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EINE LIEBESLISTE MIT AUTORIN MIRIAM STEIN



Miriam Stein hat ein irrwitziges und irrwitzig gutes Buch über ihr eigenes Leben geschrieben. Und während ihr Text voran tanzt (sie schreibt schnell, umweglos, in lauter präzise gesetzten Schritten), auch über unser aller Leben im 21. Jahrhundert. Es geht um Angst. Zuerst um die für sie plötzlich einsetzenden Angstattacken ihrer Mutter, die bald zu einer Dauerangst werden, vor allem möglichen. Darum, wie das eine Kindheit, eine Jugend und ein Erwachsensein bedrängt, aus den alten Schienen hebt und in neue zwängt. Dann darum, wie sie zur Einzelgängerin, zum tough cookie wird. Darum, wie sie sich durchschlägt, abhaut, sich fängt, ankommt. Und darum, wie sie die Angst zu erforschen beginnt, merkt, dass sie überall rumort, auch hinter dem Lächeln all der Leute, die versichern, alles sei gut. „Das Fürchten verlernen – 7 Mutproben, die alles verändern” (Suhrkamp) ist vieles: beklemmend, verstörend, tief, lakonisch, nah an der Zeit, und immer wieder auch witzig, auf eine schwarze Art, eines aber ist es nie: selbstmitleidig. Ich finde, man sollte dieses Buch unbedingt lesen. Schon um diese tolle Frau kennenzulernen, die bei Harper´s Bazaar als Features Director arbeitet. Hier ist ihre Liebesliste.

1) Ein Buch, das dir viel bedeutet?
„Der bessere Teil der Welt” von Jennifer Egan. Das beste, schlaueste und mutigste Buch der letzten Jahre. Ein Kapitel besteht aus einer Powerpoint-Präsentation, die einen beim Lesen zum Heulen bringt – Powerpoint, nicht gerade ein gefühliges Programm. Ich lese immer wieder rein, wenn ich selbst keinen geraden Satz mehr schreiben kann. Mit Jennifer Egan im Ohr geht es immer sofort besser. 

2) Ein Film, der lange bei dir geblieben ist?
„The Royal Tenenbaums”, „Lost in Translation” und „Her”. Als „The Royal Tenenbaums” in die Kinos kam, wollte ich selbst noch Filmemacherin werden. Ich sah den Film und schrieb daraufhin ein Drehbuch. Es wurde nie verfilmt, aber es war das erste langformatige Stück, das ich fertig geschrieben habe. „Lost in Translation” hat mich abgeholt, obwohl ich erst Jahre später nach Tokio gereist bin, saß ich damals mit Charlotte (Scarlett Johansson) am Fenster und starrte voller Heimweh auf die Metropole im Dunkeln. „Her” – ein Mann verliebt sich in ein Betriebssystem, das wiederum nach dem Sinn der Existenz sucht – das klingt so verkopft und ist als Film lustig und rührend und absolut einzigartig. Mit High-Waist-Hosen von Opening Ceremony. 

3) Ein Song, der dir unendlich gute Laune macht?
„Disco 2000” von Pulp: „Let’s all meet up in the year 2000. Won´t it be strange when we are all fully grown.“

4) Was ist deinem Kleiderschrank ziehst du immer wieder an?
Ein gepunktetes Kleid von Zara. Ein sehr dankbares, pflegeleichtes Knock-Off aus der ersten Slimane-Saint-Laurent-Kollektion – mit Pussy Bow und so. War ein Frustkauf in der Mall am Potsdamer Platz in der Launch-Phase von Harper’s Bazaar. Man kann es in der Waschmaschine bei 40 Grad waschen. Und es dann sofort wieder anziehen, denn es passt immer. 

5) Und was würdest du niemals wegwerfen, obwohl du es schon lange nicht mehr anziehst?
Ein Cocktailkleid von Donna Karan, Jahrgang 1998. Damals habe ich als Fotoassistentin in der Werbung 250 Mark am Tag verdient. Durchschnittlich war ich 20 Tage im Monat durchgebucht, also: Do the math. Ich dachte, ich wäre reich und habe mir das Kleid im Apropros-Conceptstore in Köln für 2200 Mark geleistet und hatte selbst eben nicht durchgerechnet, dass so ein Kleid doch ziemlich weit über meinen finanziellen Möglichkeiten lag. Monatelang war ich pleite, heute passe ich nicht mehr so gut rein wie mit 21. Ich liebe es trotzdem. Es ist nude, aus zwei Lagen Seidenchiffon, Single-Shoulder. Ein Traum. Und ein Grund, Spanx zu kaufen… 

6) Wonach duftest du gerne?

7) Ein Lippenstift?

8) Ein Ort, der Zuhause ist?
Meine neue Wohnung im Lokdepot in Berlin und Porto Colom, Mallorca.

9) Und an welchen willst du unbedingt noch reisen?
Tahiti, weil Südsee...

10) Was gehört zu einem guten Abend?
Ein paar gute Freunde, Pinot Noir, idealerweise eine laue Sommernacht.



11) Und zu einem guten Morgen?
Kein Termin, keine Schule, kein Wecker.

12) Ein Gefühl, das du magst?
Geschafft!

13) Welcher Gegenstand war dir mit sechs wichtig? Mit 16? Und heute?
Mein Stoffschaf. Es ist so alt wie ich und gehört heute meinem Sohn. Das Album „Siamese Dream“ von Smashing Pumpkins. Mein iPad (sorry, unromantisch, aber verdammt praktisch!).

14) Welchen Wunsch wirst du dir nie abgewöhnen?
Dass am Ende alles gut wird. Es wurde immer. Es wird immer. Warum sollte sich das ändern? (Oder?!)

15) Worauf fühlt sich deine Haut am wohlsten?
Warme, schmeichelnde Sonne, die Haut von meinem Sohn und meinem Freund. 

16) Schönste Sünde?
Keinen Sport machen. Ich bin unsportlich, ich bin die schlechteste Yogaista in ganz Berlin. Es macht mir keinen Spaß, also lasse ich es, lese lieber und verzichte auf getonte Bauchmuskeln (man muss nicht jeden Trend mitmachen, oder?).

17) Eine gute Entdeckung der letzten Zeit?
Gut sind: Nachbarn mit Kindern im gleichen Alter, die alle netten Seiten von Super-Mitbewohnern haben und trotzdem ihren eigenen Kühlschrank, ihr eigenes Klo und ihr eigenes Mietkonto haben. So will ich leben: Gemeinsam, aber so separat, dass man sich nicht über Dinge streiten muss, die das süße WG-Leben einst so anstrengend gemacht haben. 

18) Beste Lehre, die dir zuteil wurde?
Richtig gute Freundschaften bleiben auch dann gut, wenn man sich nur zweimal im Jahr sieht, obwohl man in der gleichen Stadt wohnt. Freundinnen-Zeit bedeutet Quality- nicht Quantitytime. 

19) Ein schöner Mensch, den du nicht persönlich kennst?

20) Große Liebe? Klitzekleine, aber unverzichtbare Liebe?
Mann und Sohn.

Miriam Stein: „Das Fürchten verlernen – 7 Mutproben, die alles verändern”, 270 Seiten, Suhrkamp, 14,95 Euro. Ihre Homepage ist hier zu finden.
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EINE LIEBESLISTE MIT SARAH NEUENDORF
VON GRETAS SCHWESTER





Heute gibt es eine neue Liebesliste. Ausgefüllt hat sie die Illustratorin Sarah Neuendorf, deren Label Gretas Schwester ich hier ja schon einmal kurz vorgestellt habe. Beschwärmt werden sollte aber auch ihr Instagram-Account, den ich ganz besonders schön finde. Hier kommen ein paar Dinge, die der Berlinerin wichtig sind – und ein paar tolle Entdeckungen...

1) Ein Buch, das dir viel bedeutet?
„Der Schwarm” von Frank Schätzing. Dieses Buch habe ich schon achtmal gelesen und für meine Abschlussarbeit illustriert. Bevor ich mich dazu entschied, Illustratorin zu werden, wollte ich Meeresbiologie studieren, und da ist dieses Buch sozusagen die Bibel.

2) Ein Film, der lange bei dir geblieben ist?
„500 Days of Summer” kann ich mir immer wieder anschauen.

3) Ein Song, der dir unendlich gute Laune macht?
„Ophelia” von den Lumineers oder „Miracle Mile” von den Cold War Kids. Bei beiden Liedern muss ich einfach mitsingen und zwar ganz laut!

4) Was in deinem Kleiderschrank ziehst du immer wieder an?
Meinen dunkelgrünen Wollpullover.

5) Und was würdest du niemals wegwerfen, obwohl du es schon lange nicht mehr anziehst?
Eine orangene Kapuzenjacke, die mir meine Oma geschenkt hat.

6) Wonach duftest du gerne?
Nach „Vetiver & Black Tea” von Kiehl’s.

7) Ein Lippenstift?
Manchmal und wenn, dann knallrot!

8) Ein Ort, der Zuhause ist?
Da, wo meine Liebe und meine Platten- und Büchersammlung sich gerade aufhalten.

9) Und an welchen willst du unbedingt noch reisen?
Nach Kalifornien. Da war ich zwar schon einmal, könnte allerdings immer wieder hinfahren. Dort möchte ich in einem hellblauen Haus am Strand leben, das Treiben auf dem Wasser bewundern und Kokoswasser schlürfen.

10) Was gehört zu einem guten Abend?
Ein Konzertbesuch, ein Essen in einem spannenden Restaurant, ein Kinoabend oder einfach mal auf dem Sofa liegen und eine neue Serie bei Netflix schauen. Hauptsache, jemand den ich gerne habe, ist dabei.



11) Und zu einem guten Morgen?
So lange im Bett bleiben, wie man möchte, eine Tasse Tee ins selbige gebracht bekommen und anschließend einen riesigen Berg Pancakes zu frühstücken!

12) Ein Gefühl, das du magst?
Der Moment, wenn das Flugzeug aufsetzt und man weiß, man hat es wieder einmal überlebt ;)

13) Welcher Gegenstand war dir mit sechs wichtig? Mit 16? Und heute?
Mein Teddybär. Mein Handy. Mein Aquarellkasten.

14) Welchen Wunsch wirst du dir nie abgewöhnen?
Die Welt der Meere zu erforschen und mit Walen zu schwimmen.

15) Worauf fühlt sich deine Haut am wohlsten?
Auf frisch gewaschener Baumwoll- oder Leinenbettwäsche.

16) Schönste Sünde?
Schokoladenmeeresfrüchte-Pralinen, die billigen!

17) Eine gute Entdeckung der letzten Zeit?
Mit einer Freundin bin ich neulich im Bistro „Holy Flat” gelandet. Dort gab es unfassbar gute vegetarische Bowls, von denen wir beide heute noch träumen.

18) Beste Lehre, die dir zuteil wurde?
Wenn du etwas möchtest, musst du hart dafür arbeiten, und dann bekommst du es auch!

19) Ein schöner Mensch, den du nicht persönlich kennst?
Zooey Deschanel! Egal, was sie trägt, wie ihre Frisur ist, sie ist immer wunderhübsch.

20) Große Liebe? Klitzekleine, aber unverzichtbare Liebe?
Mein Freund, meine Freunde, meine Familie, mein Label, meine Kakteensammlung.



Fotos 1: Instagram @gretasschwester, (1) @ria.e.val, (3) @stewe4. Fotos 2 + 3: Instagram @gretasschwester.

EINE LIEBESLISTE MIT STEPHANIE VON STEPANINI



Wahrscheinlich kennt ihr das Weblog Stepanini längst, ich lese es schon lange und immer noch gerne, weil Stephanie es immer wieder schafft, mir kleine und große Gedankenrucks zu geben. Umso mehr freue ich mich, dass sie meine Liebesliste ausgefüllt hat und ich sie (aus der Ferne) noch ein bisschen besser kennenlernen durfte – denn getroffen haben wir uns bislang nie. Ich hoffe, das ändert sich einmal...

1) Ein Buch, das dir viel bedeutet?

„Montauk” von Max Frisch. „Stiller“ und „Mein Name sei Gantenbein“ von ihm mag ich auch sehr, aber wenn ich ein Buch wählen müsste, dann wäre es Montauk. Ich weiß nicht, wie oft ich es schon gelesen habe und viele Passagen kenne ich auswendig. So viel Lebenserfahrung und Altersweisheit, ohne dabei abgeklärt zu sein, stecken auf etwas mehr als hundert Seiten. Es ist nachdenklich, suchend, aber immer auch leicht. Wie er so scharf und genau beobachtet, sich und andere – das zu lesen, bedeutet mir sehr viel.



2) Ein Film, der lange bei dir geblieben ist?
Zwei. 

„Schmetterling und Taucherglocke“ von Julian Schnabel. Wenn man liest, worum es geht, dann mag man es nicht glauben, aber ich finde, es ist so: Es ist einer der lebensbejahendsten Filme, die ich kenne. Bildgewaltig. Er tut weh und ist gleichzeitig hoffnungsvoll. Französisch leicht. Der Regisseur Julian Schnabel hat mal gesagt, dass man die ganze Welt in der Ecke eines Zimmers finden kann oder in sich selbst. Und ein wenig eine Ahnung davon, was das bedeutet, erhält man in diesem Film.

Und dann noch: „In the Mood for Love“. Ich bin schwer verliebt in diesen Film, weil er wie kein anderer das sich verlieben einfängt, was eigentlich nicht geht. Er ist unendlich langsam. Alles läuft wie in Zeitlupe ab. Es ist eine Mischung aus wunderschönen Bildern voller Ästhetik, untermalt von einer ganz eigentümlichen Musik und so ganz nebenbei sieht man zu, wie es passiert, das man sonst nicht einfangen kann und aber jeder kennt: wie sich eine Spannung aufbaut, das umeinander herumschleichen, es sich nicht eingestehen wollen, nicht wissen, ob es dem anderen auch so geht. Er wurde wohl ohne Drehbuch gefilmt und es reihen sich Sequenzen aneinander. Ich liebe die Bilder und die Poesie. Es ist ein ganz ruhiger und ein sehr zärtlicher Film. Es gibt keine großen Dialoge. Es wird überhaupt sehr wenig gesprochen, nur manchmal fallen Sätze wie: „Es ist sowieso schon passiert. Es spielt keine Rolle, wer angefangen hat. Viele Dinge beginnen, ohne dass man es anfangs bemerkt.“ Mehr muss man wahrscheinlich auch nicht sagen. 



3) Ein Song, der dir unendlich gute Laune macht?
Wenn ich unendlich gute Laune habe, ist jedes Lied das überhaupt beste, das ich je gehört habe. Wenn dem nicht so ist, dann gibt es ein Lied, das alles wieder leichter erscheinen lässt: Es heißt „Try“ und ist von Sidsel Endresen und Bugge Wesseltoft. Das hilft immer. Und es hat das, was wenige Lieder haben: Die Melodie ist toll und der Text dazu auch gleich. Die Töne sind so smooth und leicht wie Sommersonntagnachmittage und der Text sagt alles: Einfach weiterversuchen. Egal, was ist und war. Just try, try, try. 


4) Was in deinem Kleiderschrank ziehst du immer wieder an?
Schlichte Kleider. Hemdblusenkleider im Sommer und Etuikleider im Winter. Ich habe sie in allen Farben. Kleider tragen ist ein ähnliches Freiheitsgefühl wie barfuß laufen. Ich mag mich darin. Sie sind schlicht und lassen Raum. Sie sind so unkompliziert. Ich mag keine Schnörkel und keinen Schmuck, vielleicht deshalb. Ich habe übrigens lange gebraucht, bis ich auch beruflich Kleider getragen habe. Ich arbeite in einer Männerbranche und anfangs habe ich mir immer mit Hosenanzügen einen Schutzanzug geschaffen. Irgendwann war das dann vorbei und wenn ich jetzt für wichtige Termine den Koffer packe und deshalb darauf achte, dass es etwas ist, von dem ich weiß, dass ich mich darin wohlfühlen werde, wird es immer ein Kleid sein.



5) Und was würdest du niemals wegwerfen, obwohl du es schon lange nicht mehr anziehst?
Ich glaube, das gibt es nicht. Es gibt ein paar Kleider im Schrank, bei denen ich die Hoffnung nicht aufgegeben habe, dass ich vielleicht mal irgendwann wieder reinpasse, weil ich sie vom Schnitt und Stoff her sehr schön finde. Und ein paar Kleider, bei denen ich erschrecke, wenn mir einfällt, wie lange ich die schon habe. Ich besitze ein weißes Leinenkleid und das echt schon seit Ewigkeiten, also bestimmt seit zehn Jahren. Dabei war es damals nur so ein Spontankauf.



6) Wonach duftest du gerne?
„Molecules 01” von Geza Schön. Unschlagbar. Eigentlich kein Parfüm, sondern wohl nur eine Duftnote. Ich war in Berlin in einem kleinen Laden und der Verkäufer meinte, das wäre genau das Richtige für mich. Ich war skeptisch am Anfang, aber ich werde oft darauf angesprochen und ich mag ihn sehr. Holzig, warm, ganz eigen.



7) Ein Lippenstift?
Fast immer. Fast immer Rot. Egal in welchen Nuancen. Rote Lippen und rote Finger- und Fußnägel machen mir immer gute Laune.

8) Ein Ort, der zu Hause ist?

Mein Zuhause in München. Ich bin oft unterwegs und unsere Wohnung in München ist ein einziges großes Angekommensein. Ich hatte schon viele Wohnungen, die sich immer mehr nach Durchgangsstation angefühlt haben. Die waren zwar auch schön und nett, aber irgendwie haftete ihnen immer auch etwas von Übergang an. Gerade ist das nicht so. Ich mag das Viertel, den kleinen Blumenladen, den türkischen Gemüsehändler, den kleinen Balkon, die Holzdielen, einfach alles.



9) Und an welchen willst du unbedingt noch reisen?

Tokio und überhaupt Japan. Ich finde das Japanische sehr faszinierend. Das Zurückgenommene, das Design von dort, die Ästhetik. Und ich verspreche mir davon, dass es wieder diese Art von Reisen ist, die einen völlig überrascht und zurückwirft, weil alles anders ist: Sprache, Schrift, Essen, Aussehen. Im nächsten Jahr ist es so weit. So der Plan.



10) Was gehört zu einem guten Abend?

Die richtigen Menschen und leckeres Essen. Guter Wein hilft auch. Wenn ein paar Kerzen brennen und im Hintergrund die richtige Musik läuft, dann kann es passieren, dass eine ganz wunderbare Magie entsteht und ich mich sehr satt fühle. Wohlig, gut, satt. Nicht nur wegen des Essens, sondern weil dann manches Mal eine ganz wunderschöne Atmosphäre entsteht, voller Gespräche und irgendwas sehr Verbindendes. Es gibt ein Lied und ja, das ist von Reinhard Mey, aber die Zeile lautet: „Gute Nacht, Freunde, Es wird Zeit für mich zu geh'n. Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Steh'n”. Wenn ich merke, dass ich das summen will, weil es gerade so passend wäre, dann weiß ich: Das ist gerade ein guter Abend. Ein sehr guter.



11) Und zu einem guten Morgen?

Dass er nicht abrupt startet, sondern mir Zeit lässt. Kein Weckerklingeln. Mich noch einmal umdrehen dürfen, weil das Bett schon ein sehr phänomenaler Ort ist und ich langsam vom Träumen ins Wache übergehen möchte. Zeit genug für ein Croissant und ein oder zwei Espressi haben. Gerne auf dem Balkon in der Sonne. Samstags schon gleich zum Frühstück ein Stück Käsekuchen. Überlegen und in aller Ruhe aufschreiben, was heute ansteht. Genug Zeit für mich zu haben, bevor andere etwas von mir wollen. Das ist ein guter Morgen. 



12) Ein Gefühl, das du magst?
Barfuss ohne Socken. Ich mag keine Winterschuhe und überhaupt zu geschlossenes Schuhwerk. Ich fühle mich da eingeengt. Aber sockenlos, leichtfüßig durch die Welt zu flanieren – das ist ein Gefühl, dass ich sehr mag.

13) Welcher Gegenstand war dir mit sechs wichtig? Mit 16? Und heute?
Mit sechs ein Stoffklumpen. Das war eine Art Kuscheltier, sah aber nicht so aus. Meine Mutter kann viele Sachen sehr gut, Nähen gehörte aber nicht dazu. Sie hatte mir da etwas genäht und das hatte ich für sehr lange Zeit immer bei mir, dem habe ich alles erzählt, was in meinem Kinderkopf so vor sich ging und mit dem fühlte ich mich stärker.


Mit 16 hatte ich einen Freundschaftsring. Das waren drei Ringe ineinander und den hatte ich mir mit zwei Schulfreundinnen in Paris gekauft. Ich habe in der Schule gefühlt ständig an diesem Ring gespielt, konnte mich dabei besser konzentrieren. Ich mochte ihn sehr als Symbol nicht alleine zu sein, auch wenn ich mich trotzdem manchmal so gefühlt habe.

Heute ist es ein kleines Buch, in das ich mir Sätze aufschreibe und Gedanken und manchmal zeichne oder Bilder sammle. Es beruhigt mich, weil ich darin abtauchen kann, wenn ich die Welt um mich herum mal kurz vergessen möchte, weil mich die Zitate beruhigen, irgendeinen neuen Gedanken entstehen lassen, mich an etwas erinnern.


14) Welchen Wunsch wirst du dir nie abgewöhnen?
An das Gute zu glauben. Freundlich zu sein zu sich und zu anderen. Ich bin eine hoffnungslose Romantikerin, Idealistin, Utopistin. Der Wunsch, dass es gut wird, gut gehen kann mit uns allen, egal was kommt, der ist, glaube ich, unerschütterlich.


15) Worauf fühlt sich deine Haut am wohlsten?
Wenn sie auf Sonne trifft. Wenn Sonne auf die Haut trifft, hat das einen ganz eigenen Geruch. Nach Meer, auch wenn das weit weg ist. Frisch bezogene weiche Bettdecken haben aber eine ähnliche Wirkung. Ein ganz wunderbares Gefühl. Eine heiße Badewanne nach einem langen Tag. Kaschmirpulloverweichheit.

16) Schönste Sünde?
Sünde als etwas Verbotenes? Da würde der Freigeist in mir gleich rebellieren, der wenn er hört, dass etwas verboten ist oder nicht geht, gleich in ein jetzt-aber-erst-recht verfällt. Sünden als Dinge, die ich mir gönne, obwohl sie nicht sein müssten und die schnell vergänglich sind: Schöne Blumen, Vanille-Eclaires, faule Herumhäng-Tage.


17) Eine gute Entdeckung der letzten Zeit?

Wenn ich etwas Neues entdecke, entwickle ich eine gewisse Obsessivität, die dann irgendwann schlagartig nachlässt. Gerade fasziniert mich sehr:

Eine Sendungsreihe, die ich im Schweizer Fernsehen entdeckt habe. „Sternstunde Philosophie” heißt sie. Gefunden habe ich sie, weil ich so traurig über den Tod von Roger Willemsen war und das Internet abgesucht habe nach Interviews mit ihm, die ich noch nicht kannte. Ich mag das Format, weil es sehr ruhig ist, vollkommen unaufgeregt. Es scheint mir so aus der Zeit gefallen, weil es überhaupt nicht spektakulär im Gespräch nach der ersten Schlagzeile, sondern nach einer wirklichen Begegnung sucht. Die Sendung mit Siri Hustvedt aus dieser Reihe ist auch eine tolle.


Bei Büchern habe ich Tomas Espedal gerade für mich entdeckt. Ich hatte: „Gehen: oder die Kunst, ein wildes und poetisches Leben zu führen” vor längerem gelesen. Alleine schon wegen des Titels. „Wider die Natur“ habe ich vor ein paar Wochen beeendet und mocht es sehr, weil es so intensiv und eindringlich war.

Matthew E. White habe ich entdeckt. „Will You Love Me” höre ich gerade gerne. Das ist so sanfte Begleitmusik, die swingt einen so schön durch den Tag.

Außerdem den „Radiance Glow Booster” von Clarins, weil ich damit so aussehe, als hätte ich gerade Urlaub gemacht. Und grüner Tee mit Mango. Sehr süchtig machend.

18) Beste Lehre, die dir zuteil wurde?
„Ich habe weniger Ängste, je mehr ich mich meinen Ängsten stelle“, hat Anaïs Nin in einem ihrer Tagebücher geschrieben. Früher bin ich oft davon gelaufen, das mache ich heute auch noch oft genug, aber nachdem ich ein paar Mal gemerkt habe, wie wahr dieser Satz ist, bin ich draufgängerischer geworden und wähle heute öfter den unbequemen Weg statt des schnellen Abgangs. 



19) Ein schöner Mensch, den du nicht persönlich kennst?
Angelika Taschen würde ich gerne treffen. Sie hat in einem Interview mal zwei Sätze gesagt, die ich mir in mein Notizbuch geschrieben habe: „Ich musste erst lernen, dass man nur so viel machen kann, wie man aushält. Anfangs wollte ich alles erleben.“ Wer solche Sätze sagt, ist ein schöner Mensch in meinen Augen und ich finde auf Bildern hat sie auch eine wahnsinnige Ausstrahlung. Auf jeden Fall bin ich neugierig und würde sie gerne kennenlernen.

Eva Illouz bitte gleich dazu. Die finde ich auch sehr schön. Ich mag ihre Bücher und habe sie mal live bei einem Vortrag gesehen. Sie saß da so ruhig und überlegt und hat ganz klar geantwortet auf verschachtelteste Fragen und sich nie aus der Ruhe bringen lassen, was mich schwer beeindruckt hat. Ein Abendessen mit ihr wäre toll.


20) Große Liebe? Klitzekleine, aber unverzichtbare Liebe?

Die große Liebe: Mann und Familie. 

Die klitzekleine, aber unverzichtbare Liebe ist eine für all die Kleinigkeiten. Vogelgezwitscher am Morgen, Pistazieneis, in Flip Flops durch die Straßen laufen, schlendern, schöne Papiersachen entdecken, neue Orte entdecken, durch den Park spazieren, in Bücher eintauchen, Klavier spielen und sich dabei selbst vergessen und die Zeit gleich obendrauf, Neues lernen, neue Rezepte probieren, andere bekochen, andere beschenken, den Geruch französischer Handcreme, fotografieren und zweihundertausend kleine Dinge mehr. Unverzichtbar.

Vielen herzlichen Dank, liebe Stephanie!

Die anderen Liebeslisten sind hier nachzulesen.
Kommt gut in diese Woche!

Alle Bilder: Von Stephanie

EINE LIEBESLISTE MIT DER REGISSEURIN BIRTHE TEMPLIN










Heute gibt es eine neue Liebesliste. Ausgefüllt hat sie Birthe Templin – Regisseurin, Autorin und Mutter von zwei Jungs. Wenn ich Birthe beschreiben sollte, fallen mir nur Wörter ein, die nicht im Duden stehen. Etwa dass sie eine Mitreißerin ist, weil man in ihrer Gegenwart sofort weniger verzagt ist. Oder: dass sie lebenswarm ist, eine, die keine Angst davor hat, dem Leben zu zeigen, dass sie es mag. Oder dass sie weltwach ist.

Das merkt man auch ihren Filmen an. „The Sunshine you give” zum Beispiel über den Sänger Bobby Hebb und seinen Song „Sunny”. Oder „Was bleibt”, ein Dokumentarfilm, der davon erzählt, wie die Familien von Opfern und Tätern sich mit dem Holocaust auseinandersetzen. Birthe ist auch nach Argentinien gereist, um dort Herrn F. zu treffen, einen Nazi und Offizier der Waffen-SS, der sich nach dem zweiten Weltkrieg abgesetzt hat und seither in Südamerika ein unbehelligtes Leben führt. „Offenes Geheimnis” befindet sich gerade in der Postproduktion.

Ein bisschen mehr Welt hat Birthe dieses Jahr auch auf einer Reise entdeckt: Von Ende März bis Ende August ist sie mit ihrem Mann, ihren beiden Söhnen und einem Bulli durch Europa gefahren – von Sizilien bis hoch nach Norwegen. Hier zeigt sie ein paar Bilder dieser Reise und erzählt von den Dingen, die ihr wichtig sind.

1) Ein Buch, das dir viel bedeutet?
Ein Notizbuch von meiner Oma, in das sie ihre Gedanken, Einkaufslisten und was auch immer eingetragen hat.

2) Ein Film, der lange bei dir geblieben ist?
„Cinema Paradiso” von Giuseppe Tornatore. So etwas Schönes. Wenn ich nur den Auftakt der Musik von Morricone höre, fange ich aus Prinzip schon an zu heulen. Der Film spielt in einem kleinen Fischerdorf auf Sizilien Mitte der 50er-Jahre und erzählt von dem Verhältnis des Kinobetreibers Alfredo zu dem kleinen Jungen Toto, der im Film erwachsen wird. Aber wie er davon erzählt. Es ist eine Ode an das Leben, mit all seinen Facetten. Und eine Zelebration des Kinos. Für mich einer der größten Filme überhaupt.

3) Ein Song, der dir unendlich gute Laune macht?
„First Day of my Life” von Bright Eyes.

4) Was in deinem Kleiderschrank ziehst du immer wieder an?
Eine Strickjacke von Wolfen. Eine schwarze Second Skin von Cheap Monday. Die Jeans sitzt wie ´ne Eins, die Farbe hält sich aber leider nicht so, wie ich es gerne hätte. Macht nichts, ich färbe sie einfach alle zwei Monate nach.

5) Und was würdest du niemals wegwerfen, obwohl du es schon lange nicht mehr anziehst? 
Meine geliebten Vintage-Stiefel. Ich trug sie durch meine gesamte erste Schwangerschaft und auch in dem Moment, als einen Monat vor Geburtstermin unverhofft die Fruchtblase platzte. Wir waren unterwegs zum Flohmarkt. Die Stiefel füllten sich, langsam aber sicher, und platschend stand ich zwei Stunden später an der Rezeption der Anthro-Klinik. Warum ich sie auf dem Weg nicht ausgezogen habe, ist mir immer noch ein Rätsel, die Krankenschwester jedenfalls tat so, als sei es das Normalste von der Welt. Heute liegen die seitdem getauften Fruchtwasser-Boots gut verpackt im Keller. Ich werde sie bestimmt nicht wieder anziehen, wegwerfen aber auch nicht.

6) Wonach duftest du gerne? 
Nach „Coco” von Chanel. Nach Shampoo von Aveda. Nach Nivea-Sonnencreme. An besonders grauen Tagen im Herbst oder im Winter creme ich mich manchmal extra damit ein.

7) Ein Lippenstift?
Ich trage sehr selten Lippenstift und wenn einen klassisch Roten von Chanel.

8) Ein Ort, der zu Hause ist?
Für mich ist der Begriff Zuhause eine komplexe Angelegenheit. Sind es doch Menschen, Erinnerungen und Bilder, die sich zusammensetzen, Gefühle von Geborgenheit, ein ‚Alles-ist-gut’-Moment, Gerüche und Geräusche, die für mich einen Ort zu einem Zuhause machen. Meistens fühle ich mich auf Reisen besonders zu Hause. Und dennoch: Ostfriesland. Buenos Aires. Berlin. In Ostfriesland ist es ein bestimmter Straßenabschnitt zwischen Leer und Emden, wo der Horizont noch ein Stückchen weiter wird und ich dann bei meinen Eltern parke und aussteige und die geliebte Nordseebrise mir um die Nase weht. Dann ist am besten noch eine klare Nacht mit 1000 Sternen inklusive aufkommenden Orkanböen. Wat moi. In Buenos Aires habe ich einen Teil meiner Kindheit verbracht und als ich nach vielen Jahren zurückkehrte, hat mich ganz entgegen meiner Erwartung der Geruch der Strassengrills, der Parillas, umgehauen. Und ich habe mich endlich wieder komplett gefühlt.

In Berlin lebe ich jetzt seit 13 Jahren. Es gibt ein Zuhause ohne und ein Zuhause mit Familie. Ohne ist der Berlin-Klassiker: am Sonntagmorgen mit Freunden auf dem Fahrrad durch die leeren Straßen eiernd, keiner sagt was, die ersten Sonnenstrahlen blenden und es herrscht eine betörende Ruhe. Hoffentlich erlebe ich das auch noch mit 60. Mit: Ich komme die Treppe hoch. Lehne meinen Kopf ganz leise gegen die Haustür. Lausche, was meine kleine Familie im Inneren der Wohnung so macht. Home. Sweet. Home.

9) Und an welchen willst du unbedingt noch reisen?
Überall hin. Mein momentaner Favorit: eine kleine Insel im Südpazifik namens Tonga. Vor dieser Insel ziehen sich für drei Monate im Jahr Wale zurück, um ihre Nachkommen zur Welt zu bringen. Man kann sie aus nächster Nähe beobachten. Und: Seit Jahren schon möchte ich zum Burning Man Festival.

10) Was gehört zu einem guten Abend?
Meine liebsten Menschen an einem großen Tisch, mit gutem Essen, viel Crémant und dem Gefühl von Zeit.

11) Und zu einem guten Morgen?
Aufzuwachen mit meinem Mann und den Kindern in einem Bett.
Aufzuwachen mit meinem Mann ohne Kinder im Hotelzimmer.
Beides sehr gut.

12) Ein Gefühl, das du magst?
Leidenschaft. Was wäre man ohne. Dabei muss es überhaupt nicht die große Leidenschaft sein, auch die kleinen Leidenschaftsgefühle zwischendurch bereichern das Leben ungemein.



13) Welcher Gegenstand war dir mit sechs wichtig? Mit 16? Und heute?
Mit 6: Mein Pixi, ein Reststück von einem Kissenbezug. Als ich mit sechs nach Argentinien gezogen bin, hat mein Pixi mir viel Halt gegeben. Es konnte übrigens auch sprechen.
Mit 16: Meine alte Nikon.
Heute: Seitdem meine Kinder da sind hat sich vieles verschoben – unter anderem auch die Bedeutung, die ich Gegenständen zumesse. Gibt es einen, der mir wirklich wichtig erscheint? Mir fällt gerade keiner ein. Die Gesundheit, als Gegenstand verpackt.

14) Welchen Wunsch wirst du dir nie abgewöhnen?
Im Süden direkt am Strand zu wohnen.

15) Worauf fühlt sich deine Haut am wohlsten?
Auf warmem Sandstrand.

16) Schönste Sünde?
Ach, die schönste Sünde wäre eine Zigarette zu rauchen. Kann ich aber leider nicht, denn dann rauche ich den Rest meines Lebens.

17) Eine gute Entdeckung der letzten Zeit?
Als ich in diesem Jahr nach unserer fünfmonatigen Elternzeit-Reise mit dem Bulli durch Europa nach Berlin zurückkehrte, hatte ich ganz schön den Blues. Ich fand mich im Buchladen wieder, stand aber eigentlich nur wie Falschgeld herum. Da fiel mein Blick auf „Rock the Shack”, ein Architekturbuch über besondere kleine Häuser. Baumhäuser, Cabins, Cottages, etc. Ein schöner Band für Herbsttage, von dem man sich inspirieren lassen kann, wenn man mal so ein Häuschen bauen möchte. Ist doch auch eine Idee.

Und eine Wieder-Entdeckung: dass auf die Intuition immer Verlass ist.

18) Beste Lehre, die dir zuteil wurde? 
Dass es eine Entscheidung ist, glücklich zu sein.

19) Ein schöner Mensch, den du nicht persönlich kennst?
Bei uns in der Straße wohnt ein alter Herr. Jeden Tag führt er seine blinde Frau zum Spazieren aus, und er erzählt ihr dabei, was er sieht.

20) Große Liebe? Klitzekleine, aber unverzichtbare Liebe?
Groß: Meine Kinder. Mein Mann. Meine Familie. Klein: Das Filmemachen. Das Fotografieren. Freihändig Fahrradfahren, neuerdings mit meinem Sohn.

Herzlichen Dank, liebe Birthe.
Birthes Website ist hier zu finden. Und die Seite von Ipanemafilm hier. 
Alle anderen Liebeslisten sind hier nachzulesen.
Ich wünsche euch eine gute Woche!

EINE LIEBESLISTE MIT DREHBUCHAUTORIN LUCY ASTNER


Manchmal trifft man im Internet auf Menschen, die einen irgendwie anstecken. Mit Freude, mit Ideen, mit einem Gedanken, mit ihrer Herzlichkeit. Drehbuchautorin Lucy Astner („Der Nanny”), die auf Instagram „littlemissgluecklich” heißt, ist genau so ein Mensch. Ich freu mich einfach immer, wenn ich ein neues Bild von ihr sehe. Deshalb habe ich Lucy gefragt, ob sie Lust hätte, diese Liebesliste auszufüllen. Hatte sie. Und ich freu mich schon wieder…

1) Ein Buch, das dir viel bedeutet?
„Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel García Márquez. Als ich das Buch mit 16 zum ersten Mal gelesen habe, gefiel mir nicht nur die Idee, dass Liebe Ewigkeiten überdauert, sondern auch die Erzählgewalt des Kolumbianers. In neuer deutscher Literatur vermisse ich bis heute leider sehr oft das Erzählen von Geschichten – so wie es in England, den USA oder Süd- und Lateinamerika Tradition hat.

2) Ein Film, der lange bei dir geblieben ist?
„Juno“ von Jason Reitman. Ellen Page als schwangerer Teenager auf der Suche nach Eltern für ihr ungeborenes Kind hat mich vollkommen umgehauen. Ein kleiner Mensch mit einer großen Klappe und einem noch größeren Herz: „Juno“ ist einer der Gründe, warum ich Drehbücher schreibe.

3) Ein Song, der dir unendlich gute Laune macht?
„Ich & Du“ von Philipp Poisels Album „Wo fängt dein Himmel an?“. Fühlt sich an wie Tanzen in Rapsfeldern und nachts heimlich ins Freibad einbrechen. Was ich natürlich niemals, NIEMALS (!) tun würde.

4) Was in deinem Kleiderschrank ziehst du immer wieder an?
Meine blau-weiß-gestreifte Jogginghose von Lollys Laundry. Ihr denkt jetzt wahrscheinlich: „Klar, die Dame arbeitet von zu Hause, die kann es sich leisten, den ganzen Tag im Schlabberlook vor dem RTL2-Reality-TV-Programm zu vegetieren!“ Aber weit gefehlt: In der Lollys-Laundry-Hose kann ich sogar meine Tochter zur Schule bringen, ohne befürchten zu müssen, dass sie in der Pause heimlich Essens-Rabatt-Marken zugesteckt bekommt. Und ganz nebenbei ist es die einzige Streifenhose, in der meine Oberschenkel nicht aussehen wie aufgedunsene Zebrakadaver…

5) Und was würdest du niemals wegwerfen, obwohl du es schon lange nicht mehr anziehst?
Ich bin nicht sehr zimperlich mit dem Ausmisten. Mein Brautkleid würde ich aber niemals weggeben. Ich war relativ jung, als wir geheiratet haben, und wir hatten nur sehr wenig Geld. Trotzdem habe ich mir mein Traumkleid schneidern lassen. Rückblickend war es gar nicht besonders teuer – und gerade deshalb erinnert es mich immer wieder daran, dass der emotionale Wert einer Sache nicht mit ihrem materiellen Wert zusammenhängt. Für mich ist und bleibt es das wertvollste Kleid der Welt!

6) Wonach duftest du gerne?
Coco Mademoiselle. My one and only.

7) Ein Lippenstift?
Die Marke ist mir (fast) egal, Hauptsache er trifft die natürliche Farbe meiner Lippen. Ich habe eine Narbe an der Unterlippe, die ich oft abdecke. Manchmal gönne ich es mir mittlerweile aber auch ganz bewusst, nicht „vollkommen“ zu sein. Jeder von uns hat irgendwo seine Unterlippe.



8) Ein Ort, der zu Hause ist?
Hamburg und Österreich. In Hamburg wurde ich geboren, hier bin ich aufgewachsen, habe geheiratet und meine Kinder bekommen. Hier habe ich mir ein Leben aufgebaut, das ich sehr mag. In Österreich lebt die Familie meines Vaters, hier haben wir damals all unsere Ferien verbracht. Sobald ich die Berge sehe, schalten mein Körper und Geist automatisch in einen Tiefenentspannungs-Modus – noch bevor ich OMM denken kann.

9) Und an welchen willst du unbedingt noch reisen?
Island. Auf meiner Bucket-List steht: „Eine Elfe fangen und in einem Marmeladenglas nach Hause schmuggeln“. Das dürft ihr jetzt aber natürlich nicht weitersagen, sonst krieg ich noch Stress mit der Zollbehörde...

10) Was gehört zu einem guten Abend?
Auf jeden Fall gutes Essen! Wenn es kein gutes Essen gibt, esse ich lieber gar nicht. Dann vielleicht noch eine abgearbeitete To-Do-Liste, die sagt, dass alles erledigt ist, ein laues Sommerlüftchen und ein paar liebe Menschen – solche mit denen man gut reden kann, aber auch ganz hervorragend schweigen.

11) Und zu einem guten Morgen?
Die ersten Sonnenstrahlen, die vorsichtig durch unser Schlafzimmerfenster brechen, das Rascheln der Bäume vor der offenen Balkontür und meine Tochter, die sich im Schlaf umdreht und ihren kleinen Kopf an meine Schulter legt. Und dann natürlich: gutes Essen!

12) Ein Gefühl, das du magst?
Nach Hause kommen – und zwar nicht nur logistisch, sondern auch geistig. Ich mag diesen Moment, wenn ich zur Ruhe komme und ganz überrascht feststelle: Ach schau, die Lucy ist ja auch noch da! Wie geht es mir eigentlich? Ist alles gut, so wie es ist? Und wenn nicht: Woran liegt das und wie kann ich es ändern? Diese Dates mit mir mag ich sehr.

13) Welcher Gegenstand war dir mit sechs wichtig? Mit 16? Und heute?
Sicherlich hatte ich als Kind ein Lieblingskuscheltier, ein Tagebuch, eine Musikkassette von einem Schwarm etc. Aber ich glaube, keiner dieser Gegenstände war und ist mir so wichtig, dass ich nicht auf sie hätte verzichten können. Was ich aber immer hatte, waren Träume – und die waren mir sehr, sehr wichtig. Teilweise hatte ich sogar kleine „Schreine“ für meine Träume. Heute bin ich davon überzeugt: Ein reicher Mensch ist der, der immer einen Traum hat.

14) Welchen Wunsch wirst du dir nie abgewöhnen?
Ich möchte unheimlich gerne mal zwei, drei Jahre mit meinen Kindern in Kalifornien leben – und zwar nicht wegen des Wetters, sondern wegen einer Einstellung, die in den USA weit verbreitet ist. Sie lautet: „Du schaffst das!“ Wenn ich sehe, wie die High School Kids in den USA ihre Teams anfeuern und mit welcher Leidenschaft und Begeisterung sie ihren Hobbys nachgehen – ob Frisbee, Cheerleading oder Schachclub, bin ich immer ganz fasziniert. In Deutschland wurden mir meine Wünsche, Wege und Ziele so oft schlechtgeredet, ich musste erst ganz viel Mut entwickeln, um mich gegen das „Das-kannst-du-nicht“ durchzusetzen. Für meine Kinder wünsche ich mir, dass sie schon viel früher lernen, an ihre Sache zu glauben und dafür zu kämpfen – egal, was die anderen Leute davon halten. Na gut, eine kleine Rolle spielt das gute Wetter in Kalifornien auch... Und für alle, die sich jetzt Sorgen machen: Mein Mann dürfte natürlich auch mit!


15) Worauf fühlt sich deine Haut am wohlsten?
Die Haut meiner Kinder beim Einschlafen. Wenn ich meine Mädchen abends noch ein bisschen kraule und merke, wie sie unter meinen Fingerspitzen in den Schlaf gleiten.

16) Schönste Sünde?
Drei Dinge kaufe ich ausnahmslos immer, wenn sich die Gelegenheit bietet: Nagellack, Schokokekse und Bücher. Nagellack: ziemlich lächerlich, weil ich doch immer nur den gleichen trage – und zwar ausschließlich auf den Zehennägeln! Schokokekse: leider alles andere als lächerlich, weil ich tatsächlich jeden einzelnen aufesse! Und Bücher: Kann man jemals genug Bücher haben?

17) Eine gute Entdeckung der letzten Zeit?
Dass mein Mann DOCH kochen kann!

18) Beste Lehre, die dir zuteil wurde?
Eindeutig: Dass es sich lohnt, sich selbst zu lieben. Ich war schon immer sehr kritisch mit mir, wollte immer alles noch besser machen – und war mir dennoch nie gut genug. Ganz oft haben die Leute die Augen verdreht, gesagt, ich solle mal ein Auge zudrücken, es locker sehen – oder schlimmer noch: Sie dachten, ich sei nur auf Komplimente aus. In Wahrheit wusste ich einfach nicht, wie ich mich selbst mehr mögen könnte. Vor einem Jahr dann sagte eine sehr kluge Frau zu mir: „Lieb dich so, wie du deine Kinder liebst!“ Und in diesem Moment hat es bei mir KLICK gemacht. Ich musste erstmal heulen, weil es so einfach war, aber ja: Seitdem schenke ich mir die Liebe, das Vertrauen und die Nachsicht, die ich auch meinen Töchtern entgegenbringe. Und das fühlt sich sehr, sehr warm an.

19) Ein schöner Mensch, den du nicht persönlich kennst?
In dieser Hinsicht bin ich leider sehr desillusioniert. Ich dachte schon so oft: Ach, das ist aber ein schöner Mensch! Und dann hab ich die meisten dieser Menschen tatsächlich persönlich kennengelernt und dachte: Ach, ist das aber eine riesengroße Illusion. (In einigen Fällen dachte ich sogar: Ach, ist das aber ein Vollarsch...)

Ich glaube tatsächlich, dass es „den schönen Menschen“ nicht gibt – aber es gibt Schönes in uns Menschen! Wenn ich, zum Beispiel, von einem Kind höre, das sein Taschengeld ausgibt, um einem Obdachlosen vor einem Restaurant eine Mahlzeit zu kaufen, dann rührt mich das so sehr, dass ich in Tränen ausbreche. Ich denke, Schönes entsteht, wann immer Menschen die Augen nicht verschließen und ein bisschen Mut aufbringen.

20) Große Liebe? Klitzekleine, aber unverzichtbare Liebe?
Die ganz, ganz große Liebe: meine Kinder und mein Mann! Ich denke immer, jetzt ist das Fass aber voll, jetzt passt da nicht noch mehr Liebe rein – und doch wird diese Liebe jeden Tag noch größer! Die klitzekleine Liebe: Nutella-Marmeladen-Crêpe. Für immer.

Vielen herzlichen Dank, liebe Lucy. (Hier ist übrigens ihre Website.)
Ich mache jetzt Urlaub. Vielleicht schreibe ich zwischendurch etwas, vielleicht auch nicht.
Bis dahin: Habt es schön!

EINE LIEBESLISTE MIT LUISA SILLER VON ONEFINEDAY


Heute beginnt hier eine neue Reihe mit Liebeslisten. Also: mit Dingen, die Frauen toll finden, die ich toll finde. Den Anfang macht meine Brieffreundin Luisa Siller aus Wien, weil sie eben genau das ist: eine tolle Frau. Außerdem: Mama von zwei Kindern, Journalistin und Betreiberin des Onlineshops Onefineday, in dem es Mode aus Bio-Baumwolle für Kinder bis sechs gibt. Zum Beispiel den Strampler mit Wimpern (1), den Chocolate-Sweater (2), das Sternchen-Shirt mit Anker (3), die Baby-Leggins mit roten Diamaten (4) oder die Leggins mit Federprint (5). Hier sind ein paar Dinge, Menschen und Orte, die Luisa liebt...

1) Ein Buch, das dir viel bedeutet?
„Die Tante Jolesch” von Friedrich Torberg.

2) Ein Film, der lange bei dir geblieben ist?
„The Way We Were” mit Barbra Streisand und Robert Redford. Mit 17 das erste Mal in New York gesehen. Sprachlich noch vieles nicht verstanden, von der Beziehung der beiden auch, trotzdem geweint wie ein Schlosshund. Seitdem begleiten mich Katie und Hubbell und ihre unmögliche Liebesgeschichte durchs Leben und meine Beziehungen. An einem verregneten Nachmittag in Pisa habe ich mir dann endlich die DVD gekauft.

3) Ein Song, der dir unendlich gute Laune macht?
„Shake it Off” von Taylor Swift. Ich nehme mir Dinge oft sehr zu Herzen. Das Lied erinnert mich, Sachen abzuschütteln. Und meine Tochter Polly tanzt unheimlich gerne dazu. Gute Laune hoch 10.

4) Was in deinem Kleiderschrank ziehst du immer wieder an?
Meine neue Jeans von KOI. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Jeans ohne Tränen gekauft zu haben. Seit Emma ist alles anders. Ein Glücksgriff bei Sukha in Amsterdam, angezogen und seither kaum mehr abgelegt.

5) Und was würdest du niemals wegwerfen, obwohl du es schon lange nicht mehr anziehst?
Das Hemdblusen-Kleid, das ich bei meinem ersten Date mit meinem Mann Michi anhatte und dabei von oben bis unten mit Schokoladeneis angepatzt habe.

6) Wonach duftest du gerne?
Seit der Schwangerschaft mit Emil eigentlich nach gar nichts mehr. Meine Nase ist dadurch so empfindlich geworden, dass ich Düfte an mir selbst als viel zu stark empfinde. Ich rieche aber gerne Sachen, ich liebe zum Beispiel den Geruch von Flieder und Hyazinthen oder meinem Shampoo von Less is More. An anderen mag ich vor allem Düfte aus kleinen Manufakturen, die nicht so alltäglich sind. In das Parfüm „Portrait of a Lady” von Frederic Malle würde ich am liebsten jedes Mal eintauchen, wenn es mir begegnet. Ein Duft, der mich trotz aller Vertrautheit immer wieder überrascht.

7) Ein Lippenstift?
Ruby Woo von MAC. The one and only.

8) Ein Ort, der zu Hause ist?
New York, Amsterdam, Barcelona. Drei Städte, in denen ich gelebt habe. Drei Städte, die mir geholfen haben zu mir und zu meiner Heimat Wien zu finden. Drei Städte, die immer Zuhause bleiben werden.

9) Und an welchen willst du unbedingt noch reisen?
Nach Buenos Aires. Und reitend die Anden überqueren.

10) Was gehört zu einem guten Abend?
Lachen und lange Gespräche. Mein Lieblings-Cocktail Pimm's, der sich schneller trinkt als ich vernünftig sein kann. Durch die Nacht nach Hause radeln und wissen, dass ich am nächsten Morgen ausschlafen kann.



11) Und zu einem guten Morgen?
Eine halbe Stunde vor den anderen wach sein, den Tag in Ruhe beginnen lassen. Und ein starker Kaffee.

12) Ein Gefühl, das du magst?
Aufbruchsstimmung. Egal, ob es um einen neuen Lebensabschnitt, ein Projekt oder eine Reise geht. Dieses elektrisierende Kribbeln ist immer wieder toll.

13) Welcher Gegenstand war dir mit sechs wichtig? Mit 16? Und heute?
Mit 6: ich hatte eine kleine Holzkiste, braun, mit einem kaputten Schloss. Drinnen klebte ein vergilbtes Foto von einem Berg, den mein Großvater mal bestiegen hat. In die hab ich alles gepackt, was mir wichtig war, meine Schätze. Und mit dieser hölzernen Schatzkiste bin ich dann verreist. Sogar transatlantisch. Meine Mutter war ziemlich verzweifelt und zieht mich heute noch damit auf. Ich versuche mich in die 6-jährige Luisa hineinzufühlen, wenn mich die Sammelwut von Emil wieder mal an meine Grenzen bringt.

Mit 16: definitiv das Festnetztelefon! Kaum war ich aus der Schule zu Hause, habe ich meine Freundinnen angerufen, von denen ich mich am Heimweg gerade erst getrennt hatte und der – gemeinsam verbrachte – Schultag wurde eingehend analysiert.

Heute: Mein Kalender. Immer: Moleskine. A5-Format, eine Woche pro Doppelseite. Wenn das Jahr vorbei und der Kalender voll ist, wandert er ins Regal zu seinen Vorgängern. Ich mag es, wie scheinbar gleichberechtigt die großen Dinge im Leben neben den alltäglichen Kleinigkeiten Platz finden. Hochzeitstage und Einkaufslisten. Trennungen und Telefonnummern. Geburtstage und Kinder, die nie geboren wurden. Oft stelle ich mir vor, wie ich als 70-Jährige vor meinem persönlichen Archiv sitze. Und lasse anhand all der Alltagsnotizen die Erinnerung an die kostbaren Jahre, die da gerade im Eilzugstempo an mir vorüberdüsen, wieder auferstehen.

14) Welchen Wunsch wirst du dir nie abgewöhnen?
Nochmal in einem fremden Land zu wohnen.

15) Worauf fühlt sich deine Hand am wohlsten?
Weichem Leder und festem Papier.

16) Schönste Sünde?
Magazine. Kaufen, lesen, aufheben. Stapelweise.

17) Eine gute Entdeckung der letzten Zeit?
Das göttliche Tan Tan Don von Mochi. Dort ist es immer so voll, dass man Wochen vorher reservieren muss, um einen Tisch zu bekommen. Seit einigen Monaten gibt es endlich eine Lösung – nämlich ein Take-Away namens o.m.k. Da hole ich mir an schlechten Tagen, aber auch guten und mittelguten – ach, eigentlich immer, wenn es gerade am Weg liegt – eine Portion Tan Tan Don. Soul Food hat noch nie besser geschmeckt.

18) Beste Lehre, die dir zuteil wurde?
„The Sunscreen Song” von Baz Luhrmann, der auf einer Kolumne von Mary Schmich basiert. Das erste Mal habe ich ihn als Teenager im Auto einer Freundin gehört. Ich fand Erwachsenwerden nicht immer leicht. Das Lied hat mir ein paar Maximen mitgegeben, an die ich mich bis heute halte.

19) Ein schöner Mensch, den du nicht persönlich kennst? 
Von innen und von außen: Grace Coddington. Weil sie sich trotz Jahrzehnten in der hektischen, hysterischen Modewelt ihre Ruhe und ihr Bauchgefühl, aber auch ihre Neugier bewahrt hat. Weil sie über den Dingen steht und trotzdem mittendrin ist. Weil sie ihre Augen immer offen hat und leidenschaftlich träumt.

20) Große Liebe? Klitzekleine, aber unverzichtbare Liebe?
Die große: Der Mann, die Kinder, die Familie. Und meine aber-hallo-knallo-tollen Freundinnen.
Die kleine: kalter Kaffee. Mit kalter Milch.



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