MEIN BERLIN: GOLDHAHN UND SAMPSON











Es gibt ja Menschen, die träumen davon, über Nacht in einem Kaufhaus eingeschlossen zu werden. Ich träume davon, bei Goldhahn und Sampson eingeschlossen zu werden, von mir aus ein ganzes Wochenende. Goldhahn und Sampson ist einer meiner liebsten Orte in Berlin, ein Lebensmittel-Geschäft, wie ich es mir immer ausgedacht habe, wenn ich von meinem Laden geträumt habe: Schon beim Reinkommen hat man das Gefühl, nach Hause zu kommen. Könnte man Wärme riechen, ich glaube, sie würde so duften wie Goldhahn und Sampson, nach Kaffee, Brot und Holz. Dass ich mich hier so wohl fühle, liegt aber vor allem an der Gegenwart von all den Lebensmitteln. Man findet in diesem Laden so ziemlich alles, was man sich wünschen kann, wenn man Essen (und Trinken) liebt: Risotto, Chillischoten aller Schärfegrade, jede nur erdenkliche Sauce, Wein, das Rosensalz, das meine Mutter so liebt, Schokolade, Kaffee, Tee, Chips, Öl, Essig, Polenta, Limonade, Currypaste, diese unfassbare Vanille-Paste, frisches Brot, Käse, Wurst, Obst und Gemüse. Glücklicher macht mich nur der Raum mit den Kochbüchern. Ein ganzer Raum voller Kochbücher! Der Ledersessel in der Ecke ist schon ganz abgewetzt von all den Menschen, die sich hier hungrig gelesen haben, genau wie ich. Wie schön, dass man ein Stück von diesem Glück mit nach Hause nehmen kann: ein paar Chilis für den Mann, zwei Madeleines für Fanny und eine Packung Clipper-Tee für mich. Bis zum nächsten Mal, bald, sehr bald.

Goldhahn & Sampson, Dunckerstraße 9, 10437 Berlin, Mo-Fr 8-20 Uhr, Sa 10-20 Uhr, Email: hallo@goldhahnundsampson.de, www.goldhahnundsampson.de. Es gibt auch ein umfangreiches Kochkurs-Programm, für das man sich auf der Homepage anmelden kann.

UND WIE MACHST DU DAS, VALERIE?



Name: Valerie
Alter: noch 29, bald 30 (und ich freu mich drauf!)
Mutter von: Leonie (achtdreiviertel), Julian (gerade 6 geworden) und Jakob (dreieinhalb)
Stadt: Herrsching am Ammersee bei München
Beruf: Hausfrau (ich finde diese Bezeichnung so blöd! Ein Fulltime-Job!)

Wie ist bei dir die Kinderbetreuung organisiert? Bist du zufrieden damit?
Ich bin seit nunmehr fast neun Jahren in der glücklichen (und manchmal auch genervten) Lage, zu Hause sein zu können. Da ich kurz vor dem Abitur schwanger wurde und wir Kinder in kurzem Abstand wollten, stellte sich für uns nie die Frage, ob ich zwischendurch arbeiten oder studieren gehen würde. Natürlich gingen bzw. gehen alle drei Kinder in den allerbesten Kindergarten der Welt (den schon mein Mann vor 30 Jahren besuchte - bis Ende August sogar mit der gleichen Leiterin wie damals!) und unsere Tochter geht seit Beginn ihrer Schulzeit zwei bis drei Mal pro Woche zu den Großeltern, die im gleichen Ort wohnen, zehn Minuten Fußweg von uns entfernt.  Theoretisch ist der Kindergarten von 7:30 bis 16:45 Uhr geöffnet und unsere Jungs sind auch für die komplette Zeit gebucht, praktisch nehme ich das aber meist nur für den Größeren in Anspruch, Jakob hole ich vier von fünf Tagen um 14 Uhr ab.

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?
Momentan arbeite ich gar nicht, bzw. manage den Haushalt und die Kinder alleine, da mein Mann schon seit längerem unter der Woche in anderen Städten Deutschlands arbeitet. Abgesehen davon orientiere ich mich momentan und überlege, ob und wie ich Ausbildung oder Studium mit Kindern unter einen Hut bekommen könnte und was ich überhaupt machen soll (zur Wahl stehen: Diplom-Europa-Sekretärin, Floristin oder Visual Merchandiser. Konditorin oder Hotelfach werden Träume bleiben, weil es zeitlich einfach nicht geht). Ab Januar möchte ich gerne Teilzeit arbeiten und weiß, dass ich dann auf meine Schwiegereltern zählen kann, was Kinderbetreuung oder Abhol- und Fahrdienste betrifft.

Wie sieht ein ganz normaler Wochentag bei dir aus?
Mein Wecker läutet um sechs Uhr und in der Regel stehe ich dann gleich auf - andernfalls komme ich in Zeitnot und Stress. Als Erstes mache ich die drei Pausenboxen fertig, richte das Frühstück her und mache meinen ersten Kaffee. Zumindest der Jüngste ist dann immer schon wach (wenn er nicht schon vor dem Weckerläuten zu mir ins Bett gekrochen ist...) und so gilt es, die beiden mosernden älteren Geschwister aufzuwecken. Das macht leider selten Spaß. Anziehen (oder besser gesagt: mehrfach dazu auffordern), ermahnen und erinnern, bis dann alle am Frühstückstisch sitzen, ist es 7:15 Uhr. Da die Große spätestens um 7:40 Uhr das Haus verlassen muss, heißt es, schnell zu frühstücken, sie putzt ihre Zähne und ich mache ihre Haare. Danach den Jüngsten anziehen, mich duschen, anziehen und schminken, die Jungs unter Protest vom Lego wegholen, Zähne putzen, schnell, schnell aus dem Haus und mit Ach und Krach um 8:30 Uhr im Kindergarten einlaufen (dieses Zeitloch, in das wir jeden Morgen fallen, das suche ich echt sehr!). Zurück im Auto erstmal durchschnaufen. Montags besuche ich bis Dezember einen Nähkurs in einer der nahegelegenen Kreisstädte und nähe für zwei Stunden. Die restlichen Vormittage habe ich zur freien Verfügung und fülle sie mit Treffen mit Freunden, Haushalt und Sport im Fitnessstudio. Mittagessen muss ich glücklicherweise nie kochen, nachmittags puzzle ich rum, surfe oder lese, während der Jüngste spielt oder schläft - je nach Tagesverfassung, dann bereite ich das Abendessen vor (an guten Tagen) bis wir ab 16:30 Uhr alle einsammeln. Dazu kommen Mittwoch, Donnerstag und Freitag die Freizeitaktivitäten der beiden Großen am Nachmittag: Reiten, Klavier und Hip-Hop für die Dame, Fußball und bald auch Gitarre für den Herren. Natürlich will man das eine oder andere Mal auch einen Freund oder eine Freundin treffen, das schieben wir auch noch rein. Und meine Verpflichtungen im Elternbeirat des Kindergartens und die damit verbundenen Aktivitäten. Wir essen gegen 18 oder 18.30 Uhr, und die Jungs gehen zwischen 19 und 19.30 Uhr ins Bett, nach Zähne putzen, vorlesen und singen, Leonie dann so gegen 20 Uhr. Ich gehe abends sehr selten weg, eigentlich nur, wenn mein Mann mal zu Hause ist. Die An- und Heimfahrt nach München dauert mir mit 80-120 Minuten einfach zu lange und der Babysitter ist mir dann zu teuer.

Wieviel Zeit hast du für dich - jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?
Ich war im Sommer sehr am Limit und froh, als wir in den Urlaub fuhren. Das ständige Hin und Her, die Verpflichtungen, das hat mich extrem mitgenommen. Seit mein Jüngster auch vormittags in die Kindergarten geht, geht´s mir richtig gut. Und ich hab es mir echt gegönnt, nichts zu tun und ganze Vormittage komplett zu versandeln. Ich genieße es, mit einem lieben Freund äußerst entspannt zwei Stunden zu Mittag zu essen, zu quatschen und zu lachen, ohne von einem Kind gestört zu werden. Entspannt ins Sportstudio zu gehen. In ein Café zu gehen und die Leute um mich herum zu beobachten oder zu lesen. Alleine und in Ruhe (!!) einkaufen zu gehen, egal, ob Essen oder Kleidung oder Geschenke oder Ikea. Einen VHS-Kurs zu besuchen. Ja, ich habe mittlerweile definitiv genügend Zeit für mich und habe ein wenig Angst davor, wie das wird, wenn ich arbeiten gehe.

Hast du dir das Muttersein so vorgestellt wie es ist? Was hast du dir anders vorgestellt?
Als ich mit gerade einmal 20 schwanger wurde, war ich so unglaublich naiv. Ein Kind - hell yeah, warum nicht. Ist doch alles so easy. Die Schwangerschaft war es auch. Die Geburt nicht (diese Schmerzen und diese Warterei, das kann man sich vorher echt nicht vorstellen). Und danach die Einsamkeit, die hat mich umgehauen. Ich kannte im Ort meines Mannes niemanden, wirklich niemanden. So fuhr ich zwei Mal pro Woche mit der S-Bahn nach München, zu den Freundinnen aus dem Geburtsvorbereitungskurs und meinen Eltern, meiner Tante und meinen Großeltern. Nach einem Jahr besuchte ich dann das erste Mal das Familienzentrum hier, fühlte mich auf Anhieb wohl, aber ich war mit Abstand die Jüngste, alle anderen waren zehn, teilweise 20 Jahre älter als ich. Nein, auch da musste ich nach einem Jahr feststellen, dass ich nicht dazu gehörte. Eigentlich kam ich hier erst an, als unsere Große mit dreieinhalb Jahren in den Kindergarten kam. Natürlich sind auch heute die meisten Freundinnen älter als ich, aber so ist das halt. Da meine Mama starb, als ich 9 war und mein Papa ebenfalls vor drei Jahren, fehlt mir oft die Instanz, an die ich mich wenden kann, wenn ich etwas aus meiner Vergangenheit wissen will. Auch die Tatsache, dass meine Schwiegereltern für meine Kinder wichtiger sein würden als mein Papa und meine Stiefmutter, das hatte ich so nicht gedacht. Wie anstrengend Kinder sein können, wie sehr sich das Leben verändert, wovor man plötzlich Angst hat und dass man sich nicht vorstellen mag, dass die Kinder schneller groß werden, als einem lieb ist, das ist wirklich anders, als ich dachte. Die innige Beziehung zu meiner Großen, die ich mir in der Schwangerschaft vorgestellt hatte, die gibt es leider auch nicht. Ich liebe sie natürlich, aber wir sind uns so ähnlich, dass wir oft "aneinander rutschen". Dass ich dagegen meine Jungs so easy finden würde, hätte ich mir auch nie träumen lassen. Ergo - Muttersein ist anders, als ich dachte, deswegen aber nicht schlechter. Manches kann man einfach erst verstehen, wenn man es erlebt.

Was empfindest du als besonders anstrengend?
Die Fremdbestimmtheit. Wann es Essen gibt, welchen Urlaub wir machen, welches Auto wir kaufen, wo und wie wir umziehen, wann ich aufstehe, das alles wird von drei kleinen Mini-Banditen bestimmt. Oder auch der von uns liebevoll genannte "Beschäftigungsanspruch" unserer Bande. Denn so oft, wie in unserem Sommerurlaub, hat unsere Große schon lange nicht mehr "Mir ist langweilig!" gesagt. Was dann bei ihr (und uns) zu schlechter Laune und Piesackerei der Brüder führt. Und noch etwas: wie unglaublich oft Kinder krank werden. Und was sie alles anschleppen. Wir hatten hier schon x-Mal Scharlach, Läuse, Magen-Darm-Orgien (inklusive Würmer!) und natürlich Husten und Schnupfen vom Feinsten. Im Kindergarten schnappen sie wirklich ALLES auf.

Was macht dich besonders glücklich?
Ganz banal und kitschig: dass meine drei Kinder mich immer lieben, egal wie ich gelaunt bin. Dass von den beiden Großen ein Lob kommt, wenn das Essen oder die Brotzeit besonders gut geschmeckt haben. Wie oft ich von außen höre, was für wohlgeratene Kinder wir haben. Die höflich sind, gerne und gut und nahezu alles essen und neugierig genug sind, Unbekanntes zu probieren, sich in fremden Haushalten erstklassig zu benehmen wissen und, mit Beschäftigungsmaterial, auch ohne Weiteres in ein Restaurant mitgenommen werden können. Offensichtlich machen wir unsere Sache nicht so schlecht...

Welches Verhältnis hast du zum Vater deiner Kinder? Wie haben die Kinder dieses Verhältnis verändert?
Ich glaube, wir führen das, was man "eine gute Ehe" nennt - und das meine ich ganz positiv. Eigentlich sind wir nämlich zwei grundverschiedene Typen, aber wir akzeptieren den Anderen so, wie er ist, und versuchen weder, ihn umzuerziehen noch ständig zu kritisieren. Genauso wie wir Freiraum geben, ohne eifersüchtig zu sein (weil es dazu auch keinen Grund gibt). Dass es für ihn außer Frage stand, dass ich Vollzeit bei den Kindern bleibe, finde ich toll und er setzt mich auch jetzt nicht unter Druck, doch endlich arbeiten zu gehen, sondern legt es mir nur ans Herz, weil er weiß, dass es mir gut tut. Natürlich ist man im elften Beziehungsjahr nicht ganz so crazy verliebt wie am Anfang, aber die Liebe, die wir heute haben, ist so tief und so ehrlich, dass es mich manchmal schier umhaut. Selbst als ich vor zwei Jahren mal sehr zweifelte (das darf man, wenn man sich mit 19 verliebt, mit 20 geheiratet und mit fast 21 Mutter wird. Um nicht zu sagen: ich hatte befürchtet, dass es irgendwann passieren würde) und sich zudem gleichzeitig ein anderer, sehr viel älterer Mann in mich verknallte (und ich mich in ihn - trotz 17 Jahre Altersunterschied) war klar, dass ich mich nie trennen würde. Natürlich ist unsere Beziehung anders und gerade durch die knappen Altersabstände von jeweils zwei Jahren bei unseren Kindern leidet die Intimität sehr. Es gab Zeiten, da lagen wir wie Bruder und Schwester im Bett. Aber es wird, und ich weiß, keiner kennt mich so gut wie er und weiß, was mit mir los ist.

Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft, die Politik, Menschen mit Kindern ausreichend unterstützt? Was müsste deiner Meinung nach besser werden?
Nein, das passiert nicht. So lange man als verhältnismäßig junge Mutter immer noch komisch angeschaut wird, so lange man hören muss, dass mehr als zwei Kinder "asozial" sind, so lange man ein XXL-Auto braucht (hier ein VW-Bus), weil man andernfalls keine drei Kindersitze unter bekommt, so lange Vermieter "Aber ein Viertes soll nicht kommen, oder?" fragen oder noch besser "Ein solventes Ehepaar mittleren Alters, keine Haustiere" suchen, so lange wir zwei Hotelzimmer brauchen und für drei Kinder 80% des Flugpreises zahlen, so lange Frau Schröder mit kurios-blöden Ideen kommt, krankt es in unserer Gesellschaft. Außerdem sind Kinder mittlerweile ein Statussymbol, müssen x Kurse belegen und jede Mutter versucht, die andere zu übertrumpfen, ich finde das so schade. In meinen Augen müsste es wieder normaler und natürlicher werden, Kinder zu haben. Irgendwo las ich vor ein paar Wochen, dass sich Eltern mit der Über-Fokussierung auf Kinder keinen Gefallen tun, egal, ob es um Kurse, Erziehung auf Diskussionsbasis oder Verhätschelung geht, und ich glaube sogar, das kam von Jesper Juul. (Wir machen das nicht und fahren bisher ganz gut damit). Das würde auch bedeuten, dass es gerade Familien mit mehreren Kindern von Politikern wie den Mitmenschen leichter gemacht werden sollte, Kinder zu haben bzw. zu bekommen und es z.B. auch schon bei drei Kindern Vergünstigungen geben sollte. Oder mehr Unterstützung, gerade was das Wohnen betrifft, das ist ein Trauerspiel. Außer wir ziehen so weit aufs Land, dass ich nur noch Mama-Taxi bin und meine Kinder mit spätestens 16 auf der Vespa unterwegs sein würden, sehr zu meiner Unruhe.

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, dass du vorher nicht wusstest?
Mütter sind wie Krähen! Da wird gehackt und gespitzelt, gelästert und seziert. Mütter untereinander können sooo subtil fies sein und da schließe ich mich nicht aus. Nicht, was das fies sein betrifft, das konnte ich noch nie, eher das Lästern. Trotz meiner jungen Jahre habe ich schon so Vieles erlebt, Schlimmes wie Tolles, das hat mich geprägt. Ich kann nichts mit Esoterik, Engeln oder Ähnlichem anfangen und das ist gerade bei uns im Kindergarten bei manchen sehr verbreitet. Oder anders gesagt: Ich stehe so sehr mit beiden Beinen am Boden, dass ich auf andere sehr streng oder spießig wirke. Ich weiß, dass ich viel leisten kann, ohne umzufallen (zum Beispiel den eigenen Vater sechs Wochen nach der Entbindung tot in der Wohnung zu finden, bzw. die Polizei, die die Wohnung öffnet, und dann als Alleinerbin alles zu regeln). Und dass ältere Mütter mich um Rat fragen, ehrt mich sehr. Freundschaften verändern sich sehr, wenn man Kinder bekommt und viele zerbrechen leider auch, ich habe keine echte Freundin mehr "von früher". Und leider herrscht mittlerweile wieder ein Unverständnis darüber, wie Kinder sind - bei jüngeren Mitmenschen genauso wie bei ganz alten. Schade.

Du hast 48 Stunden kinderfrei: was tust du?
Ein Wochenende mit meinem Mann in einem tollen Wellness-Hotel in Kitzbühl, in das ich schon lange möchte. Ausschlafen, Zeit füreinander haben, in Ruhe frühstücken und dabei Zeitung lesen, wellnessen (ich - der Mann würde eher schwimmen oder ins Fitness-Studio gehen), Mittagsschläfchen halten, nachmittags bummeln oder in die Berge gehen, abends schlemmen und dann eine wunderbare Nacht miteinander verbringen. Hach, da bekomm ich doch glatt Schmetterlinge im Bauch. Und das Gleiche dann am nächsten Tag noch einmal von vorne...

Was würdest du einer Frau sagen, die sich fragt, ob sie Mutter werden soll?
Nicht nachdenken, ob oder ob nicht. Einfach machen, denn sonst überwiegen immer die Zweifel. Einfach machen, denn Muttersein ist, mit all seinen Auf wie Abs, mit all den Freuden, Anstrengungen und Zweifeln, mit der Verantwortung und den Hürden, wirklich das Beste, dass man erreichen kann. Es ist Bleibender als jedes Diplom, jede Auszeichnung und jeder Titel und wirklich mit nichts vergleichbar. Es ist immer anders, als man es sich vorstellt, und manchmal sind da nach der Geburt graue Schleierwolken anstelle der rosa Wattewölkchen. Aber auch die gehen vorbei. Und es ist keine Schande, Hilfe anzunehmen, wenn man sie braucht. Mutter zu sein heißt nicht, alles alleine stemmen zu müssen, denn Mütter sind nicht das Universum des Kindes, und wenn man merkt, dass es zu viel wird, muss und darf man um Unterstützung bitten. Denn die kommt dann auch! Es heißt schließlich nicht umsonst: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.

Vielen herzlichen Dank, liebe Valerie. Alle anderen Mütterfragebögen sind hier zu finden.
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

EIN KOCHBUCH, EIN REZEPT: JERUSALEM






Das hier ist der Beginn einer neuen Serie. Eine Serie über meine Lieblingskochbücher: Ein Kochbuch, ein Rezept, viele Fotos - vielleicht mögt ihr Kochbücher ja auch so wie ich. Den Anfang macht das neue Buch des von mir groupiehaft-verehrten Yotam Ottolenghi. Gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Sami Tamimi hat er über seine Heimatstadt Jerusalem geschrieben - eines der schönsten Kochbücher, das mir je untergekommen ist. Aber vorneweg und zu Beginn wird erst einmal der Tisch gedeckt, mit meinem Lieblingsrezept aus "Jerusalem": Salat mit Süßkartoffeln, Feigen und Ziegenkäse.

Mit diesem Salat habe ich den Mann in den letzten Wochen wahnsinnig gemacht. Ich weiß nicht, wie oft ich ihn gekocht habe, oft, sehr oft, beschämend oft. Es sollte mir jedenfalls zu denken geben, wenn der Mann auf die Frage "Worauf hast du heute Hunger?" mit  "Alles - solange es nicht der Süßkartoffelsalat ist" antwortet. Sobald er einmal auf dem Tisch steht, isst er ihn allerdings trotzdem. Denn dieser Salat ist einfach zu gut: herzhaft und süß, weich und knusprig, raffiniert, aber nicht kompliziert zu machen. Und diese Farben! Meinen Bruder und meine Mutter habe ich bei ihrem letzten Besuch auch schon angesteckt. Sogar meinen Vater, der Ziegenkäse überhaupt nicht mag. Hier ist das Rezept - minimal abgewandelt:

SALAT MIT SÜSSKARTOFFELN, FEIGEN UND ZIEGENKÄSE

ZUTATEN (für vier Personen)
4 kleine Süßkartoffeln
6-7 EL Olivenöl
40ml Balsamico
20g Zucker
1 Bund Frühlingszwiebeln (der Länge nach halbiert und in 4cm große Stücke geschnitten)
1 rote Chili (wer mag)
6 frische Feigen, geviertelt
150g Ziegenfrischkäse (ich nehme immer "Andechser Natur", der passt sehr gut dazu)
Salz und Pfeffer

Den Ofen auf 240°C vorheizen. Die Süßkartoffeln schälen, der Länge nach halbieren und jede Hälfte in 3-4 Spalten schneiden. Mit 3 EL Olivenöl vermischen, salzen und pfeffern und auf ein mit Backpapier belegtes Blech verteilen. Für etwa 25 Minuten backen, bis sie weich sind. Aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.

Für die Balsamico-Reduktion den Balsamico-Essig und den Zucker in einen kleinen Topf geben. Zum Kochen bringen, dann die Hitze reduzieren und für 2-4 Minuten köcheln lassen. Den Essig von der Flamme nehmen, wenn er noch etwas flüssiger als Honig ist - er dickt während des Abkühlens noch weiter ein.

Die Süßkartoffel auf den Tellern verteilen. 3-4 EL Olivenöl in einem kleinen Topf erhitzen und die Chili und Frühlingszwiebeln dazu geben. Auf mittlerer Hitze für 4-5 Minuten anbraten, dabei oft umrühren. Alles über die Süßkartoffeln geben. Die Feigen verteilen, den Ziegenkäse darüber krümeln und zum Abschluss ein paar Spritzer der Reduktion über alles geben.









"This book and this journey into the food of Jerusalem form part of a private odyssey", schreiben Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi in ihrem Vorwort. "We both grew up in the city, Sami in the Muslim east and Yotam in the Jewish west, but never knew each other. We lived there as children in the 1970s and 1980s and then left in the 1990s, first to Tel Aviv and then to London. Only there did we meet and discover our parallel histories; we became close friends and then business partners, alongside others in Ottolenghi. (...)

The flavours and smells of this city are our mother tongue. We imagine them and dream in them, even though we´ve adopted some new, perhaps more sophisticated languages. They define comfort for us, excitement, joy, serene bliss. Everything we taste and everything we cook is filtered through the prism of our childhood experiences: foods our mothers fed us, wild herbs picked on school trips, days spent in markets, the smell of the dry soil on a summer´s day, goat and sheep roaming the hills, fresh pitas with minced lamb, chopped parsley, chopped liver, black figs, smoky chops, syrupy cakes, crumbly cookies. (...) We want to offer our readers a glimpse into a hidden treasure, and at the same time explore our own culinary DNA, unravel the sensations and the alphabet of the city that made us the food creatures we are."

Man weiß, was sie gesucht und gefunden haben, wenn man die Gerichte in diesem Buch sieht (und riecht - ich schwöre, die Gerichte sind so schön fotografiert, dass man sie riechen kann): die verbrannte Aubergine mit Knoblauch, Zitrone und Granatapfel. Die beiden Pfannen voller Shakshuka. Die gerösteten Kartoffeln mit Karamell und Backpflaumen. Das Gerstenrisotto mit Feta. (Wie gerne hätte ich die Pistazien-Suppe gesehen, leider gibt es zu diesem Rezept kein Bild). Die Hähnchenpfanne mit Clementinen und Arak. Und der Joghurt-Pudding mit Pfirsichen. Ich liebe dieses Kochbuch, ich liebe es sogar sehr - auch weil ich bewundere, mit welcher Leidenschaft und Präzision sich beide auf die Suche nach dem Geschmack ihrer Kindheit gemacht haben.

"Jerusalem" von Yotam Ottolenghi & Sami Tamimi (Random House UK, 288 Seiten, 22,95 Euro, auf englisch) ist hier zu bestellen. Die deutsche Ausgabe von "Jerusalem" erscheint bei Dorling Kindersley Anfang 2013. Hier sind das erste und zweite Kochbuch von Ottolenghi zu finden. Hier sind seine Rezepte aus dem Guardian. Hier ist eine Geschichte über ihn aus der New York Times, der LA Times und aus dem Tagesspiegel. Hier ein Interview im Guardian und ein Video, in dem beide ihr Buch vorstellen. Und jetzt habe ich eigentlich nur noch einen Wunsch: Endlich mal wieder nach London und einmal bei Ottolenghi essen.

PS: Falls jemand von euch einen gebrauchten Brio Go-Kinderwagen verkaufen will - bitte bei mir melden. Unserer wurde letzte Woche geklaut (und ich bin immer noch nicht ganz drüber weg).

KLEIN & GROSS: WAS WIR GERADE GERNE TRAGEN


Ein paar Lieblinge, die wir gerade immer (und immer) wieder anziehen:
Klein: Mütze und Schal von COS, Strickpullover von Zara, braune Jacke von Monoprix, graue Jeans von Zara, rote Schuhe von Stups.
Groß: Mütze und Schal von COS, gelber Pullover von COS, Mantel von Mango, schwarze Jeans von Levis Curve ID, Turnschuhe von Nike.

Jetzt bin ich neugierig: Von welchem Lieblingsstück könnt ihr euch gerade kaum trennen?

ZIMTSCHNECKEN





Der Geruch, der beim Backen von Zimtschnecken aus dem Ofen aufsteigt. Und der erste Biss, wenn sie noch ganz warm sind. Zimtschnecken habe ich schon als Kind geliebt. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Auch weil dieses Rezept so einfach ist, dass sie schneller fertig sind als man Heißhunger sagen kann.

ZUTATEN
1 Packung Hefeteig (lieber gekühlt als tiefgekühlt, dann spart man sich das stundenlange Auftauen)
1-2 EL weiche Butter
1 Tasse brauner Zucker
1 EL Zimt

GLASUR (wer mag)
Ein paar EL Puderzucker
1-2 EL Milch

Den Ofen auf 200°C Ober/Unterhitze vorheizen. Den Teig entrollen und mit Butter bestreichen. Eine Auflaufform buttern. Zimt und Zucker vermischen, auf den Teig streuen und leicht andrücken. Den Teig zu einer Rolle aufrollen. Die Rolle in ca. 2 Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Die Scheiben dicht aneinander in die Auflaufform legen. Etwa 20 Minuten backen bis die Zimtschnecken goldbraun sind. Wer´s gerne etwas süßer mag, verrührt Puderzucker mit Milch und glasiert die gebackenen Schnecken.

Ein schönes, leckeres Wochenende! 

23 MONATE



Liebe Fanny,

heute morgen wollte ich die Tafel abwischen, auf der wir immer notieren, was gerade einzukaufen ist, Spültabs, Ketchup und Kaffee stand da, und ein bisschen tiefer, darunter, eine 1, eigentlich nur noch zu erkennen, wenn man weiß, was da einmal gestanden hat. Heute vor genau zwei Jahren stand da 40. Mein Bauch war schon riesig und du so groß, dass ich bequem Gläser auf meinem Bauch abstellen konnte und Schüsseln voller After Eights, von denen ich nie genug bekommen konnte. Ich war schon ein bisschen ungeduldig, Dich endlich zu sehen, ich war sogar sehr ungeduldig, ungeduldiger als ich war nur Dein Vater, Fanny. Jeden Abend hat er mit Dir geredet. Und jeden Morgen. Manchmal sogar nachts, wenn er gedacht hat, dass ich es nicht höre. Und immer, wenn er in meinen Bauch geflüstert hat, bist Du gehüpft, jedenfalls hat es sich so angefühlt (lustig - heute hüpfst Du noch immer, wenn du dich über etwas freust, Du sagst hops, hops und springst durch die Wohnung, wild und glücklich, hops, hops). Damals haben wir die Tage bis zum Geburtstermin heruntergezählt, jeden Morgen die alte Zahl weggewischt und eine neue hingeschrieben, die 9, die am Ende auf der Tafel stand, als es losging, neun Tage zu früh, habe ich noch Wochen später nicht wegwischen können. Und als ich heute die 1 wiedergefunden habe, unter dem Ketchup und dem Kaffee, die 1, die da irgendwann einmal gestanden haben muss, als Du noch gar nicht auf der Welt warst, 100 und ein paar Tage vor Deiner Geburt, habe ich versucht, mich an die Zeit zu erinnern, als Du noch nicht bei uns warst.

Weißt Du was? Es ist mir wirklich schwer gefallen. Du bist so sehr da, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass es tatsächlich mal eine Zeit gab, in der Du nicht da gewesen bist - eine Zeit, als wir zu zweit und nicht zu dritt waren, ein Paar, noch keine Herde. Was mir dann noch eingefallen ist: Es gab nicht einen einzigen Tag mit Dir, den ich nicht geliebt habe. Nicht einen. Es gab anstrengende Tage, Tage, an denen ich vor Überforderung geheult habe, Tage, an denen Du krank warst und wir krank waren, aber nicht krank sein durften, weil Du doch krank warst, Tage, an denen ich schon morgens am liebsten desertiert wäre, weil wir spät dran waren und Du deine Jacke nicht anziehen wolltest und die Schuhe schon gar nicht und Dich auf die Erde geworfen und geschrien hastMorgende, an denen ich schon vor dem ersten Kaffee dachte, jetzt kracht die ganze Welt zusammen. Manchmal war ich so müde, dass es richtig weh getan hat. Aber selbst an Tagen wie diesen warst da immer noch Du. Selbst an Tagen wie diesen war das Gefühl, das unter allem allem lag, wie ein dicker Teppich, immer Liebe. Seit Du da bist, bin ich ein so viel glücklicherer Mensch, Fanny. Du machst mich so glücklich wie mich noch nie im Leben etwas glücklich gemacht hat (außer vielleicht Dein Papa, aber der wird es mir nicht übel nehmen, wenn ich Dir das schreibe, ihm geht´s ja genauso).

Es macht mich glücklich, wenn Du auf meinem Schoß sitzst, alle meine Aquarellstifte auf meinem Schreibtisch ausschüttest, nach einem Glas Wasser verlangst und dann anfängst zu malen, fast immer eine Rutsche, manchmal eine Katze, Kreise, Striche, so entschieden, wie man als Erwachsener später nie mehr malt. Hinterher nimmst Du einen Pinsel, tauchst ihn in das Glas und setzt das Blatt und den Schreibtisch unter Wasser, weil ich Dir mal gezeigt habe, dass man die Striche mit Wasser verwischen kann. Es macht mich glücklich, wenn Du Dich mit mir aufs Sofa legst und Dir in meinem Arm ein Buch ansiehst und meine Hand hältst oder Deine Hand in meinen Ärmel schiebst und sie da verknotest und wir einfach daliegen. Manchmal sagst Du Ohhh. Oder Löwe suchen. Oder Oh, nein, Mama, Hund AUA, weil der Hund im Buch vom Fahrrad gefallen ist, und ich wünsche mir, dass wir nie wieder aufstehen müssen und ewig nur einfach daliegen könnten. Es macht mich glücklich, wenn ich einen Kuchen backe und Du Dir ganz aufgeregt den weißen Tritt an den Tresen schiebst und hochkletterst und Fanny auch backen sagst, und Deine Stimme beim auch diesen Glückskiekser nach oben macht, weil Du Dich so freust. Und ich Dir die Packung mit den Eiern gebe, die aufgeschlagen werden müssen, weil ich Dir immer die Eier aufhebe, und Du die Eier nimmst und sie mit Entzücken (und Schale) in die Schüssel knackst. Es macht mich glücklich, wenn Du singst, Du singst noch gar nicht so lange, drei, vier Wochen vielleicht, am liebsten zu Alicia Keys Empire State of Mind, Du liebst dieses Lied, sobald Du es hörst, breitest Du die Arme aus und singst, lalalaaaa, lalalaaaa. Es macht mich glücklich, dass Dein erstes Wort gleich nach Mamapapa Nein lautete, eines der allerwichtigsten Wörter, die es gibt, finde ich, schon gleich für ein Mädchen, mein Gott, wie lange ich gebraucht habe, um mir meine Neins zuzutrauen. Du sagst oft Nein, Fanny, und immer sehr entschieden. Es macht mich glücklich, wenn Du jeden, den Du siehst, begrüßt, während Du hinter mir auf dem Fahrrad sitzst, Hallo Kind sagst oder Hallo Hund, manchmal begrüßt Du auch die Tiere in den Büchern und den Stuhl in der Küche. Wie freundlich Du bist. Und wie mitfühlend. Letzten Sonntag, als es so irre geregnet hat, hast Du meine Hand genommen und bist mit mir ans Fenster gegangen, um Dir mit mir den Regen anzusehen. Oh nein, sagte ich, da wird Dein Papa ja ganz nass, eigentlich hatte ich nur laut gedacht, aber Du warst ganz untröstlich. Oh nein, hast Du gesagt, Papa nass. Dann hast Du Dich vor das Fenster gestellt und gepustet, damit er schnell wieder trocknet, Papa pusten, Mama, Papa pusten, und ich musste auch pusten wie sonst nur, wenn Du Dir weh getan hast. Es macht mich glücklich, Dir dabei zuzusehen, wie Du Dich selbst vergisst, wenn Du malst, spielst, tanzt, völlig versunken in das, was Du tust. Es macht mich glücklich, Dir beim Rennen zuzusehen, wie Du einfach losrennst, wenn Dir danach ist, in diesem Wahnsinnstempo, das man so einem kleinen Körper gar nicht zutraut, nur, weil Du rennen magst, das Rennen magst. Es macht mich glücklich, wenn du auch ein Handtuch zusammenlegen willst, während ich die Wäsche mache, und wie Du dann dieses Handtuch nimmst und haargenau so ausschüttelst wie ich es immer mache (irre, was Du alles nachmachst und wie genau du es nachmachst, Fanny, manche Dinge an mir fallen mir erst auf, wenn ich sehe, wie Du sie nachmachst, gestern hast Du zu Deiner Puppe Naaa, Süße? gesagt wie ich es manchmal zu Dir sage, ich konnte noch ein halbe Stunde später nicht aufhören zu grinsen). Es macht mich glücklich, dass Du eine Quatschmacherin bist. Es macht mich glücklich, wie Du Dir meine Ringe klaust und sie anziehst und sagst, dass es jetzt Deine sind. Es macht mich glücklich, wie Du Dich an mich schmiegst, wenn Du müde bist oder Dich verstecken willst, wenn wir Besuch haben oder Du jemanden noch nicht so gut kennst. Du hast ja keine Ahnung, wie es sich anfühlt, wenn sich so ein kleiner Kinderkopf in deine Halskuhle schmiegt, jeden Zentimeter ausfüllend, Fännchen. Es macht mich glücklich, das Trappeln zu hören, wenn Du nach dem Mittagsschlaf den Flur hinunter läufst, dein Kinderfußtrommelwirbel, trapp, trapp, trapp. Und Dein Gesicht direkt nach dem Aufwachen, die Haare in alle Richtungen abstehend, die Backe noch ein bisschen rot vom Kissen und ganz warm. Es macht mich glücklich, Dir beim Schlafen zuzusehen, in Deinem lila Schlafanzug mit den weißen Streifen, der noch ein kleines bisschen zu groß ist. Und glücklich, dass ich immer weiß, ob Du tief schläfst oder gleich aufwachst, ob Du gut träumst oder schlecht, weil ich Deinen Atem auswendig kenne, Fanny. Es macht mich glücklich, einen Strich an den Türrahmen zu malen und das Datum daneben zu schreiben, in den letzten vier Wochen bist Du zwei Zentimeter gewachsen. Und wie ich gleich nach dem Strich über Deinem Kopf auch einen Strich für Teddy an den Türrahmen malen musste, weil Du darauf bestanden hast, dass auch Teddy vermessen wird. Es macht mich glücklich, wenn ich Dich vom Kindergarten abhole und Du mit weit ausgestreckten Armen in meine rennst, Dich reinfallen lässt in mich. Es macht mich glücklich, mit Dir eine Höhle zu bauen und in der Höhle zu liegen und im Licht der Hasenlampe die Cupcakes zu futtern, die wir freitags nach der Kita manchmal kaufen, Schokolade mit Smarties für Dich, Mokka oder Snickers für mich. Glücklich, glücklich, glücklich.

Das wollte ich Dir heute eigentlich nur sagen. Die Welt ist soviel schöner mit Dir. Heute bist Du genau 100 Wochen oder 700 Tage alt. Ich habe jeden davon geliebt, mein Fännchen, auch die, die ich nicht geliebt habe.

Es küsst Dich,
Deine Mami


WIEDER DA



Da bin ich wieder. Ein paar schöne, blogfreie Tage waren das. Das Bloggen vermisst und nicht vermisst. Viel gelesen und endlich mal wieder richtig in einem Roman versunken (und ich versinke immer noch: "Die Kunst des Feldspiels", was für ein Buch). Auch gelesen: das neue "Deli", das ich gerne mag (nicht nur, weil ich im ersten Heft meine Küche zeigen durfte). Viel draußen gewesen, durchgeatmet und Blätter geguckt. Zimtschnecken gebacken. Die Wohnung ein bisschen umdekoriert, neue Bilderrahmen, neue Lichterkette, eine neue Lampe bestellt. Fannys Mokassins vom Zoll geholt. Ungefähr 100 Mal den Süßkartoffel-Feigen-Ziegenkäse-Salat aus dem neuen Kochbuch von Yotam Ottolenghi gekocht. Drei Entdeckungen gemacht, über die ich mich immer noch gar nicht einkriegen kann: das "Fabulous Face Oil" von Aesop, schwarz-weiße Nikes und Katie Quinn Davis` Kochbuch "What Katie Ate". Endlich meinen Kleiderschrank ausgemistet. Auch Slomo ein wenig umdekoriert und ein neues Kleid angezogen. Und wieder Sehnsucht bekommen zu schreiben, zu bloggen, hallo zu sagen. Hier sind wir also, Slomo, das neue Layout und ich. Hallo, ich freu mich sehr.

KIRSTENS FÜNF: HEITERES BERUFERATEN


Letztes Weihnachten machte ich meinem Vater ein wagemutiges Geschenk: einen Krimi. Nicht, dass er sich nicht für Bücher interessiert. Aber er hat sein Leben lang bei der Polizei gearbeitet. Entsprechend sparsam ist sein Interesse daran, sich auch in seiner Freizeit mit Kriminalfällen zu beschäftigen. Oder besser gesagt damit, wie Schriftsteller glauben, dass Polizeiarbeit aussieht. Daran musste ich denken, als ich vor einiger Zeit diesen Artikel über den Realitätsgehalt des sonntagabendlichen "Tatort" las. Und ich dachte an das immer mal vorkommende Stöhnen von Menschen aus meinem Bekanntenkreis über irgendwelche ganz, ganz schlechten Filme, die sie im Fernsehen oder Kino gesehen haben. Schlecht warum? Weil darin völliger Murks über ihren Beruf erzählt wurde. Ulkig. Vergleichbar vehemente Reaktionen bei unrealistisch erzählten Liebesgeschichten kenne ich nämlich nicht. Lässt man sich da williger ins Märchenland entführen statt ab und an empört "Aber so ist das doch gar nicht!" zu rufen? Mein eigener Beruf begegnet mir in Büchern oder Filmen eher selten. Etwas erzählen über das Geschichtenerzählen ähnelt vielleicht zu sehr einem immerfort dem eigenen Schwanz nachjagenden Hund. Manchmal ist es aber auch sehr lustig oder inspirierend. Wie zB in diesem Sketch. Oder in meinen diesmaligen Fünf. Und ihr? Nervt es euch, wenn Geschichten aus der Arbeitswelt komplett ins Unwirkliche abdriften? Oder ist euch das vollkommen schnuppe - Hauptsache, die Geschichte ist gut? Und habt ihr Film- oder Buchempfehlungen zum Thema? Mein Vater fand den Krimi, den ich ihm geschenkt habe, dann übrigens gar nicht schlecht.

EPISODES
Zwei britische Drehbuchautoren schreiben eine preisgekrönte Fernsehserie. Ein begeisterter amerikanischer Fernsehboss lädt die beiden nach Kalifornien ein. Dort sollen sie eine US-Version des Ganzen produzieren. Ein Traum! Ha! Von wegen! Unter den Augen der fassungslosen Autoren wird ihre Serie rund um ein gediegenes Jungeninternat, dessen Direktor und der lesbischen Bibliothekarin in eine Story rund um ein Jungs-Hockey-Team, deren Coach und der nicht lesbischen und ziemlich kurze Röcke tragenden Bibliothekarin geändert. Und der Hauptdarsteller, ein renommierter britischer Shakespeare-Darsteller, gegen eine, nun ja, amerikanische Fernsehgröße ausgetauscht: Matt LeBlanc, der dumpfbackige Joey aus der Kultsitcom "Friends". Nein, das ist nicht die Entstehungsgeschichte einer neuen Fernsehserie. Das IST die Serie selbst. "Episodes" heißt sie. Mit den Worten "Das ist was für Dich" drückte mir eine Freundin die erste Staffel in die Hand. Treffer. Ich hab Tränen gelacht über Schauspielereitelkeiten, Fernsehchef-Schaumschlägereien und den wahr gewordenen Drehbuchautoren-Alptraum, den das britische Pärchen in Kalifornien erlebt. Und über den so genüsslich sich selbst aufs Korn nehmenden Matt LeBlanc.
Hier ist der Trailer.

TAMARA DREWE
Auch Autoren können schrecklich eitel oder verkorkst sein. Weswegen die britische Autorin und Zeichnerin Posy Simmonds sich in ihren Cartoons immer wieder mit spitzem Stift dem literarischen Leben nähert. Ihr schönstes Ergebnis: Der Comic "Tamara Drewe". Und dessen ebenso großartige Verfilmung durch Stephen Frears (bitte ignorier den gruseligen deutschen Filmtitel und die nach Teeniefilm aussehende DVD-Covergestaltung!). Darin betreibt ein erfolgreicher Krimiautor mit seiner Frau auf dem Land ein Refugium für angehende Schriftsteller. Das heißt: Seine Frau schmeißt den Laden. Er schreibt, lässt sich bewundern und geht gerne mal fremd. Als das ehemals hässliche Entlein Tamara Drewe als erfolgreiche Journalistin mit neuer Nase und Rockstar-Freund ins Dorf zurückkehrt, ist es mit der Ruhe auf dem Land vorbei. Wobei der nun losgetretene Liebesreigen nur eine Sache ist, die ich an "Tamara Drewe" sehr mag. Mich rühren die treffend gezeichneten Figuren, wie zB die aus tiefster Teenieseele das Landleben hassende Pubertistin Jody. Und ich seufze wohlig über Sätze, mit denen alles gesagt ist: "Gar nichts wird gut. Ich steh im Rührteig."
Hier ist ihre gezeichnete Kolumne "Literary Life". Und hier die Verfilmung "Immer Drama um Tamara".

MEIN OHR AN DEINEM HERZEN
Ein Mann will Schriftsteller werden. Er schreibt. Unermüdlich. Geschichten. Romane. Er schickt seine Texte an Verlage. Immer wieder. Und bekommt immer nur Absagen. Bis zu seinem Tod gelingt ihm keine Veröffentlichung. Er drängt auch seinen Sohn zu schreiben. Und tatsächlich: Dieser wird Schriftsteller und damit sogar sehr erfolgreich. Der Sohn heißt Hanif Kureishi. In seinem Buch "Mein Ohr an Deinem Herzen" taucht er in die Geschichte seiner Familie ab und beschreibt die Bemühungen seines Vaters, die nicht nur in literarischer Hinsicht bestehenden Konflikte zwischen Vater und Sohn und sein eigenes Werden als Schriftsteller. Das finde ich so anrührend wie sympathisch. Und muss prompt nochmal "Mein wunderbarer Waschsalon" gucken. Kureishi schreibt nämlich auch tolle Drehbücher.
Hier ist ein kurzes Interview mit ihm.

THAT CRAFTY FEELING
Beim Romanschreiben gibt es die Macroplaner, die erst den ganzen Plot festlegen, bevor sie eine einzige Zeile schreiben. Und es gibt die Micromanager, die bei der ersten Seite einfach anfangen und dann schauen, wohin die Geschichte sie führen wird. Sagt die Schriftstellerin Zadie Smith. Sie selbst sei ein Micromanager. Und beschreibt in ihrem Essay "That Crafty Feeling" (den man sich in Teilen hier zusammen mit einem sehr interessanten Gespräch mit der Autorin anhören kann), dass die ersten zwanzig Seiten manchmal Jahre brauchen, bis man den richtigen Ton gefunden hat. Wie man einmal in Schwung gekommen einen magischen Raum betritt. Und wie man am Ende auch wieder loslässt. Smiths Anleitung zum Schreiben klingt so leichtfüßig wie klug, dass man sich ganz ermutigt fühlt, selbst loszulegen. Oder einfach noch einen ihrer Texte aus dem (bisher nur auf Englisch erschienenen) Essayband "Changing My Mind" zu lesen. Und damit die Wartezeit auf ihren im Herbst erscheinenden neuen Roman "NW" (nach sieben Jahren! Wie lange hat sie wohl diesmal für die ersten zwanzig Seiten gebraucht?) verkürzt.
Hier ist Zadie Smiths Lesung und ein Interview mit ihr in der New Yorker Public Library in voller Länger. (Anmerkung von Okka: Und weil ich mal wieder hundert Jahre gebraucht habe, um Kirstens wunderbare Kolumne endlich online zu stellen, ist das Buch in der Zwischenzeit schon erschienen - nicht, dass ihr euch wundert). 

SCHRÄGER ALS FIKTION
Und dann gibt es noch die Schreibblockade. Am besten gefällt mir die von Emma Thompson. In diesem Film: "Schräger als Fiktion". Da hört ein langweiliger Steuerprüfer, dessen Leben so staubgrau ist wie seine Anzüge, plötzlich eine Stimme, die offensichtlich sein Leben erzählt. Er stellt fest, dass er nicht verrückt ist, sondern die Hauptfigur in einem Roman. Und die Autorin hat offensichtlich vor, ihn am Ende umzubringen. Nur weiß sie leider noch nicht wie. Hinreißend, wie Emma Thompson verknautscht und ständig rauchend mit ihrem Roman kämpft. Hinreißend, wie Will Ferrell vom Langweiler zu einem wagemutigen Menschen wächst. Hinreißend, dass er sich ausgerechnet Maggie Gyllenhaal als Liebe seines Lebens aussucht. Übers Schreiben lassen sich also wirklich gute Geschichten erzählen...
Hier ist der Trailer.

Kirsten
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