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EIN SPAZIERGANG DURCH BROOKLYN (UND UNSERE LIEBLINGSADRESSEN)

Wenn ich aufschreiben müsste, was ich an New York so mag oder warum ich mich in dieser Stadt zuhauser fühle, als ich mich je sonst irgendwo zu Hause gefühlt habe, dann wäre das eine lange Liste. Ich habe ja neulich schon ein wenig angefangen, davon zu schreiben. Wie sehr die Stadt nachwirkt, merke ich noch acht Wochen nach unserer Heimkehr. Der Gedanke an die Zeit in Brooklyn macht mich unglaublich froh. Auf eine wirklich merkwürdige Weise macht mich diese Stadt auch mutig, sogar noch im Nachhall, oder vielleicht eher: optimistischer für Pläne. Gut möglich, dass das die Sicht des Urlaubers ist, die Stadt ist ja auch durchaus für ihre Unerbittlichkeit berühmt, aber immer wenn ich da bin, scheint tatsächlich vieles möglich(er) zu sein. Ganz sicher zweifeln auch die New Yorker (das Zweifeln gehört ja zum Leben), aber sie schaffen es (jedenfalls besser als ich), ihre Zweifel in Schach zu halten und einfach mal zu machen. Immer, wenn ich in New York war, bin ich hinterher ziemlich aufgedreht. Weil das eine so ansteckende Grundhaltung zum Leben ist, die man dort bei so vielen Menschen beobachten kann. (Und weil mich diese Haltung wieder daran erinnert hat, dass nicht immer alles so vollkommen festgefahren ist, wie es manchmal scheint und es sich lohnt, sich zu fragen, ob man an den Dingen, die einen mürbe machen, nicht vielleicht doch etwas ändern kann... Mut, was für ein schönes Mitbringsel). 

Wir haben ein paar spektakuläre Dinge in New York erlebt (der riesige Polizeieinsatz auf der Brooklyn Bridge am letzten Tag beispielsweise, als ein junger Mann einfach die Brücke bis nach ganz oben hochgeklettert ist, weil er Lust auf Nervenkitzel hatte). Am schönsten waren aber eigentlich diese Zeitlupen-Tage in Carroll Gardens, an denen wir uns ein Eis geholt haben, uns auf irgendwelche Treppenstufen gesetzt haben, mit wildfremden New Yorkern Smalltalk hielten, der dann ganz schnell gar nicht mehr small war, ein paar Runden geschaukelt haben, in den Supermarkt  gegangen sind, weil Fanny es so aufregend fand, dass man da Käsewürfelchen probieren durfte und weil sie da diese unfassbaren Donuts und Bananenbrot verkauft haben. Die Art Tage, an denen eigentlich gar nichts passiert und man einer Stadt vielleicht gerade deshalb besonders nahe kommt. 

Diese Adressen waren aber auch sehr glücklichmachend, falls jemand vorbeikommt:

Ein Ort, der aus der Zeit gefallen zu sein scheint: In einer Apotheke aus den 20er-Jahren kann man sich Eisbecher wie den "Sundae of Broken Dreams" mit Vanilleeis, warmer Karamell-Sauce und Bretzelstückchen bestellen. Oder einfach eine Kugel im Becher, die man auf der pinken Bank vorm Laden isst.
513 Henry Street, Brooklyn

Ein Bonbonladen, wie man ihn sich als Kind erträumt: Schwere Bonbongläser voller Jelly Beans in allen nur erdenklichen Geschmacksrichtungen. Dazu Zuckerstangen, Riesenlollies, Gummitiere, Brause-Ufos und Lakritze. Ich habe mir Brause-Ufos gekauft (ein Kindheitsgeschmack), Fanny hat sich am Ende für einen Lolli entschieden und noch Tage später von diesem Laden gesprochen.
254 Baltic Street, Brooklyn

Auf jeder unserer Reisen gab es immer ein Lieblingslokal, bei dieser New York-Reise war es Bareburger. Hier habe ich ohne jeden Zweifel den besten Burger meines Lebens gegessen: den Big Blue Bacon mit Blauschimmelkäse, Bacon, Röstzwiebeln, Champignons, Bacon-Marmelade und Süßkartoffel-Fritten. Dieser Burger war aber nicht der einzige Grund, warum wir so gerne hierher  gegangen sind. Auch der Service war toll, hat Fanny sofort ein Ausmalbild mit Stiften und ein Kinderessen mit einer Schüssel Apfelspalten gebracht. Und wenn man draußen einen Platz bekommt, kann man diesem wundervollen Stadtteil und seinen Bewohnern ganz in Ruhe beim Wundervollsein zusehen.
149 Court Street, Brooklyn

Ich mochte schon das Schild an der Tür: "When life gives you lemons, drink coffee! That way you´ll be nice and energized when chucking those lemons at life!" Der kleine Laden hinter der hellblauen Fassade ist mit seinen hübschen Kacheln an den Wänden und der Vitrine voll selbstgemachtem Kuchen, Macarons, Whoopie Pies und Keksen aber genauso charmant.
68 Dean Street, Brooklyn

Dieser Kosmetikladen ist so schön und edel, dass ich mich am Anfang kaum getraut habe, irgendetwas zu probieren oder anzufassen, bis der Besitzer Fanny und mir das Beeindrucktsein anmerkte und uns sagte, dass wir doch bitte alles ausprobieren sollen, was uns gerade interessiert. Aber wo fängt man in diesem Laden bitte an? Bei den Parfüms, von denen ich noch nie eines gesehen hatte? Bei den Nagellackfarben? Der Naturkosmetik? Am Ende haben wir uns einen Lippenpflegestift mit Kakao von "Meow Meow Tweet" gekauft, der seitdem immer in meiner Tasche ist.
360 Atlantic Avenue, Brooklyn

Würde mal eben kurz ein Geldregen vom Himmel fallen, würde ich genau hier einkaufen: Schlichte Hemden, Kleider, Pullover, dazu Taschen und wunderschöner Schmuck. Oder bei Bird.
347 Atlantic Avenue, Brooklyn & 220 Smith Street, Brooklyn

Acorn
Ein Kinderladen, der einem (wieder) das Staunen beibringt, so viele kleine und große Wunder kann man hier finden: ein Schattenspiel, wunderschöne Alphabet-Holzwürfel (sogar auf deutsch), einen feuerspeienden Holzdrachen, eine Blumenpresse. Und an der Decke hängt ein riesiges blaues Schiff mit dunkelblauen Segeln. Wunderschön.
323 Atlantic Avenue, Brooklyn

Ein Laden, in dem ausschließlich Produkte aus Brooklyn verkauft werden – und zwar tolle: Ingwer-Sirup von Morris Kitchen, Coffee BBQ-Sauce von Saucy By Nature, Duftkerzen von Apotheke oder ein Wasserturm-Modell zum Selberbasteln von Boundless Brooklyn. Der perfekte Ort, um hübsche Mitbringsel zu finden.
261 Smith Street, Brooklyn

Sensationell gutes Eis.
81 Bergen Street, Brooklyn

Ist das vielleicht ein gemütlicher Buchladen, aber auch ein guter: Die Auswahl an Kinderbüchern ist wirklich fabelhaft (die Beratung auch) und im Raum hinten steht ein riesiges Ledersofa, auf dem man in aller Ruhe Bücher ansehen kann. Neben einer großen Auswahl von Romanen gibt es hier übrigens auch tolle Kochbücher und Lesungen. Mit nach Hause genommen haben wir "The Wheels on the Bus" von Paul O. Zelinsky und die "Secret Pizza Party" von Adam Rubin und Daniel Salmieri.
163 Court Street, Brooklyn

Bei Paper Source gibt es Postkarten, Notizbücher, unheimlich schöne Kalender, kleine Geschenke, Stempel, Sticker und Washi-Tapes in riesiger Auswahl.
102 Smith Street, Brooklyn

Wunderschöne Karten zu jedem nur erdenklichen Anlass findet man in dieser Papeterie. Und an der Kasse steht ein großes Glas mit Buttons, von denen ein paar auf Fannys Jeansjacke mit nach Hause gereist sind.
225 Court Street, Brooklyn

Laut hier und ziemlich stressig, aber was für eine Auswahl an toller Kosmetik: Hourglass, Josie Maran, Fresh, Tarte.
210 Joralemon Street, Brooklyn

In nüchternen Worten: ein Bio-Supermarkt. In realistischen, angemessenen und immer noch sehr zurückhaltenden Worten: ein delirisches, extrem Futterbedürfnisse auslösendes Paradies für Fressmaschinen wie mich. Hier gibt es erstens ziemlich alles, was man essen können wollte, und zwar jeweils in 23 bis 230 Sorten (wieso habe ich die Kokoschips mit salzigem Karamell nicht mit nach Hause genommen, WIESO?, Quinoasalate, Bagels, Körner aller Art und Größe, ein ganzes Regal voller Chilis, Joghurtsorten, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt, und immer so weiter, bis eine stadthallengroße Halle voll ist). Hier bekommt man zweitens das Gefühl, dass es Supermärkte gibt, die Essen genauso lieben und verehren wie man selbst. Und hier verlernt man drittens das Kochen, weil eine unfassbar große Convenience-Abteilung es einem ermöglicht, große Pappschachteln mit fertigem Essen vollzufüllen, für das ein Restaurant hingebungsvolle Kritiken bekäme. Es ist der Himmel. Und irgendwie auch die Hölle. Weil kein Mensch so viel essen kann, wie man hier essen möchte. Weil man so viel Wahlmöglichkeiten kaum verkraften kann. Weil man doch nicht nach New York fahren kann, um dann fast jeden Tag sehr lange im Supermarkt herumzustreunen. Jedenfalls: Auf der Liste meiner Gründe, nach New York auszuwandern, stünde auch Wholefoods.
214 3rd Street, Brooklyn

* Brooklyn Bridge, der Brooklyn Bridge Park, Jane´s Carousel und der Smorgasburg Flea Food Market
Der schönste von allen schönen Tagen in New York war der allerletzte Tag, den wir mit einem Spaziergang auf die Brooklyn Bridge begonnen haben. Diese Stadt haut einen ja immer wieder um, man muss sich nicht einmal anstrengen dafür, aber auf der Brooklyn Bridge zu stehen, ist so so schön, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Weil wir noch einen längeren Spaziergang und Tag vor uns hatten und es ja diesen großen Polizeieinsatz gab, sind wir nur zu Hälfte hinüber gegangen und am Ende wieder auf der Brooklyn-Seite angekommen. Von dort ist es nur ein kurzer Spaziergang zu "Jane´s Carousel", einem wunderschönen Karrussel mit 48 Pferden, das 1922 gebaut, bei einer Auktion 1984 ersteigert und restauriert wurde und seit 2011 im Brooklyn Bridge Park zwischen der Brooklyn und der Manhattan Bridge steht. Danach sind wir einfach die Piers im Brooklyn Bridge Park entlang gegangen. Man kann sich das vorstellen wie einen großen Park entlang des East Rivers mit Blick auf die Skyline von Manhattan. Am Wochenende drehen die Familien am Pier 2 auf einer Rollschuhbahn ihre Runden und die Mitglieder des Kanu-Vereins spielen im East River Kanu-Wasserball. Am Pier 6 gibt es unfassbar tolle Spielplätze (wir sind immer zwischen dem Spielplatz mit der Riesenrutsche und dem Wasserspielplatz hin- und hergegangen). Und an Pier 5 findet jeden Sonntag der Smorgasburg-Flea-Foodmarket mit unzähligen kleinen Food-Ständen statt, einer hungrigmachender als der nächste: belgische Fritten, mexikanische Sandwiches, "Asia Dogs", eingelegte Gurken, Donuts, Käsekuchen Macarons. Am Ende haben wir uns mit einer käsefädenziehenden Pizza, Teigtaschen mit Kokosnuss-Hühnchen, Dulce de leche-Donuts und Ahornsirup-Limonade ans Ufer gesetzt und uns so lange von New York verabschiedet, bis wir es endlich geschafft haben zu gehen.
Brooklyn Bridge Park, Brooklyn

Der Zoo im Prospect Park liegt in einer anderen Ecke von Brooklyn, aber weil er uns so gut gefallen hat, erwähne ich ihn trotzdem. Dieser Zoo ist ein Zoo für (kleinere) Kinder, es gibt Robben, Paviane, Otter und Erdhörnchen, genauso aufregend wie die Tiere fand Fanny aber die Ausstattung des Zoos: Auf dem "Discovery Trail" können Kinder gucken, welches Tier genauso weit springen kann wie sie selbst, in einem Spinnennetz Spinne spielen oder ein Küken, das aus einem Ei schlüpft. Im Streichelzoo kann man Ziegen und Schafe füttern und an Holzkühen das Melken üben. Der Prospect Park selbst ist auch wunderschön.
450 Flatbush Avenue, Brooklyn.

Wenn man sich unter einem Museum einen Ort vorstellt, an dem man an Ausstellungsstücken entlang spaziert, ist das natürlich kein Museum. Kennenlernen und lernen kann man hier aber sehr viel – nicht nur als Kind. Wie sich Grillen anhören. Oder wie fleischfressende Pflanzen aussehen. Oder wie man Wasserläufe verlegen kann, in einem großen Wasserpatschraum, in dem man eine große Schürze bekommt und sich dann austoben darf. Oder wie man eine Pizzabäckerei oder einen Tante-Emma-Laden betreibt, in gut ausgestatteten Spielräumen, die eben so aussehen wie eine Pizzabäckerei oder ein Tante Emma-Laden, nur eben auf Kindermaße geschrumpft. Auf zwei Etagen eines sehr großen Gebäudes können Kinder so ziemlich jeden Alters experimentieren und spielen und erfahren dabei beiläufig ziemlich viel über die Welt. Ein toller Ort. Fanny wollte gleich noch mal hin.
145 Brooklyn Avenue, Brooklyn.

Drin ist, was drauf steht: Der öffentliche Nahverkehr New Yorks (wenn man in New York von Nahverkehr reden kann). Und zwar in Gestalt von U-Bahn-Waggons seit Anbeginn der New Yorker U-Bahn. Man kann also in Waggons aus den 40er-Jahren sitzen. Oder aus den 60ern. Manchmal fühlt man sich dabei wie in Filmen, die man gesehen hat (auch so ein New Yorker Gefühl: Dieses gelegentliche Wiederkennen von Dingen, die man in Wahrheit noch nie in echt gesehen hat und einem wird trotzdem ganz warm im Herzen). Dazu gibt´s noch Busse. Drehkreuze. Und ein paar Installationen, mit denen man Strom erzeugen kann. Und einen netten Museumsshop, in dem man sich die U-Bahn in klein einpacken lassen kann.
Boerum Place, Brooklyn.

AUGUST 2014: NEW YORK, NEW YORK (PART 1)



1) Zimt-Challah zum Frühstück.
2) Die Frau beim Karussell, die Fanny ihre Tickets entwertete, indem sie auf die Rückseite einen Stern zeichnete, ein Herz und einmal sogar eine Katze.
3) Die Braut auf dem Holzpferd neben uns, die nicht aufhörte zu lächeln. Als sie abstieg, konnte man ihren pinken Hochzeitsschuhe sehen.
4) Und die beiden aufgeregten jungen Frauen, die neben der Karussell einen Tisch aufbauten, darauf ein riesiger Strauß Rosen, davor jede Menge Konfetti und ein Schild: "Will you marry me?".
5) Die Verkäuferin bei Madewell, die mir nicht nur die beste Jeans herausgesucht hat, sondern auch vom Metropolitan Museum erzählte, wo sie ebenfalls arbeitet, ich solle mir doch bitte die Garry Winogrand-Ausstellung ansehen, unbedingt, wirklich – und wie recht sie hatte mit ihrer Empfehlung und ihrer Aufgeregtheit.
6) Lulu, die Katze, mit der wir uns die Wohnung teilten, wenn wir nach Hause kamen, wartete sie schon an der Tür auf uns, obwohl sie sich nie streicheln ließ.
7) Der Zoo im Prospect Park, der für Kinder gemacht ist. Das riesige Spinnennetz, in dem sie eine halbe Stunde Spinne spielte, das Riesenei, aus dem sie schlüpfte, die Weitsprung-Bahn, die neben den eigenen Fußabdrücken zeigte, welches Tier genauso weit springen kann, die Maltische mit den Buntstiftdosen, Robben und Erdmännchen gab es auch.
8) Der Tanz-Fitnesskurs neben dem Kinderspielplatz am Pier 2, bei dem jeder mitmachen konnte, der Lust darauf hatte oder gerade vorbei kam, eine energische Frau tanzte zu irrsinnig lauter Musik ein paar Schritte vor, und hundert New Yorker tanzten es ihr nach – Salsa, glaube ich, ich kenne mich da nicht gut aus, hätte Fanny nicht auf die Schaukel gewollt, ich hätte mitgetanzt, weil man gar nicht nicht mittanzen konnte, wenn man ihnen zusah.
9) Die abendlichen Spaziergänge zu Whole Foods.
10) Ihr Entzücken beim Anblick der Muscheln auf Coney Island. Und wie sie sich dann doch traute, so nahe ans Wasser zu gehen, dass die Wellen ihre Füße umschwappten, und dann gar nicht mehr genug davon bekommen konnte, die Wellen zu jagen.
11) Der Buchladen mit dem riesigen Ledersofa.
12) Die ältere Dame, die so unglaublich schick aussah, dass ich sie anhielt und fragte, woher sie ihre Bluse hatte, die wirklich schönste Streifenbluse, die ich je gesehen habe, aber vielleicht war sie auch nur deshalb so schön, weil diese Frau so schön war, sie ging wie eine Tänzerin. Wir sprachen ein paar Minuten, sie malte mir die Straße und den Laden auf, wo sie die Bluse gefunden hatte, ein paar Tage später kaufte ich sie mir tatsächlich.
13) Dulce de Leche-Donuts.
14) Wie man nach ein paar Tagen die fremde Stadt zur eigenen Stadt macht, unser F-Train, unser Supermarkt, unser Deli, unser Burgerladen.
15) Wie unglaublich freundlich die Menschen waren, wie in jeder U-Bahn sofort jemand aufstand, sobald er mich mit dem Kind sah, wie viele Menschen auf der Straße mit Fanny sprachen, in der Nachbarschaft grüßten, fragten, woher man denn komme, wenn sie merkten, dass man kein Englisch sprach, und die Frauen und Männer in den U-Bahn-Häuschen, denen Fanny immer zuwinken wollte und die jedes Mal zurückwinkten.
16) Das Nebeneinander verschlafener Ruhe, einer Ruhe, die so leise war, dass einem schon das Zischen eines Rasensprenklers im Nachbargarten laut vorkam und hupender, dröhnender, in allen möglichen Sprachen sprechender Lautstärke, nur eine U-Bahnfahrt entfernt.
17) Immer wieder diese Skyline. Man geht die Straße entlang und plötzlich ist da das Empire State Building. Oder das Flatiron Building. Oder das Rockefeller Center.
18) M&Ms mit Erdnussbutter.
19) Die Nettigkeiten, mit denen diese Riesenstadt einen immer wieder überrascht, die Picknickplätze am Pier mit Blick auf die Skyline von Manhattan, die Handy-Ladestationen, der Pop-up-Pool, in dem man im Sommer kostenlos baden kann, die Spielplätze mit den Wassersprinkler-Anlagen – Angebote, die zugleich auch eine Ermutigung sind: Hier kannst du schwimmen lernen, hier kannst picknicken, hier kannst du rumtoben, wenn du möchtest.
20) Im Garten Crocket zu spielen.
21) Und im Baumhaus zu frühstücken.
22) Der Demeter-Parfümstand bei Duane Reade, was für irre Düfte: Dirt, Snow, Sunshine, Baby Powder, Thunderstorm, einige kann man tatsächlich erriechen, wenn man vorher nicht auf das Label schaut, Snow riecht wie Schnee, Gin Tonic macht Durst. Ich entscheide mich für Salt Air und Clean Skin.
23) Der Central Park, der nie weniger faszinierend wird, wir picknicken an der gleichen Stelle wie vor einem Jahr, und vorm Spielplatz sitzt tatsächlich noch die gleiche Frau wie vor einem Jahr, und malt Kindern die Gesichter bunt, Fanny will ein roter Hund sein, sie findet diesen Wunsch kein bisschen seltsam und malt ihr einen roten Hund aufs Gesicht.
24) Die Schönheit der High Lane, selbst wenn es richtig voll und richtig heiß ist.
25) Ziellos zu sein.
26) Die Menschen, die abends auf den Stufen vor ihren Brownstones sitzen, die Zeitung lesen, ein Eis essen, miteinander reden, oder schweigen, grüßen, weiterreden, weiterschweigen.
27) Sich morgens für die Stadt schön zu machen.
28) Die Entdeckung des Bonbonladens.
29) Eis mit kandierten Kürbiskernen.
30) Die allernetteste Nachbarin kennenzulernen.
31) Vor Monets Seerosen zu stehen.
32) Gleich am ersten Abend alle Lieblingsmagazine zu kaufen.
33) Zum ersten Mal über den Smorgasburg-Flea-Food-Market zu gehen.
34) Und dann in diese riesige, dampfende Pizza zu beißen, die Fanny sich mit mir geteilt hat.
35) Das Twister-Spiel der Haustausch-Kinder, wie lange habe ich kein Twister gespielt.
36) Der Spaziergang über die Brooklyn Bridge am letzten Tag.
37) Die Unmöglichkeit, sich von dieser Stadt zu verabschieden.

VORFREUDE: NOCH EINMAL NEW YORK

Vorfreude. Schon seit Wochen. Und jeden Tag mehr. Endlich raus, endlich eine Pause, endlich wieder in diese Stadt, die sich so nach Zuhause anfühlt, wieder auf die leuchtenden Wolkenkratzer gucken, Fähre fahren, ein Picknick im Central Park machen, Karussell fahren, von diesem Karussell spricht sie seit einem Jahr, ich hoffe, ich finde die Fahrkarte noch wieder, die wir aufgehoben haben, wie ein Versprechen, der riesige Wal im Naturkundemuseum, abends einfach nur so durch die Straßen zu gehen, nirgendwo hin, nur herum, vielleicht noch einen Becher Eis zum Nachtisch mit nach Hause nehmen oder ein Bananenbrot zum Frühstück: New York. Wieder ein Haustausch, dieses Mal mit einer Familie, die in Brooklyn ein kleines Haus und eine Katze namens Lulu hat.

Dieses Mal ist die Vorfreude noch größer als sonst. Ich bin so hibbelig aufgeregt, wie ich es zuletzt als Kind war, am Tag vor Heilig Abend, wenn sich jede Minute wie eine Stunde anfühlte. Weil ich so unendlich müde bin vom letzten Jahr, das so anstrengend und pausenlos und oft so zäh war. Weil es mich so freut, wie Fanny sich freut, wie sie jeden Abend mit mir die Tage herunter zählt, noch achtmal schlafen, noch siebenmal, wie der Koffer, ihr allererster, immer neben dem Bett stehen muss. Vor ein paar Tagen in einem ganz hinreißenden Laden namens Grand Revival ein riesiges New York-Poster zum Ausmalen entdeckt, seitdem malen wir Manhattan an, sie die Freiheitsfrau, ich das Empire State Building, in Rot, Rot ist ihre Lieblingsfarbe, und wieder ein Tag rum, noch dreimal schlafen, bald, bald.

(Habt ihr vielleicht noch ein paar Tipps oder Lieblingsorte in Brooklyn oder New York? Oder eine Empfehlung für eine gute Fernsehserie? Dankeschön!)

NEW YORK, PT. 3: MEINE LIEBLINGSADRESSEN










LIEBLINGSAUSFLÜGE
* Der Nelson A. Rockefeller Park. Unser Lieblingsspielplatz am Hudson River: Rutschen, Klettergerüste, Wackelbrücken, Trampoline, ein Karussell zum Selbertreten. Nur ein paar Schritte weiter versteckt sich zwischen Hochhäusern noch ein anderer toller Spielplatz: der Teardrop Park mit einer Riesenrutsche und einer Wassersprenkler-Spiellandschaft. Danach ein Cheeseburger und eine Blaubeer-Limonade bei Shake Shack oder eine Take-Away-Box mit Salaten von Whole Foods.
Nelson A. Rockefeller Park: Battery Park City, North End Ave, Ecke Vesey St
Teardrop Park zwischen Warren Street und Murray St
Whole Foods, 270 Greenwich St
Shake Shack, 215 Murray St

* Die High Lane, eine zur Parkanlage umgebaute ehemalige Hochbahntrasse im Meatpacking District. Nach einem Frühstück oder Mittagessen im (beeindruckend kinderfreundlichen) Pastis und einem Abstecher zu Kate Spade Saturday ein wunderbarer Spaziergang. Es lohnt sich übrigens, die High Lane zwischendurch zu verlassen und bei Story zu stöbern - einem Concept Store, der alle vier bis acht Wochen das Thema, die gesamte Einrichtung und alle Produkte wechselt. Hier habe ich schöne Mitbringsel gefunden.
High Line - Eingang zum Beispiel in der Gansevoort St
Pastis, 9 Ninth Avenue
Kate Spade Saturday, 30 Gansevoort St
Story, 144 10th Avenue at 19th St

* Eine Schifffahrt nach Dumbo. Mit der Fähre kann man vom World Financial Center bequem (und mit wunderschönem) Ausblick nach Dumbo fahren. Eigentlich wollten wir am Ufer des East Rivers Karussell fahren - leider hatte Jane´s Carousel am Dienstag geschlossen. Einen tollen Nachmittag kann man hier trotzdem verbringen: Wir sind einfach am Wasser entlang spaziert, haben ewig auf die Brücke geschaut und auf die Stadt am anderen Ufer, ein Eis in der Brooklyn Ice Cream Factory gegessen und ein Sandwich bei Luke´sDer Spielplatz im Brooklyn Bridge Park ist klein, der Ausblick beim Schaukeln dafür spektakulär.
Jane´s Carousel, Brooklyn Bridge Park, Eingang: Dock St oder Main St
Juliana´s Pizza, 19 Old Fulton St, Brooklyn (soll hervorragend sein)
Brooklyn Ice Cream Factory,  The Corners of Old Fulton and Water St, Brooklyn
Luke´s Lobster, Brooklyn Bridge Park, 11 Water St

* Der Central Park. Unser Lieblingsnachmittagsritual: zwei Runden auf dem Karussell, ein Picknick, das wir uns vorher bei Pret A Manger gekauft haben, danach weiter zum Spielplatz. Das Naturkundemuseum gleich neben dem Central Park ist sagenhaft schön und lohnt einen Besuch - auch ohne Kinder. Vom Central-Park-Zoo war Fanny begeisterter als wir.
Central Park
American Museum of Natural History, Central Park West at 79th St
Pret A Manger, 1350 6th Ave

* Das MoMA. Wir haben uns den Besuch mit Fanny fürs nächste Mal aufgehoben, wenn sie ein kleines bisschen älter ist - das MoMA ist mir von allen Museen das liebste. Und Freitagnachmittag von 16 bis 20 Uhr ist der Eintritt frei.
Museum of Modern Art, 11 W 53rd St

* Ein Spaziergang durch Williamsburg. Frühstück im Egg Restaurant. Schmuckgucken bei Catbird. Schokolade bestaunen bei den Mast Brothers. Auch gut: Joinery, Jumelle, In God We Trust, Bird und der Brook Farm General Store. Fürs nächste Mal vorgemerkt: ein Burger bei Dumont und Abendessen bei Fette Sau.

Egg Restaurant, 135 North 5th Street, Brooklyn
Catbird, 219 Bedford Ave, Brooklyn
Mast Brothers, 111 N 3rd St, Brooklyn
Joinery, 263 South 1 St, Brooklyn
Jumelle, 148 Bedford Ave, Brooklyn
In God We Trust, 129 Bedford Ave, Brooklyn
Bird, 203 Grand St, Brooklyn
Brook Farm General Store, 75 South 6th St, Brooklyn
Dumont Burger, 314 Bedford Ave, Brooklyn
Fette Sau, 354 Metropolitan Ave, Brooklyn

SHOPPING
* Williams Sonoma, 121 E 59 St. Ein herrlich altmodischer Küchenwaren-Laden mit einer tollen Auswahl an Kochbüchern und Lebensmitteln.
Fish´s Eddy, 889 Broadway at 19th Street. Geschirr, Becher und schöne Mitbringsel.
* Sephora. Lange hält man das Gewusel und die Lautstärke in diesem Riesenkosmetikladen nicht aus - aber es macht Spaß, Produkte auszuprobieren, die es zu Hause nicht gibt.
* Madewell. Super Jeans, schöne Blusen, tolle Schuhe.
* J. Crew. Die große Schwester von Madewell: stolze Preise, aber die Qualität ist entsprechend, das Jeanshemd, das ich mir hier vor Jahren gekauft habe, ist immer noch eines meiner Lieblingsstücke.
* Uniqlo. Richtig gute Basics (ab Frühjahr 2014 auch in Berlin).
* Saturday Kate Spade, 30 Gansevoort Street. Kleider und Hosen in knalligen Farben und Prints. Mir haben die (schlichteren) Accessoires und Taschen am besten gefallen.
* Story, 144 10th Avenue at 19th Street.
* Steven Alan. Die Mode ist absolut mein Geschmack (dieser Trenchcoat!). Die Preise allerdings weniger.
* Anthropologie. In der Filiale am Rockefeller Center kann man ewig stöbern: Kleidung, Accessoires, Wohnbücher, Geschirr.
* McNally Jackson Books, 52 Prince Street. Mein Lieblingsbuchladen.
* Barnes & Noble, 33 East 17th Street. Nicht der schönste Buchladen der Welt, aber die Auswahl ist gut - und man findet viele Magazine.
* Strand Book Store, 828 Broadway. 29 Kilometer neue und gebrauchte Bücher, immer ein Erlebnis.

ESSEN
* Dean & Deluca, 560 Broadway at Prince Street. Obst, Gemüse, Brot, Schokolade, Öle, Salz, ein schöner Ort für Menschen, die Essen lieben.
* Eataly, 200 5th Avenue. Beim ersten Besuch bin ich mit offenem Mund durch diesen Riesenladen gegangen, der eine Mischung aus Espressobar, Supermarkt, Feinkostgeschäft und Restaurant ist und sich auf italienisches Essen spezialisiert hat. Unbedingt anschauen und ein Orangenbrot probieren.
* Whole Foods. Eine amerikanische Biosupermarkt-Kette, in der man super fürs Abendessen einkaufen kann. Es gibt eine große Auswahl an Take-Away-Salaten und Gerichten. Ich mag die Filiale in Tribeca am liebsten.
* Magnolia Bakery. Himmel, diese Cupcakes sind süß. Aber ein New York-Besuch ohne Magnolia-Cupcakes wäre irgendwie auch nicht ganz komplett.
* Shake Shack. Unsere Lieblingsburger. Die Blaubeerlimonade, die Pommes, die Vanilleshakes und das Eis sind auch nicht zu verachten.
* Mast Brothers, 111 N 3rd Street, Brooklyn. Schon der Geruch beim Betreten dieser Schokoladenmanufaktur macht satt und glücklich. (Schönes Video, übrigens).
* Pastis, 9 Ninth Ave. Ein französisches Bistro im Meatpacking District, ich mag die Croques, Fanny war glücklich über ihre Pommes und die Malstifte, die sie geschenkt bekommen hat.
* BLT Prime, 111 East 22nd Street. Bei unserem letzten Besuch haben wir hier Geburtstag gefeiert und hatten einen richtig schönen Abend. Verdammt gute Steaks und die besten Zwiebelringe, die ich je gegessen habe. (Die Einrichtung haut einen nicht unbedingt vom Hocker, aber bei diesem Essen hat man eh keinen Blick dafür übrig...).

Auf meiner Liste, aber leider unbesucht:
* Ovenly
* Big Gay Ice Cream
* The Smile
* The Butcher´s Daughter
* Black Brick Coffee
* Dough
* The Spotted Pig
* Café Gitane

DAS NÄCHSTE MAL
... möchte ich gerne das New York City Ballet besuchen.




GERNE DABEI GEHABT
Der Not for Tourists-Guide - ein kleines Buch mit nach Vierteln geordneten Stadtplänen und einem ausklappbaren U-Bahn-Plan.

LIEBSTES MITBRINGSEL
Ein Armband von Catbird. Und ein Baseball-T-Shirt aus dem Central Park-Shop, das mich an unser Picknick gleich neben den Baseball-Feldern erinnert.

SCHÖNE NEW YORK-KINDERBÜCHER
Laura Krauss Melmed und Frane Lessac: New York, New York - The Big Apple from A to Z, Harper Collins
Salvatore Rubbino: A Walk in New York, Walker Books.
Miroslav Sasek: This is New York, Universe.
Puck und Kevin Somers: 1 2 3 New York: A Cool Counting Book, Duo Press.
Guy Fox: New York City Children´s Map, Bertrams.

AMERIKANISCHE LIEBLINGSMAGAZINE UND -ZEITUNGEN
New York Magazine.
New Yorker.
New York Times (am Sonntag).
Vanity Fair.
Bon Appetit.
Lucky Peach.
Gather Journal.
Domino (kommt im Herbst zurück!).
Vogue.
Harper´s Bazaar.
Allure.
Kinfolk.

ZEHN FILME UND ZWEI SERIEN GEGEN DAS FERNWEH
Frances Ha.
Last Days of Disco.
Tootsie.
Harry und Sally.
Man on Wire.
Frühstück bei Tiffany.
Der Teufel trägt Prada.
Tiny Furniture.
Manhattan.
Sex and the City (der erste Film).
Girls.
The Newsroom.

UND EIN SONG ZUM SEHR LAUT HÖREN



PS: Falls ihr irgendwelche Fragen zum Thema Haustausch habt - schreibt sie gerne in die Kommentare oder schickt mir eine Email (postanslomo@googlemail.com) - ich wollte in den nächsten Tagen mal etwas darüber schreiben.

NEW YORK, PT. 2


Wieder da. Aber noch nicht ganz wieder hier. Im Kopf läuft noch der New York-Film. Der allerletzte Abend, die Fähre zum World Trade Center fuhr am Wochenende nicht, also sind wir doch mit der U-Bahn gefahren, auf eine allerletzte Runde Spielplatz und einen Abschiedsburger bei Shake Shack. Auf der Heimfahrt sind wir eine Station früher ausgestiegen, um noch kurz am Wasser zu sitzen und die Stadt funkeln zu sehen, das Empire State Building leuchtet zum Labour Day Weekend blau und weiß und rot. Ein paar Mal wollten wir wirklich aufstehen und sind dann immer noch sitzen geblieben, tschüss, Wokenkratzer, sagte Fanny, tschüss, Freiheitsfrau. Die Einkäufe bei Whole Foods auf dem Nachhauseweg, eine große Schachtel Thai Beef-Salad für ihn, eine große Schachtel Couscous mit Cranberries für mich, Kokos-Chips zum Nachtisch, ein Bananenbrot zum Frühstück. Der Nachmittag am Union Square, gerade war Wochenmarkt, ich hab noch nie so schöne, bunte Tomaten gesehen. Später habe ich mit Fanny bei Barnes & Nobles in der Ecke alle Kinderbücher angesehen, die uns gefallen haben, unsere Lieblingsbücher haben wir mit nach Hause genommen und jeden Abend vorm Einschlafen gelesen. Die Nachmittage im Central-Park, vom Karussell zum Spielplatz und wieder zurück. Das Picknick neben dem Baseball-Feld, auf dem zwei Familien (oder waren es Kollegen) gegeneinander Baseball spielten, manchmal hörte man ein metallisches Ping, wenn der Ball den Schläger traf und aufgeregtes Rufen, ich hätte am liebsten mitgespielt. Der Spaziergang auf der High Lane nach einem wunderbaren Croque Madame im Pastis. Zum ersten Mal hat es richtig geregnet, erst habe ich mich über das Wetter geärgert, aber dann war es ganz still da oben und fast menschenleer, als hätte jemand die Stadt leise gedreht. Es roch nach Blumen und Regen. Die Spaziergänge in der Dämmerung zum Supermarkt, die Laternen mit dem gelben Licht, die irrsinnig lauten Zikaden in Jersey City, die Familien, die noch auf den Treppenstufen vor ihren Wohnungen saßen, das kleine Mädchen mit dem Kaninchen auf dem Schoß, das wir streicheln durften. Die Erdnussbutter-Eiscreme-Abende, an denen wir zusammen "The Newsroom" guckten, die Füße schwer, das Herz ganz leicht. Der Nachmittag in Dumbo, eigentlich waren wir nur für das wunderschöne Karussell hergefahren, aber das Karussell hatte ausgerechnet am Dienstag geschlossen, es machte nicht viel, wir aßen eine Pizza und ein Eis und zählten Fähren. Kein Fernweh jetzt, sondern Heimweh, ich glaube, das sagt viel über diese Reise.

PS: Keine Ahnung, warum das Layout plötzlich falsch ist - ich versuche das so schnell wie möglich wieder zu ändern...

NEW YORK, PT. 1









New York. So lange darauf gewartet, die große alte Liebe wiederzusehen. Und jetzt sind wir da und haben so ein verdammtes Glück. Ein Haus in Jersey City in der Nähe des Hudson Rivers, das mehr Bäder hat als wir in Berlin Zimmer, und eine Holzveranda, auf der wir Memory spielen und Morgenkaffee trinken. Wenn man draußen sitzt, hört man so wenig, dass man sich nicht vorstellen kann, dass Manhattan tatsächlich nur eine Viertelstunde entfernt ist, zwei Stationen mit dem PATH-Zug. Manchmal hört man eine Polizeisirene. Manchmal hört man aus dem Tanzstudio an der Ecke Musik. Manchmal bimmelt der Eiswagen vor der Tür. Dieser Haustausch ist wie ein Samstagnachmittag, der nie aufhört, die Sonne scheint, der Himmel ist blau, es ist heiß, der Sommer fühlt sich wie Sommer an und die Zeit geht einfach so vorbei. Ich bin anders, als ich es sonst so oft im Urlaub bin, wenn ich alles sehen und erleben und nichts verpassen will und meine Listen abrenne. Ich will erstaunlich wenig, es reicht vollkommen, ein wenig spazieren zu gehen, auf den Spielplatz, in den Park, zum Supermarkt, noch einen Salat und ein paar bunte Tomaten und eine große Packung Erdnussbutter-Eis besorgen, das wir uns abends auf dem Sofa teilen, wenn wir The Newsroom gucken oder Baseball, obwohl wir die Regeln nicht verstehen. Die langsamen Tage hier machen mich ruhig, sie machen mich glückssatt, obwohl das meiste, das ich mir vorgenommen habe, erst noch vor mir liegt: ein bisschen Rumbummeln, ein Ausflug nach Brooklyn, ein Frühstück im Eggein Spaziergang über die High Line, Wolkenkratzergucken. Zwischendurch kommt es mir merkwürdig vor, die meiste Zeit bloß auf Manhattan zu gucken statt mal rüberzufahren, aber dann setze ich mich zu ihm und ihr auf die Holzveranda und hole noch eine Limonade aus dem Kühlschrank und will nichts und wünsche mir nichts - außer vielleicht weniger Mückenstiche (obwohl Fanny sehr dankbar für sie ist, dann hat sie etwas Anständiges zum Arzten). Wir gehen jeden Tag am Wasser spazieren, aber das Gefühl wird nie kleiner. Ich frage mich, wie ich eine Stadt, die ich noch so wenig kenne, so unglaublich mögen, so richtig finden kann. Es ist ein Bauchgefühl, ein Bauchglück, ein großes Staunen. Der Blick auf die Stadt, die Hochhäuser, die Fähren, die hin und wieder herfahren, wir suchen und finden das Empire State Building, das Chrysler Building, die Freiheitsstatue, die man nur von hinten sieht, das One World Trade Center kann man nicht übersehen.

Von New York bisher gesehen und unheimlich gemocht: Eataly - ein riesiger Einkaufsmarkt für italienisches Essen, Regale voller Parmesan, Berge von Tomaten und frischen Kräutern, frisch gebackenes Brot, das so gut duftet, das ich mich unmöglich zwischen dem Orangen-, dem Feigen- und dem Olivenbrot entscheiden kann. (Was ist das nur mit den Supermärkten... ich kann mir gar nichts Schöneres vorstellen, als im Ausland in Supermärkte zu gehen, nächste Woche: Wholefoods). Das Naturkundemuseum, das schönste, altmodischste Museum, das ich in meinem Leben besucht habe, im Ozeanraum haben Fanny und ich uns unter den Wal gelegt, der so groß wie eine Turnhalle ist, dieses Museum bringt einem das Staunen über die Welt bei. Danach ein paar Shake Shack-Burger auf der Parkbank und ein riesiger Vanilleshake. Der Spaziergang durch den Centralpark, mittendrin eine Gruppe von Breakdancern, euphorisch beklatscht und bejubelt. Die Parkbänke im Centralpark mit den Inschriften und die Geschichten, die sie erzählen. Der versteckte Spielplatz, von dem ich bei "A Cup of Jo" gelesen habe, eine riesige Rutsche zwischen den Hochhäusern am Hudson River, daneben ein Wasserspielplatz. "Amerika ist schön", sagt Fanny. Ich finde das auch.
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