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IM LA LA LAND



Mädchen lernt Jungen kennen. Mädchen und Junge verlieben sich, lieben einander wie verrückt, dann kommen ihnen ihre Träume dazwischen. Der Junge ist Jazz-Pianist und will seinen eigenen Jazz-Club aufmachen. Das Mädchen ist Schauspielerin und will endlich richtig spielen dürfen, statt auch beim 103. Casting unterbrochen zu werden, weil eine andere hübscher ist oder der Mensch auf der anderen Seite des Tisches gerade Hunger auf ein Sandwich hat. Beide bekommen ihre Chance, was allerdings zu Verwicklungen und Fragen führt: Was ist wichtiger – die große Liebe oder sich selbst zu verwirklichen? Wieso soll eigentlich nicht beides gehen? Und wieviel Kompromisse vertragen die Liebe, ein Leben als Künstler und die eigene Vorstellung vom richtigen Leben? Nein, das ist trotzdem kein schwerer Film. La La Land tanzt. Verrückt, wenn einem zwischendurch auffällt, wovon er erzählt. Und wie nah einem die Fragen kommen, die er stellt, sobald man anfängt, über sie nachzudenken. So nah, dass man heult, noch während man lacht. Weil dieser Film mitten im Fröhlichsein unendlich traurig ist und seine Traurigkeit so unwiderstehlich schön. Weil er voll von Sonnenuntergängen und Stepptänzen und Leuchtsternen ist. Weil er einen summen lässt, noch am nächsten Morgen. Weil er die Liebe so liebt. Weil er es einem nicht schwer macht und sich selbst nicht leicht. Weil er glitzert. Weil er sich verhakt, irgendwo tief drinnen, an einem Ort, von dem man bis eben nicht mal wusste, dass es ihn gibt. 

ZEHN FILME, AUF DIE ICH MICH FREUE


Dieses Jahr will ich mir wieder mehr Filme ansehen. Zum Beispiel diese.

1) "Rico, Oskar und das Herzgebreche" von Wolfgang Groos mit Anton Petzold, Juri Winkler, Karoline Herfurth, Ronald Zehrfeld, Milan Peschel, Moritz Bleibtreu und Katharina Thalbach.
Zwei hinreißende Jungs und eine hinreißende Freundschaft. "Rico, Oskar und die Tieferschatten" ist einer meiner Lieblingskinderfilme. Jetzt startet der zweite Teil. (Hier ist ein Trailer vom ersten Teil, zum zweiten habe ich noch keinen gefunden). Start: 11. Juni



2) "Victoria" von Sebastian Schipper mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit und Max Mauff.
Ein Mädchen, vier Jungs, eine Nacht, eine einzige Einstellung. Und er ist von Sebastian Schipper ("Absolute Giganten"). Start: 11. Juni



3) "Gefühlt Mitte Zwanzig" von Noah Baumbach mit Ben Stiller, Naomi Watts, Amanda Seyfried und Adam Driver.
Noah Baumbach hat einen neuen Film gedreht. Nachdem mich "Frances Ha" so umgehauen hat, werde ich mir diesen Film auf jeden Fall ansehen. Start: 16. Juli.



4) "Taxi" von Jafar Panahi mit Jafar Panahi.
Ein Taxi in Teheran. Und darin eine ganze Welt. Start: 23. Juli



5) "Ricki and the Flash" von Jonathan Demme mit Meryl Streep, Lisa Joyce, Kevin Kline und Mamie Gummer.
Jonathan Demme mag ich meistens sehr. Und Meryl Streep als Rocksängerin klingt auch sehr gut. Start: 27. August

6) "Trainwreck" von Judd Apatow mit Amy Schumer, Bill Hader und Brie Larson.
Brachialer Humor, der gleichzeitig sehr abgründig und melancholisch ist. Bei Judd-Apatow-Filmen weiß ich hinterher selten, ob ich ihn wahnsinnig mag oder ob er mich total erschreckt. Meistens beides. Start: 27. August.



7) "The Joan Didion Documentary" von Griffin Dunne und Susanne Rostock.
Eine Dokumentation über die Schriftstellerin Joan Didion. Für 15 Dollar kann man sich den Film (voraussichtlich) im September herunterladen.



8) "Alles steht Kopf" von Pete Docter mit Amy Poehler, Bill Hader und Mindy Kaling.
Ein Pixar-Animationsfilm über die Gefühle eines kleines Mädchens. Start: 1. Oktober.



9) "James Bond 007 – Spectre" von Sam Mendes mit Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux, Monica Bellucci und Ralph Fiennes.
Christoph Waltz als Bond-Bösewicht. Start: 5. November.

10) "Iris" von Albert Maysles mit Iris Apfel.
Vor ein paar Tagen hier gelesen, dass es eine Dokumentation über Iris Apfel gibt. Wie toll.



Kommt gut ins Wochenende.

BOYHOOD




Zehn Tage ist es jetzt her, dass ich Boyhood gesehen habe. Und immer noch schieben sich Bilder aus dem Film in meinen Nichtfilmalltag, muss ich lächeln, weil wieder eine Erinnerung hochkommt, rumort ein gar nicht so böse gemeinter Satz in mir, als wäre er meinem Leben passiert. Ich bin im Kino nie ein wahnsinnig analytischer Mensch gewesen, aber so nahe wie Boyhood ist mir selten ein Film gegangen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er ein großartiger, warmherziger, virtuos geschriebener und gespielter Film ist – aber dass er sich so verhakt, liegt wahrscheinlich eher daran, dass er auch ein Nicht-Film ist, dass man, während man im Kinosessel sitzt und der Freundin ins Ohr flüstert, dass dieser Film bitte nie zu Ende gehen darf, auch dem Leben selbst zusieht.

Dem Älterwerden, Größerwerden, Erwachsenwerden, Anderswerden, noch Älterwerden, dem Wachsen an der Zeit, dem Verletztwerden durch die Zeit. Die Schauspieler, die das so toll spielen, werden im Verlauf der gut zweieinhalb Stunden, die Boyhood dauert, ja tatsächlich zwölf Jahre älter. Aus einem sechsjährigen Jungen wird ein 18-Jähriger, der von zu Hause auszieht. Aus seiner achtjährigen Schwester eine junge Frau. Aus einer jungen Mutter eine geschiedene Frau, der die Liebe zwar weh getan hat, die aber trotzdem entschieden weiterliebt. Aus einem jungen, sich gegen das Solidesein wehrenden Vater einer, der doch noch die Kurve kriegt. Dieses Älter- und Anderswerden ist es, was an Richard Linklaters Film nicht nur Film, sondern Leben ist. Was einem sofort alle möglichen Fragen in den Kopf und ins Herz treibt: Wie wird mein Kind sein, in zwölf Jahren? Wie werde ich sein, in zwölf Jahren? Wie kann die Zeit bloß so schnell vergehen? Wo ist die Pausetaste, wenn man sie braucht? Wie kriegt man es hin, sich nicht kleinkriegen zu lassen? Und wie schafft man es, den Moment öfter mal im Moment zu sehen, statt später, hinterher, beim Zurückschauen?

Was ich auch mochte: Wie ernst Linklater die Kindheit und Zeit als Teenager nimmt. Mit welcher Wärme und Genauigkeit er sie betrachtet. Die Verzweiflung darüber, dass die eigenen Eltern einen so wenig verstehen. Das Erstaunen, wenn die eigenen Eltern einen wirklich verstehen. Die Verbundenheit zu Geschwistern, die man manchmal zum Mond schießen könnte. Die Frustration darüber, jemand zu sein, für den Entscheidungen getroffen werden (selten die, die man selbst getroffen hätte). Die Grausamkeit, dem Leben der Eltern hinterher ziehen zu müssen, in eine neue Stadt, eine neue Schule, eine neue Nachbarschaft. Der Augenblick, in dem man weiß: Jetzt hat man sich verknallt, zum ersten Mal, so richtig. Der Augenblick, in dem man weiß: Das war es jetzt mit der ersten Liebe, für immer war nicht für ewig. Die Wut auf sich selbst und das verdammte Unvermögen, die Dinge so auszusprechen, wie man sie fühlt und denkt. Die Aufregung, wenn man etwas gefunden hat, das man wirklich gerne tut, wirklich liebt.

Am Ende dann dieser Moment, in dem man diesem Jungen und seiner Mutter zusieht und beiden so gut nachfühlen kann. Da ist der Junge, der erwachsen geworden ist und von zu Hause auszieht (ich erinnere mich noch so gut an den Tag, als ich mit meinem Bruder in eine WG zog, die Tür zur neuen Wohnung öffnete, unserer eigenen Wohnung, Tag eins einer neuen Zeitrechnung). Und die Mutter, die am Küchentisch sitzt und nicht weinen will, aber auch nicht nicht weinen kann, während sie ihrem Kind, das ein Erwachsener geworden ist, beim Packen zusieht, bis es sich umdreht und geht (ich möchte mir diesen Tag lieber nicht vorstellen).

Es ist vielleicht das Einzige, das ich an Boyhood schrecklich fand. Dass er dann doch zu Ende ging.

DAS FRANCES HA-GEFÜHL


Ich wusste schon nach fünf Minuten, dass ich in diesen Film gerne einziehen würde. Und dass der Abspann fast ein bisschen weh tun wird (wie ich es eigentlich nur von wirklich guten Büchern kenne, bei denen ich am Ende langsamer und langsamer lese, damit es bloß nie aufhört, schade, dass das bei Filmen nicht funktioniert). Ich mag diesen Film. Ich mag ihn so sehr. Ich mag diese Frau, die eigentlich nie genau weiß, wo es lang geht, die sich andauernd verläuft und verrennt, die sich die Ellenbogen aufschrammt und immer wieder das Herz. Ich mag ihre Traurigkeit. Und ihre Albernheit. Frances Ha ist wirklich, wirklich lustig. Wann habe ich in einem Film je so viel gelacht, still vor Glück gegrinst und nicht aufgehört, das Grinsen hatte es sich im Gesicht bequem gemacht (zwischendurch habe ich nach rechts geguckt, um zu sehen, ob meine Freundin H. auch so still und glücklich grinst, und ob sie an den gleichen Stellen grinst wie ich, keine Ahnung warum, aber gemeinsames Grinsen an den richtigen, nicht ganz offensichtlichen Stellen macht mich auch immer glücklich). Ich mag die Musik in diesem Film. Ich wünschte mir, ich hätte diesen Film mit 20 gesehen, dann hätte ich mich mit meinem So-Sein nicht so allein gefühlt, sagte H. hinterher. Ich mag, dass man nach diesem Film genau solche Dinge denkt. Ich mag jeden, aber auch wirklich jeden Schauspieler in diesem Film, Greta Gerwig und Mickey Sumner als ihre beste Freundin Sophie, die es nicht aushält, dass Frances beim gemeinsamen DVD-Gucken im Bett die Socken nicht auszieht. Und Adam Driver. Ich mag diesen Satz, den Frances kurz vorm Ende sagt: "Ich mag Dinge, die wie Fehler aussehen". Ich mag, dass man nach diesem Film wach im Bett liegt und nicht einschlafen kann, weil man das Glück über diesen Film noch nicht wegschlafen will. Ich mag es, Lieblingsfilme zu entdecken, ich mag es so sehr.





Hier hat Tobias Kniebe gut aufgeschrieben, worum es eigentlich geht. Hier ist ein langes Portrait über Greta Gerwig und Noah Baumbach im New Yorker. Und hier ist Greta Gerwig bei Letterman. Habt ein schönes, glückliches Wochenende!

Fotos: MFA+ Filmdistribution
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