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GANZ GROSSE LIEBE:
DER NEUE VINTAGE-MÖBELLADEN SOEUR MAISON



Zwei Stufen hoch, schon bist du in einer anderen Welt und du hast nicht mehr tun müssen, als eine Tür zu öffnen. Dahinter: Möbel, in denen andere gelebt haben. Man kennt ihre Geschichten nicht, hat aber zu jedem Stück sofort eine Geschichte im Kopf. Die mit Blumen bemalte Truhe, in der einmal das gute Leinen aufbewahrt wurde. Eine große, alte Tafel, auf der Matheaufgaben gelöst wurden. Einmal hat eine fantasiebegabte Lehrerin auch ein Gedicht auf sie geschrieben. Der kleine bemalte Lastwagen aus Holz, er ist schon am Himalaya vorbei gefahren, auf seine linken Seite ist die Flagge Nepals gemalt. Oder er gehörte einem Kind mit großem Fernweh. Der Bauernschrank mit der aufgemalten Vase, den Blumen und den Blütengirlanden. Der alte Abakus. Zwei silbrig glänzende Pfaue, nicht größer als eine Hand. Der Laden ist nicht übervoll, und doch kann man überall etwas entdecken – Dinge, die aus anderen Zeiten und Leben übrig geblieben sind. Sie haben keine gemeinsame Vergangenwart und doch viel gemein: Sie sind zauberhaft. Gegenstände, mit und zwischen denen man gerne leben möchte, weil man weiß, dass sie das eigene Leben schöner machen würden – verspielter, französischer, ganz sicher bunter. 

Nina von meinem Lieblings-Secondhandladen Soeur hat einen neuen, zweiten Laden gemeinsam mit ihrem Mann Jan: Soeur Maison. Man kann hier schöne Sachen kaufen, hauptsächlich aus Frankreich, aber auch aus Deutschland. Und schöne Sachen verkaufen. Ein Laden für Vintage-Möbel, obwohl das viel zu sachlich ausgedrückt ist. Das hier ist eine Wunderkammer, in der man sich Wunder kaufen kann und wer braucht das nicht, ein ums andere Mal – ein kleines Wunder? 

Soeur Maison, Greifswalder Str. 217, Dienstag bis Samstag von 14-19 h (vom 6.-11.11. ist allerdings zu). 



LIEBLINGSLÄDEN IN BERLIN: PAPIER TIGRE




Eigentlich ist dieser Laden eine Gemeinheit, und man darf ihn überhaupt nicht empfehlen. Jedenfalls nicht, wenn man – wie ich – anfällig für schöne Dinge ist, vor allem aus Papier. Als ich an „Papier Tigre” in der Mulackstraße vorbeiging, hatte ich es eilig. Eigentlich wollte ich woanders hin, ein Geschenk für meine Schwester kaufen, und es fing gerade an zu regnen. Aus einmal kurz reingucken wurde eine halbe Stunde und eine ziemlich große Einkaufstüte – mit dem gesuchten Geschenk und zwei Notizbüchern, mit Anhängern (die es im Laden auch einzeln gibt), einem Glitzerstift für Fanny und Schokolade für zwei Freundinnen. Das nächste Mal werde ich hier auch einen Kaffee trinken. Zum Laden gehört nämlich auch das Garcon de Café, das von Henri Baudon geführt wird. Was für ein toller Laden. Und was für eine schöne Idee (die wie so viele gute Ideen eine ganz einfache ist): Agathe Demoulin, Julien Crespel und Maxime Brenon aus Paris möchten mit ihren Produkten den Alltag verschönern. Also haben sie 2012 den „Papier Tigre”-Store (5, rue des Filles du Calvaire) eröffnet, in dem man Schreibutensilien, Hefte und Karten, Geschenkpapier, Kalender und Sticker, aber auch Duftkerzen von Kerzon und Patches von Macon & Lesquoy bekommt. Seit November gibt es auch diesen Laden in Berlin-Mitte. Die Herstellung erfolgt zu 95 Prozent in Frankreich, verwendet werden dabei ausschließlich recycelte Kartonagen. Hübsch, oder?

* Nachtrag: Der Laden in Berlin hat leider schon wieder geschlossen.* 




Papier Tigre, Mulackstr. 32, 10119 Berlin, Di-Fr: 11-19 Uhr, Sa: 11.30-19.30 Uhr, Café: Di-Fr 9-18 Uhr, Sa: 11-19 Uhr. Wer nicht in Berlin wohnt, kann im Onlineshop vorbeischauen (im Frühjahr gibt es auch einen deutschen). Alle Bilder: Papier Tigre.

MEIN BERLIN: DIE PATISSERIE JUBEL



Natürlich sind es auch die Törtchen. Egal, welche Sorte man probiert (und sie sind so klein, dass man auch zwei oder drei probieren kann), sie sind alle gut. Sie machen kuchenglücklich, überraschen aber auch. Die Passionsfruchttörtchen: säuerlich, knusprig, dann wieder süß durch die winzigen Baiserpünktchen. Oder die Windbeutel, luftig, leicht, dann wieder herzhaft durch die eingelegten Pflaumen und den frischen Estragon. Und die Opéra-Törtchen, ich sollte einen Bogen um sie machen, aber wie kann man einen Bogen um dieses kleine Wunder machen – die herrliche Unfairness von Nougat und Schokolade. Es ist aber auch der Ort selbst. Die Patisserie Jubel von Lucie Babinska und Kai Michels kriegt es hin, gleichzeitig schlicht, modern und gemütlich zu sein: mit hellblauen Kacheln an der Wand, frischen Blumen auf den Holztischen und einer wunderschönen Lampengirlande im Fenster. Sie ist ein guter Ort für schlechte Tage. Und für besonders schöne. Und für Törtchen-Tage. Und für Regen-Tage. Und für Tage, an denen man nicht weiß, wohin mit sich. Und für Nachmittage mit Freundinnen. Und hungrigen Nicht-mehr-kleinen-Mädchen. Ein Ort, den man immer ein bisschen glücklicher verlässt. 


Jubel – Feine Patisserie, Hufelandstr. 10, 10407 Berlin, Di – Fr 11-19 Uhr, Sa – So 11-18 Uhr.
Fotos: Caroline Prange

EINEN TEE?


Eigentlich trinke ich Kaffee. Dass Tee bei mir wieder eine Chance bekommt, hat mit der Entdeckung von Paper & Tea zu tun, die vor einer Weile auch einen Laden in Mitte eröffnet haben – einen Laden, den ich so mochte, dass ich mir gleich zwei kleine Beutel Tee mitgenommen habe: "Top of the Day", ein Kräutertee mit Apfelstücken, Hibiskusblüten, Pfefferminzblättern, Zitronengras und Rosenblütenblättern und "Very Berry", ein Kräutertee mit Apfelstücken, Hagebuttenschalen, Holunderbeeren, Heidelbeeren, roten Johannisbeeren, Brombeerblättern, Malve und Brombeeren. (Ich bin ja so leicht rumzukriegen von schönem Produktdesign, in diesem Fall habe ich das aber keine Minute bereut, ich mag sie beide und genieße das Teetrinken). Damit ihr auch mal probieren könnt, verlose ich heute das Geschenkset "Earl´s Court" – mit einer Dose "Golden Earl", einer Dose "White Earl"-Tee, einem Bambuslöffel und einer "You drink coffee, I drink tea, my dear"-Tote, wenn ihr bis zum 11. Februar um 20 Uhr einen Kommentar hinterlasst (bitte ohne E-Email-Adresse, nur mit einem Namen). Viel Glück!




P & T Mitte, Alte Schönhauser Str. 50, 10119 Berlin, Mo-Sa 11–20 Uhr,
P & T Concept Store, Bleibtreustr. 4, 10623 Berlin, Mo-Sa 11–20 Uhr.

Fotos: P & T (2-4).

* Danke fürs Mitmachen. Random.org hat entschieden und den Tee hat Laura gewonnen, mit ihrem Kommentar vom 9. Februar um 16:49. Liebe Laura, schickst Du mir bitte eine Email (postanslomo(at)googlemail(dot)com) mit Deinem Kontakt? Herzlichen Glückwunsch!

MEIN BERLIN: GOLDHAHN UND SAMPSON











Es gibt ja Menschen, die träumen davon, über Nacht in einem Kaufhaus eingeschlossen zu werden. Ich träume davon, bei Goldhahn und Sampson eingeschlossen zu werden, von mir aus ein ganzes Wochenende. Goldhahn und Sampson ist einer meiner liebsten Orte in Berlin, ein Lebensmittel-Geschäft, wie ich es mir immer ausgedacht habe, wenn ich von meinem Laden geträumt habe: Schon beim Reinkommen hat man das Gefühl, nach Hause zu kommen. Könnte man Wärme riechen, ich glaube, sie würde so duften wie Goldhahn und Sampson, nach Kaffee, Brot und Holz. Dass ich mich hier so wohl fühle, liegt aber vor allem an der Gegenwart von all den Lebensmitteln. Man findet in diesem Laden so ziemlich alles, was man sich wünschen kann, wenn man Essen (und Trinken) liebt: Risotto, Chillischoten aller Schärfegrade, jede nur erdenkliche Sauce, Wein, das Rosensalz, das meine Mutter so liebt, Schokolade, Kaffee, Tee, Chips, Öl, Essig, Polenta, Limonade, Currypaste, diese unfassbare Vanille-Paste, frisches Brot, Käse, Wurst, Obst und Gemüse. Glücklicher macht mich nur der Raum mit den Kochbüchern. Ein ganzer Raum voller Kochbücher! Der Ledersessel in der Ecke ist schon ganz abgewetzt von all den Menschen, die sich hier hungrig gelesen haben, genau wie ich. Wie schön, dass man ein Stück von diesem Glück mitnehmen kann: ein paar Chilis für den Mann, zwei Madeleines für Fanny und eine Packung Clipper-Tee für mich. Bis zum nächsten Mal, bald, sehr bald.

Goldhahn & Sampson, Dunckerstraße 9, 10437 Berlin, Mo-Fr 8-20 Uhr, Sa 10-20 Uhr, Email: hallo@goldhahnundsampson.de, www.goldhahnundsampson.de. Es gibt auch ein umfangreiches Kochkurs-Programm, für das man sich auf der Homepage anmelden kann.

MEIN BERLIN: PRINCESS CHEESECAKE










Es gibt Orte, an denen das Leben aus der Zeit fällt. Einfach an der Tür stehen bleibt und draußen wartet, bis man wieder rauskommt. Die Patisserie Princess Cheesecake ist so ein Ort. Egal, mit welcher Laune ich hierher komme, hinterher ist alles ein bisschen besser. Das liegt an der Einrichtung, die schön schlicht ist, an all den winzigen Details, den Take-Away-Bechern (ich hab nie hübschere gesehen), den frischen Blumen, an dem Satz, der unter (und irgendwie auch über) allem steht: Make everyday a lovely day. Vor allem aber liegt das am Käsekuchen. Himmlischer, göttlicher Käsekuchen. Mit Zitrone, mit Schokolade, mit Rum, als Zupfkuchen oder ganz schlicht. Dreh-dich-ruhig-weiter-Welt-ich-ess-mich-jetzt-hier-glücklich-Käsekuchen. So ein Laden ist das.

Princess Cheesecake, Tucholskystr. 37, 10117 Berlin, Tel: 030 - 28 09 27 60, Mo-So 10-19 Uhr, Email: info@princess-cheesecake.de, www.princess-cheesecake.de. Alle Kuchen werden ohne Farb- und Konservierungsstoffe und raffinierten Zucker gebacken.

Fotos: Katy Otto.

MEIN BERLIN: SOEUR










Heute beginnt auf Slomo eine neue Serie. Ab jetzt schreibe ich immer mal wieder über die Orte, die ich in Berlin sehr mag. Mein Berlin sozusagen. Den Anfang macht mein Lieblings-Secondhand-Laden SOEUR, denn dieser Laden ist wirklich ein Wunder. Jedes Mal, wenn ich SOEUR betrete, fühle ich mich, als hätte ich große Ferien - ein bisschen leichtsinnig und fast schon albern gut gelaunt. Dabei kann ich Second Hand-Läden eigentlich nicht ausstehen. Was nicht an den Second Hand-Läden liegt, sondern daran, dass ich NIEMALS etwas finde. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die mit sicherer Hand die Knallerteile von der Stange pflücken. Und wenn ich etwas finde, das mir gefällt, hat es garantiert nicht meine Größe. Bei SOEUR ist das anders, da ist die Auswahl so gut, dass es wenige Stücke gibt, die mir nicht gefallen. Heute in der Hand gehabt: Einen Pulli von Wolfen! Einen Blazer von Dries van Noten! Ein Kleid von APC Madras! Schuhe von Lala Berlin! Eine kastanienbraune Handtasche von Aigner! Ach, und ein Kleid von Vanessa Bruno! Klinge ich gerade wie ein Groupie? Ich fürchte, ich BIN ein Groupie. Was auch daran liegt, dass ich die Besitzerin Nina so toll finde: Immer freundlich, immer auf eine Art lässig, die ich gerne lernen würde, immer fantastisch angezogen. Unglaublich herzlich ist sie auch - wie alle ihre Kollegen. Hingehen, es lohnt sich wirklich.

Soeur, Marienburger Str. 24, 10405 Berlin, Tel: 030 - 32 89 15 20, Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa 11-17 Uhr, Email: nina@soeur-berlin.de, www.soeur-berlin.de
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