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KIRSTENS FÜNF: HEITERES BERUFERATEN


Letztes Weihnachten machte ich meinem Vater ein wagemutiges Geschenk: einen Krimi. Nicht, dass er sich nicht für Bücher interessiert. Aber er hat sein Leben lang bei der Polizei gearbeitet. Entsprechend sparsam ist sein Interesse daran, sich auch in seiner Freizeit mit Kriminalfällen zu beschäftigen. Oder besser gesagt damit, wie Schriftsteller glauben, dass Polizeiarbeit aussieht. Daran musste ich denken, als ich vor einiger Zeit diesen Artikel über den Realitätsgehalt des sonntagabendlichen "Tatort" las. Und ich dachte an das immer mal vorkommende Stöhnen von Menschen aus meinem Bekanntenkreis über irgendwelche ganz, ganz schlechten Filme, die sie im Fernsehen oder Kino gesehen haben. Schlecht warum? Weil darin völliger Murks über ihren Beruf erzählt wurde. Ulkig. Vergleichbar vehemente Reaktionen bei unrealistisch erzählten Liebesgeschichten kenne ich nämlich nicht. Lässt man sich da williger ins Märchenland entführen statt ab und an empört "Aber so ist das doch gar nicht!" zu rufen? Mein eigener Beruf begegnet mir in Büchern oder Filmen eher selten. Etwas erzählen über das Geschichtenerzählen ähnelt vielleicht zu sehr einem immerfort dem eigenen Schwanz nachjagenden Hund. Manchmal ist es aber auch sehr lustig oder inspirierend. Wie zB in diesem Sketch. Oder in meinen diesmaligen Fünf. Und ihr? Nervt es euch, wenn Geschichten aus der Arbeitswelt komplett ins Unwirkliche abdriften? Oder ist euch das vollkommen schnuppe - Hauptsache, die Geschichte ist gut? Und habt ihr Film- oder Buchempfehlungen zum Thema? Mein Vater fand den Krimi, den ich ihm geschenkt habe, dann übrigens gar nicht schlecht.

EPISODES
Zwei britische Drehbuchautoren schreiben eine preisgekrönte Fernsehserie. Ein begeisterter amerikanischer Fernsehboss lädt die beiden nach Kalifornien ein. Dort sollen sie eine US-Version des Ganzen produzieren. Ein Traum! Ha! Von wegen! Unter den Augen der fassungslosen Autoren wird ihre Serie rund um ein gediegenes Jungeninternat, dessen Direktor und der lesbischen Bibliothekarin in eine Story rund um ein Jungs-Hockey-Team, deren Coach und der nicht lesbischen und ziemlich kurze Röcke tragenden Bibliothekarin geändert. Und der Hauptdarsteller, ein renommierter britischer Shakespeare-Darsteller, gegen eine, nun ja, amerikanische Fernsehgröße ausgetauscht: Matt LeBlanc, der dumpfbackige Joey aus der Kultsitcom "Friends". Nein, das ist nicht die Entstehungsgeschichte einer neuen Fernsehserie. Das IST die Serie selbst. "Episodes" heißt sie. Mit den Worten "Das ist was für Dich" drückte mir eine Freundin die erste Staffel in die Hand. Treffer. Ich hab Tränen gelacht über Schauspielereitelkeiten, Fernsehchef-Schaumschlägereien und den wahr gewordenen Drehbuchautoren-Alptraum, den das britische Pärchen in Kalifornien erlebt. Und über den so genüsslich sich selbst aufs Korn nehmenden Matt LeBlanc.
Hier ist der Trailer.

TAMARA DREWE
Auch Autoren können schrecklich eitel oder verkorkst sein. Weswegen die britische Autorin und Zeichnerin Posy Simmonds sich in ihren Cartoons immer wieder mit spitzem Stift dem literarischen Leben nähert. Ihr schönstes Ergebnis: Der Comic "Tamara Drewe". Und dessen ebenso großartige Verfilmung durch Stephen Frears (bitte ignorier den gruseligen deutschen Filmtitel und die nach Teeniefilm aussehende DVD-Covergestaltung!). Darin betreibt ein erfolgreicher Krimiautor mit seiner Frau auf dem Land ein Refugium für angehende Schriftsteller. Das heißt: Seine Frau schmeißt den Laden. Er schreibt, lässt sich bewundern und geht gerne mal fremd. Als das ehemals hässliche Entlein Tamara Drewe als erfolgreiche Journalistin mit neuer Nase und Rockstar-Freund ins Dorf zurückkehrt, ist es mit der Ruhe auf dem Land vorbei. Wobei der nun losgetretene Liebesreigen nur eine Sache ist, die ich an "Tamara Drewe" sehr mag. Mich rühren die treffend gezeichneten Figuren, wie zB die aus tiefster Teenieseele das Landleben hassende Pubertistin Jody. Und ich seufze wohlig über Sätze, mit denen alles gesagt ist: "Gar nichts wird gut. Ich steh im Rührteig."
Hier ist ihre gezeichnete Kolumne "Literary Life". Und hier die Verfilmung "Immer Drama um Tamara".

MEIN OHR AN DEINEM HERZEN
Ein Mann will Schriftsteller werden. Er schreibt. Unermüdlich. Geschichten. Romane. Er schickt seine Texte an Verlage. Immer wieder. Und bekommt immer nur Absagen. Bis zu seinem Tod gelingt ihm keine Veröffentlichung. Er drängt auch seinen Sohn zu schreiben. Und tatsächlich: Dieser wird Schriftsteller und damit sogar sehr erfolgreich. Der Sohn heißt Hanif Kureishi. In seinem Buch "Mein Ohr an Deinem Herzen" taucht er in die Geschichte seiner Familie ab und beschreibt die Bemühungen seines Vaters, die nicht nur in literarischer Hinsicht bestehenden Konflikte zwischen Vater und Sohn und sein eigenes Werden als Schriftsteller. Das finde ich so anrührend wie sympathisch. Und muss prompt nochmal "Mein wunderbarer Waschsalon" gucken. Kureishi schreibt nämlich auch tolle Drehbücher.
Hier ist ein kurzes Interview mit ihm.

THAT CRAFTY FEELING
Beim Romanschreiben gibt es die Macroplaner, die erst den ganzen Plot festlegen, bevor sie eine einzige Zeile schreiben. Und es gibt die Micromanager, die bei der ersten Seite einfach anfangen und dann schauen, wohin die Geschichte sie führen wird. Sagt die Schriftstellerin Zadie Smith. Sie selbst sei ein Micromanager. Und beschreibt in ihrem Essay "That Crafty Feeling" (den man sich in Teilen hier zusammen mit einem sehr interessanten Gespräch mit der Autorin anhören kann), dass die ersten zwanzig Seiten manchmal Jahre brauchen, bis man den richtigen Ton gefunden hat. Wie man einmal in Schwung gekommen einen magischen Raum betritt. Und wie man am Ende auch wieder loslässt. Smiths Anleitung zum Schreiben klingt so leichtfüßig wie klug, dass man sich ganz ermutigt fühlt, selbst loszulegen. Oder einfach noch einen ihrer Texte aus dem (bisher nur auf Englisch erschienenen) Essayband "Changing My Mind" zu lesen. Und damit die Wartezeit auf ihren im Herbst erscheinenden neuen Roman "NW" (nach sieben Jahren! Wie lange hat sie wohl diesmal für die ersten zwanzig Seiten gebraucht?) verkürzt.
Hier ist Zadie Smiths Lesung und ein Interview mit ihr in der New Yorker Public Library in voller Länger. (Anmerkung von Okka: Und weil ich mal wieder hundert Jahre gebraucht habe, um Kirstens wunderbare Kolumne endlich online zu stellen, ist das Buch in der Zwischenzeit schon erschienen - nicht, dass ihr euch wundert). 

SCHRÄGER ALS FIKTION
Und dann gibt es noch die Schreibblockade. Am besten gefällt mir die von Emma Thompson. In diesem Film: "Schräger als Fiktion". Da hört ein langweiliger Steuerprüfer, dessen Leben so staubgrau ist wie seine Anzüge, plötzlich eine Stimme, die offensichtlich sein Leben erzählt. Er stellt fest, dass er nicht verrückt ist, sondern die Hauptfigur in einem Roman. Und die Autorin hat offensichtlich vor, ihn am Ende umzubringen. Nur weiß sie leider noch nicht wie. Hinreißend, wie Emma Thompson verknautscht und ständig rauchend mit ihrem Roman kämpft. Hinreißend, wie Will Ferrell vom Langweiler zu einem wagemutigen Menschen wächst. Hinreißend, dass er sich ausgerechnet Maggie Gyllenhaal als Liebe seines Lebens aussucht. Übers Schreiben lassen sich also wirklich gute Geschichten erzählen...
Hier ist der Trailer.

Kirsten

KIRSTENS FÜNF: STÄDTEREISEN

Ich habe Urlaub. Sogar richtig lange. Nach einem arbeitsreichen bisherigen Jahr heiß ersehnt. Ich merke, dass Menschen, die mich nach meinem Reiseziel fragen, große Erwartungen haben. Vermutlich würden Antworten wie "Och, ich wollte schon immer mal ein paar polynesische Inseln erkunden", oder "Ich tausche mit einem Architekten aus Japan für ein paar Wochen die Wohnung. Der interessiert sich für die 50er-Jahre-Bebauung in Köln und, naja, Tokyo stand ja schon lange auf meiner Liste", diese Erwartungen befriedigen. Die Wahrheit ist: Ich bin im Moment zu müde. Zu müde, einen neuen Ort kennenzulernen. Ich hab das tiefe Bedürfnis, einfach zuhause zu bleiben. Nachmittags im Café sitzen und lesen. Mal in ein Museum gehen oder mir ein Bauwerk von innen anschauen, an dem ich sonst immer nur vorbeilaufe. Freunde treffen und solche Verabredungen nicht nur um den Arbeitsalltag drumrum organisieren. Zweimal hintereinander am gleichen Tag ins Kino gehen. Auf dem Sofa rumlümmeln und endlich die zweite Staffel "Downton Abbey" schauen, tagsüber, stundenlang. Dann mal raus auf den Balkon, für eine Kuchenlänge. Und wieder rein und weitergucken. Oder einfach nur laut und lange Musik hören. Zum Fernreisen reichen mir diesen Sommer ein paar Filme und Bücher. Hier meine fünf liebsten:

Bei jedem Film von WES ANDERSON bin ich gespannt, wo die Reise diesmal hingeht. In ein Pfadfinderlager. Unter die Meeresoberfläche. Per Zug durch Indien. Vor allem: In die Anderson-Version dieser Orte, denn es sind schrullige, bunte, sorgfältig komponierte Fantasiegebilde. Und so liebe ich es, mit Anderson und seinen "Royal Tennenbaums" in ein New York zu reisen, wie ich es in der Realität nicht erleben könnte. Ich bin gerührt von dieser dort wohnenden, schrecklich beknackten Familie, die trotz aller Egomacken nicht ohne einander kann. Ich liebe, wie ein knurriger Gene Hackman heimlich seinen Enkeln beibringt, was Spaß ist. Wie Bill Murray sich wie ein melancholischer bärtiger Maulwurf vergeblich um seine junge Frau Margot bemüht. Wie eine kajaltriefende Gwyneth Paltrow stoisch ihre Zigaretten raucht. Wie ein hüftsteifer Danny Glover Angelica Huston ungelenk einen Heiratsantrag macht. Und das Tenenbaum-Haus, in dem sich alle immer wieder begegnen, irgendwo in New York.

Ich höre selten Popmusik im klassischen Sinne. Ich bezeichne neongelbe Radlerhosen mit Fransen und Blumenshirts mit Monsterschulterpolstern für gewöhnlich nicht als sexy. Und dann kommt SANTIGOLD. Zeigt, dass frau in Popsongs nicht nur über Liebe, Jungs und Herzschmerz singen muss. Dass sie musikalisch alles mixen kann, worauf sie Bock hat. Dass knallbunte Videos in 90er-Ästhetik immer noch cool sind und mich ein bisschen selig an viel vor MTV vertrödelte Provinzjugend erinnern. "So machen wir das in Brooklyn", sagt sie auf der Bühne, freut sich über die jubelnde Menge und lacht. Vor allem macht sie ihr eigenes Ding. Was ne coole Sau. Ich kann einen Konzertbesuch nur empfehlen. Oder das laute Hören ihrer Songs beim nächtlichen Fahren durch die Stadt.

Eine Querflöte zirpt, das Schlagzeug wird sanft angeschlagen, die Gitarre dazu, Streicher und Bläser setzen ein und ein Mann tanzt mit seiner Stimme darüber. Das ist nicht Brooklyn, das ist London. Und das Gegenteil von modern. Bluesig, soulig, eine Zeitreise in die 60er Jahre, an denen MICHAEL KIWANUKA offensichtlich Lust hat. Meiner Fußballunlust verdanke ich, über diesen Sänger gestolpert zu sein. Arte statt EM. Zum Glück. Im Herbst will ich ihn unbedingt auf der Bühne sehen.

Das Arte-Programm hat mich mit seinem "Britishness"-Themenschwerpunkt auch durch den Rest der EM gerettet. Von London aus bin ich aufs Land weitergereist und einmal die Woche in JANE AUSTENS Welten abgetaucht. Wunderbar, wenn Dialoge immer erstmal mit einer Frage eröffnet werden, ob es denn auch den Eltern und Geschwistern gesundheitlich gut gehe. Immer wieder schön: Die BBC-Verfilmung von "Pride and Prejudice". Die mit Colin Firth als Mr. Darcy und der berühmten Teich-Szene, bei der die Zuschauerin unwiderruflich den gleichen entrückten Gesichtsausdruck bekommt wie Elizabeth Bennet. Colin Firth wird wohl trotz Oscargewinn für immer der Mann bleiben, der selbst in teichfeuchtem Zustand seine Elizabeth erstmal fragt, ob denn auch ihre Eltern wohlauf seien.

Mit JULIE DELPY macht mir Städtereisen besonders Spaß. Ich staune über ihr wunderschönes Gesicht, als sie in "Drei Farben: Weiß" mit ihrem polnischen Ehemann hadert und am Ende in Warschau strandet. Wie unfassbar jung sie da war und ebenso in "Before Sunrise", als sie mit Ethan Hawke durch Wien läuft. Wie sie ihm Jahre später in Paris wieder begegnet (ob es jemals einen dritten Teil dieser Filmreihe geben wird? Und in welcher Stadt treffen sich Julie und Ethan dann?). Wie sie und ihre Familie ihren amerikanischen Freund in Paris und in New York an den Rand des Nervenzusammenbruchs führen. Woody Allen verschlägt es in seinem nächsten Film nach Rom (und endlich spielt er auch selbst wieder mit), aber sollte er irgendwann keine Filme mehr machen, hab ich das beruhigende Gefühl, dass mit Madame Delpy eine würdige Nachfolgerin im Schaffen großartiger neurotischer Filmcharaktere schon bereit steht.

Und ihr? Wenn Geldbeutel, Wetter, Terminkalender oder andere das Reisen verhindern, welcher Film oder welche Musik hilft als Ersatz?

Kirsten

KIRSTENS FÜNF: OHNE WORTE

Zu den Filmen, die mich mit einem warmen Gefühl im Bauch aus dem Kino haben kommen lassen, gehört in diesem Jahr ganz sicher "The Artist". Habt ihr ihn gesehen? Und habt ihr Lust bekommen, mehr Stummfilme anzuschauen?



Meine diesmaligen Fünf sind keine fünf Filmtipps, sondern fünf Fragen an meine Freundin Dorothee und ihre Mitstreiterin Katharina. Die beiden Musikerinnen machen seit zehn Jahren Kammermusik zusammen und haben aus Liebe zum Kino und zum Improvisieren irgendwann auch die Stummfilmmusik für sich entdeckt. Zu meinem großen Glück! Denn es ist nicht nur ein großartiger Luxus, einen Film mit live gemachter Musik zu sehen. Es ist einfach wundervoll, den beiden zuzuhören und zuzuschauen. Nicht nur ist ihre Besetzung an sich für diese Musik ungewöhnlich - neben Dorothee am Klavier spielt Katharina Saxophon. Auch kommen bei ihren Filmvorführungen gerne andere "Instrumente" wie Rassel, Trillerpfeife oder eine alte Schreibmaschine zum Einsatz.



Wie sucht ihr die Filme aus, die ihr vertont?
Ganz und gar nach Bauchgefühl. Es gibt Filme, bei denen es einfach funkt! Außerdem haben wir meistens Lust auf ein neues Genre. Wir haben schon Komödien, Liebes-,
Horror-, Science Fiction-, Dokumentar- und Experimentalfilme vertont. Sogar Zeichentricksequenzen waren bei einem Stummfilm dabei.

Und wie macht ihr dann die Musik zum Film?
Wir schauen alle unsere Filme grundsätzlich stumm an. Am Anfang versuchen wir herauszubekommen, welche "Sprache" der Film als Ganzes spricht. Ist er eher experimentell oder konventionell? Laut oder leise? Witzig oder ernst? Haben wir das erstmal herausgefunden, ergibt sich das musikalische Material von selbst.

Gibt es denn heutzutage überhaupt noch Kinos, die sich für Stummfilme interessieren? Und wer guckt und hört euch an?
Es gibt viele ganz unterschiedliche Kinos, die Stummfilme zeigen: vom Arthouse- bis zu kommerziellen Spielstätten. Auch Stadttheater zeigen Stummfilme mit Live-Musik. Manchmal sind es auch ungewöhnliche Orte, z.B. der Rittersaal auf einer Burg oder eine Kirche. Beim Stummfilm treffen Kino- und Musikliebhaber aufeinander. Die meisten sind zwischen Mitte 20 und Mitte 50. Bei "Die kleinen Strolche" hatten wir ein Publikum zwischen vier und 70 Jahren. Und weil die Strolche so herrlich doppelbödig sind, lachte eigentlich immer jemand: beim Slapstick die Kinder, bei der Ironie die Erwachsenen.

Wie fandet ihr "The Artist" - falls ihr ihn gesehen habt?
Ein toller Film! Auch weil das Verhältnis von Musik und Stille so ein großes Thema war. Wer den Film gesehen hat, erinnert sich bestimmt an das Klirren von Glas, das war großartig. Der Stummfilm ist dadurch auf jeden Fall wieder stärker ins Bewusstsein getreten.

Von welchem Tonfilm würdet ihr euch wünschen, dass er ein Stummfilm wäre, damit ihr die Musik dazu machen könntet?
"Whale Rider". Weil die Hauptperson durch so viele verschiedene Gefühle geht und weil es eine schöne Aufgabe ist, das Meer zu vertonen.

Dorothee und Katharina sind deutschlandweit und im benachbarten Ausland unter dem Namen "M-Cine" unterwegs. Sehenswert finden die beiden auch die Reihe "Silent Movie Theatre" im Filmforum NRW. Zum Einlesen ins Thema empfehlen sie ein Buch, das ich mir wohl allein schon wegen des Titels anschaffen muss: "Köpfen Sie mal ein Ei in Zeitlupe". Sowie "City Girls: Frauenbilder im Stummfilm". Ich wünsche mir, dass die beiden sich irgendwann mal "Menschen am Sonntag" zum Vertonen vornehmen. Oder einen Woody Allen-Film. Und ihr? Welchen Film würdet ihr gern in einer Stummfilmversion sehen?

Kirsten

KIRSTENS FÜNF: PAUSENTASTE

Manchmal ist kein Platz mehr im Kopf. Versuche ich, einen Roman zu lesen, ertappe ich mich dabei, seit 20 Minuten immer wieder am selben Satz hängen zu bleiben. Beim Filmgucken wandern die Gedanken ab und ich schaue parallel was im Internet nach, jaja, nur mal eben schnell, und zack, kann ich dem Plot nicht mehr folgen. Lege ich Musik ein, fallen die Augen zu, bevor ich bei Track drei angekommen bin. Zu müde. Zu verschnupft und verquollen. Das Hirn zu vollgestopft mit zu Erledigendem von der To-do-Liste. Zu besetzt von Ärger bei der Arbeit, Streit mit jemand, der einem nah ist, einer blöden Begegnung oder einem blöden Satz, der mir nachhängt, und nicht in der Lage runterzukommen. Manchmal ist das so. Dann geht nur ganz wenig. Ein Häppchen. Eine Kleinigkeit, der ich leicht folgen kann. Kurz die Pausentaste drücken. Hier sind meine fünf Pausensnacks:

EVER IS OVER ALL
In die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist habe ich mich vor Jahren stürmisch und schlagartig verknallt. Schuld ist diese Arbeit von ihr: Ever is over all. Natürlich ist die riesengroß überlappend in einer Raumecke projiziert am schönsten. Solange ich den Mitbewohner aber nicht überreden kann, bei unserer geplanten Wohnzimmerrenovierung das Zimmer so umzumodeln, dass man bei Bedarf eine Videoinstallation reinfriemeln kann, schau ich sie mir auf dem Rechner an. Oder ziehe selbst Blumen schwingend und summend durch die Straßen. (In Mannheim läuft übrigens gerade eine Pipilotti Rist-Ausstellung.)

DAUMENKINOS
Am liebsten mag ich das himmlische Croissant. Und den schlafenden Mann, der beim Träumen kreativ ist. Oh, und das Kätzchen, das mit dem Herz spielt. Die Daumenkinos liegen immer auf meinem Schreibtisch. Griffbereit. Einmal durchblättern. Hach. Entdeckt habe ich sie in einem Museumsshop in Zürich. Lang, lang her. Von dem Macher, Jean-Vincent Senac, kenne ich nur den Namen. Umso schöner, im Internet zu entdecken, dass er die Blätterbüchlein immer noch fabriziert.

FARTS
Als Kind hatte ich eine ausgiebige Tier- und Pflanzenbestimmungsbücherlesephase (von der leider nicht viel an Wissen hängen geblieben ist, Mist!). Vielleicht wundert es mich deshalb nicht, dass ein Kinderbuchautor mit heiligem Ernst Ähnliches zum Thema Fürze herausgebracht hat. In "Farts. A Spotter´s Guide" sind diese nicht nur hübsch beschrieben und durch putzige Zeichnungen charakterisiert. Man kann sie sich auch anhören. Ein bisschen albern, okay. Infantil vielleicht. Aber nachdem mein Chef (!) mir und meinen Autorenkollegen dieses Buch geschenkt hat, hat es sich als echt nützlich erwiesen. Bei kreativen Hängern einfach Taste 9 drücken und "The Long Goodbye" hören.

87 TAGE BLAU
In den weniger albernen Momenten lande ich gerne bei "87 Tage Blau". Der Autor Peter Schanz hat in dieser Zeit reisend auf einem Containerschiff einmal die Welt umrundet. Entstanden ist an jedem Tag ein Foto der Meeresoberfläche. Und ein kleiner Eintrag mit Gedanken zum Reisetag. Manchmal lese ich den. Manchmal schaue ich mir einfach nur die unterschiedlichen Blaus des Meeres an. Großartig.

THE WEEKENDER
Zeitschriften wie "Schöner Wohnen" sind nicht so mein Ding. Viel spannender finde ich, in kruschtelige, wirklich bewohnt aussehende Räume reinzuschauen. Gefreut hat mich im letzten Jahr die Entdeckung von "The Weekender", einem noch recht jungen Magazin aus Köln. Die Menschen, die hier zusammen mit ihren Wohnungen, Häusern oder Lebensräumen porträtiert werden, stammen zwar schwerpunktmäßig aus einem Kunst- und Designumfeld, ein bisschen elitärer gehts somit schon zu. Doch anders als Blogs wie "The Selby" oder "Freunde von Freunden" schaut "The Weekender" nicht nur in die hippen Hauptstädte Berlin, Paris oder New York, sondern widmet sich mal Radfahrern in Südafrika, dem schwedischen Landleben oder der übrig gebliebenen Einrichtung in einem leer stehenden Kölner Haus. Und das als schön gestaltetes Heft aus angenehm festem Papier.

Mit welchem Kulturhappen drückt ihr auf die Pausentaste?
Kirsten

KIRSTENS FÜNF: VOLLE AUFMERKSAMKEIT

Als ich anfing, Musik zu hören, sah das so aus: Zusammengekauert in der Hocke, neben dem Plattenspieler, dicht vor der Box, ganz konzentriert. Später alternativ in ähnlicher Position vor dem Kassettendeck, den Finger auf der Aufnahmetaste, um meine Lieblingssongs aus den britischen Charts (eindeutig cooler als die deutschen) mitzuschneiden. Nur noch Ohr. Weswegen egal war, ob die Körperhaltung dabei besonders elegant oder gesund aussah. Doch dann fing irgendwann das Nebenbei-Musikhören an. Neben den Hausaufgaben. Neben dem Lesen. Neben dem Telefonieren. Beim Lernen für die Uni. Beim Kochen. Beim Küssen. Hintergrundteppich. Jahrelang. Seit einer Weile bin ich - mit der Ausnahme von Dinner-Hintergrundmusik, aber das ist eine eigene Kategorie - wieder da angekommen, wo ich mal angefangen hab: Ich höre Musik nur, wenn ich nichts anderes machen will, außer eben Musik zu hören. Heute meine volle Aufmerksamkeit für diese Fünf:


The McGarrigle Hour
Meine Sonntagsplatte. Seit über zehn Jahren. Ein Sommer in den USA ist schuld daran. Und mein dortiger Mitbewohner, der die Musik beim sonntäglichen Pancakebacken auflegte. "The McGarrigle Hour" ist im schönsten Sinn des Wortes ein Familienalbum. Die Schwestern Kate und Anna McGarrigle, kanadische Folkmusik-Größen, singen Traditionals, Songs von Cole Porter oder Irving Berlin und das Beste aus der eigenen Feder. Zusammen mit ihren Männern oder Ex-Männern, mit ihren Kindern, noch mehr Geschwistern oder Freunden. Wie Kate und Anna in "NaCl" die Liebesgeschichte chemischer Elemente erzählen. Oder Kates Sohn Rufus Wainwright über Herzschmerz nachdenkt: Now this song´s useful when you´re really drunk. Ich höre diese Platte immer noch am liebsten am Sonntagmorgen, mit Pancakes im Bauch. 


Hauschka
Hauschka nennt sich der Mann, der hier Klavier spielt. Und dabei mit dem Klavier spielt. Filz oder Alufolie reinklemmt, Pingpongbälle reinschüttet, drauf rumklopft, an den Saiten zupft. Es plöppt und klickt und raschelt und ploingt. Puckert rhythmisch wie elektronische Musik oder klimpert wie eine Spieluhr. Klingt gradlinig wie Kraftwerk oder verträumt wie die fabelhafte Welt der Amelie. Wunderbare Sehnsuchtsmusik. Am schönsten ist es, sich leibhaftig anzuschauen, wie Hauschka das macht. Auch schön ist, es sich von ihm erklären zu lassen (in diesem ausführlichen Interview). Doris Dörrie hat ihn nun auch für sich entdeckt. Vielleicht das Schönste an ihren neuen Film "Glück".





Phantom/Ghost
Noch ein Klavier. Und ein bisschen Elektronik. Und diese Stimme, die man kennt, weil sie mal davon sang, Teil einer Jugendbewegung sein zu wollen. Phantom/ Ghost klingen nach Musik zu Roadmovies, die noch gedreht werden müssen oder nach Musical. Und wenn Dirk von Lowtzows Stimme sich in ihrem eigentümlich hart klingenden Englisch immer tiefer und tiefer schraubt, wünsch ich mir, dass er sich als nächstes an einem Leonard-Cohen-Cover versucht. Right Said Fred geht aber natürlich auch. 





Those Dancing Days
Bei Those Dancing Days häng ich nicht nur still vor der Box, da zappel ich auch durch den Raum. Fünf schwedische Mädchen wecken mich aus dem Winterschlaf und in mir Bewegungsdrang. Reiselust und den krausen Gedanken, doch noch Schlagzeug zu lernen und eine Band zu gründen.


Portico Quartet
Wieder mal ist ein Foto Schuld, dass ich mir diese Band überhaupt anhöre. Ein Tourplakat, ansprechend fotografiert, an der Wand einer Bahnunterführung klebend. Dran vorbeigeradelt, aus den Augenwinkeln gesehen, Moment mal, gestoppt, zurück, noch mal drauf geschaut: Portico Quartet. Nie gehört. Konzerttermin schon vorbei. Zum Glück den Namen gemerkt, denn beim Suchen im Netz und Anhören macht es bei mir: Klick. Oder auch: Klöng. Denn da ist dieses seltsame Instrument neben der Besetzung aus Saxophon, Bass und Drums, das den Rahmen eines gängigen Jazzquartetts sprengt. Hang heißt es, eine Erfindung aus der Schweiz, wie ein metallenes Ufo aussehend und ein bisschen nach Steeldrum klingend. Die Musik, die die vier Jungs aus London damit fabrizieren, ist treibend und doch beruhigend, melancholisch, exotisch, sehnsüchtig. Der perfekte Soundtrack um dazu auf einer langen Zugfahrt aus dem Fenster zu schauen. Oder dabei am Meer zu stehen, bei windigem noch grauem Vorsaisonwetter. 





Und ihr? Zelebriert ihr das Musikhören oder tut ihrs nebenbei? Und welche Musik braucht auf jeden Fall eure volle Aufmerksamkeit?


Kirsten

KIRSTENS FÜNF

Gäbe es diesen Blog nicht, wäre ich Okka wohl nie begegnet. Wobei "begegnet" bisher nur im virtuellen Sinn zutrifft. Erst habe ich Slomo still gelesen, dann mich getraut, einen Kommentar zu schreiben. Über das Kommentieren entstand ein Mailwechsel. In Realität haben Okka und ich uns noch nicht getroffen. Wie groß also meine Freude, als sie mich fragte, ob ich für Slomo eine Kolumne schreiben mag. Ja! Ja! Ja! Ihr blindes Vertrauen ehrt mich wahnsinnig.

Ich bin Kirsten, 34, lebe in Köln und habe durch meinen Beruf als Dramaturgin und Producerin einer Fernsehserie das (für mich) schönste Privileg der Welt: Ich darf täglich in Geschichten abtauchen. Als Kind verschlang ich jede Woche stapelweise Bücher aus der Stadtbibliothek. Meiner Mutter war das so unheimlich, dass sie mich irgendwann mal abfragte, weil sie nicht glauben konnte, dass ich wirklich alles gelesen habe. Als Teen war der Videorekorder mein liebstes technisches Gerät. "Guckst du schon wieder einen sozialkritischen Film?" hat mein kleiner Bruder immer gefragt, wenn ich wieder das Wohnzimmer blockierte, um nachts aufgenommene Kleine Fernsehspiele oder Jim Jarmusch-Filme zu schauen. So ist eine Lebensliebe entstanden. Eine gute Geschichte entspannt mich, heitert mich auf, tröstet mich oder gibt mir eine neue Sichtweise auf ein rumgeschlepptes Problem. Sie kann geschrieben sein oder gesungen, gezeichnet oder gespielt, raffiniert gebaut oder nur angedeutet, super intellektuell oder schlicht unterhaltsam. Mal verliebe ich mich dabei in das Gesicht eines Schauspielers. Oder in seinen Gang. Oder in die Sprache eines Autors. In einen Songtext, ein Bühnenbild oder eine Comicfigur. Genauso aufregend finde ich es, diese Liebe zu teilen. Großes Glück, wenn jemand, dem ich ein Buch oder einen Film empfohlen habe, danach diesen einen Gesichtsausdruck hat, der sagt: Fand ich super.

Von den Dingen, in die ich im Kulturkosmos gerade am meisten verschossen bin, soll hier in regelmäßigen Abständen die Rede sein. Los geht´s mit fünf Frauen, die mich begeistern - neben Okka, ist ja klar:

SALLIE FORD +  THE SOUND OUTSIDE
Zuerst verguckte ich mich auf einem Foto in ihre Nerdmädchen-Brille. Ein Zeitungsbericht über ein französisches Musikfestival, auf dem Sallie mit ihrer Band auftrat. Dann habe ich sie mir angehört. Und mich gleich noch mehr verguckt. In Sallies Stimme. In die Lässigkeit, mit der sie und die Jungs rocken und swingen, jazzen und bluesen. In die Energie, mit der sie sich über den Niedergang des Radios beschwert, ihre Stadt Portland besingt oder die Komplikationen der Liebe. Ich wippe und swinge mit und freue mich drauf, was aus der noch wird, wenn sie mal groß ist. Momentan tourt sie bei uns durch die Lande.

CHARLOTTE GAINSBOURG
Die ist schon groß, in jeder Hinsicht. Nur ihre Stimme ist so klein wie bei all ihrer berühmten Verwandtschaft. Was nicht schlimm ist, weil sie Charlotte Gainsbourg ist. Die tolle Filme macht (auch wenn ich "Antichrist" nie schauen werde - zuviel Angst vorm Grusel), die so beneidenswert entspannt-gut gekleidet ist, die sich von coolen Musikern (Beck! Air! Jarvis Cocker!) Songs schreiben lässt. Dass sie sich vor zwei Jahren getraut hat, ihre Musik live zu spielen, fand ich mutig. Das Konzert werde ich nie vergessen. Wie diese sonst so kontrolliert wirkende Frau auf der Bühne aus sich herausgeht. Und dann gibt es diese eine Filmszene, die in meinem Kopf festhängt. Aus einem Film von Gainsbourgs Mann Yvan Attal (mit einem leider dämlichen deutschen Titel), der schön und mit spitzem Humor von drei Freunden erzählt, die mit sich, ihren Frauen und ihren Erwartungen an die Liebe hadern. Gainsbourg spielt eine der Ehefrauen. Sie wird von ihrem Mann betrogen und ahnt dies. Sie geht in einen Plattenladen und hört Musik. Radiohead. I´m a creep. I´m a weirdo. What the hell am I doing here? Der perfekte Soundtrack ihres Lebens. Ein Mann stellt sich neben sie und greift sich das zweite Paar Kopfhörer. Nicht irgendein Mann. Johnny Depp. Dieser Moment, der ist... hach.

MIA HANSEN-LØVE
Mia wer? Eben. Erfolgreiche Regisseurinnen haben immer noch Seltenheitswert. (Ist es wirklich erst zwei Jahre her, dass zum ersten Mal eine Frau den Regie-Oscar gewann? Unfassbar.) Seh ich einen guten Film, den auch noch eine Frau gemacht hat, freu ich mich doppelt. "Der Vater meiner Kinder" ist so ein Film. Mia Hansen-Løve porträtiert liebevoll den Filmproduzenten Gregoire. Sie erzählt davon, wie hart die Arbeit ist, kleine Filme zu machen. Wenn es nicht um Profit geht, sondern um reine Leidenschaft für die Kunst. Wenn das Familienleben mit der Frau und den Kindern zur Zerreißprobe wird durch die Arbeit. Auf halber Strecke nimmt die Geschichte eine wagemutige Wendung. Gregoire stirbt. Sylvia und die Töchter rücken ins Zentrum. Wie die Familie mit der Trauer umgeht und wie Sylvia versucht, die Firma zu retten, das ist so ehrlich und dabei mit einer solchen Leichtigkeit erzählt, dass es mich tief berührt hat.

DIE DÄNISCHE MINISTERPRÄSIDENTIN
Nein, nicht die echte. Brigitte Nyborg heißt meine und ist Heldin der dänischen Serie "Borgen". Eine leidenschaftliche Politikerin, der es nicht um Macht geht, sondern die politisch wirklich etwas bewegen will, integer und ehrlich. Als sie unerwartet Ministerpräsidentin wird, sieht sie sich mit Intrigen durch politische Konkurrenten konfrontiert. Oder auch nur mit dem Drama, nicht mehr in ihren Rock zu passen. Wahnsinnig sympathisch gespielt von Sidse Babett Knudsen (von der ich unbedingt mehr sehen will, wow!). Mein derzeitiges Seriensuchtmittel. (Die jeweils letzten beiden Folgen kann man bei Arte online gucken.)

MERYL STREEP
Gibt es überhaupt schlechte Filme mit Meryl Streep? Also richtig schlechte? Auf ihre Maggie Thatcher bin ich gespannt. In der Wartezeit bis dahin lande ich (wie so oft) bei Woody Allen und "Manhattan". Bei dem Streep echte Konkurrenz hat: Diane Keaton, Mariel Hemingway und SIE, die Stadt New York. Egal. Natürlich kann Streep mithalten. Gibt cool und wunderschön (diese Haare!) als lesbische Ex-Frau von Woodys Alter Ego die Rachegöttin. Und dieser herrlich blasiert-genervte Blick, den der arme Woody von ihr abbekommt, den sah man doch später irgendwo noch mal. Aber dann soll sie bitte singen. Nicht ABBA, sondern Country. "Last Radio Show" ist so gemütlich, die Musik so schön und selbst Lindsay Lohan akzeptier ich dort als Tochter von Meryl. Perfekter Rausschmeißer ins Wochenende (und am Freitag um 22.25 Uhr auf 3sat).

Welche Film- oder Musikfrauen findet ihr grad toll?
Kirsten
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