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EIN KOCHBUCH, EIN REZEPT: OFENKARTOFFEL-KÖPFE



Vor drei Wochen war ich kurz im Kochhaus. Ich war auf dem Heimweg und hatte es eilig, eigentlich wollte ich bloß ein Brot mitnehmen, dann blieb ich in der Kinderecke stehen und nahm das Kinderkochbuch in die Hand, das dort auf einem Stapel lag. Und blätterte und blätterte und las mich fest und vergaß am Ende total die Zeit und das Brot und nahm bloß dieses Kochbuch mit. Eingewickelt in hübsches weißes Papier. Und ein bisschen unsicher, ob das für Fanny denn überhaupt schon etwas ist.

Tatsächlich hat sie "Kinder kocht" seit diesem Tag nicht mehr aus der Hand gelegt. Sie hat es mit in die Kita genommen, wir haben es in dieser endlos langen Grippewoche rauf und runtergelesen, vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen (naja, lesen: wir schauen uns die Bilder und Zeichnungen an – immer zuerst ihre Lieblingsseiten mit dem selbstgemachten Eis und den Hefe-Schneemännern mit Mini-Pudelmütze). Ich finde, das sagt viel über dieses Kochbuch: Dass es ein Kochbuch ist, in das sich ein kleines Mädchen genauso verliebt wie ihre Mama. Weil es dank der wirklich hinreißenden Fotos auch ein schönes Bilder- und Rumblätterbuch ist. Weil es lustig ist und sensationell schön illustriert (unter anderem mit zwei Figuren namens "Herr von Schlau" und "Oma Kluge", die immer wieder gute Tipps geben). Weil es ein Kochbuch ist, mit dem man mitwachsen kann, vom allerersten Mithelfen bis zu Rezepten, die auch Teenagern gefallen dürften (wie zum Beispiel die "Glückskekse" oder die "Muffin-Uhr"). Weil es so reich an Einfällen ist, dass ich den Macherinnen dieses Buches immer nur applaudieren möchte (kranke Teddybären, die im Krankenessen-Kapitel einen frischgepressten Saft und Verband bekommen; leere Seiten, auf denen man Gemüse malen oder Blüten trocknen kann – und eine Seite, auf der man Kastanienfiguren Namen geben kann; ach, und die Seite mit den Kresse-Eierköpfen, Fannys allerliebste Lieblingsseite). Weil es sehr schön aufgebaut ist: nach Jahreszeiten, die ergänzt werden durch Extra-Kapitel – durch ein Kapitel über "Junges Gemüse" und über Eier im Frühling, um ein Beeren-, ein Freibad- und ein "Rund um die Welt"-Kapitel im Sommer, um ein Survival- und ein Apfel-Kapitel im Herbst und um Kartoffel-, "Mir geht´s nicht gut"- und Silvester-Rezepte im Winter. Und weil es vor allem eines tut: Kindern (und Erwachsenen) zu zeigen, was für ein riesiges Vergnügen Kochen und Essen ist.


Dieses Rezept ist wirklich simpel: Ofenkartoffel-Gesichter mit Quark. Ein großer Spaß. Und ein angenehm unaufwendiges Unter-der-Woche-Essen:

GEBACKENE OFENKARTOFFELN MIT KRÄUTERQUARK (leicht abgewandelt)

ZUTATEN
4 große Kartoffeln (je 250g)
1 rote Paprika
1 Dose Mais
4 Pfefferkörner für die Nasen
Salz

FÜR DEN QUARK
1/2 Bund Petersilie (oder Schnittlauch oder Dill - oder was auch immer alle mögen)
200 g Speisequark
2 EL Zitronensaft
4 EL Milch
Salz, Pfeffer
Alufolie

Den Backofen auf 200°C Ober/ Unterhitze vorheizen.
Die Kartoffeln mit kaltem Wasser waschen.
Eine Seite der Kartoffeln für die Gesichtsfläche freischneiden. (Man könnte die Kartoffeln natürlich auch einfach halbieren, dann bleibt nichts übrig... man müsste nur die Backzeit entsprechend anpassen).
Die Kartoffeln einzeln in Alufolie wickeln, salzen und auf ein Backblech legen.
Im Ofen für ca. 1 Stunde backen.

In der Zwischenzeit wird der Quark gemacht:
Die Petersilie (oder ein anderes frisches Kraut) waschen, trocknen und fein hacken.
Mit dem Quark, dem Zitronensaft, der Milch, Salz und Pfeffer in einer Schüssel verrühren.

Kurz bevor die Kartoffeln fertig sind, die Paprika halbieren, entkernen und Münder und Augenbrauen schneiden.
Wenn die Kartoffeln fertig sind, mit dem abgetropften Mais und der Paprika Gesichter legen. Ich habe als Nase jeweils ein Pfefferkorn genommen, aber da kann man natürlich verwenden, was immer gerade da ist und gefällt. Den Rest der Paprika und den Mais gibt es dann zur Kartoffel.

(Im Originalrezept werden die Gesichter schon vorm Backen gelegt – bei mir sahen sie nach dem Backen ein wenig schrumpelig aus – deshalb lege ich die Gesichter lieber nach dem Backen, wenn die Kartoffel soweit abgekühlt ist, dass man sie gut anfassen kann).

Andere Rezepte, die ich gerne noch probieren möchte: "Rote Grütze mit Vanillesauce", "Kirschenmichel", "Frühlingsrollen", "Ruckzuck-Apfelkuchen", "Rhabarber-Himbeer-Limonade" und die "Eier in Senfsauce mit Pellkartoffeln".
Rezepte, die Fanny machen möchte: "Kleine Erdbeer-Pawlowas", alle Eisrezepte, vor allem das Erdbeer-Eis,  die "Beeren-Pfannkuchentorte" (wie bei Pettersson) und die "Apfel-Pfannküchlein".

"Kinder kocht" von Julia HoerschNelly MagerClaudia Seifert und Gesa Sander, AT Verlag, 288 Seiten, 24,90 Euro. 

LIEBLINGE DES JAHRES, PART 4: KINDERBÜCHER



Fannys Lieblingsbücher, alte und neue:

* "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat" von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch (Illustrationen). Wer hat dem Maulwurf auf den Kopf gemacht? Was für ein Spaß. Immer und immer und immer wieder.

* "Animal Opposites" von Petr Horacek. Ein hinreißendes Pop-Up-Buch über kleine und große, leise und laute, dicke und dünne, faule und hüpfende, schwere und federleichte, glatte und stachelige, langsame und schnelle, schwache und starke, weiße und bunte, winzige und riesige Tiere. Hier anzusehen.

* "Im Pyjama nach New York" von Michael Leblond. Ein Geburtstagsgeschenk für Fanny nach unserer New York-Reise, aber ich glaube, dieses Buch gefällt auch jedem Kind, das noch nicht dort war. Vorne im Buch ist nämlich eine Folie, die man nur langsam über das Buch ziehen muss, damit die große Stadt zum Leben erwacht.

* "Pop-Up Ozean" von Anouk Boisrobert und Louis Rigaud. Auch ein Geschenk und was für ein tolles: der Ozean zum Aufklappen. Die Oceano geht auf Forschungsreise, sie fährt an Walen vorbei zum Nordpol und durch einen Sturm schließlich zu einem Atoll voller Korallen. Fannys Lieblingsseite: Die mit den riesigen Walen (Mamawal und Babywal). Meine Lieblingsseite: Das Atoll mit den Korallenästen. Wunderschön (und lehrreich).

* "Wer versteckt sich?" von Satoru Onishi. Eines dieser Bücher, von denen Fanny nie genug bekommen kann, obwohl wir es schon ewig haben. Das Prinzip ist immer gleich und immer gleich aufregend: Auf jeder Seite ist eine Reihe von Tieren zu sehen, ein Hund, ein Tiger, ein Nilpferd, ein Zebra - aber auf jeder Seite verändert sich etwas. Ein Tier weint. Ein Tier schläft ein. Ein Tier dreht sich um. Aber welches?

* "Zoo-logie" von Joelle Jolivet. Dieses Buch ist riesig (nicht bloß, weil es 45 Zentimeter groß ist). Es zeigt 300 Tiere, geordnet nach Kategorien wie zum Beispiel "Heiß" und "Kalt", "Gefiedert" und "Gehörnt", "Im Meer" oder "In den Bäumen". Auf den Seiten versteckt sich außerdem ein Chamäleon, das man suchen kann. Ein Buch, das Fanny so staunen lässt wie mich (wieviele Tiere ich nicht kannte... der Kuba-Schlitzrüssler! Der Schlanklori! Oder das Mausmaki!).

* "Die Geschichte vom kleinen Loch" von Isabel Pin. Das Loch im Buch wird immer kleiner. Erst ist es der Krater eines Vulkans. Ein Loch im Eis. Und in einer Wiese. Das Loch auf einem Blatt Papier und der Abfluss in der Dusche. Ein Loch im Käse, im Türschloss, im Apfel, in der Hose, und schließlich, ganz am Ende, das kleine Loch im Bauch - der Bauchnabel. Ich mag Isabel Pin und dieses Buch unheimlich gerne.

* "Ich knack die Nuss" von Paolo Friz. Der kleine Gorilla will seine Kokosnuss knacken. Ganz alleine. Die anderen Tiere wollen ihm helfen, aber der Gorilla will es alleine schaffen, ohne Hilfe, ohne die Großen. Ganz alleine. Klar, worum es geht. Klar, was Fannys Lieblingssatz ist: "Nein, ich schaff das allein!"

* "Das Super Buch" von Dallas Clayton. Ich finde, das Super Buch ist wirklich ein super Buch, weil es zeigt, wie schön es ist, zu träumen. Groß und wild und bunt. Von Einhörnern mit Raketenantrieb, von einer Bonbonfabrik, von Zauberschiffen aus Wassermelonen oder rockenden Pavianen. Der Autor und Illustrator Dallas Clayton hatte dieses Buch eigentlich für seinen Sohn geschrieben, ("... weil ich ihn wissen lassen wollte, dass er niemals aufhören darf zu träumen") - dann wurde das Buch in den USA überraschend ein Erfolg. Nun ist es bei Diogenes erschienen und ich freue mich sehr darüber, weil es anders ist als alle Kinderbücher, die ich kenne, lauter, abenteuerlicher, verrückter, chaotischer - aber auch sehr zart und weise. Ein Buch, in dem man unzählige Details entdecken kann und sehr schlaue Sätze.

Falls ihr Lust habt, eure (alten oder neuen) Lieblingskinderbücher in die Kommentare zu schreiben... ich freue mich wirklich sehr über Empfehlungen!

UND WIE MACHST DU DAS, JULIA?



Name: Julia
Alter: 35
Mutter von: David, 16 Monate
Stadt: Berlin
Beruf: Kulturmanagerin und Geschäftsführerin von premiertone

Wie ist bei dir die Kinderbetreuung organisiert? Bist du zufrieden damit?
David teilt sich seit Januar mit einem gleichaltrigen Jungen eine Tagesmutter, die zu der anderen Familie nach Hause kommt, Montag bis Donnerstag von 8.30 Uhr bis 15 Uhr. Das klappt wunderbar, er ist da immer sehr happy und freut sich, wenn wir schon an der Tür stehen. Die Tagesmutter ist ein paar Jahre jünger als ich, und wir verstehen uns wirklich gut und schnacken auch gerne mal, was ich als sehr angenehm empfinde. Genauso ist es auch mit der anderen Mutter. Diese Betreuungssituation ist natürlich recht luxuriös mit nur einem weiteren Kind, aber ich hatte ein sehr gutes Gefühl dabei, von Anfang an. Daher haben wir uns dafür entschieden und sind sehr froh, dass wir uns das so leisten können. Bis nächstes Frühjahr wird das hoffentlich so bleiben, danach ist eine normale Kita angedacht. Nur suchen wir noch eine größere Wohnung, daher weiß ich noch nicht, wo...

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?
Als Selbstständige kann man theoretisch von überall und immer arbeiten, mit Baby funktioniert das aber leider nicht ohne Betreuung. Das habe ich mir leichtsinnig etwas einfacher vorgestellt. Als David noch kleiner war, habe ich immer mal wieder eine halbe Stunde, Stunde Arbeit dazwischen oder auf den Abend geschoben. Mittlerweile hat sich das normalisiert, was ich sehr angenehm finde, denn ich arbeite lieber mehrere Stunden konzentriert am Stück, als wenn ich immer schon weiß, dass ich nur eine Stunde habe. Mehr arbeiten könnte man ja immer, daher ist es natürlich trotz Betreuung immer wieder so, dass ich auch abends mal am Laptop sitze. In den letzten Monaten habe ich "nebenher" auch unsere Hochzeit organisiert, die Ende Juni war, daher war es etwas viel. Aber jetzt kehrt wieder normaler Alltag ein.

Wie sieht ein ganz normaler Wochentag bei dir aus?
Im Moment stehen wir zwischen 7-8 Uhr auf und machen uns nach dem Frühstück auf den Weg zur Tagesmutter. Je nach Tagesplan bringt einer von uns ihn hin - je nachdem, ob ich Anrufe machen muss, Termine habe oder mein Mann mit seinem Quartett probt, er ist Musiker. Manchmal arbeite ich in einem Café dort in der Nähe oder aber auch von zu Hause. Das ist aber nicht immer gut, weil man dann gerne noch tausend andere Dinge erledigen will... (andererseits aber toll, weil wir dann auch mal in Ruhe zu zweit Mittagessen können!). Am Nachmittag ist David etwas platt, der Rest des Tages geht recht schnell vorbei mit Spielen, Spaziergängen, Spielplatz, Abendessen, Baden. Er schläft meist zwischen 7 und 8 Uhr, spätestens um halbneun ein. Danach essen wir meist in Ruhe zusammen, reden oder sitzen auf dem Sofa, mit Laptop, entweder noch arbeitend oder irgendwann auch Serien guckend. Oder einer von uns trifft Freunde oder geht ins Konzert. Bisher haben wir unsere Tagesmutter zwei Mal auch am Abend engagiert, jetzt haben wir vor, das regelmäßig zu machen, damit wir auch zu zweit ausgehen können.

Wieviel Zeit hast du für dich - jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?
Seit David betreut wird, ist es viel besser geworden. Alleine das Wissen, ein paar Stunden am Tag für mich zu haben und davon auch mal eine Stunde für Sport nutzen zu können, ist toll. Klar wünsche ich mir, noch mehr Zeit am Stück für mich haben zu können, mal ein paar Tage wegzufahren (was mit einer Freundin auch schon angedacht ist). Ich war Ende Mai fast drei Tage beruflich in Wien, das allererste Mal alleine, die ersten Nächte ohne mein Kind. Es war grandios, alleine im Hotelzimmer zu sein. Natürlich habe ich die beiden Jungs vermisst, trotzdem war es toll. Das mit dem Ausschlafen hat allerdings nicht funktioniert, ich war schon um halb sieben wach. Arrgh! Manchmal vermisse ich David aber schon, wenn er abends bloß schläft, sein Lachen, sein Gebrabbel. Verrückt.

Hast du dir das Muttersein so vorgestellt, wie es ist? Was hast du dir anders vorgestellt?
Ich habe mir kaum vorgestellt, wie es ist. Ich habe es mir sehr gewünscht, Mutter zu sein, aber nicht sehr viele Gedanken darüber gemacht. Es fühlt sich auf eine wunderbare Weise total natürlich und normal an. Was ich nie bedacht hatte, aber doch immer wieder auffällt: Wie viele Leute meinen, ihren Senf zur Kindererziehung beitragen zu müssen, Verwandte, Bekannte, wie viele Meinungen es zum Stillen oder Nichtstillen, zum Schlafen im eigenen Bett oder nicht gibt...

Was empfindest du als besonders anstrengend?
Die Nächte mit Unterbrechungen. Das Stillen empfand ich körperlich als wirklich anstrengend, besonders in den ersten zwei, drei Monaten. Wenn das Kind krank ist und man selber auch krank wird. Alle Eltern kennen Schlafmangel, jammern darüber, das wusste man auch schon vor dem Kind, doch wenn man es am eigenen Leib erfährt, ist es nochmal eine andere Nummer. Ich habe auch den Eindruck, zwischen dem sechsten und zwölften Monat ist es schlimmer, man wird so dauermüde, in den ersten Monaten ist man noch so hormongesteuert und alles neu und aufregend, da stört das weniger. Mittlerweile schläft David echt super und wird meist nur einmal ganz kurz wach.

Was macht dich besonders glücklich?
Dass dieser kleine Junge so gesund, so entspannt, so munter, so lustig, so neugierig, so stark und einfach wunderschön ist. Dass wir so unverschämt glücklich zusammen sind, dass alles so richtig und gut ist zu dritt (und hoffentlich irgendwann zu viert...).

Welches Verhältnis hast du zum Vater deines Kindes? Wie hat das Kind dieses Verhältnis verändert?
Wir sind ein sehr gutes Team und verstehen uns ohne viele Worte. Das war von Anfang an so. Daran hat unser Kind nichts geändert. Wir haben die Zweisamkeit immer sehr genossen und jetzt ist es fast noch schöner, dieses süße Kind zu haben - ich würde sagen, das verbindet uns noch mehr. Ich war mir irgendwie sehr sicher, dass wir gute Eltern zusammen werden, wir sind beide ziemlich ruhige, entspannte Typen, das spürt man auch bei David, er ist ein fröhliches Kind, er hat nie viel geweint. Natürlich muss man viel Verständnis füreinander haben, mein Mann ist immer mal wieder viel unterwegs, aber so konnten wir auch schon viel gemeinsam reisen. Seit David drei Monate alt war, waren wir auf einer Kreuzfahrt in der Ostsee durch sechs Länder, in der Schweiz, in verschiedenen deutschen Städten, in Ungarn und Armenien, er ist bis heute 15 Mal geflogen. Logistisch ist das natürlich ein gewaltiger Aufwand, aber es war großartig, und David hat es fast ausnahmslos sehr gut mitgemacht. Solange ich nur gestillt habe, war das sehr easy. Die Unterstützung meines Mannes in praktischen, alltäglichen Dingen ist auch ziemlich bilderbuchmäßig, ich glaube, ich habe ein Riesenglück, so einen Mann erwischt zu haben.

Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft, die Politik, Menschen mit Kindern ausreichend unterstützt? Was müsste deiner Meinung nach besser werden?
Tja, Stichwort: Kitas unter drei Jahren. Das ist ja in Deutschland immer noch sehr schwierig. Als ich mich auf die Suche gemacht habe (zugegeben erst nach der Geburt), wurde mir Angst und Bange, ob ich jemals irgendwo einen Platz finden würde. Es müsste einfach leichter sein, gute Betreuungsmöglichkeiten zu organisieren. Neulich trafen wir eine Mutter aus Frankreich. Die arbeitet wieder, seit ihr Baby vier Monate als ist. Dafür hat sie auch absichtlich nicht gestillt. Das finde ich wiederum recht extrem, und so ein kleines Baby abzugeben, stelle ich mir sehr schwer vor. Letztendlich muss man versuchen, für sich herauszufinden, was ein gut gangbarer (und besonders finanziell machbarer) Weg ist. Viele Informationen muss man sich an vielen verschiedenen Stellen zusammensuchen, das halte ich für einen unnötigen Zeit- und Stressfaktor. Und dass es so unterschiedlich sein kann in verschiedenen Städten - je nach Bundesland sind die Regelungen und Möglichkeiten so anders, da überlegt man sich gut, wo man hinziehen würde und wo lieber nicht.

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, dass du vorher nicht wusstest?
Die Welt wird irgendwie zweigeteilter: in Mütter und in Nicht-Mütter. Manchmal ist das schon so ein Club-Gefühl. Das Leben ist wirklich so anders. Aber keineswegs schlechter. Nur hat man kein ganz eigenes Leben mehr. Das eigene Leben wird nicht mehr durchgedacht ohne Kind. Es ist immer automatisch in den Gedanken. Dass man so unmittelbar und bedingungslos Mutter wird, das kann man sich vorher nicht vorstellen. Da kommt ein Wesen in dein Leben, von dem man sich gar nicht vorstellen kann, wo es vorher war. Das Kind gehört so stark zu einem, wie kein anderer Mensch auf dieser Welt. Wahnsinn. Die Geburt empfand ich auch als ein unglaublich kraftvolles Erlebnis und ich bin sehr glücklich und irgendwie auch stolz, sie gemeistert zu haben.

Du hast 48 Stunden kinderfrei: was tust du?
Schlafen, natürlich. In Geschäften bummeln, shoppen, mich treiben lassen, Klamotten anprobieren. In ein Spa gehen, Beautybehandlungen und Massagen von Kopf bis Fuß genießen. Ins Kino gehen. Mit meinem Liebsten in unser altes Stammlokal Paparazzi im Prenzlauer Berg gehen und Pasta essen, Wein trinken und in alten Zeiten schwelgen.

Was würdest du einer Frau sagen, die sich fragt, ob sie Mutter werden soll?
Ich finde, das ist eine sehr persönliche und manchmal auch schwierige Entscheidung (für mich war immer klar, dass ich Kinder wollte). Auf jeden Fall muss man versuchen, sich darauf einzustellen, sich gedanklich, körperlich und seelisch mit allen Ressourcen dem Kind zu widmen und eigene Bedürfnisse hintenan zu stellen. Das ist schon sehr anstrengend. Aber ich empfinde immer noch täglich dieses Staunen und diese Grund-Freude über dieses wundervolle, kleine Wesen, das in mir gewachsen ist.

Vielen herzlichen Dank, liebe Julia. Mehr Mutterfragebögen sind hier zu finden.
Habt ein schönes Wochenende!

PS: Julia sucht eine Wohnung. Falls jemand etwas weiß: 4 Zimmer, ab 100 qm, gerne Badewanne und Balkon, in Schöneberg, Friedenau, Steglitz, Charlottenburg-Wilmersdorf, Prenzlauer Berg oder Pankow - bis Ende des Jahres... Danke!

DER BESTE TAG, EINE TOLLE FRAU UND EINE PUPPE


Ich habe diesen Eintrag jetzt schon drei Mal angefangen und drei Mal wieder gelöscht, weil er nie so schön war wie der Tag, den er beschreiben soll. Den Tag mit Maria.

Ich war schon ewig auf der Suche nach einer richtig schönen Puppe für Fanny, eine Puppe, die süß, aber nicht kitschig ist. Als ich die Puppen von Maria entdeckt habe, wusste ich sofort, dass ich genau so eine Puppe gerne für Fanny hätte. Lass uns doch zusammen eine machen, schrieb mir Maria. Würde ich ja gerne, schrieb ich zurück, aber du hast ja keine Ahnung, wie sensationell talentfrei ich bin, was Handarbeit angeht. Ich kann nicht stricken (sogerne ich würde), nicht häkeln, nicht sticken, nicht nähen. Mach dir keine Sorgen, schrieb sie mir zurück. Zusammen kriegen wir das hin.

Am Abend vor unserem Treffen habe ich mich so gefreut, dass ich vor lauter Aufregung so viele Natas gebacken habe, dass es mir hinterher ganz peinlich war (ich glaube, das habe ich von meiner Großmutter, die hat auch immer in Großfamilienportionen gekocht und gebacken). Die Vorstellung, eine Puppe zu machen, die ich dann meiner Tochter schenke. Die Vorstellung, mit einer ganz offensichtlich tollen, aber wildfremden Frau einen ganzen Tag zu verbringen. Aufregend. Schön. Sehr aufregend. Und dann klingelt es und ich öffne die Tür und da steht sie: Maria. Einer dieser Menschen, in deren Gegenwart plötzlich alles ganz leicht und warm ist.





Das nächste Mal, dass ich auf die Uhr geschaut habe, waren fünf Stunden vergangen und vor mir lag eine fast fertige Puppe. Mit einem Kopf, den ich gestopft habe. Mit Armen und Beinen, die ich angenäht habe. Mit einem Bauchnabel, den ich abgenäht habe. Mit Haaren, die ich befestigt habe. Mit roten Backen, die ich aufgetupft habe. Ich weiß, ich weiß, ich klinge gerade wie meine eigene Tochter: Hab ich alles leine gemacht. Aber so stolz habe ich mich lange nicht gefühlt. So verkichert glücklich. Und so konzentriert. Was natürlich vor allem an Marias Ruhe lag, an ihrem Riesentalent, mir alles so zu erklären, dass ich es auch wirklich verstanden habe.

Beeindruckt hat mich Maria aber nicht nur durch ihr Mariasein (und mit ihren Händen: Einer Puppenmacherin bei der Arbeit zuzusehen, zu sehen, wie ihre Hände jede noch so kleine Bewegung auswendig können, in welchem Tempo und mit welcher Präzision sie arbeiten). Beeindruckt hat mich auch ihre Geschichte: Nach ihrem Studium an der Universität der Künste hat sich Maria als Puppenmacherin mit ihrem Label "Mariengold" selbstständig gemacht (und mit welchem Erfolg: ihre Puppen werden in der ganzen Welt gekauft). Sie gibt Kurse und schreibt E-Books. Bewundernswert - aber nicht weiter überraschend, wenn man Maria kennenlernt, wenn man merkt, mit welcher Liebe sie ihre Puppen fertigt und mit welcher Klarheit sie denkt.

Ich bin froh, dass sie am Ende des Tages noch sehen konnte, wie Fanny zum ersten Mal ihre Puppe in den Händen hielt und überhaupt nicht glauben konnte, was sie da bekam. Und ich hoffe sehr, dass sie auch sehen konnte, wie ich mich gefreut habe. Über diesen Tag, diese Puppe, die noch viel schöner ist, als ich sie mir ausgedacht hatte, meine allererste Handarbeit seit der Grundschule. Über die Erfahrung, dass ich so untalentiert wie ich immer dachte, nun auch nicht bin. Über das Glück, etwas mit meinen eigenen Händen gemacht zu haben, etwas, das ich mir im Leben nicht zugetraut hätte. Und über Maria. Puppenmacherin, Beeindruckerin, Freundin, ich hoffe es jedenfalls.


Die Website von Mariengold ist hier zu finden.

WUNSCHZETTEL







Gestern Abend ein bisschen nach Frühlings- und Sommersachen für Fanny geguckt (SOMMER, was für eine Vorstellung...) und einiges gefunden, das gefällt. Bevor davon etwas im Einkaufskorb landet, werde ich allerdings einen Secondhand-Bummel durch Berlin machen - falls ihr gute Tipps für Geschäfte oder Flohmärkte habt... vielen Dank!

Eins: T-Shirt mit Sternen von Zara.
Zwei: Saltwatersandals von Me and My Feet
Drei: Strickjacke von H&M.
Vier: Ringelshirt von COS.
Fünf: Shorts von H&M.
Sechs: Hose von Zara.
Sieben: Kleid von Zara.
Acht: Turnschuhe von H&M.
Neun: Jeansjacke von H&M.

BLOGLIEBE: OANA BEFORT



Der Schnupfen ist zurück. Schon wieder. Ein Siebenwochen-Schnupfen, der immer wieder aufersteht. Das Gute an solchen verschnupften Tagen und am Herumliegen: Man entdeckt beim Rumsurfen die tollsten Dinge. Wie das Blog von Oana Befort, einer Grafik-Designerin und Illustratorin aus Bukarest. Ihre Fotos, ihre Illustrationen, ihre DIY-Kinder-T-Shirts, die Herzlichkeit, die von ihrem Blog ausgeht - ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen und mich zu freuen.

Ein lustiger Zufall war das auch: Letzte Woche habe ich für Fanny zum ersten Mal selbst ein T-Shirt bemalt. Ein Katzen-Shirt als Überraschung für einen tapfer durchstandenen, doofen Tag. Das Ergebnis ist ganz schön, aber noch nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Mit der Katzen-Shirt-Vorlage von Oana Befort sollte das besser klappen. Oder doch der Bär? Oder beide? (Die Vorlage für meine Katze war übrigens dieses Refinery 29-Video...). 

Hier ist das Weblog von Oana Befort. Hier ist ihre entzückende DIY-Kiddo-Tee-Serie. Und hier ist ihr Etsy-Shop. Alle Fotos sind von Oana Befort, gefunden habe ich das Blog via Bodie and Fou.

Über welche Blog-Entdeckung habt ihr euch zuletzt gefreut?

UND WIE MACHST DU DAS, JENNI?



Name: Jenni
Alter: 34
Mutter von: Oskar
Stadt: Berlin
Beruf: Museologin

Wie ist bei dir die Kinderbetreuung organisiert? Bist du zufrieden damit?
Wir sind erst seit knapp einem Jahr in Berlin. Davor haben wir in Schottland gewohnt, wo wir Oskar schon vor seiner Geburt in einem Kindergarten angemeldet hatten. Mit dem Umzug nach Berlin, der relativ plötzlich kam, mussten wir den Platz natürlich aufgeben und die Suche hier neu starten. Wir hatten großes Glück und haben relativ kurzfristig einen Kita-Platz bekommen. Zuerst war Oskar nur ein paar Stunden am Tag dort, während ich auf Arbeitssuche war, seit ich arbeite, geht er nun für länger hin. Die Kita macht zwar schon um 17 Uhr zu, aber so lange ich nicht ganztags arbeite, ist das kein Problem. Er scheint dort sehr glücklich zu sein, also bin ich auch zufrieden. Das Einzige, was ich mir wünschen würde: dass die Kita nicht in entgegengesetzter Richtung zu meiner Arbeit läge - aber unter den Umständen wollen wir mal nicht wählerisch sein.

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?
Bevor Oskar auf die Welt kam, habe ich ganztags bei den "National Museums Scotland" gearbeitet, und wahrscheinlich wäre ich auch wieder ganztags eingestiegen. Jetzt arbeite ich nur noch Teilzeit bei den "Staatlichen Museen zu Berlin" - allerdings nicht, weil ich es so wollte. Es gab trotz der Museumsdichte in Berlin einfach keine vollen Stellen. Dafür sind meine Arbeitsbedingungen sehr gut. Ich arbeite fünf kürzere Tage die Woche, statt z.B. zwei oder drei längere, was Routine in die Woche bringt und sich gut mit den Kita-Abholzeiten vereinbaren lässt. Und wir haben Gleitzeit, was bedeutet, dass ich zwar Kernzeiten habe, aber ansonsten viel Spielraum, falls ich mal später komme oder früher gehen muss. Bisher funktioniert es sehr gut.

Wie sieht ein ganz normaler Wochentag bei dir aus?
Wie stehen meist um kurz nach 7 Uhr auf. Mein Mann geht dann duschen, während ich Oskar fertig mache und wir schon mal mit dem Frühstück anfangen. Dann frühstückt mein Mann mit Oskar zu Ende, während ich mich fertig mache. Ich bringe Oskar zur Kita und laufe von dort aus ungefähr 45 Minuten zur Arbeit. Ich arbeite dann meist bis 14 oder 15 Uhr, je nachdem, wie spät es ist, gehe ich vorher noch einmal nach Hause, um ein paar Dinge zu erledigen, oder hole Oskar direkt von der Arbeit aus ab. Wenn ich ihn zu früh abhole, meckert er. Auf dem Weg nach Hause kaufen wir oft noch fürs Abendessen ein, dann koche ich, während Oskar spielt und danach bleibt meist noch Zeit, vorm Abendessen gemeinsam etwas zu spielen. Mein Mann kommt gegen halb sieben nach Hause, und dann essen wir zusammen. Das ist uns wichtig. Danach heißt es baden, Buch lesen, Milch trinken und ab ins Bett für den kleinen Mann. So ab 21 Uhr haben wir dann Zeit für uns, oder wir arbeiten an unseren Blogs oder anderen Projekten. Oft komme ich nicht vor Mitternacht ins Bett.

Wie viel Zeit hast du für dich - jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?
Natürlich wäre mehr Zeit immer schön, aber ich kann mich eigentlich nicht beklagen. Dass ich neben beruflichen Museumsprojekten und anderen ehrenamtlichen Museumstätigkeiten jede freie Minute mit Bloggen ausfülle, daran bin ich ja selbst schuld...

Hast du dir das Muttersein so vorgestellt, wie es ist? Was hast du dir anders vorgestellt?
So lange ich mich erinnern kann, wollte ich eines Tages Mutter werden, aber ich glaube, egal, was man sich vorher vorgestellt hat: Nichts kann einen darauf vorbereiten, wie es wirklich ist. Oskar war ein geplantes und absolutes Wunschkind, daher war es für mich besonders schwer, dass die "Liebe auf den ersten Blick", die ich mir vorgestellt hatte, wenn ich mein Kind zum ersten Mal in den Armen halte, nicht einsetzte. Meinem Mann floss das Herz fast über, ich dagegen stand diesem neuen Wesen etwas apathisch gegenüber - und war enttäuscht, ich hatte mich doch so auf diesen Moment gefreut. Es ist schwer, sich in solch einem Moment nicht als schlechte Mutter zu fühlen. Und es zuzugeben, scheint eher noch ein Tabu-Thema zu sein, was einem auch nicht gerade weiterhilft. Natürlich habe ich mich dann doch in meinen Sohn verliebt, nur war es eine Liebe, die langsam gewachsen ist. Heute geht mir, schon seit langem, das Herz genauso über und ich kann mir ein Leben ohne Oskar gar nicht mehr vorstellen.

Was empfindest du als besonders anstrengend?
Auf jeden Fall den Schlafmangel. Oskar wacht immer noch fast jede Nacht auf. Mein Mann schläft nach der nächtlichen Unterbrechung sofort wieder ein, aber ich liege dann leider noch eine Zeit wach. Ich konnte schon als Kind nur sehr schlecht einschlafen. Anstrengend finde ich auch, was zum Glück nicht so oft vorkommt, dass man sich zum Beispiel bei einer Erkältung nicht einfach mal drei Tage ins Bett legen und auskurieren kann - besonders, wenn es beide Eltern erwischt hat. Irgendwer muss ja das Kind versorgen. Da bedarf es dann schon mal der letzten Willenskraft, um auf den Beinen zu bleiben.

Was macht dich besonders glücklich?
Am Wochenende als Familie etwas zusammen zu unternehmen. Manchmal gehen wir einfach nur auf den Spielplatz hinterm Haus oder in der Nachbarschaft spazieren, bei schlechterem Wetter auch mal ins Kindercafé oder in eines der vielen Berliner Museen. Oskar ist wie alle Kinder sehr neugierig, bleibt an jeder Ameise stehen. Er ist auch ein ausgesprochen fröhliches Kind, lacht viel und gerne. Egal, ob er gerade aufgeregt ist, weil er hinter dem Haus einen Tannenzapfen gefunden hat, stolz, ganz alleine die Treppen im Jüdischen Museum gemeistert zu haben, oder sich wie eine mexikanische Hüpfbohne auf einem Gummipferd im Kindercafé austobt - es macht mich einfach glücklich, ihm dabei zuzusehen und seine Freude zu teilen.

Welches Verhältnis hast du zum Vater deines Kindes? Wie hat das Kind dieses Verhältnis verändert?
Mein Mann und ich haben ein sehr gutes Verhältnis, wir kennen uns seit acht Jahren und sind seit drei Jahren verheiratet. Als Museologin arbeite ich derzeit im Bereich Internet und Social Media, er ist Web-Developer mit einer Liebe für Museen und Kultur, also ergänzen wir uns sehr gut. Auch was die Kindererziehung angeht, haben wir ähnliche Vorstellungen, so dass es bei uns im Großen und Ganzen selten Konflikte gibt. Das entspannt das Familienleben. Unser Verhältnis hat sich aber in dem Sinne verändert, dass wir kaum noch Zeit füreinander haben, also ohne Kind. Uns fehlt bisher noch das Netzwerk an Freunden und Familie, dass wir in Schottland hatten, um einfach mal etwas alleine zu machen, während jemand für ihn vertrautes auf Oskar aufpasst. Aber das wird sich mit der Zeit bestimmt noch geben.

Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft, die Politik, Menschen mit Kindern ausreichend unterstützt? Was müsste deiner Meinung nach besser werden?
Soweit wir das in Deutschland bisher miterlebt haben, geht es Eltern hier relativ gut. Sicher könnte einiges besser sein, aber wir sehen das immer im Vergleich zu Schottland. Dort gibt es z.B. keine Trennung zwischen Mutterschutz und Elternzeit, man bekommt insgesamt bis zu zwölf Monate "maternity leave" (Mutterschaftsurlaub), allerdings nur neun Monate bezahlt. Viele arbeiten bis kurz vor ihrem Stichtag, um so viel Zeit wie möglich nach der Geburt mit dem Kind zu haben. Ich habe das auch so gemacht, und meinen "maternity leave" erst zehn Tage vorher angetreten - allerdings kam Oskar dann acht Tage zu spät. Ein gesetzlich vorgeschriebenes Arbeitsverbot gibt es lediglich für die zwei Wochen nach der Geburt. Väter bekommen zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Kindergartenplätze scheinen zwar in beiden Ländern Mangelware zu sein, aber in Schottland hätten wir fast das Vierfache an Betreuungskosten gezahlt - dabei ist das Kindergeld fast die Hälfte weniger als in Deutschland. Als Familie fühlen wir uns in Deutschland auf jeden Fall besser unterstützt.

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, dass du vorher nicht wusstest?
Ich bin von Natur aus ein recht ungeduldiger Mensch und habe mich selbst überrascht, wie relativ leicht es mir fiel, die Geduld an den Tag zu legen, die als Mutter oft erforderlich ist. Und ich habe gelernt, dass ich, abgesehen von den Anfangsschwierigkeiten, nicht zur "stay at home mum" geboren wurde. Auch hier fühlte ich mich zuerst als Rabenmutter, weil ich lieber wieder arbeiten gehen wollte als den ganzen Tag mit meinem Kind zu verbringen. Aber ich habe meine Arbeit zu sehr vermisst und schließlich eingesehen: "Ich bin keine schlechte Mutter, ich bin einfach nur ein Mensch." Zum Glück ist Oskar das geborene Kindergartenkind, wie gesagt, wenn ich ihn zu früh abhole, dann meckert er. Und die gemeinsame Zeit am Abend und am Wochenende genießen wir dann umso mehr. Von der Welt - und besonders von Müttern untereinander - würde ich mir wünschen, dass sie toleranter untereinander wären...

Du hast 48 Stunden kinderfrei: was tust du?
Das hört sich jetzt vielleicht verrückt an, aber ich würde mich gerne mal so richtig beim Sport auspowern. Bevor Oskar geboren wurde, habe ich in Schottland ein bis zwei Mal die Woche Bodycombat gemacht und war mehrmals in der Woche schwimmen. Jetzt habe ich einfach keine Zeit mehr dazu. Ich laufe zwar fast überall zu Fuß hin, aber das ist halt eine andere Art von Bewegung. Danach würde ich mich in einem gemütlichen Café mit Tee und Kuchen einnisten und ohne Unterbrechungen in einem Buch schmökern. Oder vielleicht fahre ich doch lieber für 48 Stunden nach Hamburg oder Dresden und schaue mir die vielen tollen Museen dort an, das steht schon lange auf meiner Wunschliste!

Was würdest du einer Frau sagen, die sich fragt, ob sie Mutter werden soll?
Ich glaube, das kann jede Frau nur für sich selbst entscheiden. Manchmal kommt es einem so vor, als gäbe es nie den richtigen Zeitpunkt, aber man muss einfach auf sein inneres Gefühl hören. Und ja, es ist sehr, sehr viel harte Arbeit, und Tränen sind nicht immer Tränen des Glücks. Aber es macht einen auch glücklich und erfüllt und stolz. Ich habe es jedenfalls, auch in den schwierigen Stunden, noch nie bereut.

Vielen herzlichen Dank, liebe Jenni! Die anderen Mutter-Fragebögen sind hier nachzulesen.

GESCHENKE FÜR FANNY


Ohne viele Worte, weil wir alle ein bisschen krank sind: Hier sind ein paar Dinge, die ich dem Weihnachtsmann zugeflüstert habe. Mal sehen, was er Fanny bringt...

Eins: "Ich knack die Nuss" von Paolo Fitz. Ein Bilderbuch, das vom Alleinemachen handelt.
Zwei: Mit dem Holzwürfeln von Baleine Bleu kann man lustige Gesichter bauen.
Drei: Fanny bringt gerade gerne alle ihre Tiere ins Bett. Mit der Kindertaschenlampe "Torch" von Habitat wird es nicht zu dunkel, wenn das Licht aus ist.
Vier: Ein wunderschönes Memory-Spiel von Nathalie Lété über Smallable.
Fünf: Ein ganzes Buch voller Papierflugzeuge für die Weihnachtsferien: "Little Paper Planes" von Kelly Lynn Jones.
Sechs: Fanny ist kein großer Frühstücker (das hat sie vermutlich von mir). Mit diesem Bären-Brettchen von Snug Studio über Selekkt schmeckt´s hoffentlich ein bisschen besser.
Sieben: "Die schönsten Kinderlieder" von Heike Makatsch & derhundmarie habe ich vor einer Weile bei einer Freundin gehört und sehr gemocht.
Acht: Der geringelte Elefant von Kenana über Smallable. Sieht der vielleicht kuschelig aus.

Jetzt bin ich neugierig: Was bekommen denn eure Kinder?

EIN KLEINES FEST



Morgen wird Fanny zwei Jahre alt. Letztes Jahr gab es eine große Party, dieses Jahr feiern wir klein. Mit Mini-Kuchen und Waffeln, einem selbstgebauten Zelt, unfassbar vielen Luftballons und einer Überraschung. Heute Abend, wenn sie eingeschlafen ist, werden wir den alten Wickeltisch ab- und eine Kinderküche aufbauen (und uns fragen, wie es sein kann, dass zwei Jahre so schnell vergehen, ZWEI JAHRE!, und uns weißt-du-noch-Geschichten erzählen und ein bisschen sentimental werden und sehr dankbar). Hier sind fünfeinhalb Ideen, die morgen mitfeiern:

Zwei: Luftballons von der Decke von Trey and Lucy (mal sehen, ob die Puste auch noch dafür reicht...).
Drei: Ein DIY-Zelt von A Cup of Jo.
Vier: Ein Blumenkranz, auch von Oh, Happy Day (so ein tolles Blog!).
Fünf: Und Waffeln mit heißen Kirschen.

Was auch immer ihr am Wochenende tut: Ich wünsch euch viel Spaß dabei!

UND WIE MACHST DU DAS, VALERIE?



Name: Valerie
Alter: noch 29, bald 30 (und ich freu mich drauf!)
Mutter von: Leonie (achtdreiviertel), Julian (gerade 6 geworden) und Jakob (dreieinhalb)
Stadt: Herrsching am Ammersee bei München
Beruf: Hausfrau (ich finde diese Bezeichnung so blöd! Ein Fulltime-Job!)

Wie ist bei dir die Kinderbetreuung organisiert? Bist du zufrieden damit?
Ich bin seit nunmehr fast neun Jahren in der glücklichen (und manchmal auch genervten) Lage, zu Hause sein zu können. Da ich kurz vor dem Abitur schwanger wurde und wir Kinder in kurzem Abstand wollten, stellte sich für uns nie die Frage, ob ich zwischendurch arbeiten oder studieren gehen würde. Natürlich gingen bzw. gehen alle drei Kinder in den allerbesten Kindergarten der Welt (den schon mein Mann vor 30 Jahren besuchte - bis Ende August sogar mit der gleichen Leiterin wie damals!) und unsere Tochter geht seit Beginn ihrer Schulzeit zwei bis drei Mal pro Woche zu den Großeltern, die im gleichen Ort wohnen, zehn Minuten Fußweg von uns entfernt.  Theoretisch ist der Kindergarten von 7:30 bis 16:45 Uhr geöffnet und unsere Jungs sind auch für die komplette Zeit gebucht, praktisch nehme ich das aber meist nur für den Größeren in Anspruch, Jakob hole ich vier von fünf Tagen um 14 Uhr ab.

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?
Momentan arbeite ich gar nicht, bzw. manage den Haushalt und die Kinder alleine, da mein Mann schon seit längerem unter der Woche in anderen Städten Deutschlands arbeitet. Abgesehen davon orientiere ich mich momentan und überlege, ob und wie ich Ausbildung oder Studium mit Kindern unter einen Hut bekommen könnte und was ich überhaupt machen soll (zur Wahl stehen: Diplom-Europa-Sekretärin, Floristin oder Visual Merchandiser. Konditorin oder Hotelfach werden Träume bleiben, weil es zeitlich einfach nicht geht). Ab Januar möchte ich gerne Teilzeit arbeiten und weiß, dass ich dann auf meine Schwiegereltern zählen kann, was Kinderbetreuung oder Abhol- und Fahrdienste betrifft.

Wie sieht ein ganz normaler Wochentag bei dir aus?
Mein Wecker läutet um sechs Uhr und in der Regel stehe ich dann gleich auf - andernfalls komme ich in Zeitnot und Stress. Als Erstes mache ich die drei Pausenboxen fertig, richte das Frühstück her und mache meinen ersten Kaffee. Zumindest der Jüngste ist dann immer schon wach (wenn er nicht schon vor dem Weckerläuten zu mir ins Bett gekrochen ist...) und so gilt es, die beiden mosernden älteren Geschwister aufzuwecken. Das macht leider selten Spaß. Anziehen (oder besser gesagt: mehrfach dazu auffordern), ermahnen und erinnern, bis dann alle am Frühstückstisch sitzen, ist es 7:15 Uhr. Da die Große spätestens um 7:40 Uhr das Haus verlassen muss, heißt es, schnell zu frühstücken, sie putzt ihre Zähne und ich mache ihre Haare. Danach den Jüngsten anziehen, mich duschen, anziehen und schminken, die Jungs unter Protest vom Lego wegholen, Zähne putzen, schnell, schnell aus dem Haus und mit Ach und Krach um 8:30 Uhr im Kindergarten einlaufen (dieses Zeitloch, in das wir jeden Morgen fallen, das suche ich echt sehr!). Zurück im Auto erstmal durchschnaufen. Montags besuche ich bis Dezember einen Nähkurs in einer der nahegelegenen Kreisstädte und nähe für zwei Stunden. Die restlichen Vormittage habe ich zur freien Verfügung und fülle sie mit Treffen mit Freunden, Haushalt und Sport im Fitnessstudio. Mittagessen muss ich glücklicherweise nie kochen, nachmittags puzzle ich rum, surfe oder lese, während der Jüngste spielt oder schläft - je nach Tagesverfassung, dann bereite ich das Abendessen vor (an guten Tagen) bis wir ab 16:30 Uhr alle einsammeln. Dazu kommen Mittwoch, Donnerstag und Freitag die Freizeitaktivitäten der beiden Großen am Nachmittag: Reiten, Klavier und Hip-Hop für die Dame, Fußball und bald auch Gitarre für den Herren. Natürlich will man das eine oder andere Mal auch einen Freund oder eine Freundin treffen, das schieben wir auch noch rein. Und meine Verpflichtungen im Elternbeirat des Kindergartens und die damit verbundenen Aktivitäten. Wir essen gegen 18 oder 18.30 Uhr, und die Jungs gehen zwischen 19 und 19.30 Uhr ins Bett, nach Zähne putzen, vorlesen und singen, Leonie dann so gegen 20 Uhr. Ich gehe abends sehr selten weg, eigentlich nur, wenn mein Mann mal zu Hause ist. Die An- und Heimfahrt nach München dauert mir mit 80-120 Minuten einfach zu lange und der Babysitter ist mir dann zu teuer.

Wieviel Zeit hast du für dich - jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?
Ich war im Sommer sehr am Limit und froh, als wir in den Urlaub fuhren. Das ständige Hin und Her, die Verpflichtungen, das hat mich extrem mitgenommen. Seit mein Jüngster auch vormittags in die Kindergarten geht, geht´s mir richtig gut. Und ich hab es mir echt gegönnt, nichts zu tun und ganze Vormittage komplett zu versandeln. Ich genieße es, mit einem lieben Freund äußerst entspannt zwei Stunden zu Mittag zu essen, zu quatschen und zu lachen, ohne von einem Kind gestört zu werden. Entspannt ins Sportstudio zu gehen. In ein Café zu gehen und die Leute um mich herum zu beobachten oder zu lesen. Alleine und in Ruhe (!!) einkaufen zu gehen, egal, ob Essen oder Kleidung oder Geschenke oder Ikea. Einen VHS-Kurs zu besuchen. Ja, ich habe mittlerweile definitiv genügend Zeit für mich und habe ein wenig Angst davor, wie das wird, wenn ich arbeiten gehe.

Hast du dir das Muttersein so vorgestellt wie es ist? Was hast du dir anders vorgestellt?
Als ich mit gerade einmal 20 schwanger wurde, war ich so unglaublich naiv. Ein Kind - hell yeah, warum nicht. Ist doch alles so easy. Die Schwangerschaft war es auch. Die Geburt nicht (diese Schmerzen und diese Warterei, das kann man sich vorher echt nicht vorstellen). Und danach die Einsamkeit, die hat mich umgehauen. Ich kannte im Ort meines Mannes niemanden, wirklich niemanden. So fuhr ich zwei Mal pro Woche mit der S-Bahn nach München, zu den Freundinnen aus dem Geburtsvorbereitungskurs und meinen Eltern, meiner Tante und meinen Großeltern. Nach einem Jahr besuchte ich dann das erste Mal das Familienzentrum hier, fühlte mich auf Anhieb wohl, aber ich war mit Abstand die Jüngste, alle anderen waren zehn, teilweise 20 Jahre älter als ich. Nein, auch da musste ich nach einem Jahr feststellen, dass ich nicht dazu gehörte. Eigentlich kam ich hier erst an, als unsere Große mit dreieinhalb Jahren in den Kindergarten kam. Natürlich sind auch heute die meisten Freundinnen älter als ich, aber so ist das halt. Da meine Mama starb, als ich 9 war und mein Papa ebenfalls vor drei Jahren, fehlt mir oft die Instanz, an die ich mich wenden kann, wenn ich etwas aus meiner Vergangenheit wissen will. Auch die Tatsache, dass meine Schwiegereltern für meine Kinder wichtiger sein würden als mein Papa und meine Stiefmutter, das hatte ich so nicht gedacht. Wie anstrengend Kinder sein können, wie sehr sich das Leben verändert, wovor man plötzlich Angst hat und dass man sich nicht vorstellen mag, dass die Kinder schneller groß werden, als einem lieb ist, das ist wirklich anders, als ich dachte. Die innige Beziehung zu meiner Großen, die ich mir in der Schwangerschaft vorgestellt hatte, die gibt es leider auch nicht. Ich liebe sie natürlich, aber wir sind uns so ähnlich, dass wir oft "aneinander rutschen". Dass ich dagegen meine Jungs so easy finden würde, hätte ich mir auch nie träumen lassen. Ergo - Muttersein ist anders, als ich dachte, deswegen aber nicht schlechter. Manches kann man einfach erst verstehen, wenn man es erlebt.

Was empfindest du als besonders anstrengend?
Die Fremdbestimmtheit. Wann es Essen gibt, welchen Urlaub wir machen, welches Auto wir kaufen, wo und wie wir umziehen, wann ich aufstehe, das alles wird von drei kleinen Mini-Banditen bestimmt. Oder auch der von uns liebevoll genannte "Beschäftigungsanspruch" unserer Bande. Denn so oft, wie in unserem Sommerurlaub, hat unsere Große schon lange nicht mehr "Mir ist langweilig!" gesagt. Was dann bei ihr (und uns) zu schlechter Laune und Piesackerei der Brüder führt. Und noch etwas: wie unglaublich oft Kinder krank werden. Und was sie alles anschleppen. Wir hatten hier schon x-Mal Scharlach, Läuse, Magen-Darm-Orgien (inklusive Würmer!) und natürlich Husten und Schnupfen vom Feinsten. Im Kindergarten schnappen sie wirklich ALLES auf.

Was macht dich besonders glücklich?
Ganz banal und kitschig: dass meine drei Kinder mich immer lieben, egal wie ich gelaunt bin. Dass von den beiden Großen ein Lob kommt, wenn das Essen oder die Brotzeit besonders gut geschmeckt haben. Wie oft ich von außen höre, was für wohlgeratene Kinder wir haben. Die höflich sind, gerne und gut und nahezu alles essen und neugierig genug sind, Unbekanntes zu probieren, sich in fremden Haushalten erstklassig zu benehmen wissen und, mit Beschäftigungsmaterial, auch ohne Weiteres in ein Restaurant mitgenommen werden können. Offensichtlich machen wir unsere Sache nicht so schlecht...

Welches Verhältnis hast du zum Vater deiner Kinder? Wie haben die Kinder dieses Verhältnis verändert?
Ich glaube, wir führen das, was man "eine gute Ehe" nennt - und das meine ich ganz positiv. Eigentlich sind wir nämlich zwei grundverschiedene Typen, aber wir akzeptieren den Anderen so, wie er ist, und versuchen weder, ihn umzuerziehen noch ständig zu kritisieren. Genauso wie wir Freiraum geben, ohne eifersüchtig zu sein (weil es dazu auch keinen Grund gibt). Dass es für ihn außer Frage stand, dass ich Vollzeit bei den Kindern bleibe, finde ich toll und er setzt mich auch jetzt nicht unter Druck, doch endlich arbeiten zu gehen, sondern legt es mir nur ans Herz, weil er weiß, dass es mir gut tut. Natürlich ist man im elften Beziehungsjahr nicht ganz so crazy verliebt wie am Anfang, aber die Liebe, die wir heute haben, ist so tief und so ehrlich, dass es mich manchmal schier umhaut. Selbst als ich vor zwei Jahren mal sehr zweifelte (das darf man, wenn man sich mit 19 verliebt, mit 20 geheiratet und mit fast 21 Mutter wird. Um nicht zu sagen: ich hatte befürchtet, dass es irgendwann passieren würde) und sich zudem gleichzeitig ein anderer, sehr viel älterer Mann in mich verknallte (und ich mich in ihn - trotz 17 Jahre Altersunterschied) war klar, dass ich mich nie trennen würde. Natürlich ist unsere Beziehung anders und gerade durch die knappen Altersabstände von jeweils zwei Jahren bei unseren Kindern leidet die Intimität sehr. Es gab Zeiten, da lagen wir wie Bruder und Schwester im Bett. Aber es wird, und ich weiß, keiner kennt mich so gut wie er und weiß, was mit mir los ist.

Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft, die Politik, Menschen mit Kindern ausreichend unterstützt? Was müsste deiner Meinung nach besser werden?
Nein, das passiert nicht. So lange man als verhältnismäßig junge Mutter immer noch komisch angeschaut wird, so lange man hören muss, dass mehr als zwei Kinder "asozial" sind, so lange man ein XXL-Auto braucht (hier ein VW-Bus), weil man andernfalls keine drei Kindersitze unter bekommt, so lange Vermieter "Aber ein Viertes soll nicht kommen, oder?" fragen oder noch besser "Ein solventes Ehepaar mittleren Alters, keine Haustiere" suchen, so lange wir zwei Hotelzimmer brauchen und für drei Kinder 80% des Flugpreises zahlen, so lange Frau Schröder mit kurios-blöden Ideen kommt, krankt es in unserer Gesellschaft. Außerdem sind Kinder mittlerweile ein Statussymbol, müssen x Kurse belegen und jede Mutter versucht, die andere zu übertrumpfen, ich finde das so schade. In meinen Augen müsste es wieder normaler und natürlicher werden, Kinder zu haben. Irgendwo las ich vor ein paar Wochen, dass sich Eltern mit der Über-Fokussierung auf Kinder keinen Gefallen tun, egal, ob es um Kurse, Erziehung auf Diskussionsbasis oder Verhätschelung geht, und ich glaube sogar, das kam von Jesper Juul. (Wir machen das nicht und fahren bisher ganz gut damit). Das würde auch bedeuten, dass es gerade Familien mit mehreren Kindern von Politikern wie den Mitmenschen leichter gemacht werden sollte, Kinder zu haben bzw. zu bekommen und es z.B. auch schon bei drei Kindern Vergünstigungen geben sollte. Oder mehr Unterstützung, gerade was das Wohnen betrifft, das ist ein Trauerspiel. Außer wir ziehen so weit aufs Land, dass ich nur noch Mama-Taxi bin und meine Kinder mit spätestens 16 auf der Vespa unterwegs sein würden, sehr zu meiner Unruhe.

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, dass du vorher nicht wusstest?
Mütter sind wie Krähen! Da wird gehackt und gespitzelt, gelästert und seziert. Mütter untereinander können sooo subtil fies sein und da schließe ich mich nicht aus. Nicht, was das fies sein betrifft, das konnte ich noch nie, eher das Lästern. Trotz meiner jungen Jahre habe ich schon so Vieles erlebt, Schlimmes wie Tolles, das hat mich geprägt. Ich kann nichts mit Esoterik, Engeln oder Ähnlichem anfangen und das ist gerade bei uns im Kindergarten bei manchen sehr verbreitet. Oder anders gesagt: Ich stehe so sehr mit beiden Beinen am Boden, dass ich auf andere sehr streng oder spießig wirke. Ich weiß, dass ich viel leisten kann, ohne umzufallen (zum Beispiel den eigenen Vater sechs Wochen nach der Entbindung tot in der Wohnung zu finden, bzw. die Polizei, die die Wohnung öffnet, und dann als Alleinerbin alles zu regeln). Und dass ältere Mütter mich um Rat fragen, ehrt mich sehr. Freundschaften verändern sich sehr, wenn man Kinder bekommt und viele zerbrechen leider auch, ich habe keine echte Freundin mehr "von früher". Und leider herrscht mittlerweile wieder ein Unverständnis darüber, wie Kinder sind - bei jüngeren Mitmenschen genauso wie bei ganz alten. Schade.

Du hast 48 Stunden kinderfrei: was tust du?
Ein Wochenende mit meinem Mann in einem tollen Wellness-Hotel in Kitzbühl, in das ich schon lange möchte. Ausschlafen, Zeit füreinander haben, in Ruhe frühstücken und dabei Zeitung lesen, wellnessen (ich - der Mann würde eher schwimmen oder ins Fitness-Studio gehen), Mittagsschläfchen halten, nachmittags bummeln oder in die Berge gehen, abends schlemmen und dann eine wunderbare Nacht miteinander verbringen. Hach, da bekomm ich doch glatt Schmetterlinge im Bauch. Und das Gleiche dann am nächsten Tag noch einmal von vorne...

Was würdest du einer Frau sagen, die sich fragt, ob sie Mutter werden soll?
Nicht nachdenken, ob oder ob nicht. Einfach machen, denn sonst überwiegen immer die Zweifel. Einfach machen, denn Muttersein ist, mit all seinen Auf wie Abs, mit all den Freuden, Anstrengungen und Zweifeln, mit der Verantwortung und den Hürden, wirklich das Beste, dass man erreichen kann. Es ist Bleibender als jedes Diplom, jede Auszeichnung und jeder Titel und wirklich mit nichts vergleichbar. Es ist immer anders, als man es sich vorstellt, und manchmal sind da nach der Geburt graue Schleierwolken anstelle der rosa Wattewölkchen. Aber auch die gehen vorbei. Und es ist keine Schande, Hilfe anzunehmen, wenn man sie braucht. Mutter zu sein heißt nicht, alles alleine stemmen zu müssen, denn Mütter sind nicht das Universum des Kindes, und wenn man merkt, dass es zu viel wird, muss und darf man um Unterstützung bitten. Denn die kommt dann auch! Es heißt schließlich nicht umsonst: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.

Vielen herzlichen Dank, liebe Valerie. Alle anderen Mütterfragebögen sind hier zu finden.
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

EINE FRAGE (UND EINE VERLOSUNG!): WIE MACHT MAN EIGENTLICH SCHÖNE KINDERFOTOS?

Ich weiß nicht, wie es euch geht - wenn ich Bilder von meiner Tochter mache, drücke ich einfach auf den Auslöser. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was ich da mache, ich fotografiere einfach nach Gefühl, den Rest macht meine Kamera. Weil ich gerne wissen wollte, wie ich schönere Kinderfotos machen kann, habe ich Anna Sauvigny geschrieben. Anna ist Fotografin aus Berlin, Mutter von zwei Mädchen, sie fotografiert viel Portraits und Mode, macht aber auch außergewöhnlich schöne Kinderbilder. Schön, weil man bei jedem Bild das Gefühl hat, als würde Anna (und man selbst) die Kinder schon ewig kennen. Schön, weil auf ihren Bildern Kinder wie Kinder aussehen, es wird getanzt und gegähnt und gekuschelt. Schön, weil ihre Bilder zeigen, wie viel Charakter so ein kleiner Mensch hat. Anna hat sich tatsächlich hingesetzt und all ihre Tricks für mich aufgeschrieben - mit Bildern, die zeigen, was sie meint. Hier kommen ihre Tipps (und hintendran noch eine Verlosung):






Ich habe Anna auch gefragt, was für eine Kamera sie Anfängern empfehlen würde: Eine FUJI X10. Mir gefällt meine Pentax k-x auch sehr gut.

Wenn es euch nun geht wie mir und ihr selbst gerne Kinderfotos von Anna Sauvigny hättet, könnt ihr heute einen 50-Prozent-Rabatt (im Wert von 125 Euro!!!) für ein Shooting in Berlin gewinnen. Hinterlasst einfach bis Freitag, den 21. September um 20 Uhr einen Kommentar, Fanny zieht dann einen Gewinner. Viel Glück! Und tausend Dank, liebe Anna!

Alle Bilder: Anna Sauvigny, hier ist ihre Website und ihre Kinderbilder unter Dandelion Kinderfotos.

***

Fanny hat ein Los gezogen und die Gewinner sind.... JULIANE UND HENRIK, herzlichen Glückwunsch! (Schickst Du mir eine Email mit Deinem Kontakt, Juliane? Danke!)

NEU IM SCHRANK


Hier sind ein paar Dinge, die in den letzten Wochen in der Einkaufstüte und in Fannys Schrank gelandet sind (nachdem sie quasi über Nacht fünf Zentimeter gewachsen ist und plötzlich nichts mehr gepasst hat...verrückt).
Eins: Jerseypullover  (von Zara aus der Jungskollektion, 14,95 Euro)
Zwei: Mütze (von COS, 17 Euro)
Drei: Ringeljacke mit Kapuze (von Petit Bateau aus der Jungskollektion, 62,50 Euro - in Frankreich übrigens deutlich billiger, falls jemand eine Reise plant)
Vier: Ringelschal (von COS, 19 Euro)
Fünf: Jacke (von Monoprix, 35 Euro)
Sechs: Twillhose (von H&M, 9,95 Euro)
Sieben: Leggins (von thiefandbanditkids auf Etsy, etwa 31 Euro)
Acht: Pulli (von COS, 29 Euro)
Neun: Klettschuhe (von Stups, 49,95 Euro)
Zehn: Strickpulli mit Kapuze (von Zara, 16,95 Euro)
Elf: Mokassins (von Minnetonka, 39 Euro)

PARIS MIT KINDERN






SPIELEN

Le Bal Café, 6, Impasse de la Défense, 75018 Paris: Direkt neben diesem schönen Café (mit sensationellem Kaffee, gutem Essen und einem Buchladen) gibt es einen Spielplatz mit Wiese, Bäumen und einem Garten.
Le 104, 104 Rue D´Aubervilliers, 75019: Ein Zentrum für zeitgenössische Kunst, mit Ausstellungen, Festivals, einem Buchladen, einem Restaurant und einem hinreißenden Spielraum für Kleinkinder bis fünf Jahre: "La Maison des Petits" ist perfekt für Regentage, es gibt Spielzeug, die Kinder können riesige Bilder malen (und mit nach Hause nehmen), mit Wasser spielen oder Türme bauen, und der Eintritt ist kostenlos.
Jardin du Luxembourg: Noch nie in meinem Leben habe ich so einen Spielplatz gesehen - unzählige Rutschen, Wackeltiere, eine Rutschbahn. Direkt daneben ein Karussell. Und ein Marionetten-Theater. Und dann der See in der Mitte, auf dem man Schiffe fahren lassen kann. Könnte ich einen Park mit nach Hause nehmen, es wäre der Jardin du Luxembourg.
La Cité des Enfants, 30, Avenue Corentin-Cariou, 75019: Ein wirklich liebevoll gestaltetes Kindermuseum: für 2 bis 7-Jährige und 5 bis 12-Jährige. Gucken, anfassen, ausprobieren, was für ein Abenteuer, was für ein Spaß! (Achtung: vorher anmelden!).
Le Jardin des PlantesSchattige Alleegänge, Blumen, verschiedene Museen wie die Grande Galerie de l´Evolution oder ein Naturkundemuseum für Kinder und ein kleiner, sehr feiner Zoo mit Affen, Flamingos, Wildpferden und Leoparden.
Karussellfahren: Auf fast jedem Platz dieser Stadt steht ein Karussell, viele davon sind herrlich altmodisch. Fanny konnte gar nicht genug davon bekommen.

EINKAUFEN
Bonton, 5, Boulevard des Filles du Calvaire, 75003: Ein Concept-Store für Kinder: Im Untergeschoss und im Erdgeschoss gibt es Spielzeug, Schnickschnack für die nächste Geburtstagsparty und einen Passfoto-Automaten mit einer Riesenauswahl von Perücken, in dem man brüllkomische Bilder machen kann - in der ersten Etage die Kindermode von Bonton.
Alice à Paris, 9, Rue de L´Odéon, 75006: Entzückende, erstaunlich bezahlbare Kindermode. (Online wird auch nach Deutschland geliefert.)
Gap Kids, 36, Avenue des Champs Elysées, 75008: T-Shirts, Jeans, Jacken - geliefert wird zwar auch nach Deutschland, aber selber gucken ist einfach schöner.
Monoprix, überall in der Stadt: Die Kindermode der Supermarkt-Kette ist nicht nur günstig, sondern auch wirklich hübsch.
Zef, 55, Rue des Saint-Pères: T-Shirts, Pullis, Strickjacken, oft mit Sternen, immer schön, vor allem die Accessoires wie die Tücher.
Bonpoint, 6, Rue de Tournon: Großer Stoßseufzer. Beeindruckender als die Kindersachen, die man hier kaufen kann, sind leider nur die Preise. Aber der Concept-Store in der Rue de Tournon lohnt auch allein fürs Gucken einen Ausflug. (Und ich liebe das Parfüm von Bonpoint...).
DPAM: Gut, bezahlbar, überall in der Stadt.
Anais et Martin, 13, Rue des Récollets, 75010: Ein selten hübscher Kinderladen mit Mode, aber auch Armbändern und Spielzeug, direkt um die Ecke vom Canal Saint-Martin.
Petit Pan, 10, Rue Yvonne Le Tac, 75018: Kindermode (die Schlafanzüge!), Kissen und die unfassbarsten Papier-Lampions, die ich je gesehen habe.
Balouga, 25, Rue des Filles du Calvaire, 75003: Ein toller Laden für Kindermöbel.

WOHNEN
Eine günstige Möglichkeit, mit Kindern in der Stadt zu wohnen: ein Wohnungstausch. Wir waren mittlerweile drei Mal in Paris und wurden nie enttäuscht. Im Gegenteil. Mit ein bisschen Glück findet man Tauschpartner, die ebenfalls Kinder haben, und bekommt eine Wohnung mit Kinderzimmer. Die Adresse, über die wir immer unsere Wohnung tauschen: www.haustauschferien.com.

MEHR TIPPS
David Lebovitz: Ten Great Things to Do With Kids in Paris.
Washington Post: Paris with Kids.
Luvaville: Best Playgrounds in Paris.
Rookie Moms: Spend a week in Paris.
Oh Happy Day: 10 Things to do in Paris with kids.

UND WIE MACHST DU DAS, INDRE?


Name: Indre Zetsche (alias MiMa)
Alter: 39 Jahre
Mutter von: Milan (19 Jahre) und Mascha (fast 4 Jahre)
Stadt: Berlin
Beruf: Unternehmensberaterin (Schwerpunkt Kommunikation und Beteiligung)

Wie ist bei dir die Kinderbetreuung organisiert? Bist du zufrieden damit?
Mit der Betreuung bin ich sehr zufrieden. Nur manchmal ist mir zu viel Betreuung nötig. Mascha geht seitdem sie ein Jahr alt ist in eine Kindertagesstätte (staatlich), die bei uns in unmittelbarer Nachbarschaft liegt und von 7.30 bis 17.30 Uhr geöffnet ist. Über das Angebot kann ich mich wirklich nicht beklagen! Und die Erzieher/innen sind wirklich klasse! In der Regel ist Mascha von 8.30 bis 17 Uhr dort. Seitdem mein Mann auch Vollzeit arbeitet, haben wir an zwei Tagen eine Kinderfrau. Sie holt Mascha um 16 Uhr ab und ist bis 18.30 Uhr für sie da. Dann kommen wir nach Hause.

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?
Ich arbeite Vollzeit (durchschnittlich 50 Stunden die Woche) und bin ungefähr einmal in der Woche "auf Reisen". Mittwochs ist mein langer Tag, das heißt, ich bleibe bis abends im Büro. An anderen Tagen nehme ich mir oftmals Arbeit mit nach Hause. Wenn Mascha schläft, setze ich mich noch mal für 1,5 bis 2 Stunden an den Rechner. Das ist viel! Keine Frage. Aber ich mag meine Arbeit sehr. Sonst würde ich das gar nicht schaffen.

Manchmal wird es mir trotzdem alles zu viel: Arbeit, Familie, Haushalt, Freunde, Sport, Hobbys.... Dann muss ich einen Ausweg aus dem "Funktionsmodus" und etwas Ruhe, im besten Fall Muße finden. Das ist nicht einfach; eine wirklich gute Lösung habe ich noch nicht gefunden.

Wie sieht ein ganz normaler Wochentag bei dir aus?
6.45 Uhr - der Wecker klingelt
7.00 Uhr - ich stehe auf, setze die Espressokanne auf den Herd, mache die Milch für Mascha warm, gehe unter die Dusche
7.15 Uhr - mein Mann erwacht
7.30 Uhr - Mascha steht auf; wir trinken Café bzw. Milch auf dem Sofa, kuscheln, reden
8.10 Uhr - das Anziehen und Packen beginnt (nicht selten endet es mit Wutgebrüll)
8.30 Uhr - mein Mann oder ich bringen Mascha in die Kita (mit dem Rad)
9.00 Uhr - ich komme im Büro an. Dann heißt es: Kommunizieren, Konzipieren, Kalkulieren, Präsentieren, Delegieren, Moderieren, Argumentieren und vor allem: Zuhören. Unterbrochen werden diese Routinen von kurzen Gesprächen mit Kollegen/innen, Café trinken, einem Gang zum Mittagessen und hin und wieder einer Feier oder anderen kleinen Überraschungen
18 Uhr - ich fliege aus dem Büro, schwinge mich aufs Rad und sause nach Hause (donnerstags und jeden zweiten Freitag hole ich Mascha von der Kita ab und verlasse das Büro früher)
18.30 Uhr - Ankommen, Kindertränen wegwischen, Männersorgen nehmen, Abendessen und spielen
20 Uhr - Das Zubettgeh-Ritual beginnt: Waschen, Zähneputzen, Schlafanzug, Vorlesen, Singen, Kuscheln
21 Uhr - Arbeiten oder Yoga (mittwochs) oder mit dem Mann reden oder Freunde treffen oder Rumdaddeln
00 Uhr - Schlafen

Wieviel Zeit hast du für dich - jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?
Wenig. Aber oft reicht sie mir trotzdem. Einmal die Woche gehe ich zum Yoga.  Am Wochenende gehe ich eine Stunde laufen. 2-3 Abende im Monat treffe ich mich mit Freundinnen. Mir fehlt weniger Zeit als vielmehr Muße (wobei das natürlich eng miteinander zusammenhängt). Ich sehne mich danach, einfach mal wieder in den Tag hinein zu leben, mich von meinen Ideen und Bedürfnissen leiten zu lassen. Aus mir heraus handeln zu können, statt mich an beruflichen Aufgaben, familiären Anforderungen und kindlichen Bedürfnissen auszurichten.

Hast du dir das Muttersein so vorgestellt, wie es ist? Was hast du dir anders vorgestellt?
Die Frage ist schwer zu beantworten, da ich ja schon einen großen Sohn (19 Jahre) habe. Als ich nach 16 Jahren ein zweites Mal Mutter wurde, hatte ich daher eine recht gute Vorstellung davon, worauf ich mich "einlasse". Was ich mir damals - mit gerade 20 Jahren - vorgestellt habe, das erinnere ich nicht mehr so genau. Ich weiß nur, dass ich mit meiner damaligen Situation irgendwann sehr unglücklich war: Nach 2,5 Jahren Vollzeitmutter auf dem strukturschwachen Land war mein Bedürfnis nach Selbstbestimmung übergroß.

Was empfindest du als besonders anstrengend?
Die Machtkämpfe. Mascha ist ein solcher Dickkopf und dabei beharrlich. Sie kann stundenlang bocken, weil sie keine Socken oder nicht die Schuhe anziehen will, die wir für sinnvoll halten (siehe hier). Wenn ein Tag schon mit Streit und Gebrüll beginnt, bin ich irgendwie angeschlagen.

Was macht dich besonders glücklich?
Bei Mascha: Dass ich daran teilhaben kann, wie sie sich die Welt "erobert" - in Bildern, Rollenspielen, Fragen oder Erklärungen. Und mit ihr zu kuscheln. Das Gefühl, wie sich ihre kleinen Arme um meinen Hals schlingen und sie den Kopf auf meine Schulter legt, ist so wunderschön! Bei meinem Sohn M.: Miterleben zu können, wie er selbstständig wird und sein Leben mit großer Verantwortung nach seinen Vorstellungen gestaltet.

Welches Verhältnis hast du zum Vater deiner Kinder? Wie haben die Kinder dieses Verhältnis verändert?
M. hat einen anderen Vater als Mascha. Wir haben uns getrennt als er 2,5 Jahre alt war, aber wir haben - und das ist etwas, wofür ich wirklich dankbar bin - eine sehr gute, freundschaftliche und wohlwollende Beziehung aufbauen können. So hat sich M. nie für oder gegen ein Elternteil entscheiden müssen. Er hat mal bei mir, mal bei seinem Vater, mal bei uns beiden im wöchentlichen Wechsel gelebt - je nachdem, was für ihn gut und für uns möglich war.

Die Beziehung zu Maschas Vater hat sich mit ihr deutlich verändert. Wir haben als Eltern eine neue gemeinsame Aufgabe geschenkt bekommen und teilen die Sorgen, Hoffnungen, die Freude und das Leid, die man als Eltern so hat. Als Paar stecken wir seitdem jedoch ziemlich zurück. Die Male, die wir etwas zu zweit unternommen haben, kann ich fast an zwei Händen abzählen. Unsere Gespräche drehen sich viel um Organisatorisches - für inspirierende Diskussionen oder Zweisamkeit bleibt wenig Zeit. Die Paarbeziehung ist im Familien - und Arbeitsalltag keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eine echte Aufgabe: Wir müssen bewusst (Zeit-)Räume für uns schaffen.

Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft, die Politik, Menschen mit Kindern ausreichend unterstützt? Was müsste deiner Meinung nach besser werden?
Die Politik hat viel gemacht in den letzten Jahren, um die Situation von Menschen mit Kindern zu verbessern. Angefangen von gesetzlichen Rahmenbedingungen (Beispiel: Elternzeit und Elterngeld) über Kampagnen und Initiativen (zum Beispiel: Unternehmensprogramm Erfolgsfaktor Familie, Initiative Familienbewusste Arbeitszeiten oder Lokale Bündnisse für Familie). Und doch bleibt noch viel zu tun. Denn allen Modellen und Initiativen zum Trotz fehlt uns eine "Vereinbarkeitskultur", also eine Kultur, in der es normal ist, dass sich beispielsweise Sitzungstermine an Kita-Öffnungszeiten orientieren. Um diese Normalität zu schaffen, sind vor allem Männer und Manager (und die wenigen Managerinnen) gefragt. Erst wenn auch sie ihre Familienaufgaben ernst und die Vereinbarkeitsangebote ganz selbstverständlich in Anspruch nehmen, werden sich Kinder und Karriere, Familie und Beruf nicht mehr diametral gegenüber stehen.

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, das du vorher nicht wusstest? 
Was bedingungslose Liebe bedeutet.

Du hast 48 Stunden kinderfrei: was tust du?
Ich genieße die Stille am Morgen und die Ruhe am Abend und gehe mit meinem Mann fein essen, ins Kino und dann tanzen.

Was würdest du einer Frau sagen, die sich fragt, ob sie Mutter werden soll?
Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, wie es auf den ersten Blick erscheint. Zuerst wollte ich schreiben "Ja!", aber dann dachte ich an all die Mütter, die mit dieser Rolle überfordert sind. Es kommt also darauf an, wer mich in welcher Situation fragt. Wenn ich den Eindruck habe, die Frau kann die Herausforderungen, die das Muttersein mit sich bringt, meistern, würde ich ihr sagen: Ja. Muttersein ist wunderschön und ein, vielleicht der schönste Weg, immer wieder aufs Neue über sich selbst hinauszuwachsen.

Danke, liebe Indre!
Hier steht etwas über die Idee der "Und wie machst du das?"-Serie und hier sind die Fragebögen von Jule Pumpe und Kati Struckmeyer.


20 MONATE


Liebe Fanny,

wo fange ich an? Vielleicht bei diesem Moment vorhin. Du hast auf dem Esstisch gesessen, Dir die Salzdose geschnappt, sie aufgedreht und das Salz großzügig über den Tisch verteilt. Du warst sehr konzentriert dabei. Als Du fertig warst, hast Du in die Hände geklatscht und "mmmmmmmh" gesagt. Dein Papa hat mitgeklatscht und "der Tisch musste sowieso mal gesalzen werden" gesagt, Du hast "mehrmehrmehr" gesagt und mehrmehrmehr Salz auf dem Tisch verteilt, dann hast Du Dich zu mir gedreht und "Tisch, mmmmmh" gesagt. Du und das Salz und der Tisch und Dein Papa und die Riesensauerei, Du kannst Dir nicht vorstellen, wie glücklich ich in diesem Moment war. Wie schön es ist, Dir dabei zuzusehen, wie Du Dich freust. Es gibt nichts zwischen Dir und der Freude, weißt Du? Wenn Du Dich freust, bist Du nur Freude. Und Du freust Dich über so vieles. Du freust Dich, Salz zu verstreuen. Dein Messer in die Butter zu tauchen und Dein Brot zu schmieren, ganz alleine. Die Seite in "Gute Nacht, Gorilla" aufzuschlagen, wo alle Tiere "Gute Nacht" sagen, Du kannst Dich gar nicht einkriegen, wenn ich mit ganz hoher und ganz tiefer Stimme "Gute Nacht" sage, auch nicht nach dem fünfzigsten Mal. Alle Socken aus dem Korb zu räumen. Bär eine Windel zu machen. Die Pizza mit Käse zu bestreuen. Dich im Schrank zu verstecken. Eis zu essen. Den Wasserhahn auf- und wieder zuzumachen. Zu rutschen. Du freust Dich jedes Mal so sehr, wie man sich freut, wenn man etwas zum ersten Mal tut. Du schaffst es, ich weiß nicht wie, Dinge immer wieder zum ersten Mal zu machen, Fännchen.

Es ist aber nicht nur schön, Dir zuzusehen, wie Du Dich freust. Es ist auch schrecklich heilsam. Letzte Woche, der Himmel über Berlin war so grau wie meine Laune, bist Du auf den Balkon gerannt, als es angefangen hat zu regnen. Du hast Deine Hand ausgestreckt und sie in den Regen gehalten, Du hast "nass" gesagt und "Tropf, Tropf". Du hast jedem Tropfen nachgelacht, der auf Dir gelandet ist. Dann hast Du meine Hand genommen und sie in den Regen gehalten. So ist das mit Dir, Fanny. Du bringst mir mindestens so viel bei wie ich Dir. Wie das geht mit dem sich Freuen. Mit dem Regen und dem Leben, zum Beispiel.

So wie Du Dich freust, bist Du übrigens auch sauer. Du bist so gründlich sauer, dass wir uns manchmal umdrehen müssen, damit Du nicht siehst, wie wir beide grinsen, während Du in hohem Bogen Deinen Teller auf die Erde schmeißt. Weil ich mich erdreistet habe, Dir ein Stück Gurke auf Deine Gabel zu spießen. Deine Gurke. Mit Deiner Gabel. Von Deinem Teller. Von null auf Tellerwurf schaffst Du es in zwei Sekunden, Fanny. Dazu legst Du Deine Stirn in "Ich bin sauer"-Falten. Und es sind haargenau die gleichen "Ich bin sauer"-Falten, die ich auch immer habe, wenn ich mich ärgere. Kannst Du mir sagen, wie ich es da hinkriegen soll, streng zu gucken, wenn ich Dir sage, dass man Essen nicht auf die Erde wirft? Wie ich sie liebe, Deine Mama-Stirn. Gleich über Deiner Papa-Nase.

Noch mehr kleines, großes Glück: Wie Du Deinen Papa an die Hand nimmst, wenn er Dich ins Bett bringt, Euer heiliges Ritual. Wie Du am rechten Ellenbogen nach Vanillepudding riechst (wie irre ist das denn?). Wie Du Dich bei Deinem Papa empört über mich beschwerst und dafür nur zwei Worte brauchst, "Papa, MAMA!". Wie Du Dich manchmal (und nie, wenn ich es gerade so gerne möchte) an mich schmiegst, wie Du Deine Arme um meinen Hals wickelst und Deinen Kopf in meine Halskuhle gräbst. Und Dein Kinderkopfduft. Wie Du Dich nach dem Aufwachen noch anschmiegst, zehn Minuten, manchmal länger, Deinen bettwarmen Körper, bevor Du wach bist und nicht mehr geschmust werden willst, jedenfalls nicht andauernd. Wie Du auf mich zu rennst, wenn ich Dich vom Kindergarten abhole. Wie Du manchmal vorm Einschlafen Rede-Flashs hast, Fanny-Monologe, lange, aufgeregte Geschichten, alle paar Worte sagst Du Kita und Bär und Rutsche und Papa, dann schläfst Du ein. Wie sehr Du Essen liebst, Du probierst einfach alles. Deine Hartnäckigkeit, Du gibst nie auf, nie, niemals, wenn Du etwas haben oder machen willst. Wie Du schnarchst. Wie Du mir Deine Hand hinhältst, damit ich puste, wenn Du Dir weh getan hast. Wie Du meinen Finger gepustet hast, als ich mich geschnitten habe vor ein paar Tagen. Und wie Du dann auch ein Pflaster wolltest, genau auf die gleiche Stelle.

Liebstes Fännchen, falls das Leben Dich mal ärgert, falls Du einen doofen Tag oder eine doofe Woche hast, falls es draußen (oder im Herzen) mal regnet: Denk an das kleine Mädchen, das auf dem Balkon steht und seine Hände nach den Tropfen ausstreckt. Es hilft gegen alles. Ich schwöre.

Deine Mama
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