich nur sagen will: Das ist eine wirklich gute Fernsehserie und genau das richtige für graue Januar-Tage, an denen der Regenhimmel drei Zentimeter über der Straße hängt.
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