Getestet: der Lieferservice vom Kochhaus Berlin



Das Kochhaus in Berlin gibt es schon seit vergangenem Herbst – ich bin irgendwie nie dazu gekommen, mal in Schöneberg vorbeizuschauen, obwohl ich die Idee großartig finde: Ein Geschäft, in dem man nach Rezept einkauft und alle Zutaten richtig portioniert bereit liegen. Ein begehbares Kochbuch, das einem umständliches Einkaufen erspart. Und die Rezepte klingen toll: Winterliche Maronensuppe mit Kaffeenote, gebratenem Boskop-Apfel und krossem Pancetta. Lammkoteletts mit gebackener Aubergine, Cocktailtomaten und Minz-Dip. Knusprige Entenbrust mit gebackenem Hokkaidokürbis und Ingwer-Orangen-Soße. Karamellisiertes Quark-Gratin mit Orangenfilets und Granatapfelkernen. Das wollte ich dringend mal ausprobieren. Also habe ich heute online bestellt, einen Lieferservice hat das Kochhaus nämlich auch. In meinem Einkaufskorb: Lamm für zwei Personen (17.80 Euro) und das Quark-Gratin (7,80 Euro). Lieferzeit: 18.30 – 19.30 Uhr, Lieferkosten: 8 Euro. Macht insgesamt 33,60 Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen, die Vorfreude (und Bequemlichkeit) sind es aber auf jeden Fall Wert.
Um halbacht habe ich schon ziemlichen Hunger. Das Kochhaus hat noch immer nicht geliefert. Um viertel vor acht werde ich muffig - so hatte ich mir den Abend nicht vorgestellt. Um zehn nach acht klingelt es endlich, 40 Minuten nach Liefertermin, wenn man mal großzügig von 19.30 Uhr ausgeht. Der Bote sagt, er wäre schon beim Kochhaus viel zu spät losgekommen und hätte darum gebeten, die Kunden telefonisch doch bitte vorzuwarnen. Warum hört bloß niemand auf ihn? So rufe nun ich beim Kochhaus an und frage, ob die angegebene Lieferzeit denn immer so großzügig ausgelegt würde. Die Frau vom Kochhaus ist sehr freundlich, entschuldigt sich und verspricht zur Entschädigung eine Überraschung. Eigentlich wollte ich jetzt bereits essen. Andererseits: Jeder hat mal einen schlechten Tag. Die Papiertüten sehen hübsch aus, die kleinen „Butter bei die Fische“-Aufkleber sind eine nette Spielerei, die Lebensmittel frisch. Ich mache mich mal wieder ein bisschen locker. Bis ich merke, dass die Hälfte der Zutaten für das Quark-Gratin fehlt.
Liebes Kochhaus, Eure Idee ist so bestechend: warum nur macht Ihr dann solche Anfängerfehler? Quark-Gratin-Zutaten für immerhin knapp acht Euro plus acht Euro Lieferkosten und dann fehlt, äh, der QUARK? Und der Zucker? Und das Mehl? Ich war so gewillt, ein echter Groupie von Euch zu werden, und dann liefert Ihr nicht nur zu spät, sondern auch noch unvollständig? Nee wirklich, so macht das keinen Spaß mit Euch.
Immerhin: Die Rezepte sind wirklich anständig. Ohne Probleme nachzukochen, einfach und verständlich erklärt und außerordentlich schön fotografiert auf den mitgelieferten Rezeptblättern. Die Aubergine ist goldbraun gebacken, die Lammkoteletts auf den Punkt, der Minzdip angenehm minzig, die Portionen ein wenig knapp bemessen, aber ingesamt: toll. Das werde ich gerne öfter kochen. Mit dem Quark, den ich zum Glück noch im Kühlschrank hatte, habe ich dann auch noch das karamellisierte Quark-Gratin mit Orangenfilets und Granatapfelkernen gemacht. Ein solides, nicht weiter aufregendes Dessert. Würde ich es noch einmal machen, würde ich deutlich weniger Zucker nehmen.
Fazit:
Das Kochhaus überzeugt mit einer wirklich guten Idee und famoser Optik. Das gelieferte Obst und Gemüse ist frisch und knackig, das Fleisch ist zart. Die Rezepte sind ohne Probleme nachzukochen und gut erklärt. Wenn man auf eine so einfache Idee setzt, sollte man allerdings auch wirklich liefern. Nicht nur pünktlich (40 Minuten über die Zeit ist nicht mehr tolerabel), sondern auch vollständig. Beides erwarte ich bei einem Preis von 33,60 Euro. Wirklich schade.
PS: Zur Wiedergutmachung hat das Kochhaus einen Gutschein geschickt. Wirklich nett. Danke dafür.
Fotos (1+2): Kochhaus

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